Der Shaoyi ist eine lange Liste, wie ein Jüngerer sich vor seinen Älteren verhält — wie er bei einer ersten Begegnung den Mund öffnet, wie er sitzt, wie er isst, wann er sich zurückzieht. Dann, ganz am Ende, die Wendung: „衣服在躬,而不知其名爲罔“ — ein Kleid am Leib tragen und seine Namen nicht kennen, das ist Unwissenheit. Ein Satz, und die Seite wechselt das Thema. Das nächste Kapitel, der Shenyi, das tiefe Gewand, tut genau, was dieser Satz verlangt: es gibt dem Kleid seine Namen, zwölf Bahnen, die den zwölf Monaten antworten, fünf Methoden, die dem Zirkel, dem Winkelmaß, der Lotschnur und der Waage antworten. Dieser Text folgt derselben Ordnung: vier Gruppen von Betragen, eine Wendung der Seite, die Ordnung eines einzigen Kleides.

Einem Höheren begegnen: welcher Satz zuerst

Ein erstes Zusammentreffen hat seinen festen Satz. Wer einen Edlen sehen will, lässt durch den Boten sagen: „某固願聞名於將命者“ — ich möchte wohl den Namen von dem hören, der die Botschaften ausrichtet. Zum Gleichrangigen: „某固願見“, ich möchte wohl sehen. Für ein seltenes Treffen: „聞名“, ich habe den Namen gehört; für ein häufiges: „朝夕“, Morgen und Abend. Für einen Blinden: „聞名“. Zu einem Hause in Trauer: „比“, mit den anderen gereiht zu werden. Ein Knabe sagt „聽事“, ich warte auf Befehle; beim Trauerfall eines Ministers „聽役於司徒“, ich warte auf Dienst beim Minister der Arbeiten. Auch die Gaben haben ihre Sätze: dem Fürsten „致馬資於有司“, ich übergebe den Preis eines Pferdes den Beamten; dem Gleichrangigen „贈從者“, eine Gabe für deine Begleiter; Sterbekleider dem Fürsten „致廢衣於賈人“; Beiträge zur Trauer des Fürsten „納甸於有司“. Und an der Tür gibt es eine Grenze: „排闔説屨於户内者,一人而已矣。有尊長在則否“ — nur einer zieht die Schuhe hinter der Tür aus, und nicht, wenn ein Älterer anwesend ist.

Beim Älteren sitzen: nicht nach dem Alter fragen, fünf Zeichen zum Gehen

Die Regeln für den Dienst beim Älteren beginnen mit einem Verbot: „尊長於己踰等,不敢問其年“ — steht der Ältere weit über dir an Rang oder Generation, so frage nicht nach seinem Alter. Das Sitzen in seiner Nähe hat vier Verbote: „侍坐,弗使不執琴瑟,不畫地,手無容,不翣也“ — ohne Aufforderung nimm Laute und Zither nicht zur Hand, zeichne nicht auf den Boden, mache keine Gebärden mit den Händen, brauche keinen Fächer. Und das Gehen braucht keine Frage, nur fünf Zeichen: „侍坐於君子,君子欠伸,運笏,澤劍首,還屨,問日之蚤莫,雖請退可也“ — wenn der Edle gähnt und sich streckt, das Täfelchen dreht, den Knauf des Schwertes poliert, die Schuhe zurückdreht und fragt, wie spät es sei, darfst du um den Abschied bitten.

Zwei weitere kleine, harte Regeln: „貳車者,諸侯七乘,上大夫五乘,下大夫三乘“ — die Zahl der Ersatzwagen läuft nach dem Rang, sieben für einen Fürsten, fünf für einen oberen Minister, drei für einen unteren. Und „觀君子之衣服、服劍、乘馬,弗賈“ — siehst du eines Edlen Kleider, sein Schwert, seine Pferde, so setze keinen Preis darauf.

Kleine Regeln: vier Nein, fünf Nicht, fünf Schönheiten in gedoppelten Worten

Dann kommen die kurzen Sätze. Vier Nein: „不窺密,不旁狎,不道舊故,不戲色“ — spähe nicht ins Verborgene, sei nicht seitlich vertraut, bringe nicht altes Geschehen zur Sprache, mach aus deinem Gesicht keine Posse. Fünf Nicht: „毋拔來,毋報往,毋瀆神,毋循枉,毋測未至“ — zieh die Leute nicht herbei, geh nicht auf Gegenbesuch, lästere nicht die Geister, folge keinem krummen Weg, rate nicht auf das, was noch nicht gekommen ist. Dem Fürsten zu dienen hat eine Reihenfolge: „事君者量而後入,不入而後量“ — miss, bevor du eintrittst; tritt nicht ein und miss dann. Vier Paare für den Diener: „有諫而無訕,有亡而無疾,頌而無讇,諫而無驕“ — tadle, aber schmähe nicht; zieh dich zurück, aber grolle nicht; lobe, aber schmeichle nicht; ermahne, aber sei nicht stolz.

Die schönste Stelle zum Lautlesen sind fünf Paare gedoppelter Wörter: „言語之美,穆穆皇皇;朝廷之美,濟濟翔翔;祭祀之美,齊齊皇皇;車馬之美,匪匪翼翼;鸞和之美,肅肅雍雍“ — die Schönheit der Rede, ernst und weit; des Hofes, geordnet und schwebend; des Opfers, ehrfürchtig und hell; von Wagen und Pferden, wohlgepaart und beflügelt; der Glocken, still und harmonisch. Auf die Frage nach dem Sohn gibt es drei fertige Antworten. Der Sohn eines Fürsten: ist er erwachsen, „能從社稷之事矣“, er kann den Geschäften der Altäre folgen; ist er jung, „能御“ oder „未能御“, er kann den Wagen führen, oder noch nicht. Der Sohn eines Ministers: „能從樂人之事矣“, oder „能正於樂人“, er kann unter den Musikern zurechtgewiesen werden. Der Sohn eines Beamten: „能耕矣“, er kann pflügen; oder „能負薪“, er kann Brennholz tragen, oder noch nicht.

Bei Tisch: sechs Regeln für den Mund

Beim Essen im Dienst eines Edlen gelten sechs Regeln: „先飯而後已,毋放飯,毋流歠,小飯而亟之,數噍,毋爲口容“ — beginn vor ihm und höre nach ihm auf; schlinge den Reis nicht, schlürfe die Suppe nicht in Strömen; kleine Bissen, schnell genommen; kaue oft; und mach aus deinem Mund keine Vorführung. Auch das Fleisch hat Namen für seinen Schnitt: „牛與羊魚之腥,聶而切之爲膾;麋鹿爲菹,野豕爲軒,皆聶而不切;麕爲辟雞,兔爲宛脾,皆聶而切之“ — Rind, Hammel und Fisch, fein und dünn geschnitten, sind 膾; Hirsch und Reh, geschnitten und nicht durchgeschnitten, sind 菹 und 軒; ein Rehbock ist 辟雞, ein Hase 宛脾; und Lauch oder Schnittknoblauch werden eingeschnitten und mit Essig weich gemacht. Das Kerzenhalten hat drei Verbote: „執燭,不讓、不辭、不歌“ — nicht den Platz abtreten, nicht ablehnen, nicht singen.

Die Wendung der Seite: ein Kleid, das Namen hat

Nach all dem Betragen ist der letzte Satz nicht vom Betragen: „衣服在躬,而不知其名爲罔“ — ein Kleid am Leib, dessen Namen du nicht kennst, ist Unwissenheit. Also wendet sich die Seite dem Shenyi zu. Er beginnt mit einer Feststellung: „古者深衣,蓋有制度,以應規、矩、繩、權、衡“ — das tiefe Gewand des Altertums hatte seine Ordnung, die dem Zirkel, dem Winkelmaß, der Lotschnur, dem Gewicht und der Waage antwortete. Dann das Maß: „短毋見膚,長毋被土“ — kurz genug, dass die Haut nicht zu sehen ist, lang genug, dass es die Erde nicht schleift; „續衽,鉤邊,要縫半下“; „袼之高下,可以運肘“ — das Armloch so gesetzt, dass der Ellbogen sich bewegen kann; „袂之長短,反詘之及肘“ — der Ärmel so bemessen, dass er zurückgelegt den Ellbogen erreicht; „帶,下毋厭髀,上毋厭脅,當無骨者“ — der Gürtel unter dem Hüftbein, über den Rippen, an der Stelle ohne Knochen.

Die Namen stehen im Abschnitt über 制: „十有二幅,以應十有二月;袂圜,以應規;曲袷如矩,以應方;負繩及踝,以應直;下齊如權衡,以應平“ — zwölf Bahnen, die den zwölf Monaten antworten; der Ärmel rund für den Zirkel; der geschweifte Kragen im Winkelmaß für das Viereck; die Rückennaht bis zum Knöchel für die Gerade; der ebene Saum für die Waage. Dann die Bedeutungen: „規者,行舉手以爲容“ — der Zirkel, damit Gehen und Handerheben eine Haltung ergeben; „負繩、抱方者,以直其政、方其義也“; „下齊如權衡者,以安志而平心也“; und „五法已施,故聖人服之“ — die fünf Methoden alle angewandt, darum trug sie der Weise. Auch die Verwendungen sind aufgezählt: „可以爲文,可以爲武,可以擯相,可以治軍旅,完且弗費,善衣之次也“ — für das Zivile, für das Militärische, für das Zeremoniell der Begegnungen, für die Heerfahrt; vollständig und nicht kostspielig; das nächste unter den guten Kleidern.

Zuletzt die drei Ränder, gestuft danach, wer zu Hause noch lebt: „具父母、大父母,衣純以繢;具父母,衣純以青;如孤子,衣純以素“ — sind beide Eltern und Großeltern am Leben, so ist die Einfassung farbig; nur die Eltern, so grün; eine Waise, so schlichtes Weiß. Und ein einziges Maß wird genannt: „純袂、緣、純邊,廣各寸半“ — die Einfassung des Ärmels, des Saums und der Kante ist je ein cun und ein halber breit.

Grenzen: keine der beiden Seiten nennt ein Alter; die drei Antworten über den Sohn nennen, was einer kann, nicht wie viele Jahre. Die Namen — 幅, 衽, 袼, 袂, 袷, 純 — werden genannt und nicht erklärt; die Maße stehen, wie sie stehen, 寸半 und 半下, nicht umgerechnet. Die je eine Zeile zu Bogenschießen, Wurfspiel und den drei Bechern bleibt beiseite. Diese Seite hat über die Zeremonie der Kappe geschrieben, über den Zuschnitt der Kleider in der Han-Zeit, über die erste Begegnung der Beamten und über den Morgenbesuch im Neize; dieser Text ist das Betragen eines Jüngeren und ein Gewand in zwölf Bahnen.

Weiterlesen:Dreimal die Kappe: Der Capping-Ritus und die Formung eines Erwachsenen · Der Ritus der ersten Begegnung: Was ein Ritter in der Hand trug · Beim ersten Hahnenschrei: Ein Tag im Haus eines Vornehmen nach den Riten

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《禮記·少儀》(維基文庫本,白文無注,頁面標 textquality 75%,未與中華書局點校本複核) — A long run of rules for a junior's conduct, and it ends on clothing. What the article uses: the opening formulas for a first meeting (某固願聞名於將命者; 某固願見; 聞名; 朝夕; 比; 聽事; 聽役於司徒); the phrases for sending gifts (致馬資於有司; 贈從者; 致廢衣於賈人; 納甸於有司) and the rule that 賵馬入廟門 while 賻馬與其幣、大白、兵車,不入廟門; 排闔説屨於户内者,一人而已矣; 尊長於己踰等,不敢問其年; the four nots of sitting in attendance, 侍坐,弗使不執琴瑟,不畫地,手無容,不翣也; the five signals for leaving, 君子欠伸,運笏,澤劍首,還屨,問日之蚤莫,雖請退可也; 貳車者,諸侯七乘,上大夫五乘,下大夫三乘; 觀君子之衣服、服劍、乘馬,弗賈; 不窺密,不旁狎,不道舊故,不戲色; 毋拔來,毋報往,毋瀆神,毋循枉,毋測未至; 事君者量而後入,不入而後量 and the four clauses of a minister's conduct; the five 之美 (言語穆穆皇皇; 朝廷濟濟翔翔; 祭祀齊齊皇皇; 車馬匪匪翼翼; 鸞和肅肅雍雍); the three answers about a son's age (國君之子能從社稷之事; 大夫之子能從樂人之事; 士之子能耕); 侍食 rules (先飯而後已,毋放飯,毋流歠,小飯而亟之); four ways of cutting meat (膾、菹、軒、辟雞、宛脾); 執燭,不讓、不辭、不歌; and the closing sentence 衣服在躬,而不知其名爲罔. The page also contains a few inline collation marks (氾一作「汜」) and bracketed characters (取祭(肺)) which are not quoted.
  2. 《禮記·深衣》(維基文庫本,白文無注,頁面標 textquality 75%,未與中華書局點校本複核) — Short, and entirely about one garment. 古者深衣,蓋有制度,以應規、矩、繩、權、衡; 短毋見膚,長毋被土; 續衽,鉤邊,要縫半下; 袼之高下,可以運肘; 袂之長短,反詘之及肘; 帶,下毋厭髀,上毋厭脅,當無骨者; 制:十有二幅,以應十有二月,with 袂圜 for 規, 曲袷如矩 for 方, 負繩及踝 for 直, 下齊如權衡 for 平; then the meanings (規者,行舉手以爲容; 負繩、抱方者,以直其政、方其義也; 下齊如權衡者,以安志而平心也; 五法已施,故聖人服之; 規、矩取其無私,繩取其直,權衡取其平); the garment's uses (可以爲文,可以爲武,可以擯相,可以治軍旅,完且弗費,善衣之次也); the three grades of edging (具父母、大父母,衣純以繢; 具父母,衣純以青; 如孤子,衣純以素); and 純袂、緣、純邊,廣各寸半. No dimensions in absolute units and no ages.