Das Winteropfer war vorüber. Konfuzius war einer seiner Gäste gewesen (蜡賓, gewöhnlich als Helfer beim Ritus gelesen); als es vorbei war, stieg er auf den Torturm (觀, gewöhnlich als Turm über einem Tor gelesen) und seufzte. Die Seite hält auch das in der Schwebe: 仲尼之嘆,蓋嘆魯也 — „sein Seufzer, so vermutet man, galt Lu.“ Yan Yan an seiner Seite fragt 君子何嘆? Das Opfer selbst wird nicht beschrieben; die Seite beginnt, als es schon vorbei ist.
Eins: der Seufzer auf dem Turm
Er antwortet mit zwei Zeitaltern nebeneinander: 大道之行也,與三代之英,丘未之逮也,而有志焉 — das Zeitalter, in dem der große Weg geübt wurde, und die Blüte der drei Dynastien: er hat keines von beiden erlebt und nur sein Herz darauf gesetzt. Die beiden folgenden Beschreibungen gehören Zeitaltern außerhalb des seinen. (三代之英 wird gewöhnlich als die würdigen Herrscher der drei Dynastien gelesen; die Seite erklärt es nicht und sagt nicht, woher er sie kannte.)
Zwei: der erste Abschnitt — eine Welt ohne 禮
Der erste beginnt mit denselben vier Zeichen wie jener Satz: „Als der große Weg geübt wurde, war die Welt allen gemeinsam; die Würdigen und Fähigen wurden gewählt, Vertrauen gehalten und Eintracht gepflegt. So liebten die Menschen nicht nur ihre eigenen Eltern und behandelten nicht nur ihre eigenen Kinder als Kinder: die Alten hatten ihr Ende, die Starken ihren Dienst, die Jungen ihre Nahrung, und Witwer, Witwen, Waisen, Kinderlose und Kranke waren alle versorgt; die Männer hatten ihren Teil, die Frauen ihr Heim. Die Güter hasste man wegzuwerfen, doch man musste sie nicht für sich behalten; die Kraft hasste man nicht aus sich selbst kommen, doch man musste sie nicht für sich einsetzen. So wurden Pläne verschlossen und erhoben sich nicht, Diebe und Aufrührer handelten nicht, und die äußere Tür wurde nicht geschlossen. Das nannte man die Große Einheit (大同).“
Zwei Einzelheiten sind leicht zu übersehen. Die vier 有所-Sätze enden damit, 矜、寡、孤、獨、廢疾者 in einem zusammenzufassen — Namen, die die Seite nicht erklärt —, und 男有分,女有歸 hat sechs Zeichen und keine Erklärung. Jede Hälfte des Paares Güter und Kraft ist ebenfalls zwei Aussagen: die Güter gehasst, weil sie verschwendet werden, aber nicht, weil man sie hortet; die Kraft gehasst, weil sie ungenutzt bleibt, aber nicht, weil man sie für sich ausgibt. Vor allem: in diesem ganzen Abschnitt kommt das Zeichen 禮 kein einziges Mal vor — keine Mauern und Gräben, kein Herr und Untertan, keine Institution irgendeiner Art.
Drei: ein Zeichen, 今
Kein Übergang, sondern ein Zeichen: 今大道既隱,天下爲家 — „nun ist der große Weg verborgen, und die Welt ist eine Familie.“ Nach diesem 今 der ganze zweite Abschnitt: „Jeder liebt seine eigenen Eltern, jeder behandelt seine eigenen Kinder als Kinder; Güter und Kraft sind für einen selbst. Die Nachfolge der Herrschenden wird zum Ritus; Mauern und Gräben werden zur Sicherung; Ritus und Recht werden zur Richtschnur — um Herr und Untertan gerade, Vater und Sohn nah, Brüder einig, Mann und Frau in Eintracht zu setzen; um Maße zu setzen, Felder und Wohnsitze zu bestimmen, die Tapferen und Wissenden zu ehren und die Leistung als eigene zu zählen. So werden Pläne gebraucht und erheben sich, und Waffen entstehen daraus. Yu, Tang, Wen, Wu, König Cheng und der Herzog von Zhou waren die Auswahl daraus. Diese sechs Herren: keiner war nachlässig im Ritus. Durch ihn machten sie ihr Recht sichtbar, prüften ihr Vertrauen, verzeichneten ihre Fehler, nahmen die Güte zum Muster und sprachen vom Nachgeben, und zeigten dem Volk eine Beständigkeit. Wenn etwas nicht so ging, wurde der Mann auf seinem Platz entfernt, und die Menge hielt es für ein Unheil. Das nannte man den Kleinen Frieden (小康).“
Nebeneinander: 各親其親 antwortet auf 人不獨親其親 ; 貨力爲己 auf 不必爲己 ; 謀用是作,而兵由此起 auf 謀閉而不興. Und 禮, vorher abwesend, erscheint hier dreimal — 大人世及以爲禮, 禮義以爲紀, 未有不謹於禮者也. Die 六君子 sind sechs genannte Männer, von der Seite selbst gezählt: Yu, Tang, Wen, Wu, König Cheng, der Herzog von Zhou. Die letzte Zeile, 在埶者去 — 埶 als 勢 gelesen, Macht (gewöhnlich) — sagt, dass auch der Mann an der Macht geht. Das ist die Gestalt der Seite: der Ritus ist das, was die zweite Welt hat und die erste nicht.
Vier: warum der Kleine Frieden danach kommt
Warum weiter? Der Schüler fragt in der nächsten Zeile: 如此乎禮之急也? — „ist der Ritus so dringend?“ Darin liegt der Grund, warum der Abschnitt da ist. Die Antwort: 夫禮,先王以承天之道,以治人之情,故失之者死,得之者生 — ihn verlieren heißt sterben, ihn halten heißt leben. Dann die Oden, ohne Umschweife: 相鼠有體,人而無禮。人而無禮,胡不遄死! Dann der Ritus über ein Leben gelegt: 達於喪、祭、射、御、冠、昏、朝、聘 — acht Anlässe, von der Trauer bis zur Gesandtschaft.
Also: ein Seufzer; eine Welt, die er nicht sah; eine andere, die er nicht sah; dann der Ritus, der die Gegenwart fasst. Das ist keine Geschichte in zwei Stufen, deren zweite auf die erste folgt. Die Seite sagt nur 大道之行 und 大道既隱; sie ordnet sie nicht, und zu sagen, das zweite folge auf das erste, ist ein Zusatz von uns. Es ist auch keine Aufzeichnung von Institutionen: der Abschnitt der Großen Einheit kann keine Institution bieten, weil er keine hat: er beschreibt eine Weise, Güter und Kraft zu halten, keine Verwaltung. Ein Ritualbuch legt Konfuzius eine Rede in den Mund, und es gibt darin keine Zeremonie zu sehen.
Fünf: dieselbe Rede, von einem Herzog herausgefragt
In einem anderen Kapitel werden die Worte von einem Fürsten herausgefragt. 哀公問於孔子曰:「大禮何如?君子之言禮,何其尊也?」 Konfuzius lehnt ab: 丘也小人,不足以知禮. Dann: 民之所由生,禮爲大. Drei Sätze über einem Rahmen, 非禮無以: die Geister von Himmel und Erde zu bedienen; Herr und Untertan, Hoch und Niedrig, Älter und Jünger zu unterscheiden (das 辯 der Seite trägt die Variante 辨); Mann und Frau, Vater und Sohn, Brüder und die Ehebande zu scheiden. Zusammen beantworten sie die erste Frage des Herzogs. Auf die Frage, warum die Herren von heute nichts davon tun, zählt er sechs Versäumnisse auf; diese Wörter stehen auf der Seite in editorischen Klammern — (怠)荒(怠)敖慢 — und werden nicht als Text zitiert. Sauber zitierbar: 好實無厭,淫德不倦 und 固民是盡,午其衆以伐有道.
In seiner Begleitung sitzend, gefragt, was im menschlichen Weg groß sei, wird er 愀然作色 und antwortet 人道政爲大. Die Regierung: 政者,正也 — zurechtrichten. Dann 夫婦别,父子親,君臣嚴,三者正,則庶物從之矣. Dann vier Stufen: 愛人爲大 → 禮爲大 → 敬爲大 → 大昏爲大. Der Herzog wendet ein, 冕而親迎 sei zu schwer; er wechselt abermals die Miene: 合二姓之好,以繼先聖之後,以爲天地、宗廟、社稷之主,君何謂已重乎? Und 天地不合,萬物不生。大昏,萬世之嗣也. Daher 爲政先禮,禮其政之本與. Der Mienenwechsel geschieht zweimal, und jedes Mal markiert er einen Punkt, den er nicht abschwächen will. 大昏 wird gewöhnlich als die eigene Vermählung des Herrschers gelesen.
Zuletzt das Verehren seiner selbst, an einem Baum: 身也者,親之枝也 — der Leib ist der Zweig der Eltern; 傷其本,枝從而亡. Die Leiter läuft rückwärts: andere nicht lieben, den Leib nicht halten; ihn nicht halten, nicht auf der Erde in Frieden sein; nicht in Frieden, sich des Himmels nicht freuen; sich des Himmels nicht freuen, den Leib nicht vollenden. Was heißt ihn vollenden? 不過乎物 — das Ding nicht überschreiten, gewöhnlich so gelesen; die Seite erklärt es nicht. Einer der vier Sätze über den Weg des Himmels bleibt: 貴其不已,如日月東西相從而不已也,是天道也. Und der Schluss: 仁人之事親也如事天,事天如事親.
Zusammen: der Ritus ist nicht vom Himmel gefallen; er ist, was die Menschen machten, nachdem der große Weg verborgen war, und mit ihm hat die Regierung eine Wurzel. Die beiden Kapitel kommen auch verschieden: eine Rede, vor einem Schüler geseufzt, eine Rede, von einem Herzog herausgefragt; die eine fragt, woher der Ritus kommt, die andere, wo er steht. Beide sind Worte, die ein Ritualbuch Konfuzius in den Mund legt. Keines gibt die Institutionen der Großen Einheit, die Daten des Kleinen Friedens oder das Alter irgendjemandes. Andere Artikel dieser Seite beschreiben eine Zeremonie; dieser handelt davon, wie Konfuzius über den Ritus spricht.
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Quellen und weitere Lektüre
- 《禮記·禮運》(維基文庫本,白文無注,頁面標 textquality 75%;頁頭「禮運大同篇/大同與小康」為頁面編者說明,非原文;未與中華書局點校本複核) — Only the first third of the chapter is used. Once, Confucius took part as a guest at the winter sacrifice; when it was over he went up on the gate-tower and sighed — the page says 蓋嘆魯也, a guess. Yan Yan asks why. He answers that the age when the great way was practised, and the flower of the three dynasties, were both beyond his reach (丘未之逮也,而有志焉). Then the whole Great Unity passage, unbroken: 天下爲公; men do not love only their own; the old, the strong, the young and the unfortunate are provided for; goods are hated to be thrown on the ground but need not be kept, strength is hated not to come from oneself but need not be used for oneself; plots do not rise and the outer door is not closed — 是謂大同, and not one 禮 in it. Then the single turning word: 今大道既隱,天下爲家 — each for his own, succession made into ritual, walls and moats into security, 禮義以爲紀; six things set right by the six 以; plots rise and weapons follow; the 六君子, Yu, Tang, Wen, Wu, King Cheng and the Duke of Zhou, 未有不謹於禮者也; 在埶者去; 是謂小康. And immediately the disciple's question, 如此乎禮之急也, with the answer 失之者死,得之者生, the line from the Odes (相鼠), and ritual reaching to 喪、祭、射、御、冠、昏、朝、聘.
- 《禮記·哀公問》(維基文庫本,白文無注,頁面標 textquality 75%,頁內有「辯一作辨」一處異文標記,未與中華書局點校本複核) — The same kind of talk, drawn out by a ruler instead of sighed out by Confucius himself. Duke Ai asks 大禮何如 and why gentlemen speak of ritual so reverently; Confucius first says 丘也小人,不足以知禮, then answers 民之所由生,禮爲大, with three 非禮無以 clauses. Asked why the gentlemen of today do none of it, he lists six failings — four characters in that list carry editorial brackets on the page, (怠)荒(怠)敖慢, and are not quoted as received text. Sitting in attendance he gives 人道政爲大 and 政者,正也, then the three things (夫婦别,父子親,君臣嚴) and the four steps (愛人爲大 → 禮爲大 → 敬爲大 → 大昏爲大). The duke objects to 冕而親迎; Confucius changes countenance, answers 合二姓之好…君何謂已重乎, adds 大昏,萬世之嗣也, and concludes 爲政先禮,禮其政之本與. On reverencing oneself: 身也者,親之枝也, 傷其本,枝從而亡, the reverse ladder ending 不能樂天,不能成其身, 不過乎物, one of the four 天道 sentences, and the close 仁人之事親也如事天,事天如事親.




