Eine erste formelle Begegnung beginnt mit etwas in der Hand. Der Ritus der ersten Begegnung des Ritters (士相见礼) sagt es schon im ersten Satz: „Die Gabe ist ein Fasan im Winter, ein getrockneter Fasan im Sommer, mit dem Kopf nach links gehalten“ (摯,冬用雉,夏用腒。左頭奉之). Warum im Sommer ein getrockneter? Der Kommentar des Zheng Xuan (郑玄) nennt den Grund: „um Fäulnis und Gestank zu verhüten“ (備腐臭也). Erst danach folgt, was man sagt, wie man eintritt und wie man sich verneigt.

Der Ritualtext hält nur fest, was man trägt und wie; den Grund liefert der Kommentar des Zheng Xuan. Er sagt, der Fasan des Ritters werde genommen „um seiner Unbeugsamkeit willen: Er paart sich zu seiner Zeit und hält sich danach getrennt“ (取其耿介,交有時,別有倫也); der Vogel werde tot verwendet, „weil ein lebender Fasan nicht dazu gebracht werden kann, sich zu fügen“ (為其不可生服也); der Kopf zeige nach links, „denn der Kopf ist yang“ (左頭,頭,陽也). Im Sommer wird er getrocknet, aus einem einzigen genannten Grund: „um Fäulnis und Gestank zu verhüten“ (備腐臭也). Der Ritualtext steht im Yili; der Kommentar des Zheng Xuan und der Unterkommentar des Jia Gongyan (贾公彦) stehen im Ritenkommentar (《仪礼注疏》), Juan 7, zum dritten Kapitel.

Ein Fasan, nach Rang gestuft

Die Gabe — das Zhi (摯) — wechselt mit dem Rang. Der Ritter bringt einen Fasan oder einen getrockneten; niedere Großbeamte (下大夫) bringen einander eine Wildgans, „mit Stoff bekleidet und mit einer Schnur gebunden, gehalten wie ein Fasan“ (飾之以布,維之以索,如執雉); obere Großbeamte (上大夫) bringen ein Lamm, „an vier Stellen gebunden, der Knoten über dem Gesicht; der Kopf nach links, gehalten wie ein Rehkalb“ (四維之,結於面;左頭,如麛執之).

Der Rang rechnet nach unten. Ein Ritter, der einem Großbeamten seine Aufwartung macht, „weist dessen Gabe rundweg zurück“ (終辭其摯); ein Ritter oder Großbeamter, der vor den Fürsten tritt, „legt die Gabe nieder, verneigt sich zweimal und stößt den Kopf auf den Boden“ (奠摯,再拜稽首), und der Fürst „erwidert mit einer einzigen Verneigung“ (答壹拜); ein Gemeiner, der vor den Fürsten tritt, muss nicht einmal sein Gesicht in Form bringen — „keine Haltung, er tritt vor und zieht sich im Laufschritt zurück“ (不為容,進退走). Ist der Besucher ein Mann aus einem anderen Staat, lässt der Fürst ihm die Gabe durch den Einlasser zurückgeben. Auch das Tragen hat seine Regeln: „Wer Stoff oder Seide trägt, eilt nicht, und sein Gesicht schließt sich umso mehr — das ist die Form; wer Jade trägt, verlangsamt nur den Schritt, hebt den Vorderfuß und schleift die Ferse“ (凡執幣者,不趨,容彌蹙以為儀。執玉者,則唯舒武,舉前曳踵). Ein früherer Untergebener ist ein eigener Fall: Die Gabe wird mit Zeremonie abgelehnt, drinnen niedergelegt, und der Einlasser trägt sie ihm vors Tor zurück (若嘗為臣者,則禮辭其摯……使擯者還其摯於門外). Warum weist ein Ritter vor einem Großbeamten überhaupt die Gabe zurück? Der Kommentar des Zheng Xuan: „Er lehnt sie endgültig ab, weil er den Besuch nicht persönlich erwidern wird“ (終辭其摯,以將不親答也); nur der Fürst empfängt eine Gabe, ohne sie zu erwidern.

Acht Sätze der Ablehnung

Dann gibt der Ritualtext die Worte: acht Sätze in vier Gängen. Der Gast: „Ich wünschte, Euch zu sehen, und fand keinen Weg zu Euch; Meister Soundso hat mich angewiesen, Euch zu sehen“ (某也願見,無由達。某子以命命某見). Der Gastgeber: „Meister Soundso hat mich angewiesen, Euch zu sehen; Ihr erweist mir zu viel Ehre. Bitte geht nach Hause; ich werde Euch aufsuchen“ (某子命某見,吾子有辱。請吾子之就家也,某將走見). Der Gast: „Ich tauge nicht, Euren Auftrag zu empfangen; bitte gewährt mir endlich die Begegnung“ (某不足以辱命,請終賜見). Der Gastgeber: „Ich wage es nicht, Formen aufzuführen; ich bitte entschieden: Geht nach Hause, ich werde Euch aufsuchen“ (某不敢為儀,固請吾子之就家也,某將走見). Der Gast: „Ich wage es nicht, Formen aufzuführen, und bitte entschieden darum“ (某不敢為儀,固以請). Der Gastgeber: „Ich habe entschieden abgelehnt und finde kein Gehör; ich werde Euch aufsuchen. Da ich höre, dass Ihr eine Gabe mitbringt, wage ich es, die Gabe abzulehnen“ (某也固辭,不得命,將走見。聞吾子稱摯,敢辭摯). Der Gast: „Ohne Gabe wage ich nicht, Euch zu begegnen“ (某不以摯,不敢見). Der Gastgeber: „Ich habe entschieden abgelehnt und finde kein Gehör; wie dürfte ich nicht ehrfürchtig folgen!“ (某也固辭,不得命,敢不敬從). Acht Sätze, und kein Wort der Selbstvorstellung: Jeder Satz drückt den Sprecher nach unten und hebt den anderen. Alle heißen „Soundso“ (某) — die Schreibweise des Ritualtexts, keine tatsächlich gesprochenen Worte.

Der Kommentar des Zheng Xuan erklärt nicht den Ritus, sondern wer gemeint ist. „Meister Soundso ist der Name dessen, durch den die Verbindung zustande kam“ (某子,今所因緣之姓名也); „mit einem Auftrag zu kommen heißt, die Absicht des Gastgebers wiederzugeben“ (以命者,稱述主人之意); „nicht wagen, Formen aufzuführen, heißt: nicht nach außen eine Würde zur Schau stellen, während man aufrichtig kommen will“ (不敢為儀,言不敢外貌為威儀,忠誠欲往也). Der Ritualtext gibt die Sätze; der Kommentar des Zheng Xuan sagt, wer gemeint ist, und der Unterkommentar des Jia Gongyan unterscheidet, welcher Satz die Worte des Boten wiedergibt und welcher der Sprecher selbst spricht.

Warum dieses Hin und Her? Das Buch der Riten, Kapitel „Qu Li I“ (《礼记·曲礼上》), gibt den Grund: „Das Ritual schätzt die Gegenseitigkeit; gehen und nicht wiederkommen ist kein Ritual, und kommen und nicht gehen ebenso wenig“ (禮尚往來。往而不來,非禮也;來而不往,亦非禮也). Und: „Das Ritual heißt, sich selbst erniedrigen und andere ehren; selbst ein Hausierer hat etwas, wofür man ihn ehrt, wie viel mehr die Reichen und Vornehmen“ (夫禮者,自卑而尊人). Die Ablehnungen sind keine Höflichkeit; sie legen fest, wer oben und wer unten steht, bevor jemand die Schwelle überschreitet.

Rechts und links am Tor

Erst nach den Ablehnungen kommt es zur Begegnung, und der Ritualtext ist sehr dünn: „Er kommt heraus, um ihn vor dem Tor zu empfangen, und verneigt sich zweimal; der Gast erwidert mit zwei Verneigungen. Der Gastgeber grüßt mit gefalteten Händen und tritt rechts ein; der Gast trägt die Gabe und tritt links ein. Der Gastgeber verneigt sich zweimal und nimmt sie; der Gast verneigt sich zweimal und übergibt sie; er geht hinaus“ (出迎於門外,再拜。賓荅再拜。主人揖,入門右。賓奉摯,入門左。主人再拜受,賓再拜送摯,出). Ein Satz, eine Bewegung: wer zuerst grüßt, wer welche Seite nimmt, wer empfängt.

Die Einzelheiten des Aufstiegs in die Halle stehen im Buch der Riten, Kapitel „Qu Li I“: „Wer mit einem Gast eintritt, tritt an jedem Tor hinter den Gast zurück. Kommt der Gast an die Tür der inneren Kammer, bittet der Gastgeber um Erlaubnis, hineinzugehen und die Matte auszubreiten, und kommt dann heraus, um den Gast zu empfangen; der Gast lehnt ab; der Gastgeber führt ihn hinein. Der Gastgeber tritt rechts ein, der Gast links; der Gastgeber nimmt die östlichen Stufen, der Gast die westlichen … Gastgeber und Gast bieten einander beim Aufsteigen den Vortritt an, der Gastgeber steigt zuerst hinauf, der Gast folgt, auf jeder Stufe stehen die Füße zusammen. Auf der östlichen Treppe zuerst der rechte Fuß, auf der westlichen der linke“ (凡與客入者,每門讓於客……上於東階則先右足,上於西階則先左足).

Der Gegenbesuch und die zurückgegebene Gabe

Nach der Begegnung folgt ein Gegenbesuch, und diesmal geht die Gabe zurück. Der Ritualtext: „Der Gastgeber sucht ihn wieder auf, mit der empfangenen Gabe, und sagt: ‚Neulich habt Ihr mir die Ehre erwiesen, mich Euch sehen zu lassen; bitte gebt die Gabe Eurem Boten zurück‘“ (主人復見之,以其摯,曰:向者吾子辱,使某見。請還摯於將命者). Der andere lehnt ab, er bittet erneut, und erst nach drei Runden heißt es: „Der Gast bringt die Gabe hinein, der Gastgeber verneigt sich zweimal und nimmt sie; der Gast verneigt sich zweimal und übergibt sie, und geht hinaus“ (賓奉摯入,主人再拜受。賓再拜送摯,出). Der Fasan kehrt zu dem Mann zurück, der ihn gebracht hat. Die Gabe ist kein Geschenk, das man behält; sie ist das Zeichen, das aus der Begegnung eine Begegnung macht. Der Kommentar des Zheng Xuan: „Er bittet um das Wiedersehen, weil der Gast in Ehren kam, die Begegnung ganz von Ernst und Zurückhaltung geprägt war und die Freude noch nicht geteilt war; wenn der Gast den Besuch erwidert, dann ist es zwanglos“ (請見者……歡心未交也。賓反見,則燕矣).

Nach der Begegnung: was man sagt, wohin man blickt

Der Ritualtext regelt auch Rede und Blick. „Mit dem Fürsten spricht man vom Einsatz von Beamten; mit einem hohen Herrn vom Dienst am Fürsten; mit den Alten vom Lehren der Jungen; mit den Jungen von der Kindespflicht; mit den Leuten von Treue und Güte; mit einem Amtsträger von Treue und Verlässlichkeit“ (與君言,言使臣……與居官者言,言忠信). Auch die Augen haben ihr Maß: „Im Gespräch mit einem hohen Herrn blickt man zuerst auf sein Gesicht, in der Mitte auf seine Brust, am Ende wieder auf sein Gesicht, ohne zu schweifen“ (始視面,中視抱,卒視面,毋改); beim Vater darf der Blick wandern, aber nicht über das Gesicht hinaus und nicht unter den Gürtel.

Zwei Grenzen sind einzuhalten. Dieser Text ist für den Ritter geschrieben, nicht für Gemeine und nicht für den Himmelssohn; er ist ein Ritusprogramm für den Stand des Ritters, kein Protokoll zweier Familien aus einem bestimmten Jahr. Und er erklärt an keiner Stelle, warum. Er sagt nur, was man trägt, was man sagt, von welcher Seite man eintritt, wer zuerst die Stufen hinaufgeht und wann man die Gabe zurückgibt.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《仪礼·士相见礼》(维基文库本,未与点校本复核) — The whole procedure: 'The rite of a knight's first meeting: the gift is a pheasant in winter, a dried pheasant in summer, held with the head to the left' (摯,冬用雉,夏用腒。左頭奉之). The eight-fold exchange of refusals before the visit (某也願見……敢不敬從), then 'he comes out to meet him outside the gate and bows twice; the guest answers with two bows; the host bows him in, entering on the right; the guest carries the gift and enters on the left; the host bows twice and receives it; the guest bows twice and hands it over; he goes out'. The return visit, when the host brings the gift back — 'pray return the gift to your messenger' (請還摯於將命者). The grading of gifts: a knight seeing a great officer declines his gift outright; the lower great officers exchange wild geese dressed in cloth and tied with cord; the upper great officers exchange lambs, tied at four points and knotted at the face. Seeing the ruler: gift laid down, two bows and a bow to the ground, the ruler answering with one bow; a man of another state has his gift returned. Speech and gaze: 'with the ruler speak of employing officers; with elders of teaching the young; with the young of filial duty; with officials of loyalty and good faith' (與君言,言使臣……與居官者言,言忠信); 'begin by looking at the face, in the middle at the breast, at the end at the face again, without changing' (始視面,中視抱,卒視面,毋改).
  2. 《仪礼注疏》卷七·士相见礼第三(汉郑玄注、唐贾公彦疏;维基文库本,未与点校本复核) — The comment and sub-commentary on the same page, quoted for the reasons the classic withholds. Zheng on the gift: 'The pheasant is taken for its firmness and independence, mating at a season and keeping apart after' (取其耿介,交有時,別有倫也); 'the pheasant must be used dead because a live one cannot be made to submit' (為其不可生服也); 'the head to the left, the head being yang' (左頭,頭,陽也); 'in summer a dried pheasant, to guard against rot and stench' (夏用腒,備腐臭也). Zheng on the rank rule: 'he declines the gift finally because he will not answer the visit in person' (終辭其摯,以將不親答也). Zheng on the return visit: 'he asks to see him because the guest came with honour, the meeting was all gravity and the glad heart had not yet been exchanged; when the guest returns the visit, then there is ease' (請見者……歡心未交也。賓反見,則燕矣). Jia explains the 'so-and-so' of the exchange as the introducer's name and the sentences as relayed speech (某子,今所因緣之姓名也;以命者,稱述主人之意).
  3. 《礼记·曲礼上》(维基文库本,未与点校本复核) — The general rules behind the meeting: 'Rites value reciprocity; to go and not return is not ritual, nor to come and not go' (禮尚往來。往而不來,非禮也;來而不往,亦非禮也); 'ritual is to humble oneself and honour others' (夫禮者,自卑而尊人). The passage at the gate and the steps: entering by every gate the host yields to the guest; at the chamber door the host asks leave to spread the mat and then comes out to meet him; 'the host enters on the right, the guest on the left; the host takes the eastern steps, the guest the western'; at the ascent host and guest yield, the host goes up first, the guest follows, feet together on each step and continuous; 'on the eastern steps the right foot first, on the western the left' (上於東階則先右足,上於西階則先左足); and 'going up into the hall, the voice must be raised' (將上堂,聲必揚).