Zwei Szenen aus den beiden Lu-Kapiteln des Guoyu, mit einem ganzen Juan dazwischen und ohne Reihenfolge der Ereignisse. In der ersten tränkt Herzog Xuan von Lu im Sommer ein Netz im tiefen Si, um Fische zu fangen, und der Großbeamte Li Ge tritt heran, zerschneidet das Netz und wirft es weg. In der zweiten kommt Gongfu Wenbo vom Hof heim und findet seine Mutter beim Hanfspinnen und sagt, in einem Haus wie ihrem solle die Herrin das nicht mehr tun. Beide Szenen tun dasselbe: einen kleinen Alltagsakt anhalten und dann eine alte Regel zitieren. Und sie enden gleich — mit einem kurzen Satz eines dritten Mannes.

Erste Szene: das Netz

Die Seite beginnt mit sieben Zeichen: 宣公夏濫於泗淵. 濫 ist keine Überschwemmung; die Anmerkung sagt 濫,漬也。漬罟於泗水之淵以取魚也 — ein Netz im tiefen Si einweichen, um Fische zu fangen — und fügt hinzu 泗在魯城北也, der Si liegt nördlich der Hauptstadt von Lu. Die nächsten fünf Zeichen sind die ganze Handlung: 里革斷其罟而棄之, Li Ge zerschnitt sein Netz und warf es weg; die Anmerkung erklärt ein Wort, 罟,網也, ein Netz. Kein Streit, keine Bitte um Erlaubnis: das Netz ist zerschnitten und fort.

Dann spricht er, und er beginnt mit einem Kalender. Erstens: 古者大寒降,土蟄發,水虞於是乎講罛罶,取名魚,登川禽,而嘗之寢廟,行諸國,助宣氣也 — in alten Zeiten, wenn die große Kälte herabkam und die überwinternden Tiere sich rührten, übte der Wächter der Gewässer sich in den verschiedenen Netzen, nahm die großen Fische, brachte die Wassertiere herauf, ließ sie zuerst in der Ahnkammer kosten und breitete den Brauch im Staat aus, um dem Yang-Hauch aufzuhelfen. Die Anmerkung erklärt 水虞 als 水虞, 漁師也,掌川澤之禁令, den Fischerbeamten, der die Verbote von Flüssen und Marschen hält, und 名魚 als 名魚, 大魚, große Fische. Zweitens: 鳥獸孕,水蟲成,獸虞於是乎禁罝羅,矠魚鼈以為夏犒,助生阜也 — wenn Vögel und Tiere tragen und die Wassertiere ausgewachsen sind, verbietet der Wächter der Tiere die Hasen- und Vogelnetze, und Fische und Schildkröten werden gespießt zu trockenem Vorrat für den Sommer, um das Wachsen der Lebewesen zu fördern. Drittens: 鳥獸成,水蟲孕,水虞於是禁罝罜䍡,設穽鄂,以實廟庖,畜功用也. Jede Stufe endet mit einem Grund: 助宣氣, 助生阜, 畜功用.

Dann sechs Verbote, eines je Satzglied: 山不槎蘖,澤不伐夭,魚禁鯤鮞,獸長麑䴠,鳥翼鷇卵,蟲舍蚳蝝 — am Hügel schneidet man die nachwachsenden Stümpfe nicht; im Marsch fällt man die jungen Bäume nicht; unter den Fischen verbietet man die Brut; unter den Tieren lässt man die Kitze wachsen; für die Vögel schützt man Nester und Eier; für die Insekten schont man Ameiseneier und Heuschreckenlarven. Und der Schluss: 蕃庶物也,古之訓也 — das ist, um die Wesen zu mehren; es ist die alte Unterweisung. Das Urteil sind drei Zeichen: 今魚方別孕,不敎魚長,又行網罟,貪無藝也 — die Fische tragen eben ihre Eier, du lässt sie nicht wachsen, und die Netze kommen wieder: deine Gier hat kein Maß. Die Anmerkung zu 藝 ist ein Wort: 極也, ein Maß.

Der Herzog nimmt es an: 吾過而里革匡我,不亦善乎 ! 是良罟也,為我得法。使有司藏之,使吾無忘諗 — ich hatte Unrecht, und Li Ge hat mich zurechtgebracht, ist das nicht gut? Dies ist ein gutes Netz; es hat mir die Regel eingebracht. Die Beamten sollen es aufbewahren, damit ich die Ermahnung nicht vergesse. Und der Musikmeister Cun, der anwesend war, sagt den Satz, für den die Szene gebaut ist: 藏罟不如寘里革於側之不忘也 — das Netz aufzubewahren taugt nicht so viel, wie Li Ge an seiner Seite zu behalten. Die Anmerkungen: 師,樂師,存名也, der 師 ist der Musikmeister und Cun sein Name; 寘,置也, setzen, stellen.

Der Faden dazwischen

In der zweiten Szene erscheint dieselbe Bewegung wieder. Jing Jiang sagt 愆則有辟,古之制也, für einen Fehler gibt es eine Strafe, das war die alte Regel, und dann 君子勞心,小人勞力,先王之訓也, der Edle müht den Geist, der kleine Mann die Kraft, das war die Unterweisung der früheren Könige. Li Ges Satz war 蕃庶物也,古之訓也. Was die beiden anhalten, ist verschieden — der eine das Fangen von Fischen, der andere das Nehmen von Ruhe —, aber was sie hervorbringen, ist von derselben Art: ein alter Name für eine Regel. Dies ist die einzige Stelle, an der die beiden Kapitel sich verbinden; darunter bleiben sie getrennt.

Zweite Szene: der Hanf

Die zweite Szene beginnt mit neun Zeichen: 公父文伯退朝,朝其母,其母方績 — Gongfu Wenbo kam vom Hof zurück, grüßte seine Mutter, und seine Mutter spann Hanf. Der Sohn sagt 以歜之家而主猶績, in einem Haus wie unserem spinnt die Herrin noch; was er fürchtet, ist der Zorn des Ji-Klans (die Anmerkung: 季孫,康子也, Ji Sun ist Kangzi) und dass man ihn für unfähig hält, seinen Haushalt zu führen. Ob seine Mutter müde ist, erwähnt er nicht. Sie seufzt: 魯其亡乎 — 使僮子備官而未之聞耶?居,吾語女. Ob Lu untergehen wird, dass ein Knabe ein Amt hält und nie davon gehört hat? Setz dich, ich sage es dir.

Ihre Argumentation beginnt beim Boden: 昔聖王之處民也,擇瘠土而處之,勞其民而用之,故長王天下 — die weisen Könige setzten das Volk auf kargen Boden und arbeiteten es hart, und so herrschten sie lange über die Welt. Dann der Satz, an dem alles hängt: 夫民勞則思,思則善心生;逸則淫,淫則忘善,忘善則惡心生 — wenn die Menschen arbeiten, denken sie, und Denken bringt ein gutes Herz hervor; in Muße werden sie zügellos, Zügellosigkeit vergisst das Gute, und das Vergessen des Guten bringt ein böses Herz hervor. Dann das Paar: 沃土之民不材,逸也;瘠土之民莫不嚮義,勞也 — die Menschen fetten Bodens taugen nichts, aus Muße; die Menschen kargen Bodens wenden sich alle dem Rechten zu, aus Arbeit. Das ist ihre Behauptung, keine Bodenstatistik.

Zwei Tabellen

Die erste Tabelle ist der Tag der fünf Ränge in vier Teilen, jeder endet 而後即安, und erst dann ruhte er. Die Fürsten: 朝修天子之業命,晝考其國職,夕省其典刑,夜儆百工,使無慆淫,而後即安. Die Minister: 朝考其職,晝講其庶政,夕序其業,夜庀其家事,而後即安. Die Beamten: 朝受業,晝而講貫,夕而習復,夜而計過無憾,而後即安. Der Tag des Himmelssohns ist der längste, von 大采朝日 bis 日入監九御,使潔奉禘、郊之粢盛,而後即安. Und ganz unten nur zwei Glieder: 明而動,晦而休,無日以怠.

Die zweite Tabelle ist die Arbeit der Frauen in sechs Rängen, eines je Rang: 王后親織玄紞;公侯之夫人加之以紘、綖;卿之內子為大帶;命婦成祭服;列士之妻加之以朝服;自庶士以下,皆衣其夫 — die Königin webt selbst die dunklen Kappenbänder; die Frauen der Herzöge und Fürsten fügen die Bänder und die Hülle hinzu; die Frauen der Minister machen den großen Gürtel; die benannten Frauen vollenden das Opfergewand; die Frauen der Offiziere fügen das Hofgewand hinzu; von den unteren Offizieren abwärts kleiden sie einfach ihren Mann. Dann die alte Regel: 社而賦事,蒸而獻功,男女效績,愆則有辟 — beim Frühlingsopfer wird die Arbeit zugeteilt, beim Winteropfer der Ertrag dargebracht; Männer und Frauen leisten Dienst, und für Versäumnis gibt es eine Strafe. Dann die Unterweisung der früheren Könige: 君子勞心,小人勞力. Und das Urteil: 自上以下,誰敢淫心舍力 — von oben bis unten, wer wagte sein Herz zu verwöhnen und seine Kraft zu sparen? Das antwortet auf Li Ges 貪無藝 über ein ganzes Juan hinweg.

Zwei Schlusssätze

Beide Szenen enden an derselben Stelle. Die erste: der Musikmeister Cun sagt 藏罟不如寘里革於側之不忘也, und die Aufmerksamkeit geht vom Gegenstand zum Menschen. Die zweite: Jing Jiang endet mit 以是承君之官,余懼穆伯之絕嗣也 — mit einem Herzen wie diesem das Amt des Fürsten übernehmen, ich fürchte, die Linie des Mu Bo endet; die Seite notiert nicht, was ihr Sohn antwortete; sie schließt mit Konfuzius, der davon hörte und sagte 弟子志之,季氏之婦不淫矣 — merkt es euch, Schüler: die Frau des Hauses Ji ist nicht zügellos. Fünf Zeichen, und eine Haushaltssache wird ein Urteil.

Beide Seiten sind das Guoyu, alt Zuo Qiuming zugeschrieben, mit Wei Zhaos Zwischenanmerkungen; in diesen Anmerkungen stehen Kollationsbemerkungen der Qing von der Form 案…公序本作…, und keine davon wird hier zitiert. Die Anmerkungen selbst werden zitiert, wo sie ein Wort erklären, und als Anmerkungen gekennzeichnet. Eine Anmerkung weist Tang Gus Lesung von 孟春 zurück mit 唐云『孟春』,誤矣 — Meinung eines Kommentators, keine gesicherte Tatsache. Keine Seite gibt ein Jahr, einen Ort außer dem Si in einer Anmerkung oder ein Detail des Netzes; und 古之訓 ist ein Name, den der Sprecher für den Anlass hervorbringt, nicht der Bericht über ein wirkliches Statut. Diese Seite hat über das Feldritual und über die Schulen der Ritualbücher geschrieben; dieses Stück sind zwei Szenen und keine Institutionen.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《國語》卷四·魯語上·里革斷宣公罟而棄之(舊題左丘明撰,三國吳韋昭注;維基文庫本,正文+注,注中另夾清人校語,未與中華書局點校本複核) — One scene and one verb. 宣公夏濫於泗淵,里革斷其罟而棄之 — in summer Lord Xuan of Lu soaked a net in the deep of the Si, and the grandee Li Ge cut the net and threw it away. Then the old order: 古者大寒降,土蟄發,水虞於是乎講罛罶,取名魚,登川禽,而嘗之寢廟,行諸國,助宣氣也; 鳥獸孕,水蟲成,獸虞於是乎禁罝羅,矠魚鼈以為夏犒,助生阜也; 鳥獸成,水蟲孕,水虞於是禁罝罜䍡,設穽鄂,以實廟庖,畜功用也. Then six prohibitions: 山不槎蘖,澤不伐夭,魚禁鯤鮞,獸長麑䴠,鳥翼鷇卵,蟲舍蚳蝝,蕃庶物也,古之訓也. The verdict: 今魚方別孕,不敎魚長,又行網罟,貪無藝也. The lord: 吾過而里革匡我,不亦善乎!是良罟也,為我得法。使有司藏之,使吾無忘諗. And 師存侍,曰:藏罟不如寘里革於側之不忘也. The page carries Wei Zhao's interlinear notes (濫,漬也; 罟,網也; 水虞,漁師也; 名魚,大魚也; 藝,極也; 寘,置也) and, inside them, Qing collation notes which this article does not quote; a note also rejects Tang Gu's reading 孟春 as 誤矣, cited only as a commentator's opinion.
  2. 《國語》卷五·魯語下·公父文伯之母論勞逸(舊題左丘明撰,三國吳韋昭注;維基文庫本,正文+注,注中另夾清人校語,未與中華書局點校本複核) — Gongfu Wenbo returns from court and finds his mother spinning hemp (公父文伯退朝,朝其母,其母方績); he objects that in a house like theirs the mistress should not still be spinning (以歜之家而主猶績). She sighs: 魯其亡乎!使僮子備官而未之聞耶?居,吾語女 — and argues from soil: 擇瘠土而處之,勞其民而用之; 夫民勞則思,思則善心生;逸則淫,淫則忘善,忘善則惡心生; 沃土之民不材,逸也;瘠土之民莫不嚮義,勞也. Then the day of each rank in four parts, each ending 而後即安 (天子: 大采朝日…日入監九御…; 諸侯: 朝修天子之業命,晝考其國職,夕省其典刑,夜儆百工; 卿大夫: 朝考其職,晝講其庶政,夕序其業,夜庀其家事; 士: 朝受業,晝而講貫,夕而習復,夜而計過無憾; 自庶人以下: 明而動,晦而休,無日以怠). Then the six grades of women's work: 王后親織玄紞;公侯之夫人加之以紘、綖;卿之內子為大帶;命婦成祭服;列士之妻加之以朝服;自庶士以下,皆衣其夫. Then 社而賦事,蒸而獻功,男女效績,愆則有辟,古之制也; 君子勞心,小人勞力,先王之訓也; 自上以下,誰敢淫心舍力. Her last words: 吾冀而朝夕修我曰:必無廢先人。爾今曰:胡不自安。以是承君之官,余懼穆伯之絕嗣也. The chapter closes on Confucius: 仲尼聞之曰:弟子志之,季氏之婦不淫矣. Notes are Wei Zhao's; Qing collation notes inside them are not quoted.