Der König Wu von Chu fiel in Sui ein. Sui schickte seinen Jüngeren Meister zu Verhandlungen; die Männer von Chu täuschten Schwäche vor, und als der Jüngere Meister zurückkam, bat er, ihnen nachzusetzen. Der König hatte sogar sein eigenes Lager abgebrochen, damit die Leute von Sui die Schwäche sähen (王毀軍而納少師). Der Herr von Sui wollte zustimmen, da hielt ihn Ji Liang zurück: 天方授楚,楚之羸,其誘我也,君何急焉 — der Himmel gibt vorerst Chu, und Chus Schwäche ist ein Köder; warum die Eile? Er fügte hinzu: 臣聞小之能敵大也,小道大淫.
Was der Weg ist: treu dem Volk, im guten Glauben an die Geister
Ji Liang definiert zuerst den Weg: 所謂道,忠於民而信於神也;上思利民,忠也;祝史正辭,信也 — Treue zum Volk und guter Glaube gegenüber den Geistern; an das Wohl des Volkes zu denken, das ist Treue; für den Beter und Schreiber, richtig zu sprechen, das ist guter Glaube. (祝史 wird allgemein gelesen als die Beamten des Gebets und der Aufzeichnung.) Zwei Dinge also: was der Herr für sein Volk tut, und was der Priester und der Schreiber zu den Geistern sagen. Dann der gegenwärtige Zustand: 今民餒而君逞欲,祝史矯舉以祭,臣不知其可也 — das Volk hungert, der Herr lässt seine Begierden laufen, und Beter und Schreiber erheben falsche Ansprüche im Opfer; 矯舉 wird allgemein gelesen als ein Verdienst fälschlich beanspruchen.
Das Argument des Herrn: fette Opfer, volle Körner
Der Herr wendet ein: 吾牲牷肥腯,粢盛豐備,何則不信? — meine Opfertiere sind vollständig und fett, meine Korngefäße voll und reichlich; wie ist das nicht guter Glaube? (牲牷肥腯 wird allgemein gelesen als die Opfertiere vollständig und fett; 粢盛, die Hirse in den Gefäßen.) Ji Liang antwortet mit dem Satz, um den der Artikel kreist: 夫民,神之主也。是以聖王先成民,而後致力於神 — das Volk ist der Herr der Geister; darum vollendeten die weisen Könige zuerst das Volk und wandten danach ihre Kraft an die Geister. Er leugnet die Geister nicht: 於是乎民和而神降之福, dass das Volk in Eintracht ist und die Geister Segen senden, ist sein eigener Satz.
Drei Formeln an die Geister, ins Volk übersetzt
Dann tut er etwas Ungewöhnliches: die Worte, die beim Opfer zu den Geistern gesprochen werden, nimmt er eines nach dem anderen und erklärt sie neu. Das erste, 奉牲以告曰『博碩肥腯』 — das Opfertier darbringend, sagt man „breit, groß, fett, voll“. Die Worte klingen wie eine Beschreibung des Tieres; Ji Liang liest sie als Bericht über das Volk: 謂民力之普存也, das heißt, die Kraft des Volkes ist überall erhalten.
Das zweite, 奉盛以告曰『絜粢豐盛』 — das Korngefäß darbringend, sagt man „reines Korn, voll und reichlich“: 謂其三時不害,而民和年豐也, die drei Jahreszeiten wurden nicht geschädigt, das Volk ist in Eintracht und das Jahr reich. Das dritte, 奉酒醴以告曰『嘉栗旨酒』 — den Wein darbringend, sagt man „feiner, reiner, süßer Wein“: 謂其上下皆有嘉德,而無違心也, oben und unten haben alle feine Tugend und keine widerstrebenden Herzen. Drei Formeln, übersetzt in drei Dinge über das Volk.
Er zerlegt sogar den „Duft“: 所謂馨香,無讒慝也 — was man Duft nennt, ist keine Verleumdung und kein Böses zu haben. So 務其三時,脩其五教,親其九族,以致其禋祀 — sich um die drei Zeiten bemühen, die fünf Lehren pflegen, die neun Verwandtschaften nahe halten und so das Opfer darbringen. Die Seite gibt nur die Namen; die drei Zeiten sind allgemein Frühling, Sommer und Herbst, und die Seite zählt weder die fünf Lehren noch die neun Verwandtschaften auf, so wird hier nichts ergänzt.
Der Schluss: 於是乎民和而神降之福,故動則有成。今民各有心,而鬼神乏主,君雖獨豐,其何福之有? — jetzt hat jeder im Volk sein eigenes Herz, die Geister haben keinen Herrn; mag der Herr allein im Überfluss sein, welchen Segen sollte es geben? 隨侯懼而脩政,楚不敢伐 — der Herr von Sui erschrak, besserte seine Regierung, und Chu griff nicht an.
Die andere Seite: die Seite, die man nicht sieht
Im Zhongyong steht ein Abschnitt ganz anderer Art: keine Aufzeichnung, sondern eine Erörterung. 子曰:鬼神之爲德,其盛矣乎!視之而弗見,聽之而弗聞,體物而不可遺 — wie reich ist die Tugend der Geister! Man schaut hin und sieht sie nicht, man hört hin und hört sie nicht, doch sie geben den Dingen Gestalt und können nicht übergangen werden. Nichts hier sagt, dass die Geister sichtbar seien; der Abschnitt sagt nur „wie wenn“. Die Seite erklärt 體物而不可遺 nicht; man liest es allgemein als allen Dingen Gestalt geben und nichts auslassen, und weiter wird es hier nicht übersetzt.
Dann 使天下之人齊明盛服,以承祭祀,洋洋乎如在其上,如在其左右 — sie lassen alle Menschen der Welt fasten, sich reinigen und die volle Kleidung anlegen, um die Opfer zu übernehmen, und da sind sie, überströmend, wie über einem, wie zu seinen Seiten. 齊明盛服 bleibt als vier Zeichen stehen und wird nicht zu einer Zeremonie ausgebaut. Die Oden werden zitiert: 神之格思,不可度思!矧可射思! — das Kommen der Geister lässt sich nicht ermessen, wie viel weniger kann man ihrer überdrüssig werden (射 wird allgemein gelesen als ihrer überdrüssig werden). Es schließt mit 夫微之顯,誠之不可揜,如此夫!
Die Toten wie die Lebenden: eine Weise, sie zu behandeln
Auf derselben Seite behandelt ein anderer Abschnitt, wie die Toten behandelt werden: 事死如事生,事亡如事存,孝之至也 — den Toten dienen wie den Lebenden, den Dahingegangenen wie den Gegenwärtigen: das ist das Äußerste der Kindespflicht. Es ist eine Weise, sie zu behandeln, nicht der Glaube, die Toten lebten noch: die Worte handeln vom Verhalten, nicht vom Zustand der Toten. Die Sätze ringsum handeln von der Ordnung und dem Ritus des Ahnentempels; nur diese Zeile wird zitiert, der Kontext nicht.
Beide zusammen: Ji Liang erörtert eine Ordnung — das Volk zuerst, die Geister danach, und die Geister haben einen Herrn nur durch das Volk; Konfuzius erörtert eine Kontinuität — die Toten wie die Lebenden, die Dahingegangenen wie die Gegenwärtigen, und die unsichtbare Seite wird durch 誠, Aufrichtigkeit, verbunden (誠之不可揜, die Aufrichtigkeit lässt sich nicht verbergen). Keiner der beiden Abschnitte beweist, dass die Geister existieren: Ji Liang sagt, die Geister senden Segen; Konfuzius sagt, sie seien „wie über einem“. Der eine plädiert dafür, zuerst das Volk zu vollenden, der andere dafür, die Aufrichtigkeit nicht zu täuschen. Was beide teilen, ist, dass die unsichtbare Seite durch etwas erreicht wird, das ein Mensch tut.
Die beiden Seiten unterscheiden sich auch der Art nach: die eine ist eine Aufzeichnung mit einer Erörterung darin, die andere durchweg Erörterung; jedes Zitat behält die Zeichen seiner Seite (das Zuo zhuan hat 脩 und 絜粢, das Zhongyong 齊明 und 揜). Grenzen: der Artikel über den Gott der Shang fragt, wer Heil und Unheil sendet; der über das Regengebet ist ein konkreter Ritus; der über das Vorstadtopfer ist das Staatsopfer an den Himmel, sein Ort und seine Häufigkeit — dieser Artikel beschreibt keinen Ritus.
Weiterlesen:Der Gott der Shang: Wer Heil und Unheil sendet · Zur Trauer eilen: Der Weg, der nach der Nachricht beginnt · Um Regen beten: Dong Zhongshus Ritus und Wang Chongs Zweifel
Quellen und weitere Lektüre
- 《春秋左傳》桓公六年(傳)(維基文庫本,白文無注;頁頭資訊未能在本次導出中複核;未與中華書局點校本複核) — One passage only, from the sixth year of Duke Huan of Lu, and it describes no ritual — it describes an argument. Chu invades Sui and feigns weakness to draw the Sui army out; the Young Master asks to pursue, and Ji Liang stops him: 天方授楚,楚之羸,其誘我也,君何急焉, and 小道大淫. His definition: 所謂道,忠於民而信於神也;上思利民,忠也;祝史正辭,信也. The present state: 今民餒而君逞欲,祝史矯舉以祭. The lord objects that his victims are whole and fat and his grain vessels full; and Ji Liang answers 夫民,神之主也。是以聖王先成民,而後致力於神. He then re-explains the three things said at the sacrifice: 奉牲以告曰『博碩肥腯』,謂民力之普存也; 奉盛以告曰『絜粢豐盛』,謂其三時不害,而民和年豐也; 奉酒醴以告曰『嘉栗旨酒』,謂其上下皆有嘉德,而無違心也. 所謂馨香,無讒慝也; 務其三時,脩其五教,親其九族,以致其禋祀; 民和而神降之福; and the close 今民各有心,而鬼神乏主,君雖獨豐,其何福之有, followed by 隨侯懼而脩政,楚不敢伐. The same page carries the fifth year's battle of Xuge (魚麗之陳), which belongs to another event and is not used.
- 《禮記·中庸》(維基文庫本,白文無注;頁內異文標記未能在本次導出中複核;未與中華書局點校本複核) — Two passages only. 子曰:鬼神之爲德,其盛矣乎!視之而弗見,聽之而弗聞,體物而不可遺; 使天下之人齊明盛服,以承祭祀,洋洋乎如在其上,如在其左右; the Odes 神之格思,不可度思!矧可射思; and 夫微之顯,誠之不可揜. Then the sentence on treating the dead: 事死如事生,事亡如事存,孝之至也 — quoted alone, without the surrounding lines on the ancestral temple, the suburban and ancestral sacrifices, which would turn the article into ritual description. The page's other occurrence is 質諸鬼神而無疑,知天也 (無疑, not 無讖).




