Eine Frühlingsdürre, und die erste Weisung geht an den Kreis: „Im Frühling, wenn die Dürre kommt, befiehl dem Kreis und seinen Orten, an einem Wassertag an den Altären von Erde und Korn, an Bergen und Flüssen zu beten; die Familien opfern der Tür; fälle keine berühmten Bäume; schlage nicht die Bergwälder; stelle die Hexen aus; versammle die Krüppel; am achten Tag errichte vor dem Osttor des Ortes einen Altar, der nach vier Seiten offen ist, acht chi im Quadrat, pflanze acht Stück dunkelblaue Seide“ (春旱求雨……為四通之壇,方八尺,植蒼繒八). Der Ritus beginnt mit einer Richtung und einem Maß: Osttor, vierseitiger Altar, acht chi, acht Stück Blau.
Eins: der Frühling, der Altar und die Farbe
Der Gott des Altars ist Gonggong, und die Gaben sind „acht lebende Fische, schwarzer Wein, klarer Wein und Trockenfleisch“ (生魚八、玄酒、具清酒、膊脯). Der Anrufer wird unter den Hexen gewählt: „wähle eine reine und beredte Hexe zum Anrufer“; er „fastet drei Tage, trägt Dunkelblau, verneigt sich zweimal, kniet dann nieder und legt das Gebet dar, verneigt sich noch zweimal und erhebt sich“. Auch das Gebet wird zitiert: „Der große Himmel zeugte die fünf Körner, um die Menschen zu nähren; nun leiden die fünf Körner an der Dürre, und wir fürchten, sie reifen nicht; wir bringen ehrerbietig klaren Wein und Trockenfleisch und verneigen uns zweimal, um Regen zu bitten. Kommt der Regen in guter Fülle, so bringen wir danach Opfertiere dar“ (昊天生五穀以養人……雨幸大澍,即奉牲禱). Erst bitten, dann zahlen.
Dann die Drachen: „Am Jia- oder Yi-Tag mache einen großen dunkelblauen Drachen, acht Zhang lang, in der Mitte, und sieben kleine Drachen, je vier Zhang lang, im Osten, alle nach Osten gewandt, acht chi voneinander; acht Knaben, jeder drei Tage fastend, in Dunkelblau, tanzen mit ihnen; der Feldaufseher fastet auch drei Tage, trägt Dunkelblau und steht dabei“ (以甲乙日為大蒼龍一……田嗇夫亦齋三日,服青衣而立之). Acht Zhang, sieben Drachen, vier Zhang, acht chi, acht Knaben, das Blau: Der Ritus dieses Kapitels ist fast aus Zahlen und Farben geschrieben — der große Drache in der Mitte, die kleinen im Osten, alle nach Osten, acht chi Abstand, acht Knaben, die tanzen, ein Aufseher, der dabei steht.
Der Rest ist eine Liste von Handlungen: den Erdaltar aushöhlen und mit dem Graben außerhalb der Gasse verbinden; fünf Kröten in den Altar setzen; ein Becken von acht chi im Quadrat und einem chi Tiefe mit Wasser; ein dreijähriger Hahn und ein dreijähriger Eber, beide am vierseitigen Heiligtum verbrannt; „schließe das Südtor des Ortes und der Gasse und setze Wasser davor, und öffne das Nordtor“; ein Eber vor dem Nordtor der Gasse und ein weiterer auf dem Markt; „wenn die Trommel gehört wird, verbrenne die Schwänze der Eber“; die Knochen der Toten begraben; die Bergquellen öffnen und Reisig verbrennen; Brücken und Gräben freimachen. Kommt der Regen: „danke mit einem 處一, Wein, Salz und Hirse, ausreichend; eine Matte aus Stroh, schneide sie nicht“ (報以處一,酒鹽黍財足,以茅為席,毋斷). Die Seite schreibt 處一 und erklärt es nicht; hier wird es als ein Tier gelesen.
Zwei: vier Jahreszeiten, fünf Farben, fünf Zahlen
Das Schema läuft viermal im Jahr, nur die Zahlen und Farben wechseln. Frühling: Altar acht chi, acht Stück Dunkelblau, großer Drache acht Zhang, sieben kleine, acht Knaben in Blau, nach Osten. Sommer: sieben chi, sieben Stück Rot, sieben Zhang, sechs kleine, sieben starke Männer in Rot, nach Süden. Spätsommer: fünf chi, fünf Stück Gelb, fünf Zhang, vier kleine, fünf Männer und fünf Alte in Gelb. Herbst: neun chi, neun Stück Weiß, neun Zhang, acht kleine, neun Witwer in Weiß, nach Westen. Winter: sechs chi, sechs Stück Schwarz, sechs Zhang, fünf kleine, sechs Alte in Schwarz, nach Norden. chi, Stück, Zhang, Personen, Farben und Richtungen werden abgeschrieben, wie sie stehen; nichts wird umgerechnet, und keine Yin-Yang-Lehre wird hier darauf gebaut.
Es gibt einen Ritus für das Gegenteil: „Wenn der Regen zu viel ist, verstopfe die Wasserkanäle, schneide die Wege ab, decke die Brunnen zu und verbiete den Frauen, auf den Markt zu gehen“; die Altäre werden gekehrt, drei Tage Fasten und drei Tage Trommeln, „Trommeln ohne Gesang“, rote Seide zehnmal um den Altar gewunden, rote Kleider und rote Kopfbinde, und nach drei Tagen hört es auf. Das Kapitel endet mit einem tatsächlichen Befehl: „Am Bingwu-Tag des achten Monats des einundzwanzigsten Jahres ließ der Kanzler von Jiangdu, Zhongshu, den inneren Sekretär und den Kommandanten wissen: der Regen dauert zu lange… beeile dich, ihn zu beenden“ (二十一年八月甲申朔丙午……), an siebzehn Kreise und achtzig Bezirke, wobei Beamte von tausend Shi und darunter ihre Frauen nach Hause schickten. Siebzehn Kreise, achtzig Bezirke: wie geschrieben.
Drei: ein Satz in der Geschichte der Han
Ban Gus Biographie preßt alles in ein Prinzip und ein Ergebnis: „Zhongshu regierte, indem er aus den Anomalien der Frühling-und-Herbst-Annalen ableitete, wie Yin und Yang in die Irre gingen; so verschloß er für den Regen das Yang und ließ das Yin los, und um den Regen zu beenden, tat er das Gegenteil; er wandte es in einem Staat an und verfehlte nie, was er wollte“ (以《春秋》災異之變推陰陽所以錯行……行之一國,未嘗不得所欲). Der überlieferte Text gibt nur das Prinzip. Wie „das Yang verschließen“ aussah, steht in Yan Shigus Kommentar — das Südtor schließen, Feuer verbieten, das Nordtor öffnen, Menschen mit Wasser besprengen. Das ist eine Anmerkung, nicht der Text; sie wird als Anmerkung gekennzeichnet und dient nicht dazu, die Einzelheiten des anderen Buches zu beglaubigen. Das eine Buch gibt Maße, das andere einen Satz.
Vier: Wang Chong, Östliche Han
Zwei Jahrhunderte später antwortet Wang Chong Kapitel für Kapitel. Er nennt die Schule, die er angreift: „Die Partei von Wandel und Antwort hält langen Regen für eine Überschwemmung und lange Dürre für die Dürre“ (變復之家,以久雨為湛,久為旱). Seine These: „Der Mensch kann den Himmel nicht durch sein Verhalten bewegen, und der Himmel antwortet dem Menschen nicht, indem er seinem Verhalten folgt“ (人不能以行感天,天亦不隨行而應人). Er leugnet nicht, daß der Ritus alt ist — „die Frühling-und-Herbst-Annalen: Lus großes Regenopfer war ein Opfer, um in der Dürre Regen zu erbitten; wenn die Dürre lange dauert und kein Regen kommt, betet und opfert man, um Segen zu suchen, wie man bei Krankheit den Göttern opfert, um Unheil abzuwenden“ — was er leugnet, ist die Kausalität: Opfern läßt Regen fallen.
Dann nennt er Dong Zhongshu: „Dong Zhongshu betete um Regen, dehnte den Sinn der Frühling-und-Herbst-Annalen aus und richtete leere Altäre ein; ein Vater ißt nicht beim Sohn einer Nebenlinie, der Himmel ißt nicht auf der niederen Erde; welchen Gott das Regenopfer der Fürsten verehrt, wissen wir nicht. Ist es ein Himmelsgott, so wird nur ein König vom Himmel bewirtet… Wenn der Gott nicht davon genießt, wie soll man den Gott erlangen? Und wenn Wolken und Regen Qi sind, was sollte das Qi genießen?“ (董仲舒求雨……雲雨之氣,何用歆享). Sein Gleichnis: „Der Regen zwischen Himmel und Erde ist wie die Tränen im Körper eines Menschen… Tränen lassen sich nicht erbitten und kommen nicht heraus, wie sollte Regen sich erbitten und erlangen lassen?“ (夫泣不可請而出,雨安可求而得). Über Yao und Tang: „Wenn es durch die Regierung verursacht war, dann waren Yao und Tang schlechte Herrscher; wenn nicht, war es die Bewegung des Qi“ (如謂政治所致……是運氣也).
Aber Wang Chong verlangt nicht, den Ritus abzuschaffen. Er teilt die Heimsuchungen in zwei: „politische Heimsuchung“ und „grundlosen Wandel“. Bei der ersten: „draußen das Regenopfer halten und sich innen bessern“ (外雩而內改); bei der zweiten: „innen die alte Regierung bewahren und draußen den Regenritus pflegen, um das Herz des Volkes zu trösten“ (內守舊政,外修雩禮,以慰民心). Er sagt auch: „Die Absicht dessen, der das Regenopfer hält, ist die Absicht eines gütigen Vaters und eines frommen Sohnes“ (雩祭者之用心,慈父孝子之用意也). Und: „Darum gab es den Regenritus, darum tadelte Konfuzius ihn nicht, und Zhongshu führte ihn weiter; so ist das Regenopfer ein Opferritus“ (故有雩禮,故孔子不譏,而仲舒申之。夫如是,雩祭,祀禮也). Was er leugnet, ist, daß Bitten den Regen verbürgt, nicht der Ritus selbst. Dieser Punkt muß deutlich markiert werden, sonst liest man die Widerlegung eines Östlichen Han leicht als etwas anderes.
Fünf: jenseits dieser Seiten
Drei Seiten, drei Schichten und zwei Daten: ein Ritualtext der Westlichen Han; die Zusammenfassung einer Geschichte der Westlichen Han in einem Satz, mit einem Kommentar aus den Tang; das Kapitel eines Kritikers der Östlichen Han. Sie stehen nebeneinander und werden nicht zu einer einzigen Erzählung vom „Regengebet der Han“ verschmolzen. Eine Linie noch: Das Regenopfer ist nicht das Vorstadtopfer an den Himmel — jenes ist der feste Ritus außerhalb der Hauptstadt; dieses ist ein Dürreritus am Osttor eines Kreises. Was die Seiten nicht geben: keinen datierten Anlaß außer dem Befehl, den Regen zu beenden, keinen Bericht über tatsächlich gefallenen Regen, keine Gesamtzahl der Teilnehmer, keine Kosten, kein Gefäßmaß außer den acht chi und einem chi, die im Text stehen. Und dieser Artikel baut keine Theorie der kosmischen Antwort und ordnet den Ritus nicht als Wissenschaft oder Aberglauben ein.
Weiterlesen:Die Felder der Yin: siebzig Mu, ein öffentliches Feld und Hirse · Warum Tang Jie angriff: drei Gründe in einem Eid · Das Vorstadtopfer: Wo der Kaiser den Himmel traf, und wie oft
Quellen und weitere Lektüre
- 董仲舒《春秋繁露》卷十六〈求雨第七十四〉〈止雨第七十五〉(维基文库本,未与点校本复核) — The ritual text itself, with the measurements. Spring: 'make an altar open on four sides, eight feet square, plant eight lengths of dark blue silk' (為四通之壇,方八尺,植蒼繒八), its god Gonggong, offerings of eight live fish, dark wine, clear wine and dried meat, a witch chosen for being 'clean and eloquent' as invoker; then 'on a jia or yi day make one great dark-blue dragon, eight zhang long, in the middle, and seven small dragons, each four zhang, in the east, all facing east, eight feet apart; eight boys fast three days, wear blue and dance' (以甲乙日為大蒼龍一……小童八人……服青衣而舞之); then the toads, the boar, the shut south gate and opened north gate, the burning of boars' tails at the drum, and the repayment 'with one pig, wine, salt and millet… a mat of thatch, do not cut it' (報以處一,酒鹽黍財足,以茅為席,毋斷). Summer, late summer, autumn and winter repeat the scheme with different numbers (seven, five, nine, six). The rain-stopping chapter has its own orders, and ends with a dated instruction from 'the chancellor of Jiangdu, Zhongshu' in the twenty-first year, eighth month, to seventeen counties and eighty sub-districts. The page is marked textquality 50%; it also prints several evident slips — 丙刃日 for 丙丁日, 送尤 for 蚩尤, 蝦暮 for 蝦蟆 — which are quoted as printed and flagged, not silently corrected.
- 《汉书》卷五十六〈董仲舒传〉(维基文库本,未与点校本复核) — The summary sentence, and only the principle: 'Zhongshu governed by using the anomalies of the Springs and Autumns to infer how yin and yang went astray; so for rain he closed the yang and released the yin, and to stop rain did the reverse; he practised it in one state and never failed to get what he wanted' (以《春秋》災異之變推陰陽所以錯行,故求雨閉諸陽,縱諸陰,其止雨反是;行之一國,未嘗不得所欲). What 'closing the yang' meant in practice appears only in Yan Shigu's interlinear commentary — 'closing the south gate, forbidding fires, opening the north gate, sprinkling water on people and the like' — which is a note, not the received text, and is marked as a note here. The page prints Yan's commentary inline throughout.
- 王充《论衡》第四十五〈明雩篇〉(维基文库本,未与点校本复核) — The Eastern Han rebuttal, used as its own layer. It names the school it argues against ('the partisans of change and response' 變復之家), states the thesis — 'man cannot move Heaven by his conduct, and Heaven does not answer man by following his conduct' (人不能以行感天,天亦不隨行而應人) — defines the rite ('the Springs and Autumns: Lu's great rain sacrifice was a sacrifice to seek rain in drought' 《春秋》,魯大雩,旱求雨之祭也), and then names Dong Zhongshu: 'Dong Zhongshu prayed for rain, extending the meaning of the Springs and Autumns, setting up empty altars… what god the feudal lords' rain sacrifice worships, we do not know' (董仲舒求雨,申《春秋》之義,設虛立祀……未知何神). He ends by keeping the rite while denying its efficacy: 'outwardly perform the rain sacrifice and inwardly correct yourself… keep the old government within and practise the rain rite without, to comfort the people's hearts' (政治則外雩而內改……以慰民心).




