Das Liji enthält zwei Gespräche in zwei benachbarten Kapiteln. Im einen ruht Konfuzius zu Hause (仲尼燕居), mit Zhang, Gong und Yan You neben sich, und das Gespräch driftet zum Ritus. Im anderen, ebenfalls in der Ruhe (孔子閒居), sitzt Zi Xia neben ihm und fragt nach der Zeile in den Liedern: „凱弟君子,民之父母“ — der gütige und sanfte Herr, Vater und Mutter des Volkes. Ein Lehrer, zwei Schülergruppen, benachbarte Themen — aber nicht eine Argumentation: das eine Gespräch handelt vom Maß des Ritus, das andere von der Wurzel der Lieder und der Musik.
In der Ruhe: drei Arten, das Maß zu verfehlen
In der Ruhe eröffnet Konfuzius: „居,女三人者!吾語女禮,使女以禮周流,無不徧也“ — setzt euch, ihr drei; ich will mit euch vom Ritus sprechen, damit ihr ihn überall herumführt und keinen Ort auslasst. Zi Gong erhebt sich von der Matte und fragt, wie. Die Antwort kommt in drei Gliedern: „敬而不中禮謂之野,恭而不中禮謂之給,勇而不中禮謂之逆“ — Ehrfurcht, die das Maß nicht trifft, heißt Bäurisches; Ehrerbietung, die das Maß nicht trifft, heißt Glätte; Mut, der das Maß nicht trifft, heißt Widerspenstigkeit. Ehrfurcht, Ehrerbietung und Mut sind alles gute Wörter; neben dem Maß werden sie zu Wildheit, Glätte und Widerstreben. Er fügt hinzu: „給奪慈仁“ — die Glätte nimmt die Herzensgüte. Dann kennzeichnet er zwei Schüler: „師!爾過,而商也不及“ — Shi schießt über das Ziel, Shang bleibt darunter; und über Zi Chan: „猶衆人之母也,能食之,不能教也“ — wie die Mutter der Menge, die sie zu speisen vermag, nicht zu lehren. Auf die Frage, was das Maß sei, antwortet er: „禮乎禮。夫禮,所以制中也“ — Ritus, Ritus: der Ritus ist es, was die Mitte festsetzt.
Was der Ritus ist: das Böse wegführen, das Gute ganz bewahren
Yan You tritt vor: „敢問禮也者,領惡而全好者與?“ — ist der Ritus das, was das Böse fortführt und das Gute ganz erhält? Ja, sagt Konfuzius, und gibt fünf Glieder: „郊社之義,所以仁鬼神也。嘗禘之禮,所以仁昭穆也。饋奠之禮,所以仁死喪也。射鄉之禮,所以仁鄉黨也。食饗之禮,所以仁賓客也“ — der Sinn der Opfer am Stadtrand und am Erdaltar ist, den Geistern und Göttern gütig zu sein; die saisonalen Opfer, dem Ahnenstand gütig zu sein; die Gaben an die Toten, im Tod und in der Trauer gütig zu sein; die Bogen- und Bezirksriten, der Nachbarschaft gütig zu sein; die Gastmähler, den Gästen gütig zu sein. Fünf Riten, fünf Mal „um gütig zu sein“. Der Abschnitt sagt, wohin die Güte gesetzt wird; er beschreibt nicht, wie ein Ritus vollzogen wird.
Dann die Wirkungen: „明乎郊社之義,嘗禘之禮,治國其如指諸掌而已乎“ — wer diese versteht, regiert einen Staat wie auf seine Handfläche zeigend. Es folgt eine Reihe von Gliedern: mit Ritus im täglichen Leben sind Alt und Jung geschieden; im Frauengemach sind die drei Zweige der Verwandtschaft im Einklang; am Hof sind die Ränge in Ordnung; auf der Jagd wird das Kriegshandwerk geübt; im Heer wird kriegerische Leistung vollendet. Auch das Umgekehrte wird gesagt: ohne Ritus fällt jedes davon aus der Ordnung.
Was also ist der Ritus? „禮者何也?即事之治也“ — der Ritus ist die Ordnung der vorliegenden Sache. Ein Staat ohne ihn ist „譬猶瞽之無相與!倀倀乎其何之?譬如終夜有求於幽室之中,非燭何見?“ — wie ein Blinder, der ohne Begleiter geht, verloren, ohne Ziel; wie einer, der die ganze Nacht in einem dunklen Raum sucht: ohne Kerze, was soll er sehen?
Drei weitere Glieder binden Lieder, Musik und Tugend aneinander: „不能詩,於禮繆。不能樂,於禮素。薄於德,於禮虚“ — ohne die Lieder geht der Ritus fehl; ohne Musik ist der Ritus bloß; mit dünner Tugend ist der Ritus leer. Und: „禮也者,理也。樂也者,節也。君子無理不動,無節不作“ — der Ritus ist das Muster, die Musik das Maß; der Edle bewegt sich nach nichts ohne Muster, handelt nach nichts ohne Maß.
Zi Zhang fragt nach dem Regieren: Matten und Becher sind nicht der Ritus
Zi Zhang fragt nach dem Regieren, und Konfuzius antwortet mit einer Frage: „爾以爲必鋪几筵,升降、酌獻、酬酢,然後謂之禮乎?爾以爲必行綴兆,興羽籥,作鐘鼓,然後謂之樂乎?“ — meinst du, Ritus heißt Matten auslegen, auf- und absteigen, einschenken und zutrinken? Meinst du, Musik heißt die Reihen bilden, Federn und Flöten erheben, Glocken und Trommeln schlagen? Dann die Definition: „言而履之,禮也。行而樂之,樂也“ — etwas sagen und es ausführen ist Ritus; es tun und Freude daran haben ist Musik.
Die Ordnung liegt nicht in der großen Szene, sondern im Nächsten: „目巧之室,則有奥阼,席則有上下,車則有左右,行則有隨,立則有序“ — ein gut gebautes Haus hat seine Ecke und seine Stufen, eine Matte hat Oben und Unten, ein Wagen hat Links und Rechts, das Gehen hat ein Nachfolgen, das Stehen hat eine Rangordnung. Daher „禮之所興,衆之所治也。禮之所廢,衆之所亂也“ — wo der Ritus aufkommt, ist die Menge geordnet; wo er fällt, ist die Menge in Verwirrung.
Wieder in der Ruhe: Vater und Mutter des Volkes
Das andere Kapitel wechselt den Schüler. In der Ruhe, Zi Xia neben ihm, wird Konfuzius nach „凱弟君子,民之父母“ gefragt: was muss einer sein, um Vater und Mutter des Volkes zu sein? „夫民之父母乎!必達於禮樂之原,以致五至,而行三無,以横於天下,四方有敗,必先知之“ — einer muss zur Wurzel von Ritus und Musik gelangen, die fünf Ankünfte herbeiführen, die drei Abwesenheiten üben und sich so über die Welt ausbreiten; wo in einer der vier Richtungen etwas Schaden nimmt, weiß er es zuerst.
Die fünf Ankünfte sind fünf Ankommen: „志之所至,詩亦至焉;詩之所至,禮亦至焉;禮之所至,樂亦至焉;樂之所至,哀亦至焉。哀樂相生“ — wohin der Wille kommt, kommen die Lieder; wohin die Lieder kommen, kommt der Ritus; wohin der Ritus kommt, kommt die Musik; wohin die Musik kommt, kommt die Trauer; Trauer und Freude gebären einander. Die Seite gibt diese Kette und keine weitere Deutung, und hier wird keine hinzugefügt. Sie schließt: „志氣塞乎天地“ — Wille und Lebensatem erfüllen Himmel und Erde.
Die drei Abwesenheiten und die drei Unparteilichkeiten
Die drei Abwesenheiten werden nur benannt: „無聲之樂,無體之禮,無服之喪,此之謂三無“ — Musik ohne Klang, Ritus ohne körperliche Form, Trauer ohne Trauerkleid. Auf die Frage, welche Zeilen der Lieder ihnen nahekommen, gibt er je eine: „夙夜其命宥密“ — Musik ohne Klang; „威儀逮逮,不可選也“ — Ritus ohne Form; „凡民有喪,匍匐救之“ — Trauer ohne Kleid. Wie jede Zeile zugeordnet wird, erklärt die Seite nicht, und hier wird es nicht erfunden. Später folgen „五起“, fünf Durchgänge zu je drei Zeilen; der erste Durchgang wird gehalten: „無聲之樂,氣志不違;無體之禮,威儀遲遲;無服之喪,内恕孔悲“.
Die letzte Frage ist, wie die Tugend der drei Könige mit Himmel und Erde übereinkommt, und die Antwort ist „奉三無私以勞天下“ — „天無私覆,地無私載,日月無私照“: der Himmel deckt ohne Parteilichkeit, die Erde trägt ohne Parteilichkeit, Sonne und Mond scheinen ohne Parteilichkeit. Darauf „子夏蹶然而起,負牆而立“: Zi Xia fährt auf und stellt sich mit dem Rücken zur Wand, und sagt „弟子敢不承乎“ — dürfte der Schüler es nicht annehmen? Beide Kapitel sind Aufzeichnungen von Rede in einem Buch der Riten, beide kurz, und sie können nicht als zwei unabhängige Zeugen dienen. Dieser Artikel ist nicht das Stück von der Großen Einheit und dem Kleinen Frieden und keiner der Artikel über einzelne Zeremonien: er ist nur, wie diese zwei Gespräche vom Ritus sprechen, und kein Ritus wird beschrieben.
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Quellen und weitere Lektüre
- 《禮記·仲尼燕居》(維基文庫本,白文無注;頁頭資訊未能在本次導出中複核;未與中華書局點校本複核) — One of two conversations in this article, and a record of speech, not a manual. Confucius at rest with Zi Zhang, Zi Gong and Yan You, talk drifting to ritual: 使女以禮周流,無不徧也. The three failures: 敬而不中禮謂之野,恭而不中禮謂之給,勇而不中禮謂之逆, plus 給奪慈仁. The two students: 師!爾過,而商也不及; and Zi Chan 能食之,不能教也. The measure: 禮乎禮。夫禮,所以制中也. Yan You's question 領惡而全好者與, and the five clauses on where kindness is placed (郊社/嘗禘/饋奠/射鄉/食饗). 禮者何也?即事之治也; the blind man without a guide and the dark room without a candle. 不能詩,於禮繆。不能樂,於禮素。薄於德,於禮虚; 禮也者,理也。樂也者,節也. Zi Zhang's question about government and the answer that ritual is not 鋪几筵,升降、酌獻、酬酢, nor music 行綴兆,興羽籥,作鐘鼓: 言而履之,禮也。行而樂之,樂也. Order in room, mat, carriage, walking and standing; 禮之所興,衆之所治也。禮之所廢,衆之所亂也. The elaborate 兩君相見 passage and the 大饗有四 passage are ritual procedure and are not used.
- 《禮記·孔子閒居》(維基文庫本,白文無注;頁頭資訊未能在本次導出中複核;未與中華書局點校本複核) — The second conversation, with Zi Xia. His question on 凱弟君子,民之父母, and the answer 必達於禮樂之原,以致五至,而行三無,以横於天下,四方有敗,必先知之. The Five Reaches: 志之所至,詩亦至焉;詩之所至,禮亦至焉;禮之所至,樂亦至焉;樂之所至,哀亦至焉。哀樂相生, then 正明目而視之,不可得而見也;傾耳而聽之,不可得而聞也。志氣塞乎天地. The Three Absences named only: 無聲之樂,無體之禮,無服之喪; the three Odes lines given for them (夙夜其命宥密/威儀逮逮,不可選也/凡民有喪,匍匐救之); and 五起, of which only the first round is quoted. The close: 奉三無私以勞天下 — 天無私覆,地無私載,日月無私照; and 子夏蹶然而起,負牆而立,曰:弟子敢不承乎. The page gives no gloss on 五至 or 三無, and none is invented here.




