Der Monat beginnt mit einem Himmelsbild: „Im Meng Chun steht die Sonne in Yingshi; in der Dämmerung steht Shen im Meridian, im Morgengrauen Wei“ (孟春之月,日在營室,昏參中,旦尾中). Zheng Xuan (鄭玄) sagt in seinem Kommentar, wozu ein Kalender mit Sternen anhebt: „Wer die Kulminationssterne bei Dämmerung und Morgengrauen verzeichnet, tut das für den Herrscher, der nach Süden blickt und die Welt regiert, damit er die Zeiten beobachte und dem Volk seine Arbeit zuweise“ (凡記昏明中星者,為人君南面而聽天下,視時候以授民事). Das ist keine Astronomie, sondern Kalenderwesen: Der Text sagt, welcher Monat ist, und der Kommentar sagt, wozu.

Wo der König sitzt und was er trägt

Dann die Ausstattung des Monats: Der Sohn des Himmels „wohnt in der linken Kammer von Qingyang 青陽, fährt den Phönixwagen, lenkt die blaugrünen Drachenpferde, führt die blaugrüne Fahne, trägt blaugrüne Gewänder und den Speicher-Jade, isst Weizen und Hammelfleisch, und seine Geräte sind durchbrochen, sodass sie durchlassen“ (天子居青陽左個……其器疏以達). Die linke Kammer, so der Kommentar, ist die Nordseite der östlichen Halle des großen Schlafgemachs; ge 個 ist der Zähler für eine solche Kammer. Drei Tage vor Frühlingsbeginn meldet der Großschreiber den Tag und dass „die reiche Tugend im Holz liegt“; am Tag des Frühlingsbeginns führt der König die drei Gongs, die neun Minister, die Fürsten und die hohen Beamten zur östlichen Vorstadt, den Frühling zu empfangen, und belohnt sie bei der Rückkehr im Hof.

Dann wird die Arbeit ausgeteilt. Der Kanzler soll „Tugend verbreiten und die Verbote in Einklang bringen, Belohnungen ausführen und Güte erweisen, hinab bis zum gesamten Volk“; der Großschreiber soll „die Ordnungen wahren und das Gesetz halten, Sonne, Mond und Sterne in ihrem Lauf beaufsichtigen, ohne dass Aufenthalt und Trennung nachlassen, ohne die Ordnung zu verlieren, den Anfang als das Beständige nehmend“ (宿離不貸,毋失經紀,以初為常). Am ersten guten Tag betet er um Getreide; dann wird der Pflug geladen, zwischen Wagenlenker und Beifahrer gestellt, und es geht auf die göttlichen Äcker: Der König stößt dreimal (santui 三推), die drei Gongs fünfmal, die Minister und Fürsten neunmal; zurück in der großen Halle hebt er den Becher — „Arbeitswein“. Der Kommentar erklärt das Feld als „Land, das mit der Kraft des Volkes bestellt und dem Gott des Himmels geliehen ist“ (diji 帝籍) und die Stelle des Pflugs damit, dass er „zeigt, dass ich die Landwirtschaft fördere, nicht selbst Bauer bin“ (明己勸農,非農者也). Der leisi 耒耜 ist dabei der hölzerne Pflug; der König hält ihn, die Diener führen ihn.

Der letzte Abschnitt der Ordnung ist Ackerbau und Verbot. „Des Himmels Qi sinkt herab, der Erde Qi steigt auf, Himmel und Erde sind in Eintracht, Gräser und Bäume regen sich“ (天氣下降……草木萌動) — das Zeichen, so der Kommentar, dass gepflügt werden darf. Der König lässt die Feldarbeit bekanntmachen, der Feldaufseher zieht in die östliche Vorstadt, Grenzen und Wege werden richtig gestellt, Hügel, Hänge, Ebenen und Niederungen geprüft, das Volk wird gelehrt, was jeder Boden trägt. Dann die Verbote: „Holzfällen wird untersagt“; „keine Nester umstürzen, keine Jungen, keine Ungeborenen, keine flüggen Vögel töten, keine Kitze, keine Eier“ (毋覆巢,毋殺孩蟲胎夭飛鳥,毋麛,毋卵); keine großen Aufgebote, keine Stadtmauern; „Knochen und Aase zudecken und begraben“; „in diesem Monat darf man keine Waffen erheben; wer Waffen erhebt, den trifft gewiss Unheil“ (是月也不可以稱兵,稱兵必天殃). Der Kommentar gibt jedem Verbot seinen Grund: das Holz sei „wo die reiche Tugend wohnt“, die Nester „damit das keimende Junge nicht verletzt werde“, die Knochen „das Qi des Todes gegen das Leben“, die Waffen „gegen das Qi des Lebens“.

Der Kommentar nagelt die Wörter fest

Zheng Xuans Arbeit auf dieser Seite ist das Festnageln von Wörtern. Meng 孟 heißt „der Älteste“; die linke Kammer von Qingyang ist „die Nordseite der östlichen Halle des großen Schlafgemachs“; yuan chen 元辰 ist „der gute Tag nach dem Opfer in der Vorstadt“; tian 田 ist der Feldaufseher, „der Beamte, der über den Ackerbau gesetzt ist“; shu 術 wird als sui 遂 gelesen, der Graben zwischen den Feldern; die durchbrochenen Geräte sind „geschnitzt, dass sie durchlassen, wie die Dinge durch die Erde brechen sollen“. Er zitiert dicht: das Xia xiao zheng (夏小正) über das Erwachen der Insekten und die Fische, die das Eis tragen; ein Ackerbaubuch über „den Boden, der über den Pflock steigt, alte Wurzeln, die sich ziehen lassen, den Pflüger, der eilig anfängt“; die Frühlings- und Herbstannalen (春秋) über das Opfer an Hou Ji in der Vorstadt um des Ackerbaus willen.

Er verzeichnet auch eine Lesart und sein eigenes Urteil. „In den heutigen Monatsordnungen heißt die Gans überall hou“ (今月令鴻皆為候) — wo dieser Text „die Wildgänse kommen“ (鴻鴈來) liest, liest eine andere Fassung „die hou-Gänse kommen“ (候鴈來); der Unterkommentar weist sie als die Fassung des Lü Buwei (呂不韋) aus. Und zu den Wagen, Pferden und Gewändern, die mit dem Monat die Farbe wechseln, sagt er selbst ganz klar: Sie „sind der Yin-Zeit entnommen und dabei abgewandelt; sie sind nicht die Ordnung der Zhou“ (非周制也), und er hält ihnen die Riten der Zhou (周禮) entgegen, wo Hof, Opfer, Krieg und Jagd je eigene Wagen und Gewänder haben, nicht die der Jahreszeit. Was das Ritenbuch vorschreibt, gibt der Kommentator selbst als nicht-zhouzeitlich zu.

Die Lautangaben (音義): Wie man es spricht

Die dritte Schicht sind die Laut- und Bedeutungsangaben von Lu Deming (陸德明), in kleiner Schrift hinter dem Kommentar; sie regeln nur Aussprache und Zeichenform und bleiben von Kommentar und Unterkommentar getrennt: „參所林反,中如字,徐竹仲反“; „大皥上音太,後文及注大簇、大史、大寢、大室、大微、大廟、大祝、大尉、大宰皆同“; „个古賀反“; „鸞力官反,路本又作輅“; „齊側皆反,本亦作齋“. Die Fanqie-Angaben stehen hier unverändert, nicht in Lautschrift umgesetzt. Diese Schicht fragt weder nach dem Ritus noch nach dem Sinn; sie sorgt dafür, dass der Text richtig gelesen und abgeschrieben werden kann.

Der Unterkommentar führt den Prozess für den Kommentar

Die vierte Schicht ist das Werk von Kong Yingda (孔穎達) und seinen Mitarbeitern; sie erklärt den Kommentar Zheng Xuans und verteidigt ihn. Zum Monat: „Dieses Meng Chun ist der erste Monat des Xia-Kalenders … Lü Buwei lebte in der Qin-Zeit, Qin begann das Jahr im zehnten Monat; dass man nicht die Qin-Rechnung, sondern die Xia-Zeit braucht, liegt daran, dass die Xia-Zählung den wahren Maßstab des Himmels traf“ (此言孟春者,夏正建寅之月也……以夏數得天正故用之也). Zu den Sternen rechnet sie den Santong- und den Yuanjia-Kalender durch und gesteht, dass „die Kulminationssterne der Monatsordnungen alle nur ungefähr gesagt sind und mit dem Kalender nicht übereinstimmen“ (大畧而言,不與厯正同). Und sie trennt zwei Tage, die der Text zusammenzuziehen scheint: „甲乙丙丁 und so fort heißen Tag“, das Opfer in der Vorstadt nimmt einen xin-Tag; „子丑寅卯 und so fort heißen Stand“, „gepflügt wird an einem hai-Tag, daher heißt es yuan chen“ (耕用亥日,故云元辰). Ein Tag für das Himmelsopfer, ein anderer für das Pflügen.

Beim Frühlingsempfang legt sie den Streit offen: Zheng sagt, empfangen werde der blaue Gott Lingweiyang 靈威仰; der Unterkommentar sagt: „Jia und Ma (賈、馬) und Cai Yong (蔡邕) verstanden es alle als Frühlingsempfang mit Opfer an Taihao 大皥 und Goumang 句芒“ (賈、馬、蔡邕皆為迎春祭大皥及句芒), und er bemerkt, dass Zheng sich auf die Apokryphen stützt. Auch bei den Fasttagen gibt es eine Abweichung: „Die Zhou-Regel fastete bei den vier Jahreszeitenempfängen zehn Tage vorher … das Qin-Gesetz war vereinfacht, daher drei Tage“ (今秦法簡省,故三日也). Für die drei Stöße des Pflügens (santui 三推) vergleicht sie das Guoyu (國語): „Der König pflügt eine Furche, die Ränge dreifach“ (王耕一墢,班三之) — beide Zahlenreihen stehen nebeneinander, sie werden nicht zusammengelegt. Zu den Verboten liefert sie die Ausnahmen: „Holzfällen ist untersagt“ gilt nur für „abgesperrte Bezirke“; braucht der Staat Holz, darf er außerhalb der Schonung fällen; Nester von Unglücksvögeln dürfen umgestürzt werden; Kitze und Eier sind das ganze Jahr verboten, für Opfergaben aber darf man sie nehmen.

Derselbe Meng Chun in einem anderen Buch

Der Huainanzi (淮南子) beschreibt in seinem Abschnitt „時則訓“, den Saisonregeln, denselben Monat: „Im Meng Chun zeigt der Große Wagen auf yin; in der Dämmerung Shen, im Morgengrauen Wei“ (孟春之月,招搖指寅,昏參中,旦尾中) — und dann dasselbe Ost, dieselben Jia-Yi-Tage, Holz, Schuppentiere, der Jue-Ton, die Groß-tsou-Pfeife, die Zahl acht, sauer und streng, das Toropfer und die Milz. Dieselben Zeichen folgen — Tauwetter, erwachsende Insekten, Fische auf dem Eis, das Opfer des Fischotters, „die hou-Gänse ziehen nach Norden“ (候鴈北) — und dieselben Verbote: kein Holz, keine Nester, keine Ungeborenen oder Jungen, keine Kitze, keine Eier, keine Aufgebote, keine Mauern, Knochen zugedeckt. Die Unterschiede sind deutlich: Die Monatsordnungen lesen „die Wildgänse kommen“ (鴻鴈來), das Huainanzi „die hou-Gänse ziehen nach Norden“ (候鴈北); die „linke Kammer von Qingyang“ (青陽左個) der Monatsordnungen erscheint dort als „Qingyang links diu“ (青陽左丢) — das Zeichen ist vermutlich ein Schreibfehler für 個 (ge) und wird unverändert wiedergegeben; die Monatsordnungen sagen „den Frühling empfangen“, das Huainanzi „das Jahr empfangen“, lässt die Fürsten weg und fügt „Münzen, Gebete an die Geister, männliche Opfertiere“ hinzu. Man hält allgemein dafür, dass beide Texte eine gemeinsame Quelle haben; die Seite sagt nicht, wer von wem abgeschrieben hat, sie können einander also nicht beweisen. Beide Bücher tragen das Gerüst der vier Jahreszeiten: Das Huainanzi empfängt das Jahr im Süden der Vorstadt zum Sommeranfang, im Westen zum Herbstanfang, im Norden zum Winteranfang — eine Vorstadt je Jahreszeit, passend zur östlichen Vorstadt des Meng Chun. Was diese Seite gibt, ist ein Arbeitsplan: wo der König wohnt, was er trägt, was die Beamten tun, was verboten ist, dazu drei Schichten Erklärung und eine Parallelstelle aus einem anderen Buch. Keine Weltlehre, sondern ein sehr genauer Terminplan.

Weiterlesen:Dreitausend Gäste und eine Schale Reis: Was Mengchangjuns Gefolgsleute aßen · Die Schrift gleich machen: ein Erlass und eine Erklärung dreihundert Jahre später · Jiang und Shi: hundertzwanzig Krüge, drei Dou Bohnen

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《礼记·月令》(孟春之月;维基文库篇名页) — The ritual text itself: in the first month the sun is in Yingshi, at dusk Shen culminates and at dawn Wei; the east wind thaws the ice, insects stir, fish rise to the ice, otters make their offering, wild geese come; the son of heaven dwells in the Qingyang left chamber, rides the phoenix carriage, raises the blue-green banner, wears blue-green and the granary jade, eats wheat and mutton; three days before spring the grand scribe announces the day; on the day the king leads the dukes, ministers, lords and officers to welcome spring at the eastern suburb and rewards them at court; the chancellor spreads virtue, the grand scribe keeps the calendar, the king prays for grain and ploughs the divine acres three times while the dukes push five and the lords nine; the month forbids cutting timber, overturning nests, killing the young or taking eggs, gathering crowds or raising walls, and orders bones and carcasses buried. A programme for the month, not a diary of one.
  2. 《淮南子·时则训》(孟春之月;维基文库篇名页) — The parallel month: 'In Meng Chun the Dipper points to yin; at dusk Shen, at dawn Wei' (孟春之月,招搖指寅,昏參中,旦尾中), then the same east, jia-yi days, wood, scaly creatures, the jue note, the great-tsou pipe, the number eight, sour and rank, the door sacrifice and the spleen; the same signs, with small variants — 'fish rise bearing the ice' (魚上負冰), 'the hou geese go north' (候鴈北); 'holds court in the Qingyang left diu' (朝于青陽左丢, probably a scribal error for 左个); 'welcomes the year at the eastern suburb' (迎歲于東郊), with coins and prayers and male victims; and the same prohibitions — no timber, no nests, no unborn or young, no fawns, no eggs, no levies, no walls, bones covered. Used only as a parallel version; the page itself does not claim a common source.
  3. 《礼记注疏》卷十四·月令(汉郑玄注、唐陆德明音义、唐孔颖达疏;四库全书本,维基文库本,未与中华书局点校本复核) — Juan 14 is Meng Chun to 'Meng Chun in winter orders'; juan 15 begins at mid-spring, so the mid-spring bans (no draining marshes, no burning hills) are not in this juan. The page runs four layers continuously without section marks: the classic, Zheng Xuan's comment (注), Lu Deming's sound-and-meaning (音義) and Kong Yingda's sub-commentary (疏); the 考證 at the end is a Qing collation note (Siku editors), not Han-Tang commentary, and is not used here. Zheng: the Qingyang left chamber is 'the northern side of the eastern hall of the great chamber'; the seasonal carriages and colours are 'taken from the Yin and altered — not the Zhou system' (非周制也); the field is 'land worked by the people's strength, lent to the god of heaven'; the plough is placed between guard and driver 'to show that he encourages farming, not that he is a farmer'; the bans are explained as sparing pregnant animals and budding life. Kong: the month is the Xia calendar's first month though Qin began the year in the tenth month; the culminating stars are approximate; the day of the sacrifice and the day of ploughing are two days (郊用辛日,耕用亥日,故云元辰); on welcoming spring he records that Jia Kui, Ma Rong and Cai Yong all took it as sacrificing to Taihao and Goumang while Zheng used the Blue Emperor Lingweiyang; the timber ban covers only reserved ground and allows state needs; nests of ominous birds may be overturned; fawns and eggs may be taken for offerings.