Das Ritualkapitel des Jinshu (《晉書·禮志》) beginnt seinen Abschnitt über die Trauerriten (凶禮) mit einer Definition und nimmt sie zwei Sätze später wieder zurück. „Vom Sohn des Himmels bis hinab zum Gemeinen sind Körper und Haar, Haut und Fleisch von Vater und Mutter empfangen; das Prinzip ist in beiden dasselbe, das Gefühl ist gleich; im Leben nährt man sie, im Tod betrauert man sie — darum heißt die dreijährige Trauer (三年之喪) die allgemeine Regel der Welt“ (自天子至於庶人,身體髮膚,受之父母,其理既均,其情亦等,生則養,死則哀,故曰三年之喪,天下之達禮者也). Dann: „Aber seit Kaiser Wen von Han (漢文) die Trauerordnung umformte, folgten ihm die späteren Zeiten, und die dreijährige Trauer wurde nicht mehr geübt“ (然自漢文革喪禮之制,後代遵之,無復三年之禮). Zwei Sätze, und das Kapitel hat bereits gesagt, wovon es handelt.

Eine Regel und eine Tatsache

Was Wen von Han änderte, steht im Tongdian (《通典》) im Wortlaut: „Er ließ die Beamten und das Volk des Reiches, sobald der Befehl eintrifft, drei Tage herauskommen und klagen und dann alle die Trauer ablegen … das Gewand: grobes Rot fünfzehn Tage, feineres Rot vierzehn, feines Tuch sieben, dann ab“ (其令天下吏民,令到,出臨三日,皆釋服……服大紅十五日,小紅十四日,纖七日,釋服). Ying Shao (應劭) las das als „im ganzen sechsunddreißig Tage, dann wird abgelegt — das ist es, Tage gegen Monate zu tauschen“ (凡三十六日而釋服矣,此以日易月也). Der Tang-Kommentator Yan Shigu (顏師古) widersprach, als er das Hanshu (《漢書》) kommentierte: „Diese Trauerordnung hat Wen aus eigenem Gutdünken geschaffen, er hat nichts aus den Zhou-Riten genommen — wieso sollte das Tage gegen Monate tauschen? Die dreijährige Trauer dauert in Wahrheit siebenundzwanzig Monate; wo steht etwas von sechsunddreißig Monaten?“ (文帝自率己意創而為之,非有取於周禮也…三年之喪,其實二十七月,豈有三十六月之文). Beide Lesarten stehen hier nebeneinander; keine wird gewählt.

Das Jinshu zeigt dann, wie die Regel an der Spitze außer Gebrauch kam. Cao Caos (魏武) letzte Anordnung lautet: „Das Reich ist noch nicht befriedet, die alten Wege sind nicht zu befolgen. Von den Beamten, die am Sarg erscheinen sollen, laßt sie fünfzehnmal den Klageruf erheben; ist das Begräbnis vorbei, so ist die Trauer beendet. Wer Truppen befehligt und Grenzdienst tut, darf seine Einheit nicht verlassen“ (天下尚未安定,未得遵古…葬畢便除). Er starb am Gengzi-Tag des ersten Monats, wurde am folgenden Xinchou-Tag eingesargt und im selben Monat am Dingmao-Tag begraben — „das heißt: kein Monat verging“ (是為不逾月也). Der Gründer von Jin (晉武) hielt es mit Han und Wei: „nach dem Begräbnis beendete er die Trauer, trug aber weiterhin das Shenyi-Gewand (深衣) und die schlichte Kappe, ließ den Sitz erniedrigen und die Mahlzeiten kürzen“ (既葬除喪,然猶深衣素冠,降席撤膳).

Der Kaiser, der nicht ablegen wollte

Im vierten Jahr Taishi (泰始四年) starb die Kaiserinmutter, und der Kaiser wollte die drei Jahre einhalten. Das Edikt: „Die dreijährige Trauer ist die allgemeine Regel der Welt. Ich habe lebenslange Liebe empfangen und habe keine Jahre, um sie zu vergelten — wie könnte ich nach dem Begräbnis geradewegs zum Glück übergehen? Mein Herz erträgt es nicht“ (夫三年之喪,天下之達禮也。受終身之愛,而無數年之報,奈何葬而便即吉,情所不忍也). Die Beamten hielten ihm den Staat entgegen: „Jetzt sind die Kriegspferde nicht ausgespannt, und die Geschäfte des Königs sind schwer … der Ritus des liàng'àn (諒闇) ist seit fernen Zeiten außer Gebrauch“ (諒闇之禮,自遠代而廢矣). Der Kaiser blieb hart; „die Minister drangen wiederholt in ihn, und er weinte lange, bevor er nachgab“ (群臣又固請,帝流涕久之乃許).

Was das Kapitel festhält, ist das Nachgeben, kein Urteil über das Gefühl des Kaisers: Es nennt ihn nicht fromm, es sagt, dass er zustimmte. Und was der Staat den verschiedenen Menschen gab, war verschieden. Das Edikt des ersten Jahres Taishi (泰始元年): „Beamte vom zweiten Rang (二千石) abwärts, die von einer dreijährigen Trauer betroffen werden, dürfen heimkehren und die Zeit der Ruhe zu Ende führen; die Gemeinen werden von der Frondienstpflicht befreit“ (諸將吏二千石已下遭三年喪者,聽歸終寧。庶人復除徭役). Das ist die Rechnung, die dieses Kapitel immer wieder aufstellt: eine Regel, und für jeden Rang eine eigene Rechnung.

Die sechsunddreißig Tage des Kronprinzen

Im zehnten Jahr Taishi (泰始十年) starb die Kaiserin, und die Frage fiel dem Erben zu. Der Erudit (博士) Zhang Jing (張靖) argumentierte mit dem Han-Präzedenzfall: „Kaiser Wen setzte vorläufig eine Trauer von sechsunddreißig Tagen fest und tauschte Tage gegen Monate; der Weg steigt und fällt, und die Riten lassen sich nicht ganz wahren; auch der Kronprinz sollte das Gefühl abschneiden und die Trauer ablegen“ (孝文權制三十六日之服,以日易月…皇太子亦宜割情除服).

Der Erudit Chen Kui (陳逵) argumentierte vom Sohn her: „Die dreijährige Trauer ist es, worin der Sohn sich selbst ganz gibt; darum machten die Heiligen den Ritus, der von oben nach unten reicht. Nach der heutigen Ordnung wird Beamten, die den Tod eines Elternteils erleiden, allen ein Urlaub von fünfundzwanzig Monaten gewährt (假寧二十五月) … der Kronprinz sollte sie nicht ablegen“ (三年之喪,人子所以自盡…宜其不除). Zwei Parteien, zwei Begründungen: auf der einen Seite der Präzedenzfall und das Staatsgeschäft, auf der anderen das Gefühl des Sohnes selbst.

Du Yus Kompromiss

Der Minister (尚書) Du Yu (杜預) brachte eine dritte Position vor. „In der Antike begann die dreijährige Trauer des Sohnes des Himmels und der Fürsten gleich wie die höchste Trauerstufe (齊斬); nach dem Begräbnis endete das Trauergewand, sie wohnten im liàng'àn (諒闇), und das Herz trauerte bis zum Ende der Frist — nicht derselbe Ritus wie für Beamte und Gemeine“ (古者天子諸侯三年之喪始同齊斬,既葬除喪服,諒闇以居,心喪終制,不與士庶同禮). Für den Kronprinzen: „Er teilt einen Leib mit dem Geehrten (與尊同體); er sollte zur alten Ordnung zurückkehren — am Ende der Beweinung (卒哭) das Hanfgewand (衰麻) ablegen und die Frist im liàng'àn beenden“ (卒哭除衰麻,以諒闇終制).

Das Ergebnis wird in zwei Schritten berichtet. Zuerst folgte das Ritenamt (尚書祠部) dem Vorschlag Zhang Jings, und der Kronprinz „legte die Trauer mit den übrigen nach der Ordnung ab“ (皇太子亦從制俱釋服); dann, auf Du Yus Argument hin, „legte der Kronprinz nach der Regel der geminderten Trauer (厭降) das Hanfgewand nach der Ordnung des Staates ab und beendete die Frist im liàng'àn“ (從國制除衰麻,諒闇終制). Die Partei der kurzen Trauer gewann das Gewand, Du Yu gewann das Herz. Was der Kronprinz selbst dachte, sagt das Kapitel nicht.

Was dieser Streit nicht war

Das ist Geschichtserzählung, kein Ritualkodex. Das Jinshu ist eine Tang-Kompilation, und dieses Kapitel erzählt, was Hofleute sagten und was Kaiser entschieden; es setzt dem Reich keine Regel. Das Tongdian ist eine Tang-Sammlung, und wo es die Han-Gelehrsamkeit zitiert, hält es den Widerspruch fest: Ying Shaos sechsunddreißig Tage und Yan Shigus Einspruch stehen nebeneinander. Keine der beiden Seiten sagt, dass dieser Streit als Satzung festgeschrieben wurde, oder dass jemand außerhalb des Hofes seine Trauer deswegen geändert hätte, oder wie die Trauerzeiten des Reiches nach diesem Streit aussahen.

Und es gibt keine Zahl. Niemand zählt, wie viele Beamte heimkehrten, wie viele Gemeine befreit wurden, wie lange die Befreiungen dauerten; die Edikte werden zitiert, nicht geprüft. Das Kapitel gibt eine Definition, eine Tatsache, die ihr widerspricht, einen Streit am Hof und einen Kompromiss — und der Kompromiss ist das Einzige, was nach einer Antwort aussieht: Das Hanfgewand kommt ab, das Herz hält die Frist. Ob es so gehalten wurde, sagen die Seiten nicht. Das letzte Wort des Kapitels zu dieser Sache ist der Satz des Kompromisses.

Weiterlesen:Die Männer auf dem Gipfel des Tai: wer hinaufstieg, um den Gipfel zu versiegeln · Der Tag, an dem der Sarg hinabgelassen wird: öffnen, überführen, hinausziehen, zurückkehren und weinen · Mit fünfzig ein Stock: Alter in einem Ritualbuch und einem Erlass

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《晋书》卷二十·礼志中(唐房玄龄等撰;维基文库本,未与点校本复核) — The mourning section of the Jin ritual treatise: three years' mourning is 'the universal rule', yet 'since Emperor Wen of Han reformed the mourning rules… the three-year rite was no longer practised'; Cao Cao's order to end mourning at the burial; the Jin founder ending mourning at the burial while still in plain cap and dark robe; the empress dowager's death in Taishi 4 and the emperor's consent after weeping; the crown prince's case in Taishi 10 — Zhang Jing's thirty-six days, Chen Kui's twenty-five months, Du Yu's 'hemp off at the burial, heart mourning to the end, not the same rite as officers and commoners'.
  2. 《通典》卷八十·礼四十(总论丧期)(唐杜佑撰;维基文库本,未与点校本复核) — A Tang survey: Emperor Wen of Han's edict of fifteen days of coarse, fourteen of finer and seven of fine cloth; Ying Shao's reading of it as 'exchanging days for months' and Yan Shigu's flat denial; the Jin edict of Taishi 1 allowing officers of the second rank and below to go home to complete mourning while commoners were exempted from corvée; and the ancient precedents of Shun and Gao Zong in liang'an which the debaters used.