Ein Fünfzigjähriger bekommt einen Stock, der zu Hause bleibt und dort gebraucht wird. Mit sechzig darf der Stock im Bezirk gebraucht werden, mit siebzig im Staat, mit achtzig am Hof; und mit neunzig, wenn der Himmelssohn ihn etwas fragen will, geht der Himmelssohn in seine Kammer und nimmt Delikatessen mit. Diese Leiter steht im Kapitel „Wangzhi“ (王制) des Liji (禮記), der „Verordnungen der Könige“. Sie ist das Bild eines Ritualbuchs davon, wie das Alter geehrt werden sollte, kein Han-Gesetz: ein Entwurf für ein Königreich, gezeichnet ohne einen einzigen Fall.

Eine Leiter aus Stöcken

Die Stelle lautet: „Mit fünfzig den Stock zu Hause, mit sechzig den Stock im Bezirk, mit siebzig den Stock im Staat, mit achtzig den Stock am Hof; mit neunzig, wenn der Himmelssohn etwas zu fragen wünscht, so geht er in seine Kammer und lässt Delikatessen mitfolgen“ (五十杖於家,六十杖於鄉,七十杖於國,八十杖於朝,九十者,天子欲有問焉,則就其室,以珍從). Dasselbe Kapitel fügt hinzu: mit achtzig, wenn der Befehl des Herrschers kommt, verbeugt er sich einmal im Sitzen und zweimal danach (八十拜君命,一坐再至); mit neunzig schickt er jemanden, der ihn in Empfang nimmt (九十使人受).

Die Leiter ist allein nach dem Alter geordnet. Sie nennt kein Amt, keinen Rang, keine Familie, und sie sagt nicht, wer den Stock (杖, zhàng) übergibt oder was mit einem Mann geschieht, der keinen hat. Das Kapitel ist ein Entwurf für ein Königreich — wer wo versorgt wird, wer vom Dienst befreit ist, wie ein Herrscher sich gegenüber den Alten verhält — und es ist ein Entwurf ohne einen einzigen Fall.

Essen nach dem Alter

Dasselbe Kapitel stuft auch die Tafel ab: „Mit fünfzig gesondertes Getreide (粻, zhāng), mit sechzig über Nacht aufgehobenes Fleisch (宿肉, sùròu), mit siebzig eine doppelte Speise (貳膳, èrshàn), mit achtzig ständig Delikatessen (常珍, chángzhēn); mit neunzig verlassen Speise und Trank die Schlafkammer nicht und dürfen ihm folgen, wenn er ausgeht“ (五十異粻,六十宿肉,七十貳膳,八十常珍,九十飲食不離寢,膳飲從於遊可也). Die Stufen sind weniger Mengen als Abstände: je schwächer der Mann, desto näher bleibt die Tafel am Bett. Und das Kapitel erklärt sie aus dem Körper: „Mit fünfzig beginnt er zu verfallen, mit sechzig ist er ohne Fleisch nicht satt, mit siebzig ohne Seide nicht warm, mit achtzig ohne Menschen nicht warm; mit neunzig ist er, auch mit Menschen, nicht warm“ (五十始衰,六十非肉不飽,七十非帛不暖,八十非人不暖,九十雖得人不暖矣).

Es sagt auch, wo die Alten versorgt werden — mit fünfzig im Bezirk, mit sechzig im Staat, mit siebzig in der Schule (五十養於鄉,六十養於國,七十養於學) — und nennt die Schulen von vier Zeitaltern, von den oberen und unteren Hallen (上庠, 下庠) der Youyu bis zur östlichen Jiao (東膠) und der Yu-Schule (虞庠) der Zhou. Auch die Haushalte werden befreit: „Für einen Achtzigjährigen wird ein Sohn nicht zum Dienst genommen; für einen Neunzigjährigen wird der Haushalt nicht genommen“ (八十者,一子不從政;九十者,其家不從政). Alles steht in derselben Stimme, als das, was sich gehört, und nichts davon ist datiert.

Der Erlass des Kaisers

Die Annalen Kaiser Wens im Hanshu (漢書), Kapitel „Wendiji“ (文帝紀), bieten eine andere Art von Text. Im dritten Monat seines ersten Jahres sagt ein Erlass: „Die Alten sind ohne Seide nicht warm und ohne Fleisch nicht satt. Nun wird zu Jahresbeginn nicht zur rechten Zeit jemand geschickt, um nach den Ältesten zu fragen, und es gibt keine Gabe von Stoff, Seide, Wein und Fleisch — wie soll das den Söhnen und Enkeln des Reiches helfen, ihre Eltern zu versorgen? Ich höre, dass die Beamten, die die Grütze (鬻) an die Berechtigten austeilen (稟), manchmal alte Hirse (陳粟) verwenden; wie entspricht das dem Sinn der Versorgung der Alten? Das werde zur Verordnung gemacht“ (老者非帛不煖,非肉不飽…今聞吏稟當受鬻者,或以陳粟,豈稱養老之意哉!具為令).

Die Verordnung, die darauf folgte und von den Beamten entworfen wurde, besteht nur aus Mengen. „Die Achtzigjährigen und Älteren: Reis, ein Shi (石) im Monat je Person; Fleisch, zwanzig Jin (斤); Wein, fünf Dou (斗). Die Neunzigjährigen und Älteren: zusätzlich Stoff, zwei Bolzen (疋) je Person, und drei Jin Wattierung (絮)“ (年八十已上,賜米人月一石,肉二十斤,酒五斗。其九十已上,又賜帛人二疋,絮三斤).

Es sagt auch, wie die Gabe ankommen soll: „Für die Gaben und für den Reis zur Grütze soll der leitende Beamte (長吏) sie prüfen, und der Gehilfe (丞) oder der Kommandant (尉) soll sie bringen; für die unter neunzig bringt sie der Vorsteher (嗇夫) oder der Kanzleischreiber (令史). Der Beamte von zweitausend Shi (二千石) soll einen Inspektor (都吏) aussenden, und was nicht entspricht, ist zu korrigieren“ (賜物及當稟鬻米者,長吏閱視,丞若尉致。不滿九十,嗇夫、令史致。二千石遣都吏循行,不稱者督之). Der Ausschluss am Ende ist bemerkenswert: Diese Verordnung gilt nicht für jeden alten Menschen, und die Pflicht des Staates reicht hier nicht an alle. Sie endet mit einem Ausschluss: „Wer mit der Körperstrafe (肉刑) verstümmelt wurde oder ein Vergehen der Stufe Bartschur (耐罪) oder höher begangen hat, fällt nicht unter diese Verordnung“ (刑者及有罪耐以上,不用此令).

Zwei Arten von Text

Die beiden Seiten sind also nicht zwei Schreibweisen derselben Regel. Das Wangzhi ist der Entwurf eines Ritualbuchs — wahrscheinlich im Zeitalter der Streitenden Reiche oder in der frühen Han-Zeit zusammengestellt — einer idealen Ordnung, ohne Daten und ohne Fälle. Die Hanshu-Stelle ist ein Erlass der Westlichen Han mit einem Datum (dem dritten Monat des ersten Jahres Kaiser Wens), mit Mengen, Zustellvorschriften und einer Ausschlussklausel. Zusammen gelesen zeigen sie dieselbe Sache in zwei Grammatiken: das eine Mal das Alter in eine Ordnung der Riten gebracht, das andere Mal das Alter in Dinge umgerechnet. Aber auch der Erlass ist keine Aufzeichnung der Ausführung: Er sagt nicht, wie viele den Reis bekamen, ob die Lieferungen ankamen, was sie kosteten oder ob jemand für ein Versäumnis bestraft wurde; und das Ritualbuch nennt kein Gemeinwesen, das so verfuhr. Auch belegen die beiden Seiten einander nicht — das Wangzhi erklärt den Han-Erlass nicht, und der Han-Erlass beweist nicht, dass die Leiter des Wangzhi je gebraucht wurde.

Was die Seiten nicht hergeben

Keine der beiden Seiten gibt einen Stock her: kein Stück, kein Holz, keine Länge, keine Hand, die ihn gemacht hätte; kein Beispiel für einen, keine Beschreibung von Länge oder Material, keine Aufzeichnung über einen Mann, der einen trug; der Taubenstab (鳩杖) aus späteren Funden steht in keiner der beiden Seiten. Ebenso wenig gibt es eine Zahl der Alten in irgendeinem Bezirk, einen Preis für Reis oder Stoff oder eine Angabe, wie lange die Verordnung in Kraft blieb. Das Wangzhi gibt eine Ordnung der Ehre, das Hanshu eine Ordnung der Versorgung, und beide hören bei der Ordnung auf.

Was bleibt, ist klein und konkret: ein Stock, der zu Hause aufbewahrt wird, eine doppelte Speise, zwanzig Jin Fleisch im Monat, zwei Bolzen Stoff für einen Neunzigjährigen. Der eine Text sagt, was das Alter verdient; der andere, was dem Alter gegeben wird. Ob die Alten es bekamen, sagt keiner von beiden. Darin liegt der Unterschied zwischen einem Buch der Riten und einem Buch der Annalen: Das eine gibt einen Entwurf, der als Ideal gelesen werden kann, das andere musste jemand ausführen — und die Lücke zwischen beiden kann dieser Text nicht schließen.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《礼记·王制》(战国至汉初成书;维基文库本,未与点校本复核) — The ritual book's ladder of old age: a staff at home at fifty, in the district at sixty, in the state at seventy, at court at eighty, and at ninety the Son of Heaven comes to his room; grain, meat, dishes and delicacies graded by decade; support in the village, the state and the school; one son exempt for an eighty-year-old, the whole household for a ninety-year-old. A design, with no case and no date.
  2. 班固《汉书》卷四·文帝纪(东汉;维基文库本,未与点校本复核) — The third month of the first year of Emperor Wen: the edict that the old are not warm without silk nor full without meat, and that gruel is being issued from old millet — 'let this be made into an ordinance'. The ordinance: for the eighty and over, one shi of rice a month, twenty jin of meat, five dou of wine; for the ninety and over, two bolts of cloth and three jin of wadding; with delivery by named officers and an inspector, and an exclusion for the mutilated and for offenders of shaving and above.