Vier Zeichen tragen das Bild: „das Schwert ziehen und auf Pfeiler schlagen“ (拔劍擊柱). Hanshu 43: „Der Kaiser hatte das Zeremoniell der Qin abgeschafft und hielt die Dinge einfach. Die Minister tranken und stritten um Verdienste; betrunken schrien manche maßlos und schlugen mit ihren Schwertern gegen die Pfeiler, und der Kaiser war davon geplagt“ (高帝悉去秦儀法,為簡易。群臣飲爭功,醉或妄呼,拔劍擊柱,上患之). Shiji 99 hat dieselbe Stelle mit einem Wort mehr: was der Kaiser abschaffte, war „das raue Zeremoniell der Qin“ (秦苛儀法). Beide Berichte stehen nebeneinander; wo sie abweichen, erscheinen beide Lesarten.
Was der Kaiser ändern wollte
Der Vorschlag kam von einem Mann, der für ihn seine Kleidung gewechselt hatte: Shusun Tong, ein Gelehrter aus Xue, kam zu den Han und wechselte für den König die Tracht: „die kurze Jacke nach Chu-Art, und der König von Han war zufrieden“ (服短衣,楚製,漢王喜). Bei Hof sah er einen Herrn, der das Zeremoniell verkleinert hatte, und Minister, die den Thron wie ein Feldlager behandelten: „die Konfuzianer sind schwer für das Nehmen von Land zu gebrauchen und können für das Halten gebraucht werden; ich bitte, die Gelehrten von Lu zu berufen und mit meinen Schülern eine Hofzeremonie aufzustellen“ (夫儒者難與進取,可與守成……共起朝儀). Die Bedingungen des Kaisers: „versuche es; mach es leicht zu verstehen; miss es an dem, was ich tun kann“ (可試為之……度吾所能行為之). Seine Definition: „der Ritus ist das, was das Verhalten nach Zeit und Gefühl der Menschen ordnet“ (禮者,因時世人情為之節文者也); seine Methode: „alter Ritus und Zeremoniell der Qin gemischt“ (頗采古禮與秦儀雜就之).
Von den dreißig und mehr Gelehrten aus Lu weigerten sich zwei; ihre Weigerung ist die härteste Stimme beider Kapitel: „der Herr, dem du dienst, hat schon fast zehn Herren gedient und seinen Platz durch Schmeichelei vor jedem Gesicht gewonnen. Jetzt sind die Toten noch nicht begraben, die Verwundeten noch nicht auf, und du willst Musik und Ritus aufrichten. Woraus der Ritus entsteht, braucht hundert Jahre gesammelter Tugend, ehe es unternommen werden kann… Geh, und besudle uns nicht“ (公所事者且十主,皆面諛以得親貴……死者未葬,傷者未起,又欲起禮樂……積德百年而後可興也……無汙我). Shusun Tong lachte: „ihr seid wirklich grobe Gelehrte, die den Wandel der Zeit nicht kennen“ (若真鄙儒也,不知時變). Beide Reden stehen hier; der Artikel nimmt keine Partei. Die Bücher weichen schon in der Weigerung ab: das Hanshu hat 面腴, wo das Shiji 面諛 hat, und kehrt den Satz über die Tugend um.
Ein Monat im offenen Feld
„Mit den dreißig, die er berufen hatte, ging er nach Westen, und mit den Gelehrten aus der Umgebung des Kaisers und seinen Schülern, mehr als hundert Männern, machte er das wei-cui im offenen Feld und übte es über einen Monat“ (遂與所徵三十人西,及上左右為學者與其弟子百餘人,為綿蕞野外。習之月餘). Was das 綿蕞 war, sagt keine der beiden Seiten; die übliche Erklärung ist gespannte Seile und aufgestellte Grasbündel zur Markierung der Ränge — eine gängige Erzählung, die beide Texte nicht aussprechen und die hier nicht ausgebaut wird. Der Kaiser sah sich die Übung dann an: „er ließ die Zeremonie ausführen und sagte: Ich kann das tun“ (上使行禮,曰:「吾能為此」); „dann befahl er den Ministern, sie einzuüben, und setzte den zehnten Monat fest“ (乃令群臣習肄,會十月).
Beide Seiten geben den zehnten Monat ohne Erklärung. In der Rechnung, die die Han von den Qin übernahmen, war der zehnte Monat der erste des Jahres — die übliche Erklärung, auf keiner der beiden Seiten gesagt und hier nicht in einen anderen Kalender umgerechnet. Der Tag: „im siebten Jahr der Han, als der Palast Changle fertig war, kamen die Markgrafen und Minister alle im zehnten Monat zu Hof“ (漢七年,長樂宮成,諸侯群臣皆朝十月). Sie beginnen nicht am selben Punkt: das Shiji hat „im fünften Jahr der Han, als die Welt schon vereint war“ (漢五年,已并天下), das Hanshu nur „als der König von Han die Welt vereint hatte“ (漢王已并天下), ohne Jahr.
Der Tag: was die Texte tatsächlich aufführen
Die Audienz ist keine Leerstelle: beide Seiten geben dieselbe Folge, das Konkreteste in beiden Kapiteln. Vor der Morgendämmerung „ordneten die Einlasser die Zeremonie und führten sie der Reihe nach durch das Palasttor ein“ (先平明,謁者治禮,引以次入殿門). Im Hof „wurden Wagen, Reiterei und Garnisonssoldaten zur Bewachung der Beamten aufgestellt, Waffen bereitgelegt und Banner aufgerichtet“ (廷中陳車騎戍卒衛官,設兵張旗志) — das Shiji hat „Fußsoldaten“ und „den Palast bewachen“ für „Garnisonssoldaten“ und „die Beamten bewachen“. Dann das weitergegebene Wort: „das Wort ‚eilt‘ wurde weitergegeben“ (傳言「趨」), das Hanshu „der Bote sagte ‚eilt‘“ (傳曰「趨」). Unter den Stufen „flankierten die Palastgentlemen die Stufen, mehrere hundert“ (殿下郎中俠陛,陛數百人).
Dann die Ränge: „die Männer des Verdienstes, die Markgrafen, die Generäle und die Offiziere des Heeres standen der Reihe nach auf der Westseite, nach Osten gewandt; die Zivilbeamten vom Kanzler abwärts auf der Ostseite, nach Westen gewandt“ (功臣列侯諸將軍軍吏以次陳西方,東鄉;文官丞相以下陳東方,西鄉). Der Zeremonienmeister „setzte die neun Gäste und gab die Rufe in Abschnitten weiter“ (大行設九賓,臚句傳) — das Shiji hat einfach 臚傳. Dann „kam der Wagen des Kaisers aus der Kammer, und die hundert Beamten, die Hellebarden tragend, gaben die Warnung weiter“ (皇帝輦出房,百官執戟傳警); das Shiji hat „ihre Pflichten tragend“ (執職). „Die Markgrafen und Könige und darunter, bis zu den Beamten von sechshundert Shi, wurden der Reihe nach hereingeführt, um Glückwünsche darzubringen“ (引諸侯王以下至吏六百石以次奉賀), und „keiner war nicht ergriffen und ehrfürchtig“ (莫不振恐肅敬); das Hanshu schreibt 震恐 für 振恐.
Der Trank hatte eigene Regeln: „als die Zeremonie beendet war, wurde der Regelwein wieder aufgestellt; die in der Halle Sitzenden neigten alle die Köpfe tief und erhoben sich nach Rang, um das lange Leben darzubringen; der Becher ging neun Runden, und der Einlasser sagte: hört mit dem Wein auf“ (至禮畢,復置法酒……觴九行,謁者言「罷酒」). Die Bücher weichen hier zweimal ab: das Hanshu hat „alle neigten sich; der Regelwein wurde aufgestellt“ (盡伏,置法酒) und Sitze „unter der Halle“ (殿下) statt „in der Halle“ (殿上). Ordnung wurde durch das Gesetz gehalten: „die Zensoren führten jeden weg, der der Zeremonie nicht folgte“ (御史執法舉不如儀者輒引去), und „während der ganzen Audienz wagte niemand, die Zeremonie zu stören“ (竟朝置酒,無敢讙譁失禮者). Was keine der beiden Seiten gibt, ist die feinere Schicht — Schritte, Winkel, Sprüche, Gefäße; nichts davon wird hier ergänzt.
Ein Satz am Ende
Danach sagte der Kaiser einen Satz, den die Sache festhält: „erst heute weiß ich, wie vornehm es ist, Kaiser zu sein“ (吾乃今日知為皇帝之貴也). Er lobte nicht die Zeremonie; er nannte die Stellung. Dann die Belohnungen: „er machte Tong zum Leiter der Opfer“ — 奉常 im Hanshu, 太常 im Shiji — „und gab ihm fünfhundert Jin Gold“ (賜金五百斤); die Schüler baten um Ämter, und „der Kaiser machte sie alle Palastgentlemen“ (悉以為郎); Shusun Tong ging hinaus und „gab das ganze Gold, fünfhundert Jin, den Gelehrten“ (皆以五百金賜諸生), die Summe so gelassen, wie die Seiten sie lassen. Auch das Urteil der Gelehrten gabelt sich: „Meister Shusun ist ein Weiser, der die Geschäfte der Zeit kennt“ (叔孫生聖人,知當世務); im Shiji „wahrlich ein Weiser, der das Wesentliche davon kennt“ (誠聖人也,知當世之要務).
Wo die beiden Bücher sich trennen
Nebeneinander sind die beiden Berichte eine Sache mit einem Dutzend kleiner Gabelungen. Das Shiji datiert den Anfang auf das fünfte Jahr und nennt die abgeschafften Regeln „raues Zeremoniell der Qin“; das Hanshu gibt keines von beiden. Das Hanshu hat 面腴, wo das Shiji 面諛 hat, und kehrt den Satz über die Tugend um. In der Audienz: Garnisonstruppen, die die Beamten bewachen, oder Fußtruppen, die den Palast bewachen; der Bote, der „sagt“ oder „spricht“; Rufe in Abschnitten oder einfach weitergegeben; Beamte mit Hellebarden oder Pflichten; Wein neu aufgestellt oder Gesellschaft, die sich zuerst neigt; Sitze unter der Halle oder darin; Zittern oder Erschrecken. Das Amt ist 奉常 im einen, 太常 im anderen. Keine Seite sagt, welche Lesart älter ist; keine wird hier korrigiert.
Beide Kapitel schließen auf ihre Weise, und beide Schlüsse sind Urteile, keine Protokolle. Sima Qian: „Shusun Tong maß die Geschäfte der Welt… und wurde am Ende der konfuzianische Patriarch des Hauses Han“ (叔孫通希世度務……卒為漢家儒宗). Ban Gus Lob: „Shusun Tong ließ die Trommel und stellte die Zeremonie eines Königs auf: er traf seine Zeit“ (叔孫通舍枹鼓而立一王之儀,遇其時也). Keine Seite sagt, die Hofzeremonie sei dadurch begründet worden; dieser Artikel auch nicht. Was sie festhalten: ein Streit nach dem Trunk, ein Monat Übung im Feld, eine Audienz und ein Satz des Kaisers.
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Quellen und weitere Lektüre
- 《汉书》卷四十三·郦陆朱刘叔孙传·叔孙通(东汉班固撰;维基文库本,页面白文无注,未与点校本复核) — The court ceremony in the Hanshu: the emperor abolished Qin ceremonial for simplicity, the ministers drank and quarrelled over merit and struck their swords on the pillars; Shusun Tong's argument that Confucians are hard to use for advance and easy for holding ground; the emperor's three conditions — try it, keep it easy to understand, measure it to what I can do; the two Lu scholars who refused because the dead were unburied and virtue needed a hundred years; over a hundred men drilling the wei-cui in the open field for more than a month; the tenth-month audience in the seventh year at the completed Changle palace, from daybreak and the ushers through the relayed word 'hasten', the ranks east and west, the nine guests, the carriage, the congratulations, the set wine, nine rounds of cups and the censors removing anyone out of order; the emperor's sentence about knowing how noble an emperor is; the appointment as 奉常 and the five hundred jin of gold given away to the scholars.
- 《史记》卷九十九·刘敬叔孙通列传(西汉司马迁撰;维基文库本,页面白文无注,未与点校本复核) — The Shiji's second telling, with small but telling variants: it dates the beginning to the fifth year of Han, calls the abolished rules 'the harsh Qin ceremonial', prints 面諛 for the Hanshu's anomalous 面腴 and orders the sentence on virtue the other way, has step soldiers guarding the palace and officers 'holding duties' rather than halberds, relays the calls without the extra character, sets out the wine again rather than having the company bow first, seats them in the hall rather than below it, and appoints Shusun Tong 太常 where the Hanshu has 奉常. It closes with Sima Qian's verdict that he became 'the Confucian patriarch of the Han house'.




