Das Kapitel „Weizi“ im Buch der Dokumente ist kurz genug für eine Seite: ein Gespräch, zwei Sprecher, Weizi fragt und der Vater-Meister antwortet. Zuerst muss die Quellenschicht benannt werden. Das Buch der Dokumente ist ein seit der Zhou-Zeit überliefertes und bearbeitetes Textkorpus, und dieses Kapitel gilt allgemein als von späterer Hand zusammengestellt, nicht von Weizi selbst geschrieben; die Sprecher und die Form von Frage und Antwort werden hier abgeschrieben, die Seite aber nicht als zeitgenössischer Bericht behandelt. Das Shiji, Juan 38, schreibt dieselbe Szene um; beide Seiten werden hier gelesen, keine wird in die andere eingeschmolzen.

Zuerst eine Liste dessen, was falsch läuft

Weizi beginnt nicht mit einem Argument: „Weizi sprach also: Vater-Meister, jüngerer Meister, Yin kann die vier Himmelsrichtungen nicht ordnen. Unsere Ahnen haben ihren Aufzug oben ausgebreitet, und wir versinken im Trunk und richten so seine Tugend unten zugrunde“ (微子若曰:父師、少師,殷其弗或亂正四方……我用沈酗于酒,用亂敗厥德于下). Dann die Liste: groß und klein gleichermaßen „haben Gefallen an verborgenem Diebstahl und Schurkerei“ (好草竊姦宄); „die Beamten und Häupter nehmen kein Vorbild, und von denen, die Schuld haben, wird keiner regelmäßig gefasst“ (卿士師師非度,凡有辜罪,乃罔恒獲); „das geringe Volk erhebt sich gemeinsam und wird einander zum Feind“ (小民方興,相為敵讎). Und es schließt mit einem Bild: „jetzt geht Yin zugrunde, wie wer einen großen Fluss ohne sichtbares Ufer durchquert. Yin geht dem Untergang entgegen, und es ist dahin gekommen an diesem Tag“ (今殷其淪喪,若涉大水,其無津涯). Die Seite druckt die Varianten in runden Klammern; sie werden so belassen, wie sie gedruckt sind.

Die erste Person ist wichtig: „wir versinken im Trunk“ lässt Weizi für Yin sprechen, und es ist ein Satz über den Hof, keine Erhebung über jedermanns Trinken. Dieser Artikel macht daraus nicht „die Shang tranken alle“ und bietet keine Theorie über den Fall von Yin: das Kapitel gibt Worte von Menschen, keine Schlussfolgerung.

Die zweite Frage: gehen oder bleiben

Die Frage ist eine Folge von Fragen: „Soll ich aufbrechen und gehen? Oder sollen die Alten unseres Hauses sich in die Wildnis zurückziehen? Wenn ihr mir den Weg nicht weist, werde ich stürzen — was ist zu tun?“ (我其發出狂?吾家耄遜于荒?今爾無指告,予顛隮,若之何其). Die Seite vermerkt 狂 als Variante von 往. Das Shiji hat denselben Satz anders: „Soll ich aufbrechen und gehen? Soll unser Haus in seinem Verfall erhalten werden? Jetzt gibst du mir keinen Grund zur Weisung — ich strauchle, was ist zu tun?“ (我其發出往?吾家保于喪?今女无故告予,顛躋,如之何其). „Sich in die Wildnis zurückziehen“ und „im Verfall erhalten werden“ sind zwei Lesarten einer Klausel; beide stehen hier und keine wird gewählt.

Der Vater-Meister antwortet, indem er zuerst den Prinzen nennt, dann das Unheil: „Der Himmel sendet Unheil herab, um den Staat Yin zu verwüsten; wir erheben uns im Trunk und fürchten nichts, und wir stoßen unsere Alten und die seit langem im Amt Stehenden beiseite“ (天毒降災荒殷邦,方興沈酗于酒,乃罔畏畏,咈其耇長、舊有位人) — 毒 ist auf der Seite als Variante von 篤 vermerkt. Dann der schärfste Punkt: „jetzt rauben die Leute von Yin die Opfertiere der Götter und Geister, um sie in Ruhe zu essen, und kein Unheil kommt“ (今殷民乃攘竊神祇之犧牷牲用,以容將食,無災). Dann: „ich werde seinen Untergang mittragen; wenn Shang fällt, werde ich nicht Diener des neuen Hauses sein“ (商今其有災,我興受其敗。商其淪喪,我罔爲臣僕).

Der Schluss zieht die Linie: „Ich heiße den Prinzen hinausgehen; geht der Prinz nicht hinaus, so werden wir stürzen. Beruhigt euch; jeder bringt sich selbst den früheren Königen dar — ich aber werde mich nicht abwenden und fliehen“ (詔王子出……王子弗出,我乃顛隮。自靖,人自獻于先王,我不顧行遯). Er heißt den Prinzen zu gehen und sagt, dass er selbst nicht gehen wird. Das ist der härteste Satz des Kapitels.

Die Umschrift des Shiji: derselbe Dialog

Das Shiji liefert zuerst einen Hintergrund, den das Kapitel nicht hat: Weizi Kai — die Anmerkung sagt, das Zeichen sei geändert worden, um das Tabu des Namens Kaiser Jings zu meiden — war der älteste Sohn des Di Yi und der ältere Halbbruder des Tyrannen Zhou. Als Zhou auf den Thron kam, war er nicht erleuchtet und im Regiment zügellos, und Weizi ermahnte ihn mehrere Male, ohne gehört zu werden. Dann eine Episode, die im Buch der Dokumente fehlt: Zu Yi, weil der Westliche Graf Chang von Zhou die Tugend pflegte und den Staat Li zerstörte, fürchtete das Unheil und sagte es dem König; der König sprach: „Habe ich nicht das Mandat des Himmels? Was kann er tun?“ (我生不有命在天乎?是何能爲). Das Shiji schreibt den Trunk auch dem König zu: „Zhou war in Wein versunken und folgte dem Rat der Frauen“ (沈湎於酒,婦人是用).

Der Dialog wird umgeformt. Weizi „urteilte, der König sei nie zu ermahnen; er wollte sterben und dann gehen und konnte sich nicht entscheiden“ (度紂終不可諫,欲死之,及去,未能自決), und fragte deshalb den Groß-Meister und den jüngeren Meister. Ihr Wechsel ist hier abgeschrieben: „Der Himmel sendet Verderben herab auf den Staat Yin; sie fürchten nichts und brauchen die Alten und Senioren nicht“ (天篤下菑亡殷國……不用老長); „jetzt schänden die Leute von Yin die Opfer der Götter“ (今殷民乃陋淫神祇之祀); „wenn Regieren zu erreichen wäre und der Staat regiert würde, bedauerte ich den Tod nicht; aber sterben und das Regieren doch nicht erreichen — besser zu gehen“ (今誠得治國,國治身死不恨。爲死,終不得治,不如去). Dann drei Zeichen: „und so entfloh er“ (遂亡).

Die beiden Seiten enden in entgegengesetzter Richtung. Im Buch der Dokumente sagt der Vater-Meister „ich werde mich nicht abwenden und fliehen“ und bleibt; im Shiji sagt der Groß-Meister „besser zu gehen“, und Weizi geht. Sogar die Titel unterscheiden sich (Vater-Meister und Groß-Meister), und auch die Wörter — 沈酗 und 沈湎 für den Trunk, 天毒 und 天篤 für das Senden des Himmels, „die Opfertiere rauben“ gegen „die Opfer schänden“, das eine konkret, das andere allgemein. Alles steht nebeneinander, nichts wird entschieden; dass 父師 und 太師 zwei Namen für ein Amt sind, ist die übliche Lesung.

Drei Wege: gehen, bleiben, Wahnsinn vortäuschen

Derselbe Juan gibt zwei weitere Männer und mit ihnen die anderen zwei Wege. Jizi, ein Verwandter des Königs, ermahnte und wurde nicht gehört; „jemand sagte: du kannst jetzt gehen. Jizi sagte: als Diener ermahnen, nicht gehört werden und dann gehen, heißt die Schuld des Herrschers ausstellen und sich selbst den Beifall des Volkes gewinnen — ich kann es nicht über mich bringen. Er ließ dann sein Haar herabfallen, täuschte Wahnsinn vor und wurde Sklave“ (乃被髮詳狂而爲奴). Der Prinz Bigan, ebenfalls ein Verwandter, sah Jizi zum Sklaven gemacht und sagte: „hat ein Herrscher einen Fehler und man streitet nicht bis zum Tod, welche Schuld tragen dann die gemeinen Leute?“ und ermahnte ohne Umschweife; der König sprach: „ich habe gehört, das Herz des Weisen habe sieben Öffnungen“, ließ Bigan töten und die Brust öffnen, um das Herz zu sehen. Gehen, bleiben, sterben: alle drei Wege stehen auf dieser Seite. Das Weizi-Kapitel des Buchs der Dokumente enthält keinen der beiden Männer. Dieser Artikel stellt die drei Wege so auf, wie die Texte sie aufstellen, und ordnet keinen.

Was keine der beiden Seiten gibt

Keine von beiden gibt ein Datum, den Zeitpunkt oder das Ziel von Weizis Fortgang, die Identität der beiden Meister oder eine Antwort des Königs — „habe ich nicht das Mandat des Himmels“ kommt vor dem Gespräch, in der Zu-Yi-Episode. Dass Weizi, Jizi und Bigan zusammengezählt werden, ist eine spätere Zusammenfassung: der Juan schließt mit dem Großen Historiker, der Konfuzius zitiert, „Yin hatte drei wohlwollende Männer“ (殷有三仁焉), ein Historikerzitat, nicht die Worte des Kapitels. Eine Seite ist Frage und Antwort; die andere schreibt sie um, mit Hintergrund, dem Satz des Königs, „besser zu gehen“ und „und so entfloh er“. Eine Sache, zwei Ausgänge; keine Seite sagt, welcher näher ist, und dieser Artikel entscheidet nicht.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《尚书·微子》(维基文库本,页面白文无注;圆括号内为录文所加异文校字,未与中华书局点校本复核) — The whole short chapter: Weizi speaks to the Father-Master and Junior-Master — Yin cannot order the four quarters; 'we are sunk in drink and so ruin his virtue below'; great and small delight in theft and villainy; the officers take no model; the common people rise and become each other's enemies; the state is 'like crossing a great river with no bank in sight'. He asks whether to go or stay; the Father-Master answers that Heaven sends down calamity, that the people steal the sacrificial victims of the gods and eat them with impunity, that when Shang falls he will not be a servant of the new house, that the prince should go, and that he himself will not flee. The page's parenthetical variant characters are printed as they stand.
  2. 《史记》卷三十八·宋微子世家(西汉司马迁撰;维基文库本,页面白文,〈〉内为录文夹注,未与点校本复核) — The Shiji's rewriting of the same scene: Weizi Kai (the note says the character was changed to avoid the taboo on Emperor Jing's name), eldest son of Di Yi and elder half-brother of the tyrant; the king will not listen to remonstrance; Zu Yi warns him after the Western Earl's rise and the fall of Li, and the king answers 'am I not possessed of the mandate of Heaven? What can he do?'; Weizi, unable to decide between dying and leaving, questions the Grand-Master and Junior-Master; the Grand-Master says the people now profane the sacrifices, that if governing were possible death would not be regretted, but since it is not, 'better to go' — and Weizi departs. The same juan also has Jizi feigning madness and becoming a slave, and Bigan killed for remonstrating, and closes with the Grand Historian quoting Confucius on the three benevolent men of Yin.