Am Tag des Auszugs weinten zwei alte Männer. Herzog Mu von Qin hörte es und wurde zornig: 孤發兵而子沮哭吾軍,何也? — ich hebe ein Heer aus, und ihr weint, um es zu verfluchen; warum? Die beiden antworteten: 臣非敢沮君軍。軍行,臣子與往;臣老,遲還恐不相見,故哭耳 — wir wagten nicht, das Heer aufzuhalten; es zieht aus, und unsere Söhne ziehen mit; wir sind alt und fürchten, sie nicht wiederzusehen, darum weinen wir. Dann, außer Hörweite des Herzogs, sagten sie zu ihren Söhnen: 汝軍即敗,必於殽阨矣 — wenn euer Heer geschlagen wird, dann am Pass von Xiao.

Die Sache beginnt im Jahr davor. Leute aus Zheng bieten ihre Stadt an: 我主其城門,鄭可襲也. Herzog Mu fragt Jian Shu und Baili Xi, und beide sagen nein: 徑數國千里而襲人,希有得利者。且人賣鄭,庸知我國人不有以我情告鄭者乎?不可. Die Antwort des Herzogs sind sechs Worte: 子不知也,吾已決矣 — du verstehst es nicht; ich habe entschieden. Drei Generäle übernehmen das Heer: Mengmingshi, der Sohn des Baili Xi, Xiqishu, der Sohn des Jian Shu, und Baiyibing. Die beiden weinenden Alten hatten ihre Söhne in dieser Kolonne.

Erstens: vor der Schlacht, zwei alte Männer und drei Generäle

Unterwegs kommt eine zweite Warnung. Das Heer zieht nach Osten durch das Land von Jin und 過周北門, durch das Nordtor von Zhou; der Zhou-Beamte Wangsun Man sagt: 秦師無禮,不敗何待 — dieses Heer kennt keine Riten; was soll es anderes erwarten als die Niederlage? Zwei Warnungen, eine von einem Alten im eigenen Land, eine von einem vorbeikommenden Beamten des Zhou-Hofes. Die Annalen halten beide fest, und keine hat eine Folge: niemand ändert die Entscheidung.

Bei Hua trifft das Heer auf Xian Gao: 鄭販賣賈人弦高,持十二牛將賣之周,見秦兵,恐死虜,因獻其牛,曰:「聞大國將誅鄭,鄭君謹修守御備,使臣以牛十二勞軍士。」 Ein Händler aus Zheng trieb zwölf Rinder zum Markt nach Zhou; als er das Heer sah, fürchtete er Tod oder Gefangenschaft, gab die Rinder hin und ließ melden, sein Herr habe die Verteidigung bereits in Ordnung gebracht. Die drei Generäle beraten: 將襲鄭,鄭今已覺之,往無及已 — Zheng ist gewarnt; weiterzuziehen nützt nichts. Der nächste Satz ist eine andere Sache: 滅滑。滑,晉之邊邑也 — sie zerstörten Hua, und Hua war eine Grenzstadt von Jin. Die Rinder sind eines, die Zerstörung von Hua ein zweites, die Niederlage bei Xiao ein drittes; die Annalen nehmen sie eines nach dem anderen, und dieser Artikel auch.

Zweitens: Xiao

Den Grund, den Jin für den Auszug angibt, hat der Kronprinz in eigenen Worten: 秦侮我孤,因喪破我滑 — Qin verhöhnt unseren Waisen und bricht unser Hua, während wir in Trauer sind. Das Begräbnis des alten Herzogs hatte noch nicht stattgefunden; so 遂墨衰絰,發兵遮秦兵於殽,擊之,大破秦軍,無一人得脫者。虜秦三將以歸 — sie schwärzten die Trauerkleider, schickten Truppen, um das Qin-Heer bei Xiao abzufangen, zerschlugen es, ließen keinen einzigen entkommen und führten die drei Generäle gefangen heim. Die Wende kommt außerhalb des Schlachtfelds: die Frau Herzog Wens war eine Qin, und sie bat um die Gefangenen — 繆公之怨此三人入於骨髓,願令此三人歸,令我君得自快烹之 — und der Herzog von Jin ließ sie ziehen.

Wie Herzog Mu sie empfing, steht in der nächsten Zeile: 三將至,繆公素服郊迎,向三人哭曰:「孤以不用百里傒、蹇叔言以辱三子,三子何罪乎?子其悉心雪恥,毋怠。」 Er erwartete sie vor den Mauern in schlichter Kleidung, weinte über ihnen und nahm die Schuld auf sich, weil er die beiden Alten nicht gehört hatte; dann 復三人官秩如故,愈益厚之. Alles hier ist der Text der Annalen, und nichts davon spricht schon davon, die Toten zu rächen; die Rache kommt zwei Jahre später.

Drittens: zwei Jahre danach, die Gräber und der Eid

Im sechsunddreißigsten Jahr schickte Herzog Mu erneut Mengmingshi gegen Jin: 渡河焚船,大敗晉人,取王官及鄗,以報殽之役。晉人皆城守不敢出 — sie gingen über den Fluss und verbrannten die Boote, schlugen das Heer von Jin, nahmen Wangguan und Hao und vergalten Xiao. Dann die Szene: 於是繆公乃自茅津渡河,封殽中尸,為發喪,哭之三日。乃誓於軍曰:「嗟士卒!聽無譁,余誓告汝。古之人謀黃髮番番,則無所過。」 Er ging bei Maojin über den Fluss, sammelte die Toten von Xiao in einem Grab, hielt die Trauer und weinte drei Tage; dann schwor er vor dem Heer. Die Annalen nennen den Grund: 以申思不用蹇叔、百里傒之謀,故作此誓,令後世以記余過 — um seine Reue zu erneuern, dass er ihren Rat nicht gebraucht hatte, und damit spätere Zeiten seine Schuld aufzeichneten. Ein Urteil des Historikers folgt: 君子聞之,皆為垂涕,曰:「嗟乎!秦繆公之與人周也,卒得孟明之慶。」

Viertens: der Eid in zwei Gestalten

Die Annalen zitieren nur den Anfang; der volle Text ist der Qin shi des Shangshu, ein kurzes Stück, das so beginnt: 公曰:「嗟!我士。聽無嘩。予誓告汝群言之首。古人有言曰:『民訖自若是多盤。責人斯無難,惟受責俾如流,是惟艱哉!』我心之憂,日月逾邁,若弗云來。」 Andere zu tadeln ist nicht schwer; den Tadel anzunehmen und an sich vorbeifließen zu lassen wie Wasser, das ist das Schwere; der Kummer meines Herzens — die Tage und Monate gehen dahin, als kämen sie nie zurück. Dann wendet sich die Rede den Menschen zu, die ein Herrscher halten soll: die Ratgeber von einst und heute, die Weißhaarigen, den Tapferen, den redegewandten Schwätzer, und zuletzt den einen Minister 斷斷猗無他技,其心休休焉,其如有容 — ohne andere Fertigkeit, aber mit einem Herzen groß genug, andere zu fassen: 人之有技,若己有之;人之彥聖,其心好之……以保我子孫黎民. Wer das nicht kann, verdirbt den Staat: 邦之杌隉,曰由一人;邦之榮懷,亦尚一人之慶.

Legt man das Zitat der Annalen neben den Text des Shangshu, passen sie nicht zusammen. Die Annalen haben 古之人謀黃髮番番,則無所過; der Qin shi hat diesen Satz nicht, nur den nahen 番番良士,旅力既愆,我尚有之. Die übrigen Abweichungen sind kleiner: 聽無譁,余誓告汝 in den Annalen gegen 聽無嘩。予誓告汝 im Shangshu, 余 und 予. Beides wird hier gegeben, keines berichtigt. Die Seite markiert zudem ihre 今古文-Varianten in Klammern nach den Zeichen (忌/惎, 番/皤, 旅/膂, 彥/獻, 冒/媢, 疾/嫉, 惡/䛩), die dieser Artikel berichtet und nicht entscheidet. Und die Rede beginnt mit 公曰, ohne den Herzog zu nennen: die Annalen stellen sie in das sechsunddreißigste Jahr Herzog Mus, was eine Anordnung der Annalen ist, keine Behauptung der Rede.

Fünftens: was die beiden Seiten geben und nicht geben

  • Ein Bericht, ein Eid — nicht zwei Stücke Beweis. Die Annalen erzählen (das Weinen, die zwölf Rinder, die Niederlage, die Gräber) und zitieren nur die erste Zeile des Eids; der Qin shi ist der Eid selbst. Die beiden Gattungen stehen nebeneinander; keine ergänzt die andere, keine beweist die andere.
  • Die Rinder und die Niederlage bleiben getrennt. Nach den Rindern kommt das Urteil der Generäle, dann die Zerstörung von Hua, dann der von Jin genannte Grund (因喪破我滑); jeder Schritt hat seine eigenen Worte, und dieser Artikel verkettet sie nicht zu einer Ursache, noch sagt er, zwölf Rinder hätten Zheng gerettet.
  • Dynastie und Einordnung: dies ist das Qin der Frühlings- und Herbstzeit, ein Fürstenstaat, und der Qin shi steht im Shangshu unter 周書, als letztes Stück der Zhou-Dokumente — nicht als „Buch eines Staates namens Qin“. Der Artikel sagt es.
  • Der Eid wird zitiert, wie er geschrieben steht (責人斯無難,惟受責俾如流,是惟艱哉 und 我心之憂,日月逾邁,若弗云來 unter anderen); die eingeklammerten 今古文-Varianten werden nicht entschieden; die Seite des Qin shi hat einige hundert Zeichen und trägt Textquality 50%.
  • Die Zahlen bleiben wie geschrieben: zwölf Rinder, drei Generäle (Mengmingshi, Xiqishu, Baiyibing), drei Tage des Weinens — keine Umrechnung, keine Schätzung der Truppenstärke, keine Institution aus den drei Tagen.
  • Getrennt gehaltene Linien: die Schlachtordnung von Chengpu, die Aufstellung von Muye und Tangs Gründe gegen Jie sind andere Artikel; dieser bleibt bei einer Schlacht und einem Eid und führt keine allgemeinen Reden über Qins Aufstieg oder das Verhältnis von Herr und Minister.

Was die beiden Seiten hinterlassen, ist nicht eine Geschichte, sondern zwei Dinge: die Annalen hinterlassen Szenen — zwei alte Männer, die weinen, drei Generäle, die heimkehren, ein Fluss, der überquert wird, Tote, die bestattet werden, drei Tage Trauer; der Qin shi hinterlässt eine Rede — die Schwierigkeit, Tadel anzunehmen, die Eile der Tage, den Unterschied zwischen dem Menschen, der andere fassen kann, und dem, der es nicht kann. Die Namen und Jahre gibt es nur in den Annalen; der Sprecher der Rede ist nur 公. Jedes steht für sich, und beide zusammen sind das Ereignis.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《史记》卷五〈秦本纪〉(维基文库本,未与中华书局点校本复核) — The whole episode is in 秦繆公's reign. The decision: 鄭人有賣鄭於秦曰:「我主其城門,鄭可襲也。」繆公問蹇叔、百里傒,對曰:「徑數國千里而襲人,希有得利者……不可。」繆公曰:「子不知也,吾已決矣。」遂發兵,使百里傒子孟明視,蹇叔子西乞術及白乙丙將兵。 The farewell: 行日,百里傒、蹇叔二人哭之。繆公聞,怒曰:「孤發兵而子沮哭吾軍,何也?」二老曰:「臣非敢沮君軍。軍行,臣子與往;臣老,遲還恐不相見,故哭耳。」二老退,謂其子曰:「汝軍即敗,必於殽阨矣。」 The road: 過周北門。周王孫滿曰:「秦師無禮,不敗何待!」兵至滑,鄭販賣賈人弦高,持十二牛將賣之周,見秦兵,恐死虜,因獻其牛,曰:「聞大國將誅鄭,鄭君謹修守御備,使臣以牛十二勞軍士。」秦三將軍相謂曰:「將襲鄭,鄭今已覺之,往無及已。」滅滑。滑,晉之邊邑也。 The defeat: 太子襄公怒曰:「秦侮我孤,因喪破我滑。」遂墨衰绖,發兵遮秦兵於殽,擊之,大破秦軍,無一人得脫者。虜秦三將以歸. The return: 三將至,繆公素服郊迎,向三人哭曰:「孤以不用百里傒、蹇叔言以辱三子,三子何罪乎……」 The oath: 三十六年……大敗晉人,取王官及鄗,以報殽之役……於是繆公乃自茅津渡河,封殽中尸,為發喪,哭之三日。乃誓於軍曰:「嗟士卒!聽無譁,余誓告汝。古之人謀黃髪番番,則無所過。」以申思不用蹇叔、百里傒之謀,故作此誓,令後世以記余過。君子聞之,皆為垂涕,曰:「嗟乎!秦繆公之與人周也,卒得孟明之慶。」The chapter later records 三十九年……從死者百七十七人, which this article does not use.
  2. 《尚书·秦誓》(维基文库本,白文,页内以括号标今古文异说,页头标 Textquality 50%,未与中华书局点校本复核) — The page header files it as 周書‧秦誓, between 費誓 and the end of the book — the last piece of the Zhou documents. The text is short: 公曰:「嗟!我士。聽無嘩。予誓告汝群言之首。古人有言曰:『民訖自若是多盤。責人斯無難,惟受責俾如流,是惟艱哉!』我心之憂,日月逾邁,若弗云來。惟古之謀人,則曰未就予忌(惎);惟今之謀人,姑將以為親。雖則云然,尚猷詢兹黃髪,則罔所愆。番(皤)番(皤)良士,旅(膂)力既愆,我尚有之。仡仡勇夫,射御不違,我尚不欲。惟截截善諞言,俾君子易辭,我皇多有之。昧昧我思之:如有一介臣,斷斷猗無他技,其心休休焉,其如有容。人之有技,若己有之;人之彥(獻)聖,其心好之,不啻如自其口出,是能容之。以保我子孫黎民,亦職有利哉!人之有技,冒(媢)疾(嫉)以惡(䛩)之;人之彥(獻)聖,而違之,俾不達,是不能容。以不能保我子孫黎民,亦曰殆哉!邦之杌隉,曰由一人;邦之榮懷,亦尚一人之慶。」 The bracketed characters are the page's 今古文 variant readings (忌/惎, 番/皤, 旅/膂, 彥/獻, 冒/媢, 疾/嫉, 惡/䛩); they are noted here and not adjudicated. The speech begins with 公曰 and never names the duke.