Eine neue Dynastie, und einer ihrer ersten Akte ist, aufzuschreiben, was ihre Amtsträger nicht tun dürfen. Die Liste ist kurz: die ganze Nacht im Palast tanzen, betrunken in den inneren Gemächern singen; Gier nach Gütern und nach Frauen; Jagen ohne Ende. Das nennt man die drei Winde. Sie sind erhalten im Yixun, den Instruktionen des Yi Yin, und der Schauplatz ist eine einzige Zeremonie: im ersten Jahr, im zwölften Monat, an einem Yichou-Tag opferte Yi Yin den früheren Königen und führte den neuen König vor seine Ahnen. Was folgt, ist kein Gesetzbuch. Es ist eine Warnung an Männer, die ein Amt tragen — und es ist vielleicht das Früheste im überlieferten Shangshu, das wie eine Liste von Regeln aussieht.
Woher die Liste kommt
Die Seite beginnt mit einem Datum und einem Raum: „惟元祀,十有二月,乙丑,伊尹祠于先王,奉嗣王祗見厥祖,侯甸群后咸在,百官總己以聽冢宰“ — erstes Jahr, zwölfter Monat, ein Yichou-Tag: Yi Yin opferte den früheren Königen, führte den Erben vor seine Ahnen; die Herren von Hou und Dian waren alle anwesend, und die hundert Beamten hörten auf den zhongzai, den leitenden Minister. 元祀 liest man als das erste Jahr, 乙丑 ist ein Tag im Sechzigerzyklus und wird nicht umgerechnet, und 侯甸 und 冢宰 sind nur mit Namen genannt. Dann „伊尹乃明言烈祖之成德,以訓于王“ — Yi Yin legte die Tugend der Gründer dar, um den König zu unterweisen: „肇修人紀,從諫弗咈…檢身若不及“. Und dann die sieben Zeichen, an denen die Liste hängt: „制官刑,儆于有位“ — er schuf die Amtstrafe, guanxing, um die zu warnen, die ein Amt innehaben. Die drei Winde sind Amtsdisziplin, gerichtet an Amtsträger, nicht Statut. Keine Artikel, kein Verfahren, kein Strafkatalog: das ist ein xun, eine Unterweisung, kein Gesetzbuch.
Drei Winde: drei Sätze, acht Punkte
Die drei Sätze lauten: „敢有恒舞于宮、酣歌于室,時謂巫風;敢有殉于貨色、恒于游畋,時謂淫風;敢有侮聖言、逆忠直、遠耆德、比頑童,時謂亂風“. Ein Schamanenwind: unablässiges Tanzen in den Hallen, betrunkenes Singen in den Kammern. Ein Wind der Zügellosigkeit: für Güter und Schönheit sterben, nie vom Jagen rasten. Ein Wind der Unordnung: weise Worte verspotten, dem Treuen und Aufrechten widerstehen, alte Tugend auf Abstand halten, sich trotzigen Knaben zuneigen. Zwei Punkte, zwei Punkte, vier Punkte — acht insgesamt.
Der nächste Satz aber nennt sie „惟茲三風十愆“ — diese drei Winde und zehn Fehler. Die Zehn ist die eigene Zahl des Textes; die Seite listet keine zehn auf. Dieser Artikel gibt die drei Sätze und zählt acht, und er wird die Lücke nicht füllen. Eine Rechnung ist festzuhalten, und nichts weiter: teilt man 貨色 in Güter und Schönheit, 游畋 in Jagen und Streifen, so ergeben die drei Winde zehn — aber das ist eine Weise zu zählen, nicht die Liste der Seite. Ob das 巫 von 巫風 das 巫 der Schamanen ist, sagt die Seite nicht, und dieser Artikel rät nicht.
Die Folgen: ein Haus, ein Staat und der Mann, der schweigt
Die Folgen kommen in zwei Stufen: „惟茲三風十愆,卿士有一于身,家必喪;邦君有一于身,國必亡“ — von diesen drei Winden und zehn Fehlern: hat ein Minister einen an sich, so ist sein Haus gewiss verloren; hat ein Fürst eines Staates einen, so ist sein Staat gewiss verloren. Dieselbe Liste, nach Rang bemessen. Dann eine Zeile, die seitwärts greift: „臣下不匡,其刑墨,具訓于蒙士“ — wenn die Unteren ihn nicht zurechtweisen, ist ihre Strafe mo, die Tintenstrafe; den 蒙士 wird sie vollständig gelehrt. 墨 ist nur als Name einer Strafe gegeben, und wie sie vollzogen wurde, steht nicht auf der Seite; 蒙士 wird dort auch nicht erklärt.
Die Liste schließt mit Gemeinplätzen: „惟上帝不常,作善降之百祥,作不善降之百殃“ — der Himmel ist nicht beständig; er sendet hundert Segen über den Guten und hundert Unheil über den Bösen. Und dann: „爾惟德罔小,萬邦惟慶;爾惟不德罔大,墜厥宗“ — keine Tugend ist zu klein, um zu zählen, und kein Fehler ist zu klein, um ein Geschlecht zu Fall zu bringen. Das ist der ganze Vollzugsmechanismus, den die Seite bietet: eine Lehre von den Folgen, kein Strafkatalog.
Die andere Seite: die Unruhe eines Gründers
Die zweite Seite beginnt mit dem Historiker, nicht mit dem Redner. „成湯放桀于南巢,惟有慚德,曰:予恐來世以台為口實。仲虺乃作誥“ — Tang von Shang trieb Jie von Xia nach Nanchao fort und blieb mit einem Gefühl der Scham zurück und sagte: ich fürchte, spätere Zeitalter werden daraus einen Vorwand gegen mich machen. Erst dann erhebt Zhonghui seine Verkündigung. Man beachte die Reihenfolge: die Scham und der Satz sind der Rahmen des Erzählers, gestellt vor Zhonghuis Worte; 台 liest man herkömmlich als „ich“, Tangs eigenes Wort, und 放 heißt vertrieben, nicht getötet. Nichts im Kapitel zeigt Tang, der noch etwas anderes sagt.
Zhonghui argumentiert von Grund auf. „惟天生民有欲,無主乃亂;惟天生聰明時乂“ — der Himmel brachte Menschen mit Begierden hervor, und ohne Herrscher geraten sie in Unordnung; so bringt der Himmel die Klarsichtigen hervor, die sie zu ihrer Zeit regieren. Dann die Übertragung: „有夏昬德,民墜涂炭,天乃錫王勇智,表正萬邦,纘禹舊服“ — der Herrscher von Xia war verblendet, das Volk fiel in Schlamm und Feuer, und der Himmel gab dem König Mut und Weisheit, um den zehntausend Staaten ein Maß zu setzen und Yus altes Gebiet fortzuführen. Der Anspruch ist sorgfältig: Shang führt Yu fort, nicht Jie. Xias Verbrechen ist „矯誣上天,以布命于下“, den Himmel falsch anzurufen, um unten Befehle zu erlassen. Und dann das schärfste Bild beider Seiten: „肇我邦于有夏,若苗之有莠,若粟之有秕;小大戰戰,罔不懼于非辜“ — in Xias Augen war das aufsteigende Shang Unkraut unter den Keimlingen und Spreu unter der Hirse, so dass Groß und Klein zitterten und eine Schuld fürchteten, die sie nicht verdient hatten.
Dann zählt er die Tugenden des Königs: „不邇聲色,不殖貨利“ — keine Nähe zu Musik und Frauen, kein Vermehren von Gütern und Gewinn; „德懋懋官,功懋懋賞“ — wo die Tugend reich war, belohnte er sie mit Amt, wo das Verdienst reich war, mit Gaben; „用人惟己,改過不吝,克寬克仁,彰信兆民“. Der Krieg hat hier einen Anfang, und es ist nicht derselbe Anfang wie im Yixun: „乃葛伯仇餉,初征自葛,東征西夷怨,南征北狄怨;曰:奚獨後予“ — der Graf von Ge nahm Anstoß an der Sendung von Speise, und der erste Feldzug ging nach Ge; zieh nach Osten, und die westlichen Stämme klagten, zieh nach Süden, und die nördlichen Stämme klagten und sagten: warum sind wir die Letzten? Der Satz des Volkes ist der beste auf der Seite: „攸徂之民,室家相慶,曰:徯予后,后來其蘇“ — wohin er auch ging, die Haushalte jubelten und sagten: wir warteten auf unseren Herrn; nun ist unser Herr gekommen, und wir leben.
Die beiden Seiten beginnen den Krieg an zwei Orten. Das Yixun zählt vom letzten Gefecht an: „造攻自鳴條,朕哉自亳“ — der Angriff begann bei Mingtiao, und wir begannen von Bo. Das Zhonghui-Kapitel zählt vom ersten an: „初征自葛“. Dieselbe Eroberung, zwei Ausgangspunkte, und dieser Artikel hält sie auseinander. Er endet mit Maximen: „德日新,萬邦惟懷;志自滿,九族乃離“; „能自得師者王,謂人莫己若者亡“; „好問則裕,自用則小“; „慎厥終,惟其始“ — was derselbe Rat ist wie das „罔不在初“ des Yixun: alles liegt im Anfang.
Versionen, und was diese Seiten nicht sagen können
Die beiden Seiten tragen nicht dieselben Marken, und das muss Seite für Seite gesagt werden. Der Kopf der Zhonghui-Seite hat 梅賾, und auch 僞, und 本作品收錄於《古文尚書》. Der Kopf der Yixun-Seite hat nur 梅賾 — kein 僞. Es ist also nicht wahr, dass „die Seiten beide als gefälschtes Stück des Alttext-Shangshu markiert sind“; die Belege auf der Ebene der Seiten sind ungleich. Die übliche Darstellung ist, dass beide zum Mei-Ze-Bestand des Alttext-Shangshu gehören und spätere Kompositionen sind, keine Archive der Shang — weshalb jede Behauptung in ihnen, auch 天乃錫王勇智, hier als Zhonghuis Argument gelesen wird, nicht als Aufzeichnung.
Vier Grenzen. Die zehn Punkte der zehn Fehler werden nicht geliefert. Die Strafe 墨 wird genannt und nicht beschrieben. Die Schlachten bei Mingtiao und bei Ge werden genannt und nicht erzählt, und Jies Verbrechen werden nicht über 昬德 und 矯誣上天 hinaus ergänzt. Yi Yin und Zhonghui bekommen keine Biographien; die Seiten geben ihnen je eine Handlung, ein Opfer und eine Verkündigung. Diese Website hat über den Eid geschrieben, den Tang vor dem Feldzug leistete, über die Strafen der Shang, über das Trinkverbot der Zhou und über Minister der Shang; dieser Text ist eine Liste und die Unruhe eines Mannes.
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Quellen und weitere Lektüre
- 《尚書·伊訓》(舊題商伊尹作;維基文庫本,白文無注,頁頭署「梅賾」,無「(僞)」標記,未與中華書局點校本複核) — A page headed 伊訓 with the name 梅賾 at its head and no 偽 mark, standing between 湯誥 and 太甲上: an Old Text chapter of the received Shangshu, therefore a later text and not a Shang archive. It gives one occasion — 惟元祀,十有二月,乙丑,伊尹祠于先王,奉嗣王祗見厥祖,侯甸群后咸在,百官總己以聽冢宰 — and one speech: the good days of Xia and the failure of its descendants (于其子孫弗率,皇天降災,假手于我有命;造攻自鳴條,朕哉自亳), the virtues of the founders (先王肇修人紀…檢身若不及), and then 制官刑,儆于有位: three winds and their consequences. The three winds are given in three clauses and list eight items, not ten: 恒舞于宮、酣歌于室 (巫風); 殉于貨色、恒于游畋 (淫風); 侮聖言、逆忠直、遠耆德、比頑童 (亂風). Then 卿士有一于身,家必喪;邦君有一于身,國必亡 and 臣下不匡,其刑墨,具訓于蒙士. It closes on 惟上帝不常,作善降之百祥,作不善降之百殃 and 爾惟德罔小,萬邦惟慶;爾惟不德罔大,墜厥宗.
- 《尚書·仲虺之誥》(頁頭署「梅賾」,另標「(僞)」與「本作品收錄於《古文尚書》」;維基文庫本,白文無注,未與中華書局點校本複核) — This is the page that carries the marks: 梅賾 at the head, plus (僞)and 古文尚書 — the 伊訓 page has only the name. It opens with the historian's sentence before Zhonghui speaks: 成湯放桀于南巢,惟有慚德,曰:予恐來世以台為口實。仲虺乃作誥,曰… The argument runs: 惟天生民有欲,無主乃亂;惟天生聰明時乂; 有夏昬德,民墜涂炭,天乃錫王勇智,表正萬邦,纘禹舊服; 夏王有罪,矯誣上天,以布命于下; 肇我邦于有夏,若苗之有莠,若粟之有秕; the king's virtues (不邇聲色,不殖貨利;德懋懋官,功懋懋賞;用人惟己,改過不吝;克寬克仁,彰信兆民); the other starting point of the war, 乃葛伯仇餉,初征自葛,東征西夷怨,南征北狄怨,奚獨後予; the people's line 徯予后,后來其蘇; and the maxims 德日新,萬邦惟懷;志自滿,九族乃離, 能自得師者王,謂人莫己若者亡, 好問則裕,自用則小, 慎厥終,惟其始.




