Ein Stück Gold liegt im Gemüsegarten. 管揮鋤與瓦石不異,華捉而擲去之 — Guan Nings Hacke geht hindurch wie durch einen Stein; Hua Xin hebt es auf und wirft es weg. Später fährt ein Wagen mit Baldachin vorbei: 寧讀如故,歆廢書出看 — Guan liest weiter, Hua legt sein Buch weg und geht schauen. 寧割席分坐曰:「子非吾友也。」 — Guan zerschneidet die Sitzmatte: Du bist nicht mein Freund. Es ist die elfte von siebenundvierzig Einträgen in 德行, der Tugend, dem ersten Kapitel des Shishuo xinyu. Das andere Buch ist das Jinshu, und sein Kapitel 孝友, Kindliche Pietät und brüderliche Freundschaft, enthält vierzehn Biografien. Eines ist eine Auswahl von siebenundvierzig Szenen; das andere vierzehn Leben. Eines hält fest, wer gesehen hat, das andere, wer es genehmigt hat.

Erstens: siebenundvierzig Einträge, zweihundert Jahre

Die Seite beginnt mit 上巻上·德行第一, zwischen einem Vorwort und dem Kapitel 言語: das 第一 macht es zum ersten Kapitel der oberen Rolle, nicht zu einer Rangliste. Siebenundvierzig Einträge, einer oder zwei Szenen je, keine Daten. Die Einträge 1 bis 13 sind Männer vom Ende der Han — Chen Fan, Xun Jubo, Hua Xin, Guan Ning; ab dem vierzehnten ist man bei Wei und Jin. Auch die Verteilung ist ungleich: Hua Xin vier, Wang Rong fünf. Die Quellen der Anmerkungen wechseln mit der Zeit: zuerst Lebensbeschreibungen der Weisen vom Ende der Han, dann das Jin yangqiu, das Zhongxing shu und Ahnentafeln von Jin-Familien: ein Kapitel über zweihundert Jahre hin zusammengestellt. Auch die Anmerkungen sind nicht neutral: jede erzeugt die Autorität, die ihr Eintrag braucht.

Hua Xins vier Einträge zeigen, wie ediert wird. Der zehnte lobt ihn: 華歆遇子弟甚整,雖閒室之内,嚴若朝典 — so streng mit seinen Jüngeren im privaten Raum wie am Hof. Der elfte ist die zerschnittene Matte. Der zwölfte: 王朗毎以識度推華歆, Wang Lang beugt sich vor seinem Urteil. Im dreizehnten, auf der Flucht mit dem Boot, weist Hua einen Fremden ab, der mitfahren will (歆輒難之); Wang Lang sagt 幸尚寬,何爲不可; als die Verfolger kommen und Wang ihn absetzen will, sagt Hua 本所以疑,正爲此耳。既已納其自託,寧可以急相棄邪 und behält ihn. Dann 世以此定華王之優劣 — die Welt entschied so über ihren Wert. Lob und zerschnittene Matte nebeneinander, und der Herausgeber streicht keines. Nichts im Kapitel sagt dem Leser, welchem der vier zu glauben ist; die beiden Urteile stehen im selben Kapitel, vier Einträge auseinander, ohne ein Wort dazwischen.

Zweitens: Einträge, die gar keine Tugend sind

Xie Yi, Präfekt von Shan, 有一老翁犯法,謝以醇酒罰之,乃至過醉,而猶未已 — er bestrafte einen alten Mann, der sich vergangen hatte, mit starkem Wein, bis er weit über den Rausch hinaus war. Xie An, sieben oder acht Jahre alt, auf dem Schoß seines Bruders, sagte 阿兄,老翁可念,何可作此, und der Mann wurde freigelassen. Gefragt, warum sie ihn nie die Kinder lehren sehe (那得初不見君教兒), antwortete Xie An 我常自教兒, ich lehre sie beständig. Solche Einträge stehen im Kapitel: es ist eine Auswahl, kein Buch von Vorbildern.

Die Wunder der Kindespietät werden in zwei Schichten gehalten. Von Wang Xiang gibt der Text nur den Pflaumenbaum — ein Sturm kommt und 祥抱樹而泣, er hält den Baum umschlungen und weint — und seine Mutter, die nachts auf ihn zukommt, als 因跪前請死。母於是感悟,愛之如己子. Das Eis steht in der Anmerkung, der des Liu Xiaobiao im überlieferten Text, die das Jin yangqiu zitiert: 解衣將剖冰求之,會有處冰小解,魚出 — er war dabei, sich zu entkleiden, um das Eis zu brechen, als es nachgab und ein Fisch herauskam.

Drittens: vierzehn Leben und eine Kette der Genehmigung

Das Kapitel des Jinshu hat ein Vorwort, vierzehn Männer und ein Urteil. Das Vorwort teilt das kindliche Verhalten in 事親之道也, 追遠之情也, 立身之行也; der Titel kommt von 因彼孝慈而生友悌,理在兼綜,義歸一揆; das Ziel ist 采其遺絢,足厲澆風,故著《孝友篇》以續前史云耳. Seine Präzedenzfälle sind Wunder: 郭巨致錫金之慶, 陽雍標蒔玉之祉, 烏馴丹羽,巢叔和之室,鹿呈白毳,擾功文之廬. Vierzehn Männer, ein Stück je, jeder mit Herkunftsort und Amtslaufbahn. Die drei sind keine Stufen eines Arguments. 事親 ist, was man zu Lebzeiten der Eltern tut; 追遠, was nach ihrem Tod geschuldet wird; 立身, was ein Mann aus sich macht, und das Vorwort stellt alle drei unter ein Wort. Die Wunder, die folgen — Gold, Jade, zahme Krähen, weiße Hirsche —, sind als Präzedenz angeboten, nicht als Beweis, und die vierzehn Leben sollen ihnen entsprechen.

Xu Zis Stück führt die ganze Kette vor. Nach dem Tod der Eltern 柴毀骨立,杖而能起; 躬自負土,不受鄉人之助; als man auf Hilfe besteht, 晝助不逆,夜便除之 — tags ließ er es zu, nachts trug er die Erde zurück. Er pflanzte Kiefern 亙五六里. Ein Hirsch beschädigte die jungen Bäume: 鹿獨不念我乎 — denkt der Hirsch allein nicht an mich? —, und am nächsten Tag lag der Hirsch tot darunter; er begrub ihn, und 猛獸即於孜前自撲而死. Er heiratete erst wieder 積二十餘年. Dann die Beglaubigung: 邑人號其居為孝順里, der Gouverneur reicht eine Denkschrift ein, 詔旌表門閭。蠲復子孫, und 圖孜像於堂,朝夕拜焉 — sein Bild im Saal, morgens und abends verehrt.

Viertens: dasselbe Motiv, zweimal gesetzt

Der Fisch, der auf Trauer antwortet, steht an verschiedenen Orten. Wang Xiangs Eis steht in der Anmerkung des Shishuo; das Jinshu erzählt Wang Yan in seinem Text. Seine Stiefmutter wollte im Winter lebende Fische; blutig geschlagen, 尋汾叩淩而哭, und ein Fisch 長五尺,踴出水上 sprang aus dem Wasser. Dasselbe Motiv, einmal Anmerkung und einmal Text: die beiden Bücher sind sich nicht einig, was zum Text gehört. Wang Yan hat auch 夏則扇枕席,冬則以身溫被.

Grab und Trauer rechnet das Jinshu immer ab. Wang Pou 未嘗西向而坐。示不臣朝廷也, saß nie nach Westen gewandt; 三徵七辟皆不就; 廬于墓側, und 攀柏悲號,涕淚著樹,樹為之枯 — er klammerte sich an die Zypresse und klagte, die Tränen fielen auf den Baum, der verdorrte. Beim Donner ging er zum Grab: 裒在此, ich bin hier. Beim Lesen von 哀哀父母 三復流涕, und seine Schüler 並廢《蓼莪》之篇. Yu Gun blieb in einer Seuche bei seinem sterbenden Bruder 親自扶持,晝夜不眠, 十有餘旬; für eine verwaiste Nichte 刈荊苕為箕帚, einen Besen, und sagte 灑掃庭內,婦之道也 und 匪器之為美,欲溫恭朝夕,雖休勿休也; einmal betrunken, 乃于父墓前自杖三十.

Fünftens: wer gesehen hat, wer genehmigt hat

未嘗西向而坐 — nicht nach Westen zu sitzen ist die Ablehnung der Richtung des Throns, nicht der Trauer des Throns: er trauert um einen Vater, den der Hof getötet hat. Der Besen und die dreißig Schläge sind derselbe Mann auf zwei Maßstäben, der eine öffentlich, der andere nicht. Im Shishuo hängen die Urteile an anderen: 時人以爲純孝之報也, sagte man, als Chen Yi, der den verbrannten Reis für seine Mutter aufhob, eine Niederlage damit überlebte; 世以此定華王之優劣, die Welt legte Hua und Wang so fest. Im Jinshu ist der Befund die Genehmigung — Nachbarn, Gouverneure, Edikte, Bildnisse. Sie treffen sich im letzten Eintrag: zwei Brüder, die um ihre Mutter weinen, 路人爲之落涙, die Vorübergehenden weinten; Han Kangbos Mutter hörte es und sagte zu ihrem Sohn 汝若爲選官,當好料理此人; er wurde Personalsminister, und 大呉不免哀制,小呉遂大貴達. Das Weinen wurde gehört, und ein Amt wurde gemerkt. 大呉不免哀制,小呉遂大貴達 ist auch der Schluss des Kapitels, und es benennt die Maschinerie: Trauer, von jemandem gehört, dessen Sohn im Ministerium sitzt, wird eine Ernennung.

  • Zwei Gattungen: das Shishuo ist eine Anekdotensammlung der Liu-Song, das Jinshu eine Dynastiegeschichte der Tang, keines zeitgenössisch; dasselbe Motiv steht bei dem einen in einer Anmerkung und bei dem anderen im Text, nicht zu einem Leben zusammengenäht.
  • 德行 und 孝友 sind Etiketten eines Herausgebers und von Historikern, keine Selbstbezeichnungen; 德行第一 bedeutet das erste Kapitel der oberen Rolle, nicht eine Rangliste.
  • Die zerschnittene Matte wird zitiert, wie sie steht, Hua Xin als das Negative; das Kapitel behält auch sein Lob und den eigenen Satz 世以此定, nebeneinander und unversöhnt.
  • Text und Anmerkung sind getrennte Schichten: das gebrochene Eis steht in Liu Xiaobiaos Anmerkung, der Text hat nur den Pflaumenbaum und das Knien.
  • Zahlen, wie sie stehen: siebenundvierzig Einträge, vierzehn Leben, vier für Hua Xin, fünf für Wang Rong, zwanzig und einige Jahre, fünf oder sechs li, mehr als hundert Tage, dreißig Schläge — nichts addiert oder umgerechnet.
  • Kein Reden über Wei-Jin-Stil oder Aufstieg und Fall der Kindespietät, kein moderner moralischer Vergleich; die vorbildlichen Beamten, die würdigen Frauen, 任誕 und 容止 sind andere Artikel.

Ein Kapitel von siebenundvierzig lässt einen Mann zwei Dinge sein; ein Kapitel von vierzehn lässt jedem einen Herkunftsort, eine Laufbahn und einen Satz der Genehmigung. Das erste hält fest, wer gesehen hat — 時人, 世, die Vorübergehenden, die Mutter des Nachbarn; das zweite, wer genehmigt hat — Nachbarn, ein Gouverneur, ein Edikt, ein Bildnis. Keine Seite sagt, warum diese siebenundvierzig, oder warum diese vierzehn. Beide Seiten schweigen über die Auswahl: kein Kriterium für die siebenundvierzig, keine Regel für die vierzehn.

Weiterlesen:Musterhafte Amtsträger: Wie ein Historiker aus einem Mann einen guten Magistraten macht · Würdige Frauen: einige Frauen, einige Sätze · Renden: Männer, die die Riten brachen

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《世说新语》卷上上·德行第一(南朝宋刘义庆编,随文注通行本为梁刘孝标作;维基文库本,白文+随文注,页面标 textquality 100%,未与中华书局点校本复核) — Forty-seven entries behind one label, the first chapter of the upper roll, between 序 and 言語; the name is the editor's. Entries 1–13 are late-Han men, 14 onward Wei-Jin, and the notes change sources with the period. Hua Xin has four: 華歆遇子弟甚整,雖閒室之内,嚴若朝典; the cut mat (管揮鋤與瓦石不異,華捉而擲去之 / 寧讀如故,歆廢書出看 / 寧割席分坐曰:「子非吾友也。」); 王朗毎以識度推華歆; the boat (本所以疑,正爲此耳。既已納其自託,寧可以急相棄邪), ending 世以此定華王之優劣. Also used: 謝以醇酒罰之 / 阿兄,老翁可念,何可作此; 那得初不見君教兒 / 我常自教兒; 祥抱樹而泣; 因跪前請死。母於是感悟,愛之如己子; 時人以爲純孝之報也; 路人爲之落涙; 汝若爲選官,當好料理此人; 大呉不免哀制,小呉遂大貴達. The ice is not in the text but in the note quoting the Jin yangqiu: 解衣將剖冰求之,會有處冰小解,魚出. The page writes 呉 for 吳 and uses 毎, 爲, 眞; quotations follow the page.
  2. 《晋书》卷八十八·列传第五十八·孝友传(唐房玄龄等撰;维基文库本,白文无注,页面标 textquality 50%,未与中华书局点校本复核) — A dynastic category biography: preface, fourteen men, 史臣曰 and 贊曰. The preface divides filial conduct into 事親之道也, 追遠之情也, 立身之行也; the title from 因彼孝慈而生友悌,理在兼綜,義歸一揆; the purpose 采其遺絢,足厲澆風,故著《孝友篇》以續前史云耳; precedents 郭巨致錫金之慶, 陽雍標蒔玉之祉, 烏馴丹羽,巢叔和之室,鹿呈白毳,擾功文之廬. Xu Zi: 柴毀骨立,杖而能起; 躬自負土,不受鄉人之助; 晝助不逆,夜便除之; 列植松柏亙五六里; 鹿獨不念我乎; 猛獸即於孜前自撲而死; 積二十餘年孜乃更娶妻; 邑人號其居為孝順里; 詔旌表門閭。蠲復子孫; 圖孜像於堂,朝夕拜焉. Wang Pou: 未嘗西向而坐,示不臣朝廷也; 三徵七辟皆不就; 廬于墓側; 攀柏悲號,涕淚著樹,樹為之枯; 母沒,每雷,輒到墓曰:「裒在此。」; 三復流涕; 並廢《蓼莪》之篇. Yu Gun: 親自扶持,晝夜不眠; 十有餘旬; 刈荊苕為箕帚; 灑掃庭內,婦之道也; 匪器之為美,欲溫恭朝夕,雖休勿休也; 乃于父墓前自杖三十. Wang Yan: 尋汾叩淩而哭; 長五尺,踴出水上; 夏則扇枕席,冬則以身溫被. The page writes 為 not 爲 in places; quotations follow the page.