Ein Mann trinkt zu viel. Seine Frau schüttet den Wein weg, zerschlägt die Trinkgeräte und weint, während sie ihm Vorwürfe macht: 君飲太過,非攝生之道,必宜斷之 — Ihr trinkt zu viel, das ist kein Weg, das Leben zu pflegen; Ihr müsst davon lassen. Er gibt ihr recht: er könne sich selbst nicht im Zaum halten, deshalb wolle er vor den Göttern einen Eid schwören; man solle Wein und Fleisch für das Opfer bereitstellen. Sie tut es. Er kniet nieder und betet: 天生劉伶,以酒為名,一飲一斛,五斗解酲。婦人之言,慎不可聽 — Der Himmel hat Liu Ling gemacht, der Wein ist sein Name; ein Trunk ein hu, fünf dou gegen den Kater; auf die Worte einer Frau höre man nicht. Dann 便引酒進肉,隗然已醉矣: er nahm den Opferwein und das Opferfleisch zu sich, und er war auf der Stelle betrunken.
Das Gebet enthält eine Rechenaufgabe, und die Rechenaufgabe ist der Punkt. Ein hu sind zehn dou, fünf dou also die Hälfte eines hu — damit ist der Kater von einem hu nicht zu kurieren. Das ist keine Ration, sondern ein Scherz im Versmaß, eine Zahl, die sich eine Figur über sich selbst erfindet. Die Seiten tragen weitere Zahlen derselben Art: 醉六十日 — sechzig Tage betrunken, eine rhetorische Zahl der Lebensbeschreibung — und 貯酒數百斛 — mehrere hundert hu eingelagerten Weins. Sie stehen hier so, wie sie geschrieben sind: nicht als Mengen und nicht in moderne Maße umgerechnet.
Eins: ein Fach mit der Aufschrift Renden
Das Buch, das die Geschichte aufbewahrt, ist nach Rubriken geordnet, nicht nach der Zeit. Die Überschrift der Seite selbst nennt als Verfasser Liu Yiqing, den Abschnitt rendan (任誕), den Abschnitt davor 寵禮 und den danach 簡傲. Ihr erster Eintrag sagt, was das Fach sammelt: 陳留阮籍,譙國嵇康,河內山濤,三人年皆相比,康年少亞之。預此契者:沛國劉伶,陳留阮咸,河內向秀,琅邪王戎。七人常集于竹林之下,肆意酣暢,故世謂『竹林七賢』。 — Ruan Ji aus Chenliu, Ji Kang aus Qiaoguo, Shan Tao aus Henei, alle drei im gleichen Alter, Ji Kang ein wenig jünger; zu diesem Bund gehörten Liu Ling aus Peiguo, Ruan Xian aus Chenliu, Xiang Xiu aus Henei, Wang Rong aus Langya. Die sieben versammelten sich oft im Bambushain, gaben sich dem Trunk nach Herzenslust hin, und daher nennt die Welt sie die Sieben Weisen vom Bambushain. Sieben Männer, ein Bambushain und das Wort 肆意酣暢 — sich nach Herzenslust satt trinken. Das ist die Auskunft des Kompilators über diese Gruppe; die Männer selbst werden nicht gefragt.
So ist Renden das Etikett des Kompilators. Niemand auf diesen Seiten nennt sich selbst so; die Wörter, die das Buch für diese Männer gebraucht, sind 放達, 縱酒, 肆意酣暢. Der Abschnittstitel ist ein Urteil, auf die Vorderseite eines Fachs geschrieben; das nächste Fach heißt 簡傲 — Hochmut —, ein anderes Urteil über ähnliche Szenen. Eine Abteilung des Shishuo zu lesen heißt, die Ablage eines Redaktors zu lesen, und die Ablage ist nicht neutral.
Zwei: Liu Ling, zweimal
Der ganze Eintrag besteht aus einer Handvoll Sätzen: 劉伶病酒,渴甚,從婦求酒。婦捐酒毀器,涕泣諫曰:『君飲太過,非攝生之道,必宜斷之!』伶曰:『甚善。我不能自禁,唯當祝鬼神,自誓斷之耳!便可具酒肉。』婦曰:『敬聞命。』供酒肉於神前,請伶祝誓。伶跪而祝曰:『天生劉伶,以酒為名,一飲一斛,五斗解酲。婦人之言,慎不可聽。』便引酒進肉,隗然已醉矣。 — Liu Ling war vom Wein krank und hatte großen Durst und bat die Frau um Wein; sie schüttete ihn weg, zerschlug das Gerät und redete ihm weinend zu; er sagte, es sei gut so, er könne sich nicht selbst zügeln, er müsse nur die Götter anrufen und den Verzicht schwören, man solle Wein und Fleisch bereitstellen; sie sagte, sie gehorche; sie stellte beides vor den Göttern auf und bat ihn zu schwören; er kniete nieder und sprach den Vers; dann nahm er Wein und Fleisch, und er war auf der Stelle betrunken. Danach folgt eine Anmerkung, die ein einziges Wort erklärt: 毛公注曰:『酒病曰酲。』 Die Glosse ist eine Anmerkung und nicht ein Teil der Geschichte; der Eintrag selbst erklärt 酲 nicht und 隗然 ebenso wenig.
Im selben Abschnitt hat derselbe Mann einen zweiten Eintrag: 劉伶恆縱酒放達,或脫衣裸形在屋中,人見譏之。伶曰:『我以天地為棟宇,屋室為㡓衣,諸君何為入我㡓中?』 Der Witz hängt an 㡓, dem Wort für Hose. Die Anmerkung dazu gibt einen anderen Entwurf der Antwort: 吾以天地為宅舍,以屋宇為㡓衣,諸君自不當入我㡓中,又何惡乎? Ein Satz in zwei Fassungen, die eine im Text, die andere in der Anmerkung; die Seite behält beide, und dieser Artikel entscheidet nicht zwischen ihnen. Das andere Buch gibt ihm keine Einträge, sondern eine Lebensbeschreibung. Sie beginnt mit seinem Körper und seinem Gerät: 身長六尺,容貌甚陋 — sechs chi groß, von sehr hässlichem Aussehen; er fuhr auf einem Hirschkarren mit einem Krug Wein, hinter ihm ging ein Mann mit einem Spaten, und er sagte 死便埋我 — wenn ich sterbe, begrabt mich hier. Auch der Eid steht dort, mit kleinen Unterschieden: 婦兒之言,慎不可聽 statt 婦人之言, und 隗然復醉 statt 隗然已醉矣. Die Lebensbeschreibung gibt ihm einen anderen Schluss: 嘗為建威參軍。泰始初對策,盛言無為之化。時輩皆以高第得調,伶獨以無用罷。竟以壽終 — er war Offizier beim General Jianwei, legte zu Beginn der Taishi-Zeit die Prüfung ab und sprach viel vom Wirken des Nicht-Handelns; die Altersgenossen wurden alle mit hoher Einstufung befördert, er allein wurde als unbrauchbar entlassen, und er starb eines natürlichen Todes. Prüfung, Entlassung, Lebensende — das ist die Schreibweise der Historie; das Shishuo behält den Witz, die Historie behält das Ende.
Drei: Bi Zhuo, ein Satz
Die Krabbenschere gehört zu einem einzigen Satz: 畢茂世云:『一手持蟹螯,一手持酒桮,拍浮酒池中,便足了一生。』 Mehr gibt der Abschnitt ihm nicht — einen zitierten Wunsch, eine Krabbenschere, einen Becher, ein Becken voll Wein. Die Anmerkung darunter liefert eine Begebenheit: 太興末,為吏部郎,嘗飲酒廢職。比舍郎釀酒熟,卓因醉,夜至其甕間取飲之。主者謂是盜,執而縛之,知為吏部也,釋之 — er trank im Dienst, und eines Nachts ging er an die Weinkrüge des Nachbarn, wurde als Dieb gefesselt und wieder freigelassen, als man sah, wer er war. Die Lebensbeschreibung des anderen Buches gibt denselben Wunsch ausführlicher: 得酒滿數百斛船,四時甘味置兩頭,右手持酒杯,左手持蟹螯,拍浮酒船中,便足了一生矣 — ein Schiff voll mehrerer hundert hu Wein, Leckerbissen an beiden Enden, und 酒船, wo das Shishuo 酒池 hat. Ein Wunsch, zwei Gefäße; beide bleiben stehen.
Vier: Ruan Ji, die anderen Einträge
Ruan Ji steht auch in diesem Abschnitt, und die hier benutzten Einträge sind die, die der Artikel über seine Bitte um ein Amt nicht aufnimmt. Der erste ist ein Gastmahl: 阮籍遭母喪,在晉文王坐,進酒肉。司隸何曾亦在坐,曰:『明公方以孝治天下,而阮籍以重喪,顯於公坐,飲酒食肉,宜流之海外,以正風教。』文王曰:『嗣宗毀頓如此,君不能共憂之,何謂?且有疾而飲酒食肉,固喪禮也!』籍飲噉不輟,神色自若。 — Ruan Ji trauerte um seine Mutter, saß bei König Wen von Jin und ließ Wein und Fleisch auftragen; auch der Hauptstadtkommissar He Zeng saß dort und sagte, der erlauchte Herr regiere das Reich mit Kindespflicht, da zeige sich Ruan Ji in schwerer Trauer bei öffentlicher Tafel, trinkend und Fleisch essend; man solle ihn jenseits der Meere verbannen, um die Sitten zu berichtigen; der König sagte, Sizong sei so abgezehrt, wie könne man da nicht mit ihm trauern, und überdies sei es ohnehin Trauerritus, bei Krankheit Wein und Fleisch zu sich zu nehmen; Ruan Ji aß und trank ohne Unterlass, mit unveränderter Miene. Der Streit hier gilt den Trauerregeln, und die Verteidigung ist ebenfalls eine Regel: Krankheit erlaubt Wein und Fleisch. Niemand im Eintrag sagt 任誕.
Drei weitere Stücke stehen in der Lebensbeschreibung. Die Heiratswerbung: 文帝初欲為武帝求婚於籍,籍醉六十日,不得言而止 — sechzig Tage betrunken, so dass man es ihm nicht vortragen konnte. Der Tod der Mutter: 正與人圍棋,對者求止,籍留與決賭。既而飲酒二斗,舉聲一號,吐血數升; beim Begräbnis 食一蒸肫,飲二斗酒……因又吐血數升,毀瘠骨立,殆致滅性. Und der Kondolenzbesuch: 裴楷往弔之,籍散髮箕踞,醉而直視 — Haare offen, Beine gespreizt, betrunken; Pei Kai weinte und ging, und auf die Frage, warum ein Gast trauere, wenn der Sohn es nicht tue, sagte er 阮籍既方外之士,故不崇禮典;我俗中之士,故以軌儀自居; und 時人歎為兩得 — die Zeitgenossen rühmten es als beides zugleich recht. Das Shishuo hat dieselbe Szene mit Pei Kais Worten und demselben Urteil. Ein Widerspruch bleibt: der Text des Shishuo sagt 飲酒二斗, seine Anmerkung zitiert Deng Cans Jinji mit 三斗. Die Bitte um das Amt mit dreihundert hu Wein (三百斛) in der Küche gehört zu einem anderen Artikel.
Fünf: was die Seiten geben und nicht geben
- Das Etikett ist das des Kompilators. Renden ist ein Fach in einer Ordnung, zwischen 寵禮 und 簡傲; niemand auf diesen Seiten gebraucht das Wort für sich selbst, und der erste Eintrag des Abschnitts ist es, der die Gruppe umschreibt.
- Text und Anmerkung sind zwei Schichten. Die Anmerkungen zitieren 晉陽秋, 鄧粲晉紀, 晉中興書, 竹林七賢論, 名士傳, 王隱晉書, 魏氏春秋, 干寶晉紀, 文士傳 und andere; wo Anmerkung und Text abweichen, werden beide berichtet. 毛公注『酒病曰酲』 ist eine Anmerkung, und auch Bi Zhuos Nacht unter den Weinkrügen steht nur in der Anmerkung.
- Die Zahlen sind Rhetorik, nicht Maß: ein hu und fünf dou, sechzig Tage, zwei dou, mehrere sheng Blut, dreihundert hu — aufgezeichnet so, wie sie stehen, ohne Umrechnung, ohne Summen und ohne den Versuch, ein hu mit fünf dou zur Deckung zu bringen.
- Zwei Bücher, ein Ereignis: Liu Lings Eid, Bi Zhuos Krabbenschere und Ruan Jis gespreizte Beine erscheinen zweimal, mit abweichendem Wortlaut (婦人之言 / 婦兒之言, 酒池 / 酒船, 二斗 / 三斗). Sie stehen nebeneinander; ein Urteil wird nicht gefällt.
- Ji Kang erscheint einmal, in der Liste der sieben Weisen, und bekommt hier keinen eigenen Abschnitt.
- Was getrennt bleibt: der Artikel über Ruan Jis Bitte um das Amt mit dreihundert hu Wein ist ein eigenes Stück; keine allgemeinen Reden über den Stil der Wei und Jin oder 名士放達, und keine psychologische Deutung irgendjemandes hier.
Was die Seiten zurücklassen, ist kein Porträt eines Zeitalters, sondern eine Reihe kurzer Sätze: ein Eid, der in Wahrheit eine Trinkregel ist, eine Erwiderung, die ein Haus in eine Hose verwandelt, eine Krabbenschere und ein Becher, zwei dou Wein bei einem Begräbnis. Das Buch legt sie unter Renden ab, die Anmerkungen legen die Varianten darunter. Das Einzige in dieser Akte, das niemand in ihr je gesagt hat, ist der Name des Fachs.
Weiterlesen:Zwölf Rollen, 118 Kapitel: Wie ein Akupunkturklassiker zusammengestellt wurde · Tao Qians Rücktritt: fünf dou Reis, ein Feld mit Hirse und ein Text von ihm · Ruan Ji: dreihundert hu Wein für ein Oberstenamt
Quellen und weitere Lektüre
- 《世说新语·任诞》(维基文库本,白文,注以括注形式随文,未与中华书局点校本复核) — Page header: 作者 劉義慶, section 任誕, previous 寵禮, next 簡傲 — the book is arranged by category. The entries used: 陳留阮籍,譙國嵇康,河內山濤……七人常集于竹林之下,肆意酣暢,故世謂「竹林七賢」; 阮籍遭母喪,在晉文王坐,進酒肉……籍飲噉不輟,神色自若; 劉伶病酒,渴甚,從婦求酒……伶跪而祝曰:「天生劉伶,以酒為名,一飲一斛,五斗解酲。婦人之言,慎不可聽。」便引酒進肉,隗然已醉矣; 劉伶恆縱酒放達,或脫衣裸形在屋中,人見譏之。伶曰:「我以天地為棟宇,屋室為㡓衣,諸君何為入我㡓中?」; 步兵校尉缺,廚中有貯酒數百斛,阮籍乃求為步兵校尉 (not used here — it belongs to the article on that request); 阮步兵喪母,裴令公往弔之。阮方醉,散髮坐床,箕踞不哭……時人嘆為兩得其中; 畢茂世云:「一手持蟹螯,一手持酒桮,拍浮酒池中,便足了一生。」 The annotations in the page give 毛公注「酒病曰酲」, 鄧粲晉紀's second draft of Liu Ling's answer, 晉中興書's account of Bi Zhuo and the wine jars, 干寶晉紀 and 魏氏春秋 on Ruan Ji, and others.
- 《晋书》卷四十九〈阮籍传〉附刘伶、毕卓传(维基文库本,未与中华书局点校本复核) — The biography gives the same anecdotes with small variants. 劉伶: 身長六尺,容貌甚陋……常乘鹿車,攜一壺酒,使人荷鍤而隨之,謂曰:「死便埋我。」……伶跪祝曰:「天生劉伶,以酒為名。一飲一斛,五斗解酲。婦兒之言,愼不可聽。」仍引酒禦肉,隗然復醉……嘗為建威參軍。泰始初對策,盛言無為之化。時輩皆以高第得調,伶獨以無用罷。竟以壽終。 畢卓: 卓少希放達……嘗飲酒廢職。比舍郎釀熟,卓因醉夜至其甕間盜飲之,為掌酒者所縛,明旦視之,乃畢吏部也,遽釋其縛……卓嘗謂人曰:「得酒滿數百斛船,四時甘味置兩頭,右手持酒杯,左手持蟹螯,拍浮酒船中,便足了一生矣。」及過江,為温嶠平南長史,卒官。 阮籍: 文帝初欲為武帝求婚於籍,籍醉六十日,不得言而止……性至孝,母終,正與人圍棋,對者求止,籍留與決賭。既而飲酒二斗,舉聲一號,吐血數升。及將葬,食一蒸肫,飲二斗酒……因又吐血數升,毀瘠骨立,殆致滅性。裴楷往弔之,籍散髮箕踞,醉而直視,楷弔唁畢便去……時人歎為兩得。




