Eine Hofdebatte, zwei Fassungen. Das Shiji setzt sie im „Haus von Zhao“ (趙世家) gleich nach 十九年春正月,大朝信宮 ein; das Zhanguoce (戰國策) beginnt in seinem Zhao-Kapitel 2 (趙策二) an einem müßigen Tag und trägt in seinen Fugen drei Schichten Anmerkungen. Dieser Artikel liest die beiden Fassungen gegeneinander und zieht danach die Noten ab. Es sind keine zwei unabhängigen Zeugen, sondern ein Ereignis, zweimal geschrieben. Die beiden Texte unterscheiden sich im Wortlaut, im Rahmen und darin, was sie weglassen.

Die Shiji-Fassung: von der großen Hofversammlung

Das Shiji gibt zuerst einen Zeitpunkt und eine Szene: 十九年春正月,大朝信宮。召肥義與議天下,五日而畢. Dann zieht der König nach Norden über Zhongshan (中山) nach 房子, 代 und 無窮, steigt auf den 黃華 und legt bei der Rückkehr 樓緩 (Lou Huan) die Sache vor: 今中山在我腹心,北有燕,東有胡,西有林胡、樓煩、秦、韓之邊,而無彊兵之救,是亡社稷,柰何?…吾欲胡服. 樓緩 sagt 善, und 群臣皆不欲, der ganze Hof ist dagegen. 樓緩 stimmt sofort zu, der Hof nicht. Das Shiji macht aus dem Widerstand einen einzigen Satz, 群臣皆不欲, und lässt den König ihn dann Mann für Mann abarbeiten. Dieser eine Satz ist alles, was der Widerstand des Hofes bekommt, bevor der König bei einzelnen Leuten anfängt.

Erst danach kommt das Gespräch mit 肥義 (Fei Yi). Der König sagt 今吾將胡服騎射以教百姓,而世必議寡人,柰何; 肥義 antwortet 臣聞疑事無功,疑行無名 und fügt hinzu 夫論至德者不和於俗,成大功者不謀於衆; der König sagt 吾不疑胡服也,吾恐天下笑我也; und dann 於是遂胡服矣. Der Entschluss wird nicht auf einem Hof durch Abstimmung gefasst: er wird zwischen einem König und einem nahen Minister festgemacht und danach Haus für Haus durchgestritten. Man beachte, was geschehen ist und was nicht: ein Entschluss ist gefallen, aber kein Befehl ist ergangen, und der Rest des Kapitels ist das Ergehen des Befehls.

Das härteste Haus ist das des 公子成 (Prinz Cheng). Der König schickt 王紲 (Wang Xie) zu ihm, und 公子成 meldet sich krank und antwortet mit einer Rede: 臣聞中國者,蓋聰明徇智之所居也,萬物財用之所聚也,賢聖之所教也,仁義之所施也,詩書禮樂之所用也… — 襲遠方之服, das hieße, die Lehre der Alten zu ändern. Da geht der König selbst, 遂往之公子成家, und sagt den Satz, um den sich die ganze Debatte dreht: „Kleidung ist des Gebrauchs wegen da, die Riten des Geschäfts wegen“ (夫服者,所以便用也;禮者,所以便事也). Er fügt hinzu: „Ihr sprecht vom Brauch, ich spreche davon, den Brauch zu regieren“ (今叔之所言者俗也,吾所言者所以制俗也), und nennt die Grenze: „Kleidung wechseln und zu Pferde schießen, um die Grenzen von Yan, den drei Hu, Qin und Han zu sichern“ (變服騎射,以備燕、三胡、秦、韓之邊). 公子成 verbeugt sich und gibt nach; 乃賜胡服。明日,服而朝。於是始出胡服令也. Das Gespräch setzt den Gebrauch gegen den Brauch: Der König leugnet nicht, dass das Kleid fremd ist; er argumentiert, dass der Gebrauch über dem Brauch steht und dass ein Herrscher den Brauch regieren darf.

Es folgt noch ein Stück: 趙文、趙造、周袑、趙俊皆諫止王毋胡服,如故法便. Der König antwortet 先王不同俗,何古之法?帝王不相襲,何禮之循?, sagt, dass 法度制令各順其宜,衣服器械各便其用, und das Stück endet 遂胡服招騎射. Damit ist das Shiji mit der Sache fertig; die Feldzüge, die folgen — 二十年略中山地, 二十一年攻中山, 二十六年攘地北至燕、代,西至雲中、九原 — sind eigene Einträge. Die vier Widersprechenden werden genannt und dann in eine einzige Antwort gepresst, und 遂胡服招騎射 schließt die Szene mit beiden Teilen des Programms, dem Kleid und dem Bogen.

Die Zhanguoce-Fassung: ein anderer Anfang

Das Zhanguoce beginnt anderswo: 武靈王平晝間居,肥義侍坐,曰:王慮世事之變,權甲兵用之,念簡、襄之跡,計胡、狄之利乎? Kein Datum, kein 樓緩, und zuerst spricht 肥義. Auch der Satz des Königs ist um ein Wort kürzer: Wo das Shiji 而世必議寡人,柰何 hat, hat das Zhanguoce 而世必議寡人矣; die Note darunter sagt 姚本曾本改 „矣“ 字作 „奈何“ 二字 — eine Änderung eines späteren Bearbeiters, nicht der Text. Der Anfang des Zhanguoce ist ein Gespräch, kein Hof: ein müßiger Tag, ein Herrscher und sein Minister, und eine Frage, die den Herrscher zum Reden einlädt.

Die Partie um 公子成 weicht in Namen und Wörtern ab. Das Shiji hat 使王紲公子成, das Zhanguoce 使王孫緤告公子成 (Wangsun Xie); das Shiji hat 聰明徇智, das Zhanguoce 聰明叡知; das Shiji hat 萬物財用, und der Zhanguoce-Text ebenso, doch Baos Note ändert 用 zu 貨, und die Kollationsnotiz der 札記 verzeichnet 史記作 „用“. Der Besuch selbst: 遂往之公子成家 im Shiji, 即之公叔成家 im Zhanguoce. Jedes davon ist klein, und zusammen zeigen sie zwei Texte, die eine Szene nach verschiedenen Gewohnheiten abschreiben, nicht einen, der den anderen abschreibt.

Die schärfste Differenz ist ein Tausch in der langen Rede des Königs. Das Shiji: 儒者一師而俗異,中國同禮而教離. Das Zhanguoce: 儒者一師而禮異,中國同俗而教離 — 俗 und 禮 tauschen die Plätze, und der Satz ändert damit seinen Sinn; beide Seiten drucken es so. Das Zhanguoce beendet die Sache zudem mit etwas, das das Shiji nicht hat: 遂賜周紹胡服衣冠,具帶,黃金師比,以傅王子也. Das Shiji sagt nur 使周袑胡服傅王子何 und nennt keinen der Gegenstände. Das Zhanguoce fügt drei Episoden hinzu — den langen Einspruch des 趙造 (Zhao Zao), die späte Nachgiebigkeit des 趙燕 (Zhao Yan) samt der Zurechtweisung durch den König und 牛贊 (Niu Zan), der 辟地千里 erringt —, wo das Shiji alles in 趙文、趙造、周袑、趙俊皆諫止 zusammenzieht. Bei diesem Tausch lohnt ein Innehalten: 俗 und 禮 sind die beiden Wörter, um die die ganze Debatte kreist, und die beiden Seiten setzen sie jeweils an die Stelle des anderen.

Die Noten aus dem Text heraushalten

Die Zhanguoce-Seite ist kein reiner Text: sie trägt die Kommentare des 鮑彪 (Bao Biao), die Lesarten des 姚宏 (Yao Hong) und die Kollationsnotizen der Qing, die 札記. Zu den Anfangsworten glossiert Bao 平晝 als 無事之日,猶平日, einen Tag ohne Geschäfte, und 肥義 als 趙相也, den Kanzler von Zhao. Der Satz, der am häufigsten als Definition des Kleides zitiert wird — „Hu-Kleidung ist die Kleidung der jetzigen Zeit, das Pelzgewand wird abgeschafft“ (胡服,今時服,廢除裘裳也) — steht hier als 鮑本補曰:正義云, das heißt als Nachtrag Baos, der die Zhengyi (正義) anführt; er ist Kommentar, nicht Text aus der Zeit der Streitenden Reiche. Die Kollationsnotizen sind eine dritte Schicht: Der Text liest 萬物財用, Bao ändert zu 財貨, und die 札記 bemerkt 史記作 „用“; der Text liest 胡服之功, und die 札記 vermerkt, dass Baos Ausgabe 攻 hat. Solche Sätze dürfen als Noten zitiert werden, nie als das Zhanguoce selbst. Praktisch heißt das: Wer diese Seite liest, liest drei Bücher zugleich — den Text der Streitenden Reiche, einen Kommentator der Song und einen Kollator der Qing.

Bei 師比 (shibi) treten die Kommentatoren am sichtbarsten auseinander. Der Text sagt nur 具帶,黃金師比; die Note des 姚宏 zitiert 徐廣 und 延篤: 胡革帶鉤也, ein Gürtelhaken der Hu; 鮑彪 sagt 未詳,蓋衣章, nicht bekannt, vielleicht ein Abzeichen. Einer bestimmt es, einer bekennt, es nicht zu wissen. Dieser Artikel hält die Namen fest — 胡服衣冠,具帶,黃金師比 — und beschreibt keine Form: Wie Hosen, Stiefel oder Haken aussahen, steht auf keiner der beiden Seiten. Die Seite löst den Streit nicht, und dieser Artikel löst ihn auch nicht.

Was die Argumente sagen

Zusammengelesen wird die Debatte von wenigen Sätzen getragen. „Kleidung ist des Gebrauchs wegen da, die Riten des Geschäfts wegen“ (夫服者,所以便用也;禮者,所以便事也). „Ein zweifelhaftes Unternehmen gewinnt nichts, ein zweifelhafter Schritt erwirbt keinen Namen“ (疑事無功,疑行無名). Dann die drei Gegenargumente des Königs: „Die früheren Könige hatten verschiedene Bräuche — welchem alten Gesetz sollte man folgen?“ (先王不同俗,何古之法); „Ist auffällige Kleidung ein Zeichen ausschweifenden Sinns, so gäbe es in Zou und Lu kein auffälliges Handeln“ (服奇者志淫,則是鄒、魯無奇行也); „Wer nach dem Buch fährt, kennt die Natur des Pferdes nicht; wer mit dem Alten das Heute regiert, erreicht den Wandel der Dinge nicht“ (以書御者不盡馬之情,以古制今者不達事之變). Und die Grenze: im Osten Flüsse ohne Boote, und an den übrigen Seiten 燕、東胡、樓煩、秦、韓 ohne berittene Bogenschützen. Das sind die Sätze der Seite. Die allgemeinen Themen Reform und Verschmelzung der Völker stehen auf keiner der beiden Seiten, und dieser Artikel schreibt sie nicht. Worüber die Seiten streiten, sind Kleidung, Brauch und Grenzverteidigung, und der Streit wird ganz in diesen Begriffen geführt.

Was dieser Artikel auslässt

Vier Grenzen. Die beiden Bücher sind zwei Fassungen einer Debatte, nebeneinander zu lesen und niemals als zwei Zeugen zu addieren. Die Noten bleiben außerhalb des Textes: 鮑彪, 姚宏 und die 札記 sind alle gekennzeichnet, und 胡服,今時服,廢除裘裳也 ist als Nachtrag Baos markiert, der die Zhengyi anführt. Keine Form wird ergänzt: Hosen, Stiefel und Gürtelhaken gibt es hier nur als Namen. Und kein militärisches Ergebnis wird dem Kleiderwechsel zugeschrieben: Das Shiji verzeichnet zwar die Feldzüge des zwanzigsten, einundzwanzigsten und sechsundzwanzigsten Jahres, und im Zhanguoce erringt 牛贊 辟地千里, aber kein Satz auf einer der beiden Seiten sagt, die Kleidung habe das bewirkt, und dieser Artikel sagt es auch nicht. Die Kappenbezeichnungen der Yin, die Rangabzeichen der Ming und die Berufskleidung der Song sind eigene Artikel; dieser bleibt bei einer Hofdebatte und ihren zwei Texten. Die Zeichen stehen so, wie sie gedruckt sind: 王紲 und 王孫緤, 周袑 und 周紹, 卻冠秫絀 und 鯷冠秫縫, 財用 und 財貨, alle nebeneinander und keines verbessert. Die beiden Berichte liegen hier nebeneinander, damit ein Leser sieht, wo sie abweichen, nicht damit der eine durch den anderen verbessert werde. Das ist der ganze Befund auf beiden Seiten.

Weiterlesen:Herz, Minister, Volk, Schildkröte und Schafgarbe: wie eine große Entscheidung fiel · Die Yin verwendeten das Jia: Namen der Ritualgefäße dreier Dynastien · Vorzeichen in Kleidern: die weiße Qia, die bestickte Kappe und zwei Arten, eine Sache zu schreiben

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《史記》卷四十三·趙世家(西漢司馬遷撰;維基文庫本,頁面白文) — The narrative version: 十九年春正月,大朝信宮。召肥義與議天下,五日而畢, then 召樓緩謀曰…吾欲胡服, 樓緩曰善,群臣皆不欲; 肥義 with 疑事無功,疑行無名; 使王紲公子成; 公子成's 中國者 speech; 王遂往之公子成家 with 夫服者,所以便用也;禮者,所以便事也; 乃賜胡服。明日,服而朝; 趙文、趙造、周袑、趙俊皆諫止王毋胡服; 遂胡服招騎射. Later years record the campaigns that follow.
  2. 《戰國策·趙策二》(士禮居叢書本;維基文庫本,頁面為白文附鮑彪注、姚宏本及黃丕烈札記校語) — The other version of the same debate: 武靈王平晝間居,肥義侍坐, the same 便用/便事 argument, 使王孫緤告公子成, and the extra episodes of 趙造, 趙燕 and 牛贊. It ends 遂賜周紹胡服衣冠,具帶,黃金師比,以傅王子也. The page carries 鮑彪注 (including 鮑本補曰:正義云,胡服,今時服,廢除裘裳也), 姚宏 notes (on 師比: 延篤云,胡革帶鉤也) and 札記丕烈案 collation notes — all of them annotation, not Warring States text.