Am Anfang des letzten Frühlingsmonats, im neunten Jahr von Yonghe, im Jahr guichou (永和九年,歲在癸丑), setzte sich eine Gruppe Männer an einem gewundenen Bach vor Kuaiji nieder und ließ Weinschalen darauf treiben. Danach schrieb Wang Xizhi eine Vorrede — 羲之自為之序, „Xizhi machte selbst die Vorrede“, wie seine Biographie sagt. Diese Vorrede ist es, was beide Seiten enthalten: Sie überliefert sich als eigener Text und wird vollständig in seinem Leben im Buch der Jin (晉書) zitiert. Die Biographie liefert, was die Vorrede auslässt: das Amt, das er innehatte, die namhaften Gelehrten, die in jenem Land lebten, und was aus ihm wurde. Für den Tag selbst gibt es nur die Vorrede, und sie ist kein Veranstaltungsprogramm. Sie beginnt mit einem Ausflug und endet mit Trauer über die Zeit.

Das Datum, der Ort, die Gesellschaft

Der erste Satz gibt vier Dinge auf einmal: 永和九年,歲在癸丑,暮春之初,會于會稽山陰之蘭亭,修禊事也 — im neunten Jahr von Yonghe, im Jahr guichou, am Anfang des letzten Frühlingsmonats trafen sie sich im Orchideenpavillon von Shanyin in Kuaiji, „um den Xi-Ritus zu vollziehen“. Der Äraname und das Sechzigerjahr werden gedruckt, wie sie stehen; keine Seite rechnet sie um. Die Biographie stellt den Satz in eine Laufbahn: das Kommando Xuancheng wurde ihm verweigert, er wurde 右軍將軍、會稽內史, General der Rechten Armee und innerer Statthalter von Kuaiji. Sie sagt auch, warum die Zusammenkunft dort war: 會稽有佳山水,名士多居之 — Kuaiji hatte schöne Berge und Gewässer, viele namhafte Gelehrte wohnten dort; Xie An wohnte auch dort, bevor er ein Amt annahm; Sun Chuo, Li Chong, Xu Xun und der Mönch Zhi Dun standen in den Briefen obenan, bauten Häuser im Osten und teilten seine Neigungen.

Die Vorrede selbst sagt nur 群賢畢至,少長咸集 — „alle Würdigen kamen, Alt und Jung versammelt“ — und nennt niemanden. Die Biographie nennt diese Männer als Nachbarn und Gleichgesinnte und sagt dann 嘗與同志宴集于會稽山陰之蘭亭: „er versammelte einst Gleichgesinnte zu einem Gastmahl im Orchideenpavillon von Shanyin“. Wer von ihnen dabei war und wie viele insgesamt kamen, sagt keine der beiden Seiten. Die Vorrede verspricht allerdings eine Liste — 故列敘時人,錄其所述, „ich reihe die Männer der Zeit auf und verzeichne, was sie dichteten“ —, doch keine Namensliste steht auf den beiden Seiten.

Ein Wort: der Xi-Ritus

Das Wort 禊 erscheint einmal, in 修禊事也, und sonst nur in den Nebentiteln, die die Seite aufzählt, 禊序 und 禊帖. Keine Seite erklärt den Ritus: was getan wurde, von wem, zu welcher Stunde, an welchem Wasser, noch was 修 bedeutet. Nichts wird ergänzt; keine spätere Beschreibung der Reinigung im dritten Monat füllt die Lücke. Die Seite der Vorrede schreibt 脩禊, die Biographie 修禊: ein Wort in zwei Formen. Auf diesen Seiten bleibt der Ritus ein Wort.

Was der Text berichtet, ist kurz: 引以為流觴曲水,列坐其次 — sie leiteten das Wasser in einen gewundenen Lauf, um Schalen darauf treiben zu lassen, und setzten sich der Reihe nach ans Ufer; und 雖無絲竹管弦之盛,一觴一詠,亦足以暢敘幽情 — obwohl keine Kapelle spielte, genügten eine Schale und ein Gedicht, das tiefste Gefühl auszusprechen. Das ist alles, was von der Tätigkeit gegeben wird: gewundenes Wasser, Plätze in Ordnung, treibende Schalen, Gedichte, keine Musik. Der Verlauf des Grabens, das Material der Schalen, wie sie ausgesetzt und aufgenommen wurden — nichts davon steht auf den beiden Seiten.

Der Ort und der Tag

Der Ort kommt vor dem Wetter: 此地有崇山峻嶺,茂林修竹;又有清流激湍,映帶左右 — hohe Berge, steile Grate, dichte Wälder, hoher Bambus und ein klares, reißendes Wasser, das sie links und rechts umgürtet. Dann das Wetter: 是日也,天朗氣清,惠風和暢 — klarer Himmel, frische Luft, ein warmer, sanfter Wind. Dann der Grund, dort zu sein: 仰觀宇宙之大,俯察品類之盛,所以遊目騁懷,足以極視聽之娛,信可樂也 — den Blick zum Weltall erheben, ihn zur Fülle der Arten senken, Auge und Herz laufen lassen, bis Sehen und Hören satt sind: „wahrlich, man konnte glücklich sein“.

Von „wahrlich glücklich“ zu „ist es nicht schmerzlich“

Dann wendet sich der Text, und alles Vorherige wird zum Grund des Folgenden. 夫人之相與,俯仰一世 — die Menschen leben miteinander, und ein Leben vergeht zwischen einem Blick nach oben und einem nach unten. Die einen sprechen in einer Kammer aus, was sie tragen; die anderen vertrauen sich dem an, was sie lieben, und lassen den Leib locker. 雖趣舍萬殊,靜躁不同 — die Neigungen sind völlig verschieden, ruhig oder unruhig —, aber 當其欣於所遇,暫得於己,快然自足,不知老之將至: erfreut über das, was ihnen begegnet, kurz bei sich, sind sie zufrieden und merken nicht, dass das Alter kommt. 及其所之既倦,情隨事遷,感慨係之矣: wenn das Erstrebte ermüdet und das Gefühl mit den Umständen wandert, hängen sich Seufzer daran. 向之所欣,俯仰之間已為陳迹 — was einst erfreute, ist zwischen Aufblick und Niederblick schon eine verblasste Spur; 況修短隨化,終期于盡 — und die Spanne, lang oder kurz, folgt dem Wandel und endet. Dann die geborgte Zeile: 古人云:「死生亦大矣。」豈不痛哉 — die Alten sagten, Leben und Tod seien eine große Sache; ist es nicht schmerzlich?

Die Begründung: 固知一死生為虛誕,齊彭殤為妄作 — Leben und Tod für eines zu halten ist leeres Gerede, Peng Zu einem früh gestorbenen Kind gleichzustellen ist vermessene Erfindung. Dann der Satz, der den Kreis schließt: 後之視今,亦猶今之視昔,悲夫 — spätere Zeiten werden diese Zeit ansehen, wie diese frühere ansieht. Und der Grund des Schreibens: 故列敘時人,錄其所述,雖世殊事異,所以興懷,其致一也; 後之覽者,亦將有感於斯文 — „wer dies später liest, wird davon bewegt werden“.

Danach, und was keine der beiden Seiten gibt

Die Biographie fügt zwei Dinge hinzu. Das erste ist ein Vergleich und seine Freude: 或以潘岳《金谷詩序》方其文,羲之比于石崇,聞而甚喜 — manche verglichen seinen Text mit Pan Yues Vorrede zu den Gedichten vom Jingu und ihn selbst mit Shi Chong; als er es hörte, freute er sich sehr. Das ist der Bericht des Biographen über das, was die Leute sagten, kein Urteil über das Schreiben. Das zweite ist ein Ende: im dritten Monat des elften Jahres von Yonghe, zwei Jahre nach der Zusammenkunft, nach einem langen Zwist mit Wang Shu — der vor ihm Kuaiji regiert hatte und den er ablöste, und der später als Statthalter von Yangzhou kam, um die Verwaltung der Kommandantur zu prüfen —, erklärte er sich krank, verließ die Kommandantur und schwor an den Gräbern seiner Eltern; 朝廷以其誓苦,亦不復徵之, der Hof, weil sein Eid so streng war, berief ihn nie wieder. Die Biographie schließt ihn mit neunundfünfzig Jahren.

Was keine der beiden Seiten gibt: wie viele Männer kamen, wie viele Gedichte, wer sie waren, was der Xi-Ritus umfasste, wie das Wasser geleitet wurde, woraus die Schalen waren, ob die Gedichte überliefert sind. Spätere Berichte setzen die Gesellschaft auf zweiundvierzig und zählen die Gedichte; keine dieser Zahlen steht auf den beiden Seiten, und keine wird übernommen. Das Stück ist als Handschrift berühmt, und die Anmerkung der Seite wiederholt das spätere Lob, es sei „die schönste Laufschrift unter dem Himmel“ (天下第一行書); das gehört zu einer späteren Überlieferung über eine Handschrift, nicht zum Bericht der beiden Seiten, und kein Urteil über die Kalligraphie wird hier gefällt. Auch nichts über 魏晉風度, die Sitten der Zeit, wie spätere Zeitalter sie sich vorstellten.

Was die beiden Seiten feststellen, ist klein und genau: ein Datum (永和九年,歲在癸丑,暮春之初), ein Ort (會稽山陰之蘭亭), ein Anlass namens 修禊, eine Versammlung von Alt und Jung, ein gewundener Bach, Schalen, Gedichte, keine Musik, schönes Wetter und eine Vorrede, die in Freude beginnt und in Trauer endet; und darum herum, aus der Biographie, ein Amt, Nachbarn, ein Vergleich, der ihm gefiel, und ein Rücktritt zwei Jahre später. Der Ritus selbst bleibt ein Wort, das keine der beiden Seiten erklärt.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《兰亭集序》(东晋王羲之撰;维基文库本,页面为录文,未与中华书局点校本复核) — The preface itself: 'in the ninth year of Yonghe, the year guichou, at the start of the last month of spring, we met at the Orchid Pavilion in Shanyin, Kuaiji, to perform the xi rite'; the company of old and young; the ridges, bamboo and rushing water; the winding stream with floating cups and poems without music; the clear sky and warm breeze; then the turn from 'truly a joy' to a lifetime passing in a look, the sigh that what once delighted one is already a trace, the saying that life and death are a great matter, the refusal to make life and death one thing or to set Peng Zu beside a child who dies young, and the close that later readers will be moved by the text. The page also lists alternative titles (禊序, 禊帖) and carries an editorial note on the manuscript and on the 快然/怏然 variant.
  2. 《晋书》卷八十·王羲之传(唐房玄龄等撰;维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — The biography: his post at the time as General of the Right Army and interior governor of Kuaiji (右軍將軍、會稽內史); that Kuaiji had fine mountains and water where many noted scholars lived, Xie An among them before office, and that Sun Chuo, Li Chong, Xu Xun and the monk Zhi Dun built houses in the east and shared his tastes; 'he once gathered with like-minded people at the Orchid Pavilion in Shanyin, and Xizhi himself made the preface', followed by the full text; then that some compared the piece to Pan Yue's Jingu preface and likened him to Shi Chong, at which he was very pleased; later his quarrel with Wang Shu, his plea of illness and oath at his parents' graves in the third month of the eleventh year of Yonghe, the court's never summoning him again, and his death at fifty-nine.