Der Eid Tangs im Buch der Dokumente beginnt: „Der König sprach: Kommt, ihr alle, die Menge, hört meine Worte“ (王曰:格爾眾庶,悉聽朕言). Zuerst die Textschicht: Der Tang shi ist ein Eid im Buch der Dokumente, von dem man annimmt, dass er durch spätere Bearbeitung überliefert wurde, nicht von Tang selbst geschrieben; dieser Artikel liest seine Gründe und seine Belohnungen und Strafen Punkt für Punkt und übersetzt sie nicht in moderne politische Argumente. Zwei Vergleiche dienen: derselbe Eid in einer anderen Fassung im Shiji, und ein Kommentarsatz im Buch der Wandlungen.

Erster Grund: Xia hat viele Verbrechen

Zwei Vorgeschichten, beide aus der Erzählung des Shiji und nicht aus dem Eid. Tang, „im Feldzug gegen die Fürsten“, griff zuerst Ge an, weil dessen Graf nicht opferte (湯征諸侯,葛伯不祀,湯始伐之); und die Geschichte vom Netz: als er Netze nach vier Seiten gespannt sah mit dem Gebet, alles möge hineingehen, entfernte Tang drei Seiten und betete, was nach links wolle, möge nach links, was nach rechts wolle, nach rechts, und nur der Ungehorsame in sein Netz gehen, worauf die Fürsten sagten, seine Tugend reiche bis zu Vögeln und Tieren (湯德至矣,及禽獸). Der Eid weiß nichts von Ge oder dem Netz; er beginnt mit den Verbrechen von Xia.

Der Eid leugnet zuerst und nennt dann seinen Grund: „nicht dass dieser kleine Mann es wagte, Aufruhr zu erheben; Xia hat viele Verbrechen, und der Himmel schlägt es“ (非台小子,敢行稱亂;有夏多罪,天命殛之). „Der Himmel schlägt es“ ist eine Zeile des Eids, ein Grund, den der Sprecher gibt, nicht das Urteil des Erzählers; sie wird gedruckt, wie sie steht, und nicht als historische Notwendigkeit gelesen.

Der zweite Grund folgt sogleich: „Nun, ihr alle, ihr sagt: unser Herr erbarmt sich unser nicht, er lässt unsere Ernte und schneidet und berichtigt Xia. Ich habe eure Worte gehört; das Geschlecht Xia hat Verbrechen, und ich fürchte Gott und wage nicht, es nicht zu berichtigen“ (今爾有眾,汝曰:我后不恤我眾……予畏上帝,不敢不正). Die Klage des Volkes wird zuerst zitiert, dann der eigene Grund des Sprechers: Gott fürchtend, wage er nicht, es nicht zu „berichtigen“; die Seite vermerkt 正 als Variante von 征, gedruckt mit der Anmerkung.

Der dritte Grund ist der längste: „Nun sagt ihr: was gehen uns die Verbrechen von Xia an? Der König von Xia erschöpft die Kraft des Volkes, er beraubt die Städte von Xia, und die Menge ist träge und uneinig. Sie sagen: wann wird diese Sonne untergehen? Wir gehen mit dir zugrunde. So ist die Tugend von Xia; nun muss ich gehen“ (夏王率遏眾力,率割夏邑,有眾率怠弗協。曰:時日曷喪?予及汝皆亡!夏德若茲,今朕必往). Der Sprecher stellt die drei nebeneinander und schließt: so sei die Tugend von Xia, er müsse gehen. Die Trägheit und Uneinigkeit der Menge (有眾率怠弗協) gehören zu dem Grund, wie er ihn vorträgt, sie sind keine Nebenbemerkung.

Die Belohnungs- und Strafbestimmungen des Eids

Nach den Gründen kommen Bedingungen und Folgen: „Wenn ihr mir, dem einen Mann, helft und die Strafe des Himmels vollzieht, will ich euch reich belohnen. Glaubt mir nicht? Ich esse mein Wort nicht. Wenn ihr dem Eid nicht folgt, so werde ich eure Kinder töten lassen, und es wird keine Verzeihung geben“ (爾尚輔予一人,致天之罰,予其大賚汝……爾不從誓言,予則孥戮汝,罔有攸赦). Die Belohnung ist „reich belohnen“, die Strafe „eure Kinder töten lassen“ mit „keine Verzeihung“; wie hoch die Belohnung ist und wie die Strafe vollstreckt wurde, sagt der Eid nicht, und hier wird nichts ergänzt.

Die Fassung des Shiji

Die Annalen der Yin im Shiji setzen denselben Eid in eine Erzählung: „Tang erhob dann Truppen und führte die Fürsten; Yi Yin folgte Tang; Tang nahm selbst die Axt, griff Kunwu an und dann Jie. Tang sprach: Kommt, ihr Menge, kommt, hört alle meine Worte…“ (湯乃興師率諸侯,伊尹從湯,湯自把鉞以伐昆吾,遂伐桀). Truppen, Yi Yin, die Axt, Kunwu vor Jie — dann der Eid. Die Schreibung weicht Punkt für Punkt ab: 女 für 汝, 匪 für 非, 舉亂 für 稱亂, 維 für 惟, 嗇事 für 穡事, „hält die Kraft des Volkes an und nimmt den Staat Xia“ für „erschöpft und beraubt“, „ordnet euch reichlich“ für „belohnt euch reichlich“, „macht euch zu Sklaven und tötet euch“ für „tötet eure Kinder“, und „wann wird dieser Tag untergehen“ anders formuliert. Beide Fassungen werden gedruckt, keine berichtigt.

Der Shiji gibt auch Verlauf und Ergebnis: Jie „wurde am Hügel von Yousong besiegt“, „floh nach Mingtiao“, „das Heer von Xia erlitt eine Niederlage“; Tang „griff Sanzong an und nahm dessen Schätze“; „als Tang Xia besiegt hatte, wollte er dessen Erdaltar versetzen, und konnte es nicht“; „da unterwarfen sich alle Fürsten, und Tang bestieg den Thron des Himmelssohns“; und zuletzt „er berichtigte den ersten Monat, änderte die Farben der Kleidung, ehrte Weiß und hielt Hof bei Tag“ (改正朔,易服色,上白,朝會以晝). Das ist Erzählung der Geschichte; der Eid hat nichts davon, und keine der beiden Seiten gibt Schlachtdetails oder die Stärke der Heere.

Woher „Tang und Wu änderten das Mandat“ kommt

Die Formel steht nicht im Tang shi. Sie steht im Buch der Wandlungen, im Kommentar zum Hexagramm Ge: „Himmel und Erde wandeln sich, und die vier Jahreszeiten vollenden sich; Tang und Wu änderten das Mandat, dem Himmel gehorchend und den Menschen antwortend; groß ist der Sinn der Zeit des Wandels!“ (天地革而四時成,湯武革命,順乎天而應乎人). Das ist eine Zeile des Buch der Wandlungen, eine spätere Erklärung des Hexagramms, nicht der Eid und nicht eine Erzählung des Krieges. Ihre Herkunft wird hier vermerkt, und sie wird nicht gebraucht, um den Krieg zu kennzeichnen.

Was keine der beiden Seiten gibt

Keine der beiden Seiten gibt ein Datum, den Ort des Eids, wer die Menge war (der Eid sagt nur „ihr Menge“), die Stärke der Heere, Schlachtdetails oder einen Marschweg; auch keine Darstellung von der Seite Xias. Wie „eure Kinder töten lassen“ vollstreckt wurde oder was die große Belohnung war, sagt der Eid nicht, und nichts wird ergänzt. Kein Kommentar der Art „wer recht hat, hat viele Helfer“ wird gemacht, und das „Mandat des Himmels“ wird nicht als historische Erklärung des Krieges gebraucht.

Eine Schicht mehr: welche der beiden Fassungen, die des Sima Qian oder die des Buch der Dokumente, dem Original näher steht, sagt keine Seite, und dieser Artikel entscheidet es nicht; der Kommentar des Buch der Wandlungen und die Gründe des Eids gehören nicht derselben Schicht an, sie werden getrennt gestellt, nicht verschmolzen.

Was feststeht, ist dies: ein Eid, drei Gründe — Xia hat viele Verbrechen, und der Himmel schlägt es; ich fürchte Gott und wage nicht, es nicht zu berichtigen; der König von Xia erschöpft die Kraft des Volkes und beraubt die Städte, so ist die Menge träge; und am Ende Belohnung und Strafe, reiche Belohnung und Tötung der Kinder. Der Shiji gibt die Mobilmachung und das Ergebnis; der Kommentar des Buch der Wandlungen gibt ein späteres Urteil. Der Eid ist ein Eid, das Urteil ein Urteil. Der Eid endet hier.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《尚书·汤誓》(维基文库本,页面白文无注;圆括号与〈〉内为录文所加异文校字,未与中华书局点校本复核) — The oath in full: the king calls the multitude to listen; he denies that a petty man would dare raise rebellion, and gives the first reason — 'Xia has many crimes, and Heaven is striking it'; he reports the people's complaint that their lord does not pity them and leaves their harvesting to 'cut and correct Xia'; then the second reason — 'the Xia clan has crimes, and I fear God, and dare not fail to correct it'; then the third — 'the king of Xia exhausts the people's strength and strips the towns of Xia, and the multitude is idle and uncooperative', with their saying 'when will this sun perish? We will go down with you'; and he closes with reward and penalty: those who help him will be greatly rewarded, and those who do not follow the oath will have their children slain, with no pardon.
  2. 《史记》卷三·殷本纪(西汉司马迁撰;维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — The same oath inside a narrative: Tang raises troops with the lords, Yi Yin follows, Tang takes the axe himself, attacks Kunwu and then Jie, and speaks the oath with different characters — 'ye' for 'ru', 'not' for 'not', 'raise rebellion' for 'claim rebellion', 'reap the grain' for 'harvest', 'the king of Xia stops the people's strength and seizes the state of Xia' for 'exhausts and strips', 'greatly order you' for 'greatly reward you', and 'enslave and slay' for 'slay your children'. The chapter then records Jie's defeat at the mound of Yousong, his flight to Mingtiao, the rout of the Xia army, Tang's attack on Sanzong and capture of its treasures, the refusal to move the Xia altar, the submission of the lords, and Tang's accession, with the new calendar, colours and white dress.
  3. 《周易·革》彖传(维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — The sentence containing the phrase 'Tang and Wu changed the mandate': 'Heaven and earth change and the four seasons complete; Tang and Wu changed the mandate, obeying Heaven and answering men; great indeed is the meaning of the time of change' (天地革而四時成,湯武革命,順乎天而應乎人). It is a line of the Ge commentary, quoted here for its provenance only, not as a characterisation of the war.