Beginnen wir mit einem Baum. Das Leben Ji Kangs im Jinshu: „von äußerst erfinderischer Natur und dem Schmieden zugetan. In seinem Hof stand eine sehr üppige Weide, und er leitete das Wasser im Kreis um sie herum; in jedem Sommermonat blieb er darunter und schmiedete“ (性絶巧而好鍛。宅中有一柳樹甚茂,乃激水圜之,每夏月,居其下以鍛). Dieser Artikel beginnt in diesem Sommerhof, geht zu dem Tag über, an dem eine Schar vor dem Tor hielt, und endet auf dem Ostmarkt von Luoyang.

Eins: die Weide und das Wasser

Wozu der Wasserkreis diente, sagt eine Anmerkung deutlicher. Liu Xiaobiaos Anmerkung zum Shishuo zitiert das Wen Shi Zhuan: „Kang war von äußerst erfinderischer Natur und konnte Eisen bearbeiten. Sein Haus hatte eine üppige Weide, und er leitete das Wasser im Kreis um sie; im Sommer war es dort sehr kühl, und er blieb darunter nach seinem Belieben und schmiedete selbst“ (激水以圜之,夏天甚清涼,恆居其下傲戲,乃身自鍛). Die Kühle ist das Wort der Anmerkung; „nach seinem Belieben“ ist ebenfalls abgeschrieben und nicht erweitert.

Ob das Schmieden ein Erwerb war, beantworten die zwei Seiten verschieden, und beide Antworten bleiben stehen. Das Jinshu: „Anfangs, da Kang arm war, schmiedete er einmal mit Xiang Xiu unter einem großen Baum, um sich zu unterhalten“ (與向秀共鍛於大樹之下,以自贍給). Die Anmerkung des Shishuo: „Obwohl seine Familie arm war, nahm er kein Geld, wenn jemand ihn zu schmieden bat; nur alte Freunde und Verwandte brachten Hühner und Wein, und sie aßen und tranken zusammen und redeten rein“ (康不受直。唯親舊以雞酒往與共飲噉). Das eine sagt, er lebte davon, das andere, er nahm kein Geld; die beiden stehen nebeneinander, und dieser Artikel entscheidet nicht. Was er herstellte, wer es kaufte, was es kostete — keine der beiden Seiten sagt es.

Zwei: der Besuch

Der Besucher kam mit großem Aufwand. Die Anmerkung des Shishuo, das Wei Shi Chunqiu zitierend: „Zhong Hui war bei den Brüdern des Großgenerals beliebt, und als er von Kangs Namen hörte, ging er ihn besuchen. Hui war ein berühmter junger Herr, um seines Talents willen geschätzt; er ritt fette Pferde und trug leichte Pelze, und seine Begleiter waren wie Wolken“ (乘肥衣輕,賓從如雲). Der Haupttext gibt den Hof: „Zhong lud die tüchtigen Männer der Zeit ein und ging mit ihnen Kang suchen. Kang schmiedete unter einem großen Baum, und Xiang Ziqi trat für ihn den Blasebalg. Kang hob den Hammer ohne inne zu halten, als sei niemand da, und wechselte lange kein Wort“ (康揚槌不輟,傍若無人,移時不交一言). Das Jinshu formuliert es so: „Kang erwies ihm keine Höflichkeit und hörte nicht auf zu schmieden“; die Anmerkung fügt hinzu: „Kang saß mit gespreizten Beinen und schmiedete“ (箕踞而鍛) — diese Haltung steht nur in der Anmerkung, nicht im Haupttext.

Der Kern der Szene sind zwei Sätze. Als Zhong sich erhob, um zu gehen, sprach Kang: „Was hast du gehört, daß du kamst? Was hast du gesehen, daß du gehst?“ Zhong antwortete: „Hörend, was ich hörte, kam ich; sehend, was ich sah, gehe ich“ (何所聞而來?何所見而去?/聞所聞而來,見所見而去). Das Jinshu und der Haupttext des Shishuo sind fast Wort für Wort gleich; sie stehen als Parallele nebeneinander, nicht als Beweis füreinander. Der Zusatz des Shishuo, daß er lange nicht sprach, ist ebenfalls abgeschrieben. Frage und Antwort sind gleich gebaut: die Frage fragt mit 何所, die Antwort wechselt zu 所; die Frage sagt Kommen und Gehen, die Antwort sagt Kommen und Gehen. Die Entlassung geschieht durch die Syntax.

Der Groll beginnt hier. Das Jinshu: „Hui nahm ihm dies übel“ (會以此憾之). Die Anmerkung des Shishuo: „Hui nahm es ihm tief übel, und später nutzte er die Sache mit Lü An, um ihn zu verleumden“ (會深銜之。後因呂安事,而遂譖康焉). Die Verleumdung selbst gibt das Jinshu vollständig: „Als die Sache kam, sagte er zu Kaiser Wen: Ji Kang ist ein geduckter Drache, er ist nicht zu erheben. Der Herzog soll sich um das Reich keine Sorgen machen; sein einziger Kummer sollte Kang sein. Dann verleumdete er ihn: Kang habe Guanqiu Jian helfen wollen, und Shan Tao habe nicht gehört. Einst tötete Qi den Hua Shi und Lu den Shao Zhengmao, weil sie der Zeit schadeten und die Lehre verwirrten, und die Weisen schafften sie fort. Kang, An und ihresgleichen führen lose und zügellose Reden und schmähen die Satzungen; ein König soll sie nicht dulden. Es wäre gut, die Gelegenheit zu nutzen, um sie zu beseitigen und die Sitten zu läutern. Der Kaiser, der Hui angehört und geglaubt hatte, ließ beide töten“ (帝既昵聽信會,遂并害之). Hui spricht die Verleumdung; der Kaiser trifft die Entscheidung; beide Handlungen sind da, und dieser Artikel verkleinert sie nicht zu einem privaten Streit. „Kaiser Wen“ wird gewöhnlich für Sima Zhao gehalten, ohne daß die Seiten es erläutern.

Drei: Lü An und das Zeichen auf dem Tor

Die Freundschaft steht in beiden Büchern in einem Satz. Das Shishuo: „Ji Kang und Lü An waren einander zugetan; wenn einer an den anderen dachte, fuhr er tausend li weit in die Ferne“ (每一相思,千里命駕). Das Jinshu: „Lü An aus Dongping bewunderte Kangs hohe Art; wenn er an ihn dachte, fuhr er tausend li, und Kang war ihm freund und zugetan.“ Dann die Verhaftung: „Später wurde An von seinem älteren Bruder falsch beschuldigt und in der Sache eingekerkert, und seine Aussage zog andere hinein, und so wurde Kang wieder verhaftet“ (辭相證引,遂復收康). Die Einzelheiten des Falls stehen auf keiner der beiden Seiten.

Eine weitere Aufzeichnung der Geringschätzung steht im selben Kapitel: „An kam später, als Kang fort war; Xi kam heraus, ihn zu empfangen, und er wollte nicht hineingehen. Er schrieb das Zeichen 鳳 auf das Tor und ging. Xi bemerkte es nicht und freute sich noch, denn 鳳 besteht aus 凡 und 鳥 — ein gewöhnlicher Vogel“ (題門上作「鳳」字而去。喜不覺,猶以為欣,故作「鳳」字,凡鳥也). Die Anmerkung zitiert das Shuowen: „鳳 ist ein göttlicher Vogel; es folgt 鳥, mit 凡 als Laut“ (從鳥,凡聲). Es ist also ein Zeichenspiel, keine Beleidigung ins Gesicht: der Verspottete freute sich eine Weile.

Vier: der Ostmarkt

Die letzte Szene steht nur im Jinshu, und ihre Ordnung ist eng: „Kang sollte auf dem Ostmarkt hingerichtet werden; dreitausend Studenten baten, ihn zum Lehrer zu haben, und es wurde abgelehnt. Kang blickte auf den Schatten der Sonne, verlangte eine Laute und spielte, sagend: einst wollte Yuan Xiaoni von mir das Guangling San lernen, und ich hielt es ihm immer zurück; das Guangling San ist von heute an zu Ende. Er war vierzig Jahre alt“ (太學生三千人請以為師,弗許。康顧視日影,索琴彈之……《廣陵散》於今絕矣!時年四十). Die Bitte, die Ablehnung, der Blick auf die Sonne, die Laute: vier Schritte in einem Atem, und dieser Artikel hält ihre Ordnung. Die dreitausend sind die Zahl des Textes, keine Zählung der Akademie.

Die Zeit dieses Abschnitts muß vermerkt werden: das Kapitel über die Überheblichkeit im Shishuo hat keine Hinrichtungsszene; sie erscheint nur im unter den Tang 648 zusammengestellten Jinshu. Es ist also ein später Bericht, und man kann nicht schreiben „der Bericht der Zeit sagt“. Was den Ursprung des Guangling San betrifft, so erzählt der unmittelbar folgende Abschnitt des Jinshu von einer Nacht im Pavillon Huayang und einem Gast, der sich einen Mann des Altertums nannte — das ist eine Erzählung des Wunderbaren und wird hier nicht benutzt. Dieser Artikel sagt auch nicht, die Melodie sei dadurch verloren gegangen; er zitiert nur, was er sagte.

Fünf: jenseits dieser zwei Seiten

Drei Schichten, getrennt gehalten: der Haupttext des Shishuo, um das fünfte Jahrhundert; Liu Xiaobiaos Anmerkungen, um das sechste, die ältere Bücher zitieren (das Wen Shi Zhuan, das Wei Shi Chunqiu, das Jin Baiguan Ming, Gan Baos Jin Ji, das Shuowen); und das Tang-Jinshu von 648, das aus den Geschichten der Jin schöpfte — seine späte Zusammenstellung bedeutet nicht, daß sein Stoff sich zuletzt bildete, und dieser Unterschied muß gesagt werden, statt „die Geschichten sagen“ zu schreiben. Über die sieben Weisen des Bambushains geben die Seiten eine Liste und die Wendung „der Ausflug in den Bambushain“; dieser Artikel schreibt keine Gruppe, keinen Anführer, keine Geschichte des reinen Gesprächs. Was die Seiten nicht geben: die Werkzeuge, Käufer oder Preise der Schmiede; die Größe der Akademie oder das Verfahren der Bitte; ein Verhör oder eine Aussage nach der Verleumdung; das Jahr seiner Geburt. Sieben chi acht cun werden nicht umgerechnet, die dreitausend werden nicht gezählt, kein Regierungsjahr wird in ein westliches Datum verwandelt. Dieser Artikel schreibt auch nicht über „Wei-Jin-Stil“ oder „die Haltung berühmter Gelehrter“. Was bleibt, ist eine Weide, ein Wasserkreis, ein Wortwechsel, ein Zeichen auf einem Tor und ein Blick zur Sonne auf dem Ostmarkt.

Weiterlesen:Sima Xiangru: Vier Wände, eine Laute, eine Weinschänke · Touhu: Der Ritus und die Wette beim Trinkgelage · Der Bo-Altar: Was mit dem Erdaltar eines untergegangenen Staates geschieht

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《晋书》卷四十九〈嵇康传〉(唐房玄龄等撰;维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — The biography, compiled in 648, carrying the whole arc: Ji Kang, style Shuye, of Zhizhi in Qiao; the family, originally of Shangyu in Kuaiji, moved to avoid a feud, and took its surname from Mount Ji beside which they settled; his elder brother Xi; left fatherless early; 'seven chi eight cun tall, fine in voice and manner, with the bearing of a gentleman, but a body of earth and wood that he never adorned' (身長七尺八寸……土木形骸,不自藻飾); 'he studied without a formal teacher' (學不師受); 'married into the Wei imperial clan and was appointed Palace Grandee' (與魏宗室婚,拜中散大夫); 'of a most ingenious nature and fond of forging' (性絶巧而好鍛); the willow in his courtyard with water led round it, under which he forged every summer; Lü An, who 'would drive a thousand li at a single thought of him' (每一相思,輒千里命駕); the arrest after Lü An's brother's false accusation; the scene with Zhong Hui — 'Kang offered him no courtesy and did not stop hammering' (康不爲之禮,而鍛不輟) — the exchange 'what did you hear that brought you here? what did you see that takes you away?' (何所聞而來?何所見而去?), and Zhong's grudge; Zhong's long denunciation before Emperor Wen ('a crouching dragon', 'wanted to aid Guanqiu Jian', 'words loose and unbridled, defaming the statutes'), and 'the emperor, having listened to and trusted Hui, had them both killed' (帝既昵聽信會,遂并害之); the execution in the eastern market, 'three thousand students asked to have him as their teacher, and it was refused' (太學生三千人請以爲師,弗許), the look at the sun's shadow, the lute, 'the Guangling San is from today ended' (《廣陵散》於今絶矣), and 'aged forty' (時年四十). The page marks variant graphs with editorial -{…}- brackets, which are not quoted. The story of the night at Huayang Pavilion follows immediately and is not used here.
  2. 《世说新语·简傲》(南朝宋刘义庆撰,梁刘孝标注;维基文库本,正文与注同页,注以「注」标出,未与中华书局点校本复核) — The Anecdotes, chapter on arrogance, third and fourth entries, with Liu Xiaobiao's sixth-century notes. Main text: 'Zhong Shiji, refined and eloquent, had not known Ji Kang before. He invited the worthies of the time and went with them to seek Kang. Kang was forging under a great tree, with Xiang Ziqi working the bellows for him. Kang raised his hammer without pausing, as though no one were there, and for a long while did not exchange a word. Zhong rose to go; Kang said: What did you hear that brought you here? What did you see that takes you away? Zhong said: Hearing what I heard, I came; seeing what I saw, I go' (康揚槌不輟,傍若無人,移時不交一言……聞所聞而來,見所見而去). Note quoting the Wen Shi Zhuan: Kang could work iron; the willow with water led round it; in summer it was cool, and he stayed under it at his ease and forged himself; 'though his family was poor, when someone asked him to forge he took no payment; only old friends and relatives brought chickens and wine, and they drank and ate together and talked pure talk' (有人說鍛者,康不受直。唯親舊以雞酒往與共飲噉,清言而已). Note quoting the Wei Shi Chunqiu: Zhong Hui, favoured by the great general's brothers, 'came with fat horses and light furs and a following like clouds'; 'Kang was sitting with legs sprawled, forging, and when Hui arrived offered no courtesy; Hui bore it deeply, and later used the Lü An affair to slander him' (康方箕踞而鍛,會至不爲之禮,會深銜之). The fourth entry: Lü An's visit when Kang was out, his refusal to enter, and the character for phoenix written on the gate, which Xi took as a compliment; note quoting the Shuowen that 鳳 'follows 鳥, with 凡 as its sound'.