Sima Xiangru war so arm, dass „das Haus nur aus vier Wänden bestand“, und später so reich, dass er „Felder und Häuser kaufte und ein reicher Mann wurde“. Zwischen beidem stehen eine Laute und eine Weinschänke. Herangezogen werden zwei Seiten: die Lebensbeschreibung im Shiji und die im Hanshu, die die Kommentare Yan Shigus und anderer trägt (die Seite ist mit 50 % Textqualität gekennzeichnet und mischt Text und Anmerkungen). Die Erzählung — das Gastmahl, die Laute, die Weinschänke — und die Rhapsodien bleiben zwei Schichten: die Geschichte ist die Geschichte, und das Fu ist das Fu.

Armut und ein Gastmahl

Xiangru stammte aus Chengdu und hatte den Ehrennamen Changqing. 少時好讀書,學擊劍 — als Knabe liebte er Bücher und lernte den Schwertkampf —, und seine Familie nannte ihn Quanzi, „Hündchen“. 慕藺相如之為人,更名相如: er bewunderte Lin Xiangru und nahm dessen Namen an. 以貲為郎,事孝景帝,為武騎常侍,非其好也 — er kaufte sich ein Amt als Begleiter und diente Kaiser Jing, aber es war nicht, was er mochte. Als der Kaiser sich den Rhapsodien gegenüber gleichgültig zeigte, 因病免,客游梁, schied er krankheitshalber aus und lebte am Hof von Liang, wo er 乃著子虛之賦, die Zixu-Rhapsodie schrieb. Als der König von Liang starb, ging er heim 而家貧,無以自業, arm und ohne Mittel zum Lebensunterhalt; er stand Wang Ji nahe, dem Magistrat von Linqiong, der sagte 長卿久宦遊不遂,而來過我 — du bist lange umhergezogen und zu nichts gekommen; komm zu mir.

Linqiong war reich an reichen Leuten: 卓王孫家僮八百人,程鄭亦數百人 — Zhuo Wangsun hielt achthundert Hausbedienstete, Cheng Zheng mehrere hundert; das Hanshu schreibt dafür 僮客八百人. Die beiden verabredeten 令有貴客,為具召之, der Magistrat habe einen vornehmen Gast, man wolle ein Mahl bereiten und ihn einladen, und luden auch den Magistrat ein; 令既至,卓氏客以百數, und als er kam, zählten die Gäste der Zhuo hundert. Am Mittag schickten sie nach Sima Changqing, und er 謝病不能往, entschuldigte sich mit Krankheit; der Magistrat 不敢嘗食,自往迎相如, wagte nicht, das Essen zu kosten, und ging selbst, ihn zu holen; Xiangru 不得已,彊往,一坐盡傾 — ging widerstrebend, und die ganze Gesellschaft war hingerissen. Die Achthundert sind Hausbedienstete, keine Bevölkerungs- oder Vermögenszahl; sie stehen so, wie sie dastehen, und werden nicht vervielfacht.

Die Laute

Als der Wein die Runde gemacht hatte, trat der Magistrat mit einer Laute vor und sagte 竊聞長卿好之,原以自娛 — ich habe gehört, du liebst dies; bitte vergnüge dich. Das Hanshu schreibt 願以自娛 statt 原以自娛. Xiangru lehnte ab und 為鼓一再行, spielte ein oder zwei Stücke. Yan Shigus Anmerkung: 行謂曲引也。古樂府長歌行短歌行,此其義也 — ein Hang ist eine Melodie; das alte Musikamt hat ein Langes Lied und ein Kurzes Lied, und dies ist der Sinn. Kein Konzert: ein oder zwei Stücke an einer Tafel. Der nächste Satz nennt den Zweck.

是時卓王孫有女文君新寡,好音,故相如繆與令相重,而以琴心挑之 — Zhuo Wangsuns Tochter Wenjun war eben verwitwet und liebte die Musik, darum tat Xiangru, als stehe er mit dem Magistrat auf gutem Fuß, und reizte sie mit dem Herzen in der Laute; 師古注, Yan Shigu erklärt: 寄心於琴聲以挑動之也, er legte sein Herz in den Klang, um sie zu erregen. Er war nach Linqiong 從車騎,雍容間雅甚都 gekommen, mit Wagen und Reitern, gelassen und stattlich; im Hause der Zhuo 文君竊從戶窺之,心悅而好之,恐不得當也 — sie sah ihn heimlich von der Tür aus, war erfreut und ihm zugetan und fürchtete, ihm nicht ebenbürtig zu sein. Nach dem Mahl 使人重賜文君侍者通殷勤, schickte er ihrer Zofe reiche Gaben, um ihr seine Aufmerksamkeit zu übermitteln; 文君夜亡奔相如,相如乃與馳歸成都。家居徒四壁立 — sie lief ihm in der Nacht zu, sie jagten nach Chengdu zurück, und das Haus stand mit vier Wänden und sonst nichts.

Die Weinschänke

Ihr Vater: 卓王孫大怒曰:「女至不材,我不忍殺,不分一錢也」 — er war außer sich, sagte, seine Tochter sei nichts wert, er könne sie nicht töten, aber er gebe ihr nicht eine einzige Münze. Nach einer Weile war Wenjun unglücklich und sagte 長卿第俱如臨邛,從昆弟假貸猶足為生,何至自苦如此 — lass uns einfach nach Linqiong gehen; von meinen Vettern zu borgen würde zum Leben reichen; warum sich so quälen? So gingen sie, 盡賣其車騎,買一酒舍酤酒,而令文君當爐 — verkauften Wagen und Pferde, kauften eine Weinschänke und ließen Wenjun am Lu stehen. Das Hanshu hat 買酒舍,乃令文君當盧: 爐 auf der einen, 盧 auf der anderen Seite, und beide stehen so, wie sie stehen.

Was der Lu war, sagt die Anmerkung am besten: 賣酒之處累土為盧以居酒甕,四邊隆起,其一面高,形如鍛盧,故名盧耳。而俗之學者,皆謂當盧為對溫酒火盧,失其義矣 — Wein wird dort verkauft, wo Erde zu einem Gestell aufgeschüttet ist, das die Krüge aufnimmt, an vier Seiten erhöht, auf einer Seite höher, geformt wie die Esse eines Schmieds, und darum heißt es Lu; und die gewöhnlichen Gelehrten, die dang lu als das Stehen vor einem Feuer zum Wärmen des Weins verstehen, haben den Sinn verfehlt. Das Gestell ist eine Plattform aus gestampfter Erde, kein Ofen. Diese Anmerkung ist der Kern dieses Artikels.

Xiangru 身自著犢鼻褌, trug einen kurzen Lendenschurz — 師古注: 即今之衳也,形似犢鼻, geformt wie die Nase eines Kalbes —, und 與保庸雜作,滌器於市中, arbeitete unter Lohnarbeitern und wusch Becher auf dem Markt; die Glosse 庸即謂賃作者,保謂庸之可信任者也 erklärt 庸 als den Lohnarbeiter und 保 als den zuverlässigen Lohnarbeiter. Ein Mann, der eine Rhapsodie geschrieben hatte, wusch Becher auf dem Markt. Zhuo Wangsun 聞而恥之,為杜門不出, hörte davon, schämte sich und schloss sein Tor. Die Verwandten redeten ihm zu: 有一男兩女,所不足者非財也 — du hast einen Sohn und zwei Töchter, und was dir fehlt, ist nicht das Geld; der Mann ist es wert, dass man sich auf ihn stützt, und er ist der Gast des Magistrats. Da gab er nach, 分予文君僮百人,錢百萬,及其嫁時衣被財物 — hundert Bedienstete, eine Million Münzen und ihre Hochzeitskleider und -güter; und die beiden kehrten nach Chengdu zurück, 買田宅,為富人, kauften Felder und Häuser und wurden reich.

Die Rhapsodien: drei erfundene Männer

Die Rhapsodien sind eine andere Schicht. Die Lebensbeschreibung erklärt die drei Namen der Zixu-Rhapsodie: 相如以「子虛」,虛言也,為楚稱;「烏有先生」者,烏有此事也,為齊難;「無是公」者,無是人也,明天子之義 — Zixu bedeutet leere Worte und spricht für Chu; Meister Nirgendwo bedeutet, dass nichts dergleichen geschah, und vertritt den Fall von Qi; Herr Kein-Solcher bedeutet, dass es keinen solchen Mann gibt, und legt das Recht des Himmelssohns dar. 故空藉此三人為辭,以推天子諸侯之苑囿。其卒章歸之於節儉,因以風諫 — er lieh sich diese drei als Sprecher, um die Parks der Könige und Herren darzulegen, und das Schlusskapitel kehrt zur Sparsamkeit zurück und ermahnt damit. Die Namen selbst bedeuten nichts.

Auch wie die Rhapsodie auf den Thron kam, ist verzeichnet: Der Kaiser las die Zixu-Rhapsodie und hielt viel von ihr — 朕獨不得與此人同時哉, ich bin nicht dazu bestimmt, mit diesem Mann dieselbe Zeit zu teilen; Xiangru wurde vorgeladen und sagte 此乃諸侯之事,未足觀也, das ist eine Sache der Herren, nicht wert, dass du sie ansiehst, und bot eine Rhapsodie über die kaiserliche Jagd an; 上許,令尚書給筆札 — der Kaiser stimmte zu und ließ die Schreiber Pinsel und Tafeln reichen. Später, als er die Daren-Rhapsodie vorlegte, 天子大說,飄飄有淩雲之氣,似遊天地之間意 — war der Kaiser entzückt und fühlte sich, als schwebe er über den Wolken und wandere zwischen Himmel und Erde.

Wie die beiden Seiten schließen

Die Lebensbeschreibung gibt eine Zusammenfassung des Mannes: 相如口吃而善著書。常有消渴疾。與卓氏婚,饒於財。其進仕宦,未嘗肯與公卿國家之事,稱病間居,不慕官爵 — er stotterte und schrieb gut; er litt an ständigem, zehrendem Durst; durch die Heirat mit den Zhuo war er reich; und sobald er im Amt war, ließ er sich nicht auf die Angelegenheiten der hohen Beamten und des Staates ein, meldete sich krank und lebte still, ohne Verlangen nach Rang. Diese Sätze verändern die Farbe der Geschichte: Das Geld und das Schreiben sind in seinem Leben zwei getrennte Dinge.

Zuletzt der Großhistoriker: 相如雖多虛辭濫說,然其要歸引之節儉,此與詩之風諫何異。余采其語可論者著於篇 — vieles von dem, was er schrieb, ist leer und übertrieben, aber sein Hauptzug führt zur Sparsamkeit, und wie unterscheidet sich das von der Ermahnung der Lieder? Das ist Sima Qians Urteil, und es ist als das seine gekennzeichnet. Nichts hier stammt aus dem späteren Lautenlied oder der späteren Ballade: keine der beiden Seiten hat sie. Keine „Gelehrter und Schöne“-Romanze wird erzählt, keine Literaturgeschichte geboten; und die Zahlen — achthundert Bedienstete, hundert Bedienstete, eine Million Münzen — stehen so, wie die Seiten sie geben, nicht umgerechnet und nicht summiert.

Weiterlesen:Der Bo-Altar: Was mit dem Erdaltar eines untergegangenen Staates geschieht · Ringen und Zauberkünstler: zwei Vorstellungen für fremde Gäste · Teures Papier in Luoyang: Wie eine Rhapsodie einen Preis steigen ließ

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《史记》卷一百一十七·司马相如列传(西汉司马迁撰;维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — Sima Qian's life: Xiangru, who admired Lin Xiangru and took his name, bought a post as an attendant, left office when Emperor Jing proved indifferent to rhapsodies and lived at the court of Liang, where he wrote the Zixu rhapsody; after the king of Liang died he went home poor, went to Linqiong where the magistrate Wang Ji was a friend, and was invited to the house of Zhuo Wangsun, who kept eight hundred household servants; at the banquet the magistrate offered him a lute and he played 'one or two tunes', and 'with his heart in the lute' provoked the newly widowed Wenjun, who watched him through the door; that night she ran to him and they went back to Chengdu, where 'the house had only four walls'. Her father refused her a single coin, so they returned, sold the carriage and horses, bought a wine shop, and 'made Wenjun stand at the lu' while Xiangru in a loincloth worked among hired men washing cups in the market; shamed, her father gave a hundred servants and a million cash. The chapter also explains the rhapsody's three figures — Zixu, Master Nowhere, Lord No-Such — and closes with the Grand Historian's verdict on 'much empty phrasing' that nonetheless 'returns to frugality'.
  2. 《汉书》卷五十七·司马相如传(东汉班固撰,附颜师古等注;维基文库本,页面标注 Textquality 50%,正文与注混排,未与中华书局点校本复核) — Ban Gu's version, used for its commentaries and variants (page marked 50% text quality). Yan Shigu glosses 'dang lu': wine is sold where earth is piled up into a stand to hold the jars, raised on four sides with one side higher, shaped like a smith's forge, hence lu — 'and the vulgar scholars who take dang lu as facing a fire for warming wine have missed the meaning'. The same page glosses 'du bi kun' as a short garment shaped like a calf's nose, 'xing' as a tune, 'mou' as deceit, and 'yong bao' as hired labour and trusted hired labour; it also has 僮客八百人 for the Shiji's 家僮八百人, and 當盧 for the Shiji's 當爐.