Für den Bund von Kuiqiu behält die Zuo-Überlieferung nur einen Satz: „im Herbst schloss der Herr von Qi mit den Fürsten zu Kuiqiu Bund und sprach: alle unseres Bundes, einmal geschworen, kehren zu guten Beziehungen zurück“ (秋,齊侯盟諸侯于葵丘,曰:凡我同盟之人,既盟之後,言歸于好). Kaum ein Dutzend Zeichen. Doch das Mencius, im Kapitel Gaozi, erinnert dieselbe Zusammenkunft mit fünf Geboten und einem Satz über den Ritus. Zwei Schichten sind zu trennen: das Zuo ist Jahr-für-Jahr-Erzählung, das Mencius eine Rückschau und ein Urteil der Zeit der Streitenden Reiche; was die beiden Bücher bewahren, ist nicht dasselbe, und sie lassen sich nicht zu „dem Text des Bundes“ zusammennähen.

Kuiqiu: ein Satz

Neuntes Jahr Herzog Xis: im Sommer „trafen sie sich zu Kuiqiu, erneuerten den Bund und pflegten gute Beziehungen — das war dem Ritus gemäß“ (會于葵丘,尋盟,且脩好,禮也); im Herbst wurde der Bund geschworen, mit dem obigen Satz. 尋盟 gilt gewöhnlich als Erneuerung eines früheren Bundes, hier als übliche Lesart markiert: ein Bund wurde nicht einmal geschworen und gelassen, er wurde bestätigt. Dieselbe Zusammenkunft hat eine weitere Szene: der königliche Gesandte Zai Kong bringt dem Herrn von Qi Opferfleisch, mit den Worten des Königs: „da der ältere Onkel betagt ist, wird eine Stufe Arbeit erlassen: er soll sich nicht verneigen“; der Herr antwortet: „die Majestät des Himmels ist nicht einen Fuß von eurem Antlitz entfernt — wie dürfte ich, Xiaobai, den Befehl des Himmelssohns empfangen und mich nicht verneigen?“, und „verneigte sich unten und empfing oben“ (下拜登受). Der Bundesherr verneigte sich vor dem Gesandten des Königs.

Dieselbe Zusammenkunft bewahrte auch die Kritik eines Zeitgenossen. Zai Kong, zuerst abgereist, traf den Herrn von Jin und sagte: „ihr braucht der Zusammenkunft nicht beizuwohnen. Der Herr von Qi müht sich nicht um Tugend, sondern um ferne Pläne; darum zog er im Norden gegen die Berg-Rong, im Süden gegen Chu und im Westen, um diese Zusammenkunft zu halten“ (齊侯不務德而勤遠略). Das ist Zai Kongs Urteil über die Zusammenkunft, keine Institution.

Was Mencius hinzufügt: fünf Gebote

Das Mencius gibt zuerst einen Satz über den Ritus: „bei der Zusammenkunft von Kuiqiu banden die Fürsten das Opfertier und legten die Bundesschrift darauf und bestrichen es nicht mit Blut“ (葵丘之會,諸侯束牲載書而不歃血). 束牲載書 wird gewöhnlich als Binden des Opfertiers und Legen der Urkunde darauf verstanden; die Seite glossiert es nicht. Dass sie nicht mit Blut bestrichen, ist eigens für Kuiqiu gesagt und wohl Ausnahme; nur dieser eine Satz steht hier, und weder Ohrenschneiden noch Blutbestreichen noch Vergraben von Texten wird hinzugefügt.

Dann die fünf, wie gedruckt: erstens „die Unfrommen bestrafen, den Erben nicht wechseln, keine Konkubine zur Frau machen“; zweitens „die Würdigen ehren, Talente erziehen, um die Tugend leuchten zu lassen“; drittens „die Alten achten, die Jungen lieben, Gäste und Reisende nicht vergessen“; viertens „kein Erbamt, keine Ämterhäufung, Männer recht wählen, keine großen Beamten nach Belieben töten“; fünftens „keine krummen Deiche, keine Sperrung des Getreides, keine Belehnung ohne Meldung“. Fünf Felder: Haus und Nachfolge, Ehren der Talente, Alte und Junge mit durchreisenden Gästen, Ämter und Ernennung und Strafe, Wasser und Getreide und Landverleihung. Mencius gibt danach denselben Schlusssatz — „alle unseres Bundes, einmal geschworen, kehren zu guten Beziehungen zurück“ — Wort für Wort wie im Zuo.

Jiantu: wie ein Fluch geschrieben wird

Achtundzwanzigstes Jahr Herzog Xis. Der Herzog von Wei „bat um einen Bund, und die Männer von Jin verweigerten ihn“ — auch die Verweigerung ist notiert. Dann der Bund am Königshof: „am Tag guihai schloss Prinz Hu mit den Fürsten am Königshof Bund“ (癸亥,王子虎盟諸侯于王庭) — geleitet von Prinz Hu, einem Sohn des Zhou-Königs, nicht vom Herrn von Jin. Der Inhalt ist ein Satz: „alle stützt das königliche Haus, schadet einander nicht“ (皆獎王室,無相害也). Dann der Fluch: „wer diesen Bund bricht, den schlage der helle Geist! Sein Heer stürze, er genieße sein Land nicht, bis zu den Urenkeln, ohne Alt und Jung zu schonen!“ (有渝此盟,明神殛之!俾隊其師,無克祚國,及其玄孫,無有老幼). Das sind Worte im Bund, nicht der Bericht eingetretener Strafen; derselbe Abschnitt fügt hinzu, „der Gentleman nannte diesen Bund vertrauenswürdig und sagte, Jin könne in diesem Feldzug mit Tugend angreifen“ — ein Kommentar des Historikers.

Wanpu hat seinen eigenen Text, mit konkretem Rahmen: „Ning Wuzi schloss mit den Männern von Wei zu Wanpu Bund“ (甯武子與衛人盟于宛濮). Der Grund: „der Himmel hat Unheil über Wei gebracht, Herr und Minister waren nicht einig, daher diese Not“; zwei Fragen: „ohne die Zurückgebliebenen, wer hütete die Altäre? ohne die Gegangenen, wer schützte Weide und Ställe?“ Dann Freispruch und Fluch: „von heute an, einmal geschworen, binden die Gegangenen ihre Kraft nicht, fürchten die Gebliebenen keine Schuld. Wer diesen Bund bricht, auf den falle es; die hellen Geister und früheren Herren richten und schlagen“ (行者無保其力,居者無懼其罪……明神先君,是糾是殛) — auch die Ahnen sind als Zeugen angerufen. Die Wirkung ist eine Zeile: „als die Leute des Staates diesen Bund hörten, waren sie nicht mehr zweier Meinung“ (國人聞此盟也,而後不貳).

Nach dem Bruch: wer handelt

Der Eid ruft die Geister; die Vollstreckung fällt Menschen zu. Der Herzog von Wei und Yuan Xuan „gingen vor Gericht“ — vor den Hegemon: „Ning Wuzi führte das Wort, Zhen Zhuangzi saß bei, Shi Rong war Großrichter. Der Herzog verlor. Shi Rong wurde getötet, Zhen Zhuangzi die Füße abgeschnitten, und Ning Yu für treu erklärt und verschont“ (衛侯不勝。殺士榮,刖鍼莊子). Dann: „der Herzog wurde ergriffen, in die Hauptstadt zurückgebracht und in die tiefe Kammer gelegt“ (執衛侯,歸之于京師,寘諸深室) — die „tiefe Kammer“ wohl ein Haftort, da die Seite keine Anmerkung hat. Die Handelnden waren die Männer von Jin, nicht die hellen Geister.

Die Abfolge muss in der Ordnung des Textes erzählt und nicht zu „der Herzog tötete seinen Bruder“ verdichtet werden. Der Herzog von Wei, der hörte, dass das Heer von Chu geschlagen war, fürchtete sich, floh nach Chu und dann nach Chen und sandte Yuan Xuan, Shuwu zu stützen, damit er den Bund empfange; später „beschuldigte jemand Yuan Xuan vor dem Herzog von Wei: er hat Shuwu eingesetzt“; sein Sohn Jiao war beim Herzog, und der Herzog ließ ihn töten; der Herzog zog dann vor der Zeit in die Stadt ein, Shuwu, im Begriff die Haare zu waschen, „raffte die Haare und lief hinaus“, und wurde von den Vorreitern erschossen; der Herzog „legte den Leichnam auf seinen Schenkel und weinte darüber“, ließ den Täter She Quan hinrichten; Yuan Xuan floh nach Jin. So die Ordnung, so gedruckt.

Was keine der beiden Seiten gibt

Keine materielle Form einer Bundesschrift — Größe, Material, Jadeplättchen, Vergrabung — das gehört zu einem anderen Thema und wird hier nicht gebraucht. Keine Zählung von Zusammenkünften oder teilnehmenden Staaten; kein Verfahren des Blutbestreichens, Ohrenschneidens oder Vergrabens (die Seiten haben nur den einen Satz, dass Kuiqiu nicht mit Blut bestrich); keine Umrechnung der Jahre Herzog Xis in genaue Kalenderdaten; kein moderner Rahmen von Völkerrecht, Vertragssystemen oder hegemonialer Stabilität; keine allgemeine Darstellung einer diplomatischen Ordnung der Frühlings- und Herbstzeit. Die Kämpfe bei Chengpu gehören zu einem anderen Artikel; nur der Bund danach wird benutzt.

Eine Gegenüberstellung ist zu bewahren: zu Kuiqiu sagt Zai Kong, der Herr von Qi „mühe sich nicht um Tugend, sondern um ferne Pläne“, während Mencius sagt, „die fünf Hegemonen sind Verbrecher an den drei Königen“; beides sind Meinungen, keine wird als Tatsache genommen. Was auf dem Bund geschrieben steht, ist den Geistern übergeben; wenn es zum Handeln kommt, hält ein Hegemon Gericht, und die Männer von Jin verhaften.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《春秋左氏传·僖公九年、二十八年》(维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — Year by year. Kuiqiu in Duke Xi's ninth year: in summer the meeting 'renewed the covenant and cultivated good relations'; in autumn 'the lord of Qi covenanted the princes at Kuiqiu, saying: all of us in this covenant, once sworn, return to good relations' — that one sentence is all the Zuo records of the oath. The same year has the royal envoy Zai Kong bringing sacrificial meat, the order that the old lord need not bow, and his bowing anyway; and Zai Kong's parting remark that the lord of Qi 'does not work at virtue but is busy with distant plans'. In the twenty-eighth year: the duke of Wei asks for a covenant and Jin refuses; Prince Hu covenants the princes at the royal court, whose words run 'all support the royal house, do no harm to one another; whoever breaks this covenant, may the bright spirits strike him, destroy his army, end his state, to the great-grandchildren, sparing neither old nor young'; at Wanpu Ning Wuzi covenants with the men of Wei that those who fled and those who stayed are not to be blamed, with 'the bright spirits and the former lords' as the ones who will correct and strike; and the duke of Wei, sued by Yuan Xuan before Jin, loses, and is taken and imprisoned in the 'deep chamber' in the capital.
  2. 《孟子·告子下》(维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — A Warring States Confucian's retrospective on the covenant, inside the argument that the five lords are criminals against the three kings: at Kuiqiu 'the princes bound the victim and laid the written covenant on it, and did not smear blood'; then five injunctions — punish the unfilial, do not change the heir, do not make a concubine a wife; honour the worthy and rear talent; respect the old, cherish the young, do not neglect guests and travellers; no hereditary office, no concurrent posts, choose men rightly, do not kill great officers at will; no crooked dykes, no blocking grain, no enfeoffment without report — and then the same closing sentence the Zuo has. The passage also says the lords of his own day all break these five prohibitions. Used here as later memory, not as an archive of the covenant.