Der Beginn des Kapitels „Zhaogao“ im Buch der Dokumente liest sich wie ein Baustellenprotokoll: „im zweiten Monat, nach dem Vollmond, sechs Tage später am Yiwei-Tag, ging der König zu Fuß von Zhou und kam nach Feng. Der Groß-Wächter ging dem Herzog von Zhou voraus, um den Platz zu prüfen“ (惟二月既望,越六日乙未,王朝步自周,則至于豐。惟太保先周公相宅). Dann folgt eine Reihe von Tagen des Sechzigerzyklus. Zuerst sind zwei Schichten zu trennen: dies ist eine Verkündigung, mit dem Zeitplan vorn und der Rede hinten; die Seite gibt Ji Dan, den Herzog von Zhou, als Verfasser an, und das gehört zur Zuschreibung. Was folgt, nimmt nur die Abfolge der Arbeiten auf, wie der Text sie setzt, und liest sie nicht als Stadtplanung der Zhou.

Erst den Boden sehen, dann befragen

Die erste Handlung ist die Prüfung: „der Groß-Wächter ging dem Herzog von Zhou voraus, um den Platz zu prüfen“. Der Groß-Wächter gilt allgemein als der Herzog von Shao; die Seite sagt nur Groß-Wächter, deshalb ist die Gleichsetzung hier als übliche Lesart markiert. Dann die Daten: „im kommenden dritten Monat, am Bingwu-Tag, dem ersten des Monats, und drei Tage später am Wushen-Tag, erreichte der Groß-Wächter im Morgengrauen Luo“ (越若來三月,惟丙午朏,越三日戊申,太保朝至于洛). 朏 wird allgemein als erstes Sichtbarwerden des Neumonds gelesen; die Tage und die Mondphase stehen, wie sie stehen, ohne Umrechnung in einen Kalender und ohne Datumstabelle.

In Luo erst kommt die Befragung: „er befragte die Wohnstatt. Als das Vorzeichen gewonnen war, wurde das Werk angelegt“ (卜宅。厥既得卜,則經營). Die Reihenfolge der Entscheidungen ist klar: man beginnt erst nach einem guten Vorzeichen — nicht erst ein Plan, dann eine Befragung. Wie oft befragt wurde, was die Ladung sagte, womit man befragte, sagt die Seite nicht, und hier wird nichts ergänzt.

Die Positionen durch die Yin-Leute setzen

Der erste Schritt der Arbeit ist keine Mauer, sondern die Positionen: „drei Tage später, am Gengxu-Tag, nahm der Groß-Wächter die einfachen Leute von Yin, um die Positionen am Luo-Knie zu ordnen; fünf Tage später, am Jiayin-Tag, waren die Positionen fertig“ (越三日庚戌,太保乃以庶殷攻位于洛汭,越五日甲寅,位成). Die 庶殷 sind die Reste von Yin; 攻位 wird allgemein als Vorbereiten und Abstecken der Bauplätze verstanden; 洛汭 als die Strecke, wo der Luo in den Fluss mündet, ohne dass hier ein heutiger Ortsname genannt wird. Hinter diesen Worten steht eine ganze Politik des Einsatzes der Besiegten; dieser Artikel hält nur den Schritt fest, wie der Text ihn gibt.

Nach den Positionen kommt der Herzog von Zhou: „am nächsten Tag, dem Yimao-Tag, erreichte der Herzog von Zhou im Morgengrauen Luo und besah das Lager der neuen Stadt“ (若翌日乙卯,周公朝至于洛,則達觀于新邑營) — 达观 allgemein als vollständige Besichtigung gelesen. Von Gengxu bis Jiayin sind es fünf Tage, und der Herzog kommt am Tag danach; wie eine „Position“ tatsächlich aussah — wie viele Linien, wie breit, mit welchen Marken — sagt der Text nicht, und dieser Artikel ergänzt es nicht.

Zwei Rinder, und je eins

Dann zwei Opfer, jedes mit seiner Zahl. „Drei Tage später, am Dingsi-Tag, wurden Opfertiere in den Vorstädten dargebracht: zwei Rinder“ (越三日丁巳,用牲于郊,牛二). „Am nächsten Tag, dem Wuwu-Tag, gab es ein Opfer für den Boden der neuen Stadt: ein Rind, ein Schaf, ein Schwein“ (越翌日戊午,乃社于新邑,牛一、羊一、豕一). Beide Zahlen stehen, wie sie stehen: zwei Rinder für die Vorstädte, je eins für den Boden. Welche Geister angerufen wurden, wer das Opfer leitete, worin die Riten bestanden, steht nicht auf der Seite; eine Klasse oder Stufe der Opfertiere wird hier nicht erschlossen.

Erst dann der Auftrag: „sieben Tage später, am Jiazi-Tag, beauftragte der Herzog von Zhou am Morgen die einfachen Leute von Yin durch schriftlichen Befehl: die Markgrafen, die Tien, die Nan und die Häupter der Staaten“ (越七日甲子,周公乃朝用書命庶殷:侯、甸、男邦伯). „Als die Menge von Yin beauftragt war, machten sie sich an die Arbeit“ (庶殷丕作) — 丕作 allgemein als großes Aufgebot von Arbeitskräften gelesen. Zählt man die Tage zusammen: Yiwei, Bingwu, Wushen, Gengxu, Jiayin, Yimao, Dingsi, Wuwu, Jiazi — neun Tage des Zyklus, vom Gang des Königs bis zum Auftrag an die Fürsten.

Die Rede ist nicht das Verfahren

Nach dem Zeitplan wird das Kapitel zur Rede, und die Rede gibt Gründe, keine Methoden: „der erhabene Himmelsherr änderte das Mandat seines ältesten Sohnes, dieses großen Staates Yin“ (皇天上帝,改厥元子兹大國殷之命); „als der König das Mandat empfing, gab es unermessliches Gutes und auch unermessliche Sorge“ (無疆惟休,亦無疆惟恤); „wie könnte man nicht ehrfürchtig sein?“ (曷其奈何弗敬); die Leute von Yin „hielten ihre Frauen und Kinder und schrien zum Himmel“ (夫知保抱攜持厥婦子,以哀籲天); Xia und Yin werden nebeneinandergestellt, jedes schließt mit „heute ist ihr Mandat gefallen“ (今時既墜厥命); und das Kapitel endet mit „der König eile zur ehrfürchtigen Tugend“ (王其疾敬德). Das erklärt, warum die Stadt gebaut wurde und worauf, nicht wie. Die Rede wird hier nicht als Baurekord gelesen, und das Verfahren nicht als institutioneller Entwurf.

Was die Geschichte hinzufügt, und wie die zwei Seiten sich unterscheiden

Die Aufzeichnungen des Großen Historikers haben ihre eigenen Sätze: „König Cheng war in Feng und sandte den Herzog von Shao, Luoyi erneut zu bauen, nach dem Willen König Wus. Der Herzog von Zhou befragte und besah noch einmal, und der Bau wurde vollendet, und die neun Kessel wurden dort aufgestellt. Er sprach: ‚Dies ist der Mittelpunkt der Welt; die Wege für den Tribut der vier Himmelsrichtungen sind gleich.‘ Er verfasste den Zhaogao und den Luogao“ (使召公復營洛邑……作《召誥》、《洛誥》). Neben das Kapitel gestellt, unterscheiden sich beide im Detail: das Kapitel verzeichnet eine einzige Befragung der Wohnstatt, die Geschichte fügt eine zweite Befragung und Besichtigung hinzu; die neun Kessel und der Satz vom Mittelpunkt der Welt stehen nicht im Kapitel und sind hier als Worte des Historikers markiert, nicht als Text der Verkündigung.

Die Geschichte überliefert auch König Wus frühere Worte über das Gelände: „vom Luo-Knie bis zum Yi-Knie ist das Land eben und nicht steil — dies war die Wohnstatt der Xia. Ich blickte nach Süden zu den drei Tu-Bergen, nach Norden zu den Yue-Höhen, zurück zum Fluss und zum Luo und Yi…“ (自洛汭延于伊汭……) — markiert als Bericht der Geschichte über König Wus Worte; er zeigt, dass der Platz lange vorher begutachtet worden war. Am Ende des Kapitels fällt Sima Qian sein eigenes Urteil: „die Gelehrten sagen alle, die Zhou hätten Zhou angegriffen und in Luoyi gewohnt; sachlich betrachtet ist es nicht so. König Wu begann es, König Cheng ließ den Herzog von Shao eine Wohnstatt befragen und stellte die Kessel dort auf, aber die Zhou hatten ihre Hauptstadt weiter in Feng und Hao“ (太史公曰……而周復都豐、鎬). Das ist das Urteil eines Historikers, als solches markiert; und seinetwegen schreibt dieser Artikel keine allgemeine Darstellung einer östlichen Hauptstadt der Zhou.

Keine der beiden Seiten gibt die Gestalt der Stadt: keine Mauerhöhen, keine Tore, keine Viertel, keine Erdmassen und Arbeitskräfte (außer dem einen Satz über die Yin-Leute), keine Trennung von „Chengzhou“ und „Wangcheng“ in zwei Städte und kein Verwaltungsverhältnis zwischen Luoyi und Feng-Hao. Nichts davon wird hier ergänzt, und die Aufzeichnung der Handwerker wird nicht herangezogen, um die Lücke zu füllen. Was sich schreiben lässt, ist dies: eine Prüfung, eine Befragung, ein Abstecken der Positionen, die vollendeten Positionen, zwei Opfer (zwei Rinder; ein Rind, ein Schaf, ein Schwein), ein schriftlicher Auftrag — und aus der Geschichte eine Zeile Rechnung über den Platz: gleiche Wege für den Tribut der vier Himmelsrichtungen. Wie die Stadt aussah, sagt keine der beiden Seiten.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《尚书·召诰》(维基文库本,页面白文无注,题作者为姬旦;圆括号内为录文所加异文校字,未与中华书局点校本复核) — The chapter opens as a dated work log: in the second month, six days after the full moon, on yiwei, the king walks from Zhou to Feng; the Grand-Guardian goes ahead of the Duke of Zhou to inspect the site; on bingwu, the first of the third month, and three days later wushen, he reaches Luo and 'divines the dwelling'; obtaining a good omen, the work is laid out; on gengxu the Yin people are set to 'order the positions' by the Luo, and by jiayin the positions are complete; on yimao the Duke of Zhou arrives and surveys the new camp; on dingsi a suburban sacrifice with two oxen; on wuwu a sacrifice to the soil of the new city with one ox, one sheep, one pig; on jiazi the Yin nobles are charged by written order, and the Yin people set to work. The rest of the chapter is a speech on the change of the mandate and the command to 'hasten to reverent virtue'. The page's parenthetical variant characters are kept as printed.
  2. 《史记》卷四·周本纪(西汉司马迁撰;维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — The Shiji's summary of the same work: King Cheng at Feng sends the Duke of Shao to build Luoyi again, as King Wu had intended; 'the Duke of Zhou divined and inspected once more, and the building was finished, and the nine cauldrons were placed there'; and the reason given: 'this is the centre of the world, and the distances for the four quarters' tribute are equal.' It also records King Wu's earlier survey of the terrain with his words about the Luo and Yi, and closes the chapter with Sima Qian's judgement that although scholars say the Zhou ruled from Luoyi, in fact King Wu began it and King Cheng had the Duke of Shao divine a dwelling and placed the cauldrons there, while the Zhou still had their capital at Feng and Hao until the fall of King You.