Im vierten Monat des zwölften Jahres Yongping schickte der Kaiser den Palastbaumeister Wang Wu, den Bian-Kanal zu reparieren, „von Xingyang bis zur Meeresmündung bei Qiancheng“ (自滎陽至于千乘海口). Im vierten Monat des folgenden Jahres war der Kanal fertig, und der Kaiser reiste selbst nach Xingyang, um die Wasserbauten zu besichtigen (行幸滎陽,巡行河渠). Zwischen diesen beiden Erlassen liegt eines der größten Wasserbauwerke der Han, und der Bericht darüber ist auf zwei Kapitel desselben Buches verteilt — das eine sind die kaiserlichen Annalen, das andere eine Biographie.

Sechzig Jahre eines gebrochenen Kanals

Die Biographie Wang Jings setzt früher an. „Anfangs, zur Zeit Kaiser Pings, brachen der Gelbe Fluss und der Bian-Kanal, und man kam nicht dazu, sie zu reparieren“ (初,平帝時,河、汴決壞,未及得修). Im zehnten Jahr Jianwu bat der Magistrat von Yangwu, Zhang Si, um die Arbeit: „der Fluss ist lange gebrochen; Tag und Monat nagen; der Ji-Kanal hat mehrere Dutzend Kreise überschwemmt. Die Kosten der Reparatur sind nicht groß“ (河決積久,日月侵毀,濟渠所漂數十許縣…修理之費,其功不難). Kaiser Guangwu hob Arbeiter aus; dann widersprach der Magistrat von Junyi, Yue Jun: „jetzt sind die Haushalte spärlich und die Felder weit; auch unrepariert ist der Schaden erträglich. Wir haben eben erst Krieg gehabt, und jetzt Frondienste zu erheben… man sollte Ruhe abwarten und die Sache neu beraten“ (今居家稀少,田地饒廣,雖未修理,其患猶可…宜須平靜,更議其事). Der Kaiser ließ ab.

So verfiel der Kanal weiter. „Danach griff der Bian nach Osten, Tag für Tag und Monat für Monat breiter, und die alten Stellen der Wassertore standen alle mitten im Fluss“ (後汴渠東侵,日月彌廣,而水門故處,皆在河中). Die Leute von Yan und Yu klagten, die Regierung erhebe immer andere Arbeiten und kümmere sich nie um das, was sie bedrängte. Im zwölften Jahr Yongping kam die Reparatur wieder zur Beratung.

Der Mann, die Bücher, die Arbeit

Der Hof ließ Wang Jing kommen und fragte ihn nach der Lage des Wassers. Er legte die Vorteile und Schwierigkeiten „rasch und treffend“ dar (應對敏給), und der Kaiser war zufrieden. Weil er zuvor die Anlagen von Junyi mit Erfolg repariert hatte, erhielt er das Shanhaijing, das „Buch der Kanäle und Gräben“ (河渠書) und eine Karte des Yugong, dazu Geld, Seide und Kleider (賜景《山海經》、《河渠書》、《禹貢圖》及錢帛衣物). Die Biographie schreibt diese Stelle wie eine Ernennung: erst die Frage, dann die Gabe, dann die Aushebung. Dann, im Sommer, „wurden Zehntausende von Arbeitern ausgehoben, und Jing wurde mit Wang Wu geschickt, den Kanal zu reparieren und die Dämme zu bauen, von Xingyang nach Osten bis zur Meeresmündung bei Qiancheng, über tausend Li“ (發卒數十萬,遣景與王吳修渠築堤,自滎陽東至千乘海口千餘里).

Die Biographie gibt die Arbeit als eine Kette von Verben, ohne ein einziges Maß des Bettes: „Jing nun maß die Lage des Geländes, durchstieß Hügel, brach die stehenden Riffe, zog Rinnen und Bäche gerade, sperrte die Druckpunkte und öffnete die Verstopfungen“ (景乃商度地勢,鑿山阜,破砥績,直截溝澗,防遏衝要,疏決壅積).

Dann die eine Zahl mitten darin: „alle zehn Li setzte er ein Wassertor, damit sie wechselweise ineinander zurückfließen, und es gab keinen Schaden von Bruch und Leckage mehr“ (十里立一水門,令更相洄注,無復潰漏之患). Zehn Li für ein Tor, auf einer Linie von über tausend Li; die Tore sollten die Kraft der Strömung aus jedem Abschnitt des Ufers nehmen, indem das Wasser zwischen ihnen hin und her passierte. Woraus ein Tor war, wie breit es war, wie man es öffnete und schloss, sagt das Kapitel nicht.

Die Rechnung

Die Kosten stehen in vier Zeichen, ohne Aufstellung und ohne genannte Einheit: „obwohl Jing Fron und Ausgabe klein hielt, rechnete es sich doch noch in Hunderten von Yi“ (景雖簡省役費,然猶以百億計). Der Kanal war „im Sommer des folgenden Jahres“ fertig (明年夏,渠成). Der Kaiser reiste selbst zur Besichtigung und befahl den Kommandanturen und Königreichen am Fluss, Deichbeamte einzusetzen, „wie im alten System der Westlichen Hauptstadt“ (詔濱河郡國置河堤員吏,如西京舊制). Wang Wu und die Schreiber unter ihm wurden je um einen Rang erhöht; Wang Jing wurde dreimal befördert bis zum diensttuenden Zensor.

In den Annalen ist die Fertigstellung ein kaiserlicher Erlass. „Seit der Bian-Kanal brach, sind mehr als sechzig Jahre vergangen“ (自汴渠決敗,六十餘歲); das Wasser floss nach Osten, die alten Wassertore standen im Fluss, die Flut „breitete sich weit aus, und die Ufer waren nicht zu finden“ (漭泱廣溢,莫測圻岸). Der Erlass erinnert auch an die zwei Argumente, die er befrieden musste: dass die Regierung immer andere Arbeiten erhebe und nie die drängende, und dass man das Wasser gehen lassen könne, wohin es wolle, während die Menschen ins Hohe ziehen (宜任水埶所之,使人隨高而處). Jetzt, sagt der Erlass, „sind die Dämme gebaut und das Bett geordnet, das Wasser abgeschnitten und die Tore aufgestellt, und Fluss und Bian fließen getrennt, jeder in seinem alten Lauf“ (今既築隄理渠,絕水立門,河、汴分流,復其舊跡). Er endet mit einer Anweisung zu den Feldern: „die tiefen Felder am Kanal sind den Armen zu geben, und den großen Familien ist nicht zu erlauben, sie als ihren Gewinn zu behalten“ (濱渠下田,賦與貧人,無令豪右得固其利).

Zwei Kapitel, eine Arbeit

Die beiden Seiten erzählen dieselbe Sache nicht in derselben Form. Die Annalen nennen für die Arbeit nur einen Beamten — „Wang Wu, Palastbaumeister und Bote“ — und verzeichnen Daten und Erlass; die Biographie macht Wang Jing zum Mann, der das Gelände maß, gibt die Kette der Verben, die Tore alle zehn Li und die Rechnung, und setzt Wang Wu in der Wendung „Jing mit Wang Wu“ (景與王吳) an die zweite Stelle. Beides steht hier; wer von beiden die Leitung hatte, sagen die Seiten nicht, und was Wang Wu selbst tat, steht auch nicht in der Biographie.

Sie stimmen auch nicht darin überein, was zu zählen lohnt. Die Biographie gibt Arbeiter in Zehntausenden, eine Länge von über tausend Li, ein Tor alle zehn Li und Kosten in Hunderten von Yi; die Annalen geben keine Länge, keine Frone, keine Kosten und nur die Wendung „mehr als sechzig Jahre“ für die Zeit des gebrochenen Kanals. Breite und Tiefe des Bettes, die Zahl der Arbeitstage und die Zahl der Toten stehen auf keiner der beiden Seiten.

Was die Seiten nicht geben

Keine der beiden Seiten ist ein Baubericht. Kein Plan, kein Schnitt, keine Materialliste, kein Lohn, kein Maß des fertigen Kanals; die „Hunderte von Yi“ sind eine Summe ohne Aufstellung, und die „Zehntausende“ eine runde Zahl ohne Musterrolle. Der Erlass verspricht die Felder am Kanal den Armen; ob sie sie erhielten, sagen die Seiten nicht. Es bleibt eine Kette von Verben und drei Zahlen: über tausend Li, ein Tor alle zehn Li, Hunderte von Yi. Der Kanal wurde in einem Sommer fertig und von einem Kaiser besichtigt, und das letzte Wort der Biographie über Wang Jing ist, dass er Bote der Flussdeiche wurde und Pferde, Seide und Geld erhielt — Ämter und Gaben, keine Abnahme des Werks. Ob jene Wassertore nach diesem Jahr standhielten, beantworten die Seiten nicht.

Weiterlesen:Getreide nach Chang'an: Wie die Hauptstadt versorgt wurde · Ein Kreis vor einem Grab: Die Grabstädte der Westlichen Han · Gräben mit Namen: Ein Feld nach dem Zhouli entwässern

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《后汉书》卷二·显宗孝明帝纪(南朝宋范晔撰;维基文库本,未与点校本复核) — The annals' notices: in the fourth month of Yongping 12 the palace builder Wang Wu was sent to repair the Bian canal from Xingyang to the sea mouth at Qiancheng; in the fourth month of Yongping 13 the canal was finished, the emperor went to Xingyang to inspect the works, and the edict says the canal had been broken 'more than sixty years', that the embankments were built and the gates set so that river and canal flowed apart again, and that the low fields along the canal were to go to the poor.
  2. 《后汉书》卷七十六·循吏列传·王景(南朝宋范晔撰;维基文库本,未与点校本复核) — Wang Jing's biography: the canal broken since Emperor Ping, Zhang Si's request in Jianwu 10 and Yue Jun's objection; the interview at court in Yongping 12 and the gift of the Shanhaijing, the Book of Canals and Channels and a map of the Yugong; tens of thousands of labourers, Jing with Wang Wu, more than a thousand li from Xingyang to Qiancheng; the survey, the cutting and opening; a water gate every ten li 'so that they flow back into one another'; the cost 'counted in the hundreds of billions'; the canal finished the next summer; the river-embankment officers after the Western Han pattern.