Ein und dieselbe vordere Halle, zwei Breiten. Die Aufzeichnungen des Großhistorikers, zum fünfunddreißigsten Jahr des Ersten Kaisers: „darauf baute er einen Hofpalast im Shanglin-Park südlich der Wei. Zuerst machte er die vordere Halle bei Epang: fünfhundert Schritt von Ost nach West, fünfzig Zhang von Nord nach Süd; oben war Platz für zehntausend Mann zu sitzen, unten für eine Fahne von fünf Zhang“ (乃營作朝宮渭南上林苑中。先作前殿阿房,東西五百步,南北五十丈,上可以坐萬人,下可以建五丈旗). Das Sanfu huangtu (三輔黃圖), ein späteres Verzeichnis der Paläste und Parks: „er machte die vordere Halle bei Epang: fünfzig Schritt von Ost nach West, fünfzig Zhang von Nord nach Süd; oben konnte man zehntausend Mann sitzen, unten eine Fahne von fünf Zhang aufstellen“ (作阿房前殿,東西五十步,南北五十丈,上可坐萬人,下建五丈旗). Die Sätze sind fast gleich; nur die Zahl vor 步 unterscheidet sich — fünfhundert Schritt oder fünfzig.
Der Eintrag zum fünfunddreißigsten Jahr
Das Shiji datiert die Arbeit ins fünfunddreißigste Jahr und gibt zuerst den Grund: Xianyang war überfüllt und die Paläste der früheren Könige klein, daher „baute er einen Hofpalast im Shanglin-Park südlich der Wei“ (乃營作朝宮渭南上林苑中). Die vordere Halle kam zuerst. Ringsum „lief ein Galerieweg nach allen Seiten, vom Fuß der Halle bis zu den Südbergen; die Spitze der Südberge wurde als ihre Tortürme bezeichnet“ (周馳為閣道,自殿下直抵南山。表南山之顛以為闕); eine Doppelstraße überquerte die Wei nach Xianyang, „um den Galerieweg des Polarsterns darzustellen, der die Milchstraße durchquert und Ying shi erreicht“ (以象天極閣道絕漢抵營室也). Dann der Satz, der den Status des Baus festlegt: „der Palast von Epang wurde nicht vollendet; wäre er vollendet worden, hätte man einen schönen Namen für ihn wählen wollen. Weil der Palast bei Epang gebaut wurde, nannte die Welt ihn den Palast von Epang“ (阿房宮未成;成,欲更擇令名名之。作宮阿房,故天下謂之阿房宮). Der Name war ein Arbeitsname.
Das Sanfu huangtu beginnt anderswo. „Der Palast von Epang, auch die ummauerte Stadt Epang genannt. König Huiwen baute ihn; der Palast war unvollendet, als er starb. Der Erste Kaiser erweiterte ihn; seine Ausdehnung erreichte mehr als dreihundert Li. Abgesonderte Paläste und einzelne Pavillons füllten die Berge und überschritten die Täler; Wagenstraßen verbanden sich miteinander; Galeriewege erreichten den Berg Li, mehr als achtzig Li; die Spitze der Südberge wurde als seine Tortürme bezeichnet und der Fan-Fluss als Teich eingefasst“ (阿房宮,亦曰阿城。惠文王造,宮未成而亡。始皇廣其宮,規恢三百餘里……表南山之顛以為闕,絡樊川以為池). Bei den Straßen verbindet es, was das Shiji trennt, und liest „Großes Höchstes“, wo das Shiji „Polarstern“ liest: eine einzige „Doppelstraße, die die Wei überquert und Xianyang erreicht, um den Galerieweg des Großen Höchsten darzustellen, der Ying shi erreicht“ (周馳為複道,度渭屬之咸陽,以象太極閣道抵營室也). Beide stehen hier gedruckt, keines gegen das andere korrigiert.
Fünfhundert Schritt oder fünfzig
Legt man die zwei Sätze nebeneinander, ist nur eine Zahl strittig. Beide Bücher sagen Wort für Wort, die Halle sei fünfzig Zhang von Nord nach Süd gewesen, zehntausend hätten darauf sitzen können, und unten habe eine Fahne von fünf Zhang aufgestellt werden können; beide messen Ost-West in 步 und Nord-Süd in 丈. Nur die Zahl vor 步 unterscheidet sich, und sie unterscheidet sich um das Zehnfache. Dieser Artikel entscheidet nicht: keine Zahl wird in Meter umgerechnet, die beiden werden nicht zu einer Fläche multipliziert, und das ältere Buch wird nicht wegen seines Alters vorgezogen. Ein beim Abschreiben verlorenes Zeichen ist eine mögliche Erklärung; keine der beiden Seiten sagt es, und die Vermutung wird hier nicht als Schluss gebraucht.
Die beiden Zeugen sind nicht von derselben Art. Shiji 6 sind unter den Han geschriebene Kaiserannalen, und die Epang-Stelle ist Erzählung. Das Sanfu huangtu ist ein altes Verzeichnis der Paläste, Parks, Mauern und Heiligtümer der drei Hauptstadt-Kommandanturen; seine Seite nennt weder Verfasser noch Abfassungszeit, und es wird hier als spätere Sammlung alter Aufzeichnungen zitiert, nicht als gleichzeitige. Wo es einen Satz des Shiji wörtlich wiederholt, folgt es einem älteren Text; wo es abweicht, sagt die Seite nicht, wessen Abweichung es ist.
Magnolienbalken, ein Magnetsteintor
Die Ausstattung, die das Shiji auslässt, liefert das Sanfu huangtu: „Magnolienholz für die Balken, Magnetstein für das Tor“ (以木蘭為梁,以磁石為門), gefolgt von einer Anmerkung zum Tor — es war der nördliche Torturm von Epang, vor dem Palast gelegen und ganz aus Magnetstein, „damit, wenn die Gesandten der vier Grenzen zum Hof kamen, jeder, der eine Rüstung verbarg oder eine Klinge trug, beim Eintreten angehalten würde, um das Göttliche zu zeigen“ (令四夷朝者,有隱甲懷刃,入門而脅止,以示神); es hieß auch das Tor, das die Hu abwehrt. Die Anmerkung sagt, was das Tor bewirken sollte, nicht dass jemand es versuchte; keine der beiden Seiten beschreibt den Bau, wie er stand.
Die Zahlen der Menschen sind so unbeständig wie die Zahlen der Schritte. Die vordere Halle sitzt zehntausend, in beiden Büchern. Aber das Sanfu huangtu hat einen eigenen Eintrag für einen „Hofpalast“, mit demselben fünfunddreißigsten Jahr und derselben Erinnerung an die Zhou-Könige, und er endet: „in seinem Hof konnten zehntausend empfangen werden; Wagen servierten den Wein, Reiter das Bratfleisch, tausend sangen und zehntausend antworteten“ (庭中可受十萬人,車行酒,騎行炙,千人唱,萬人和). Ob jener Hofpalast Epang ist, sagt die Seite nicht, und dieser Artikel verschmilzt die beiden Zahlen nicht zu einer Kapazität.
Unvollendet
Beide Seiten sagen, der Palast sei nie vollendet worden, und das Shiji verfolgt das Projekt über den Tod des Ersten Kaisers hinaus. Der Zweite Kaiser argumentierte, sein Vater habe ihn gebaut, weil der Hof in Xianyang klein war, die Bestattung habe die Arbeit gestoppt, und ihn ungebaut zu lassen würde „den Fehler des Ersten Kaisers beim Errichten von Werken offenbar machen“; und so „wurde der Palast von Epang wieder gebaut“ (復作阿房宮). Dann der Einwand: die Kanzler zur Rechten und zur Linken und General Feng Jie baten, „die Bauleute des Palastes von Epang vorerst einzustellen und die Garnisonen und Transporte an den vier Grenzen zu verringern“ (請且止阿房宮作者,減省四邊戍轉). Der Zweite Kaiser lehnte ab; zwei der drei nahmen sich das Leben, statt sich dem Verfahren zu stellen, und Li Si wurde eingekerkert und starb unter den fünf Strafen.
Das Kapitel endet mit dem Urteil des Historikers, das ein Urteil ist und keine Aufzeichnung: „als der Erste Kaiser gestorben war, war Huhai gänzlich töricht; der Berg Li war unvollendet und er baute Epang wieder, um den früheren Plan auszuführen“ (始皇既歿,胡亥極愚,酈山未畢,復作阿房,以遂前策). Das ist Sima Qian, der unter den Han schreibt und den Zweiten Kaiser richtet; es gehört nicht zum Jahr-für-Jahr-Eintrag.
Siebenhunderttausend, und dreihundert Li
Die größte Zahl auf beiden Seiten ist keine Messung des Baus. Shiji 6: „von Sträflingen und Palastarbeitern wurden mehr als siebenhunderttausend Mann geteilt, um am Palast von Epang oder am Berg Li zu arbeiten“ (隱宮徒刑者七十餘萬人,乃分作阿房宮,或作麗山) — und das Sanfu huangtu wiederholt den Satz fast genau. Das ist eine Arbeitskraft, auf zwei Vorhaben verteilt, eines ein Grab; es sagt nichts über die Größe der Halle, und die beiden werden getrennt gehalten. Derselbe Eintrag nennt die Materialien: Stein aus den nördlichen Hügeln, Holz aus Shu und Jing. Die „mehr als dreihundert Li“ gehören zu dem anderen Buch und zu den abgesonderten Palästen, nicht zur vorderen Halle; das Shiji seinerseits zählt Paläste statt Li — „dreihundert Paläste innerhalb der Pässe, mehr als vierhundert außerhalb“ (關中計宮三百,關外四百餘).
Was von Epang überliefert ist, ist eine Akte von Texten, die nicht zusammenpassen. Zwei Breiten, zehnfach auseinander; zwei Berichte, wer den Bau begann; ein Name, der nie förmlich vergeben wurde; Magnolienbalken und ein Magnetsteintor, beschrieben nach dem, was sie bewirken sollten; siebenhunderttausend Sträflinge, zwischen einem Palast und einem Grab geteilt; und auf beiden Seiten die schlichte Feststellung, dass der Palast nie vollendet wurde. Keine Dimension wird hier umgerechnet, keine Fläche berechnet, kein Ort beschrieben: das sagen die Dokumente, und die Dokumente stimmen nicht überein. Der Bau, den sie beschreiben, hat kein Fertigstellungsdatum, weil er nie eines hatte.
Weiterlesen:Zehn Li, ein Wassertor: Der Bian-Kanal wird repariert · Getreide nach Chang'an: Wie die Hauptstadt versorgt wurde · Ein Kreis vor einem Grab: Die Grabstädte der Westlichen Han
Quellen und weitere Lektüre
- 《史记》卷六·秦始皇本纪(西汉司马迁撰;维基文库本,未与点校本复核) — The entry for the thirty-fifth year: 'he then built a court palace in the Shanglin park south of the Wei. First he made the front hall at Epang: five hundred paces east to west, fifty zhang north to south; on top there was room to seat ten thousand men, below there was room to set up a five-zhang banner.' Then the gallery road to the Southern Mountains, the double road across the Wei, the statement that the palace was never finished and that a fine name was to be chosen once it was, and: 'of convicts and palace labourers more than seven hundred thousand were divided to work on the Epang palace, or on Mount Li.' Also the Second Emperor's resumption of the work, the protest of the two chancellors and General Feng Jie, and Sima Qian's closing verdict on Huhai.
- 《三辅黄图》卷一·秦宫(维基文库本,不署撰人、不标成书年代,未与点校本复核) — The Epang entry: King Huiwen built it and it was unfinished when he died; the First Emperor enlarged it until its extent reached more than three hundred li, with detached palaces and lodges filling the mountains, gallery roads to Mount Li, the Southern Mountains marked as gate-towers and the Fan river netted as a pond. Then 'he made the front hall at Epang: fifty paces east to west, fifty zhang north to south; on top one could seat ten thousand men, below one could set up a five-zhang banner', the beams of magnolia and the lodestone gate with its note (the north gate-tower, made wholly of lodestone so that envoys carrying hidden armour or blades would be stopped), the double road to Xianyang, the seven hundred thousand convicts, and a separate entry for a 'court palace' whose courtyard held a hundred thousand.




