Beginnen wir mit einem Bündel. Als Feng Xuan nach Xue aufbricht, um die Schulden einzuziehen, schreibt das Zhanguoce, er habe „den Wagen angespannt, die Sachen gepackt, die Täfelchen und Urkunden geladen und sich auf den Weg gemacht“ (約車治裝,載券契而行). Eine Schuld wird nicht im Gedächtnis aufbewahrt; sie steht auf einem Täfelchen geschrieben, und Einziehen heißt, die Täfelchen mitzunehmen. Die ganze Fahrt wächst also aus diesem Bündel: Die Täfelchen gehen als Schulden hinaus und kommen als ein Satz zurück. Ein Bündel auf dem Wagen, ein Satz auf dem Rückweg.

Verleihen: woher das Geld kam

Das Shiji nennt zuerst den Grund. Der Herr von Mengchang war damals Kanzler von Qi, mit einer Lehensherrschaft von zehntausend Haushalten in Xue und dreitausend Gefolgsleuten, und „der Ertrag des Lehens reichte nicht, um die Gefolgsleute zu versorgen, so ließ er in Xue Geld ausleihen“ (邑入不足以奉客,使人出錢於薛). Ein Jahr später „konnten die meisten, die Geld geliehen hatten, den Zins nicht zahlen, und der Unterhalt der Gefolgsleute drohte auszubleiben“ (貸錢者多不能與其息). Das Darlehen entspringt also nicht der Not der Schuldner, sondern den Kosten der Gefolgschaft. Es wird hier zitiert, ohne die Haltung von Gefolgsleuten zu beurteilen.

Das Zhanguoce beginnt am anderen Ende: Der Herr „lässt einen Zettel ausgehen und fragt die Gefolgsleute, wer im Rechnen geübt sei und die Schulden eintreiben könne, die Wen in Xue geschuldet würden“ (誰習計會,能為文收責於薛者乎) — und Feng Xuan schreibt „ich kann es“. Die eine Seite fragt, wer zum Eintreiben geht; die andere erklärt, wie das Geld hinausgelangte. Die Ausgangspunkte sind verschieden, und beide werden gegeben.

Nur das Shiji nennt eine Zahl: „er ließ alle zusammenkommen, die Geld vom Herrn genommen hatten, und gewann hunderttausend an Zins“ (召取孟嘗君錢者皆會,得息錢十萬). Dieselbe Seite hat schon gesagt, er habe „in Xue zinstragendes Geld ausleihen lassen“ (出息錢於薛), und die Schuldner hätten „meist den Zins nicht zahlen können“. Der Zins ist Darlehenszins, und die hunderttausend sind die eingezogene Gesamtsumme — so übernommen, wie sie dasteht. Keine der beiden Seiten nennt Laufzeit oder Zinssatz; also wird kein Zinssatz berechnet, nichts annualisiert, nichts in heutige Werte umgerechnet und kein Anteil am Kapital angegeben. Das Shiji überliefert auch die Worte des Herrn, als er Feng Huan bittet: „Meine Gäste haben, ohne meine Unwürdigkeit zu kennen, sich mir zu dreitausend eingefunden; der Ertrag des Lehens reicht nicht, sie zu versorgen, deshalb ließ ich in Xue zinstragendes Geld ausleihen. Der Ertrag des Jahres ist nicht eingegangen, und die Leute haben den Zins zum großen Teil nicht gezahlt. Nun droht die Speise der Gefolgsleute auszubleiben — ich bitte Euch, Herr, sie zu mahnen“ (賓客不知文不肖……願先生責之).

Das Täfelchen und seine Zusammenfügung

Beide Seiten kennen das Zusammenfügen. Das Zhanguoce: „er ließ die Schreiber alle Leute, die zurückzahlen sollten, zusammenrufen, damit sie kämen und ihre Täfelchen zusammenfügten; als alle Täfelchen zusammengefügt waren“ (悉來合券。券遍合). Das Shiji: „sie brachten alle Täfelchen-Urkunden für das genommene Geld und fügten sie zusammen“ (皆持取錢之券書合之) — und nach dem Trinken noch einmal: „er nahm die Täfelchen und fügte sie zusammen wie zuvor“ (持券如前合之). Fügen heißt, die Stücke aneinanderzupassen und zu prüfen. Man nimmt allgemein an, dass Gläubiger und Schuldner je eine Hälfte hielten und ein ganzes Täfelchen erst durch das Zusammenlegen entstand, doch keine der beiden Seiten sagt das. Was auf einem Täfelchen stand, womit es beschrieben war und wie groß es war, geben die Seiten nicht an. Das Shiji inszeniert auch das Treffen: „er ließ viel Wein brauen, kaufte einen fetten Ochsen und rief alle zusammen, die Geld genommen hatten, die den Zins zahlen konnten und die es nicht konnten“; „man hielt eine allgemeine Zusammenkunft, schlachtete täglich einen Ochsen und setzte Wein aus“; und erst „als der Wein fröhlich machte“, nahm er die Täfelchen und fügte sie zusammen wie zuvor. Das Fügen kam nach dem Trinken.

Verbrennen: die beiden Seiten weichen voneinander ab

Das Zhanguoce verbrennt alles: „er erhob sich, erklärte fälschlich den Befehl des Herrn, schenkte dem Volk die Schuld und verbrannte die Täfelchen, und das Volk rief zehntausend Jahre“ (起矯命以責賜諸民,因燒其券,民稱萬歲). Alle Täfelchen, mit der Begründung, die Schuld sei verschenkt worden.

Das Shiji verbrennt nur einen Teil: „wer den Zins zahlen konnte, dem wurde ein Termin gesetzt; wer zu arm war, um ihn zu zahlen, dem wurde das Täfelchen genommen und verbrannt“ (能與息者,與為期;貧不能與息者,取其券而燒之). Wer zahlen konnte, blieb Schuldner; nur wer nicht konnte, wurde befreit. Das ist ein Unterschied der Sache, nicht des Wortlauts — auf der einen Seite alle Täfelchen, auf der anderen nur die der Armen. Beide stehen nebeneinander, nicht versöhnt, und es wird nicht entschieden, welche Seite beschreibt, was geschah.

Rechtschaffenheit oder ein leerer Rechnungsposten

Jede Seite gibt dem Vorgang ihren eigenen Namen. Im Zhanguoce spricht Feng Xuan: „was Eurem Haus fehlt, ist allein die Rechtschaffenheit; ich habe Euch Rechtschaffenheit gekauft“ (君家所寡有者以義耳!竊以為君市義), und wieder: „ich habe fälschlich Euren Befehl verkündet, dem Volk die Schuld geschenkt und die Täfelchen verbrannt, und das Volk rief zehntausend Jahre — so habe ich Euch Rechtschaffenheit gekauft“ (乃臣所以為君巿義也). „Rechtschaffenheit kaufen“ ist seine Wendung, nicht das Urteil des Erzählers, und wird als seine zitiert. Das Shiji hat ein anderes Vokabular: Feng Huan sagt, er habe „Täfelchen unnützer, leerer Schuld verbrannt und uneinbringliche leere Rechnungen gestrichen“ (焚無用虛債之券,捐不可得之虛計), damit „das Volk von Xue Euch anhänge und Euer guter Ruf sich verbreite“ (令薛民親君而彰君之善聲也). Der eine nennt es Rechtschaffenheit, der andere einen leeren Rechnungsposten; beides wird gegeben, nicht ineinandergezogen. Das Zhanguoce überliefert auch die erste Reaktion des Herrn — „Herr Mengchang war nicht erfreut und sagte: gut, Herr, ruht Euch aus“ (孟嘗君不說,曰:諾,先生休矣) — und dann, ein Jahr später, als er sein Amt verloren hatte und in sein Lehen gegangen war, „ehe er hundert li von Xue entfernt war, führten die Alten die Jungen an der Hand, um ihn auf der Straße zu empfangen“, und er sagte zu Feng Xuan: „die Rechtschaffenheit, die Ihr mir gekauft habt, Herr — ich sehe sie heute“ (先生所為文市義者,乃今日見之).

Was jede Seite daraus macht, und die Lücken

Die beiden Seiten sind unterschiedlich ausführlich. Das Zhanguoce ist erzählend — „ich kann es“ schreiben, die Täfelchen laden, sie zusammenfügen, der falsche Befehl, die zehntausend Jahre, der Kauf der Rechtschaffenheit, eines nach dem anderen. Das Shiji führt Rechnung — unzureichender Ertrag, ausgeliehenes Geld, ein Jahr Rückstand, hunderttausend Zins, gesetzte Termine, verbrannte Täfelchen, gestrichene leere Rechnungen, jeder Posten an seinem Ort. Es hat auch einen Streit, den das Zhanguoce nicht hat: Der Herr, erzürnt, ruft Feng Huan zur Rede, warum er verbrannt habe, und lässt sich überzeugen. Die Lücken sind beiden gemeinsam: Form und Inhalt eines Täfelchens, Zinssatz und Laufzeit, die Höhe des verliehenen Kapitals, die Zahl der Haushalte in Xue und wie die Bücher nach dem Brand bereinigt wurden. Ebenso fehlt ein Urteil über Herrn Mengchang als Gastgeber von Gefolgsleuten und jede allgemeine These über Schuld und Politik.

Zurück zum Bündel: Es ging als eine Last Schulden hinaus und kam als ein Satz zurück — der Kauf der Rechtschaffenheit. Auf derselben Fahrt sind sich die beiden Seiten nicht einmal darüber einig, wessen Täfelchen brannten: die eine verbrennt alle, die andere nur die der Armen. Zwischen diesen Versionen stehen zwei Historiker mit zwei Geschichten; dieser Artikel stellt sie nur nebeneinander.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《战国策·齐策四》冯谖客孟尝君章(士礼居丛书本,维基文库录文,未与点校本复核) — The narrative version. Mencius's lord sends out a note asking which of his retainers can 'reckon accounts and collect the debts owed to Wen in Xue'; Feng Xuan writes 'I can'. He 'hitches the carriage and packs, loads the tallies and deeds and sets off', asking on leaving what to buy on the way back — 'look at what my house is short of'. At Xue, 'he has the clerks summon all the people who ought to repay, to come and match their tallies; when all the tallies are matched', he 'falsely declares the lord's command, gives the debt to the people as a gift, and burns the tallies, and the people shout ten thousand years' (因燒其券,民稱萬歲). Back home he explains: 'what your house is short of is simply rightness (義); I have bought rightness for you' (君家所寡有者以義耳). The page carries Bao Biao's and Wu Shidao's notes in smaller type; only the main text is quoted here.
  2. 《史记》卷七十五〈孟尝君列传〉(维基文库本,未与点校本复核) — The accounting version. Mencius's lord, with three thousand retainers, finds the income of his fief insufficient, 'so he had money lent out in Xue' (使人出錢於薛); after a year 'those who borrowed could mostly not pay the interest, and the retainers' upkeep was about to fail'. Feng Huan goes to collect, 'summons all who had taken the lord's money, and gets a hundred thousand in interest' (得息錢十萬), brews wine and buys a fat ox, and at the drinking 'those who could pay interest were given a date; those too poor to pay had their tallies taken and burned' (貧不能與息者,取其券而燒之). The lord is angry; Feng Huan answers that he has 'burned tallies of useless empty debt and cancelled accounts that could not be collected' (焚無用虚債之券,捐不可得之虚計), to make the people of Xue cleave to him and spread his good name — and the lord thanks him.