Der meistzitierte Satz im Shiji-Kapitel über die Kaufleute lautet: „Alles unter dem Himmel, geschäftig und betriebsam, kommt des Gewinns wegen; alles unter dem Himmel, sich drängend und schiebend, geht des Gewinns wegen“ (天下熙熙,皆為利來;天下壤壤,皆為利往 — die Seite schreibt 壤壤, wo die gängige Zitation 攘攘 hat). Das Hanshu hat ein Kapitel über denselben Gegenstand, und der Satz steht nicht darin. Das Fehlen ist der Zugang: Dies sind nicht zwei Abschriften eines Textes. Sie teilen Menschen und Zahlen; sie teilen keinen Titel, keinen Anfang und kein Urteil.

Die Titel, und zwei Anfänge

Zuerst unterscheiden sich die Titel. Der eine ist 貨殖列傳, „Überlieferungen derer, die Güter mehren“, Kapitel 129 des Shiji; der andere ist 貨殖傳, ohne das 列, Kapitel 91 des Hanshu. Die Anfänge unterscheiden sich stärker. Das Shiji beginnt mit dem vollkommenen Zeitalter des Laozi — Nachbarn, die einander sehen, „bis ins Alter und in den Tod nicht hin und her gehend“ — und schiebt es dann fort: „dies zur Aufgabe zu machen hieße, der gegenwärtigen Zeit Ohren und Augen zu verschmieren; es dürfte kaum durchführbar sein“ (必用此為務……則幾無行矣). Das Hanshu beginnt mit den Einrichtungen der früheren Könige: vom Sohn des Himmels bis hinab zu den Torwächtern hatten „Rang, Gehalt, Versorgung, Paläste, Wagen und Kleidung, Särge, Opfer, die Regeln von Leben und Tod je ihre Stufen; die Kleinen durften die Großen nicht übertreten, die Niederen die Edlen nicht übersteigen“ (小不得僭大,賤不得逾貴). Ein Anfang ist eine Widerlegung, der andere eine Ordnung.

Die Anfänge erzeugen zwei Urteile. Das Shiji sagt, das Gewerbe laufe von selbst — „jeder Mensch setzt seine Fähigkeit ein und erschöpft seine Kraft, um zu bekommen, was er begehrt“ (人各任其能,竭其力) — und teilt den Reichtum in drei Stufen: „Reichtum aus der Wurzel ist das Beste, Reichtum aus dem Zweig das Nächste, Reichtum der Gauner das Schlechteste“ (本富為上,末富次之,姦富最下). Das Hanshu schließt in einem anderen Ton: die Reichen „alle verfielen dem Verbrechen der Verschwendung und Anmaßung“ (皆陷不軌奢僭之惡), und dies „verletzt die umbildende Wirkung und verdirbt die Sitte — der Weg großer Verwirrung“ (傷化敗俗,大亂之道也). Es sagt selbst, was es schreibt: „Ich setze ihre Taten der Reihe nach dar, um die Wandlungen der Zeitalter zu überliefern“ (故列其行事,以傳世變雲). Ein Kapitel schreibt die menschliche Natur, das andere den Verfall.

Dieselben Menschen, anders behandelt

Nehmen wir Ji Ran, der in beiden steht: Goujian von Yue, in Kuaiji belagert, beschäftigte Fan Li und Ji Ran. Die Fassung des Shiji ist voll von Preisen: „sechs Jahre Reichernte, sechs Jahre Dürre, alle zwölf Jahre eine große Hungersnot … beim Getreide: zwanzig schadet dem Bauern, neunzig schadet dem Händler … über achtzig und unter dreißig, und Bauer und Händler haben beide Gewinn“ (六歲穰,六歲旱,十二歲一大饑……上不過八十,下不減三十,則農末俱利). Das Hanshu behält nur den Grundsatz: „weiß man um den Wettstreit, rüstet man; kennt man die Jahreszeit, kennt man die Güter … bei Dürre halte Boote bereit, bei Nässe Wagen“ (故旱則資舟,水則資車) — die Getreidepreis-Passage fehlt ganz. Auch die Zahl stimmt nicht überein: Fan Li seufzt, „Ji Rans Richtlinien waren sieben; Yue nutzte fünf davon und hatte Erfolg“ (計然之策七,越用其五) im Shiji, während das Hanshu „zehn, und fünf wurden genutzt“ hat (十用其五).

Bei Bai Gui wird es deutlicher. Das Shiji lässt ihn sagen „wenn andere wegwerfen, nehme ich; wenn andere nehmen, gebe ich“ (人棄我取,人取我與), und fügt einen Kalender von Ernten und Dürren nach dem Planeten Jupiter an; das Hanshu behält den Spruch — 人取我予, mit 予 statt 與 — und lässt den Kalender fallen. Im selben Satz nennen die beiden Texte sogar einen anderen Mann: der Zeitgenosse des Shiji ist „Li Ke, der das Äußerste für das Land tat“ (李克務盡地力), der des Hanshu ist „Li Shi“ (李史). Und die Witwe Qing von Ba: im Shiji „verteidigte sie sich mit ihrem Vermögen und wurde nicht überfallen“ (用財自衛,不見侵犯); im Hanshu „wagte niemand, sie zu beleidigen“ (人不敢犯). Keine der beiden Seiten erklärt diese Unterschiede; beide stehen hier, und keiner wird entschieden.

Was jedes Kapitel allein hat

Nur das Shiji hat die Geographie. Es listet, was jede Region hervorbringt — westlich der Berge Holz, Bambus, Getreide, Hanf, Haar und Jade; östlich davon Fisch, Salz, Lack, Seide und „Klänge und Farben“; aus dem Süden Nan-Holz, Katalpa, Ingwer, Kassia, Gold, Zinn, Zinnober, Nashornhorn, Schildkrötenschale, Perlen und Häute; nördlich von Longmen und Jieshi Pferde, Rinder, Schafe, Filz, Sehnen und Horn. Dann bereist es die großen Städte: „Handan ist auch ein Treffpunkt zwischen dem Zhang und dem Gelben Fluss“; „Yan ist auch ein Treffpunkt zwischen dem Bo und dem Jieshi“; „Linzi ist auch ein Treffpunkt zwischen Meer und Tai“ — jede mit ihren Sitten. Nichts davon steht im Hanshu-Kapitel; auch nicht die sechzehn Zeichen über alles unter dem Himmel, noch die dreistufige Rangordnung des Reichtums.

Nur das Hanshu hat den Rahmen und eine längere Chronologie. Seine ersten Seiten behandeln Rang und Zurückhaltung, dann den Zusammenbruch: „Riten und Rechtschaffenheit reichten nicht, den Edlen zu binden, Strafen reichten nicht, den geringen Mann zu schrecken“ (禮誼不足以拘君子,刑戮不足以威小人). Es setzt den Gegensatz von Reich und Arm: die Reichen „hüllten Erde und Holz in Brokat und fütterten Hunde und Pferde mit Fleisch und Getreide“, während die Armen „keinen ganzen kurzen Rock hatten und Wasser mit ihren Bohnen tranken“ (富者木土被文錦,犬馬餘肉粟,而貧者短褐不完,含菽飲水). Und es trägt die Geschichte über den Horizont des Shiji hinaus, in die Regierungen von Cheng und Ai — Luo Pou von Chengdu, Xing Wei von Linzi, Zhang Changshu und Xue Zicu von Luoyang, Fan Jia von Duling — Namen, die das Shiji nicht hat.

Zahlen und Güter, wie geschrieben

Beide Kapitel tragen dasselbe außerordentliche Verzeichnis dessen, was eine große Stadt in einem Jahr aufnimmt: „Wein: tausend niang (釀); Essig und Sauce: tausend gang (瓨); dünner Trank: tausend dan (甔); geschlachtete Rinder, Schafe und Schweine: tausend Häute; verkauftes Getreide: tausend zhong (鐘); Brennholz: tausend Wagen; Boote: tausend zhang Länge; Bauholz: tausend Stämme; Bambusstangen: zehntausend … verliehenes Geld: tausend Schnüre“ (酤一歲千釀……子貸金錢千貫). Die Einheiten werden so übernommen, wie sie stehen — niang (釀), gang (瓨), dan (甔), zhong (鐘), shi (石), jun (鈞), pi (匹) — ohne Preis und ohne Umrechnung. Gleich davor steht die Rangordnung der Gewerbe, ebenfalls in beiden: „um aus Armut Reichtum zu suchen, ist Ackerbau nicht so gut wie Handwerk, Handwerk nicht so gut wie Handel, und Stickerei nicht so gut wie das Tor eines Ladens zu hüten“.

Die Passage vom „ungekrönten Markgrafen“ steht ebenfalls in beiden, den Reichtum nach Tieren und Bäumen zählend: „auf trockenem Land zweihundert Hufe Pferde, tausend Hörner und Hufe Rinder, tausend Füße Schafe, tausend Füße Schweine im Sumpf, tausend shi (石) Fisch in einem Teich, tausend Stämme Bauholz auf dem Hügel; tausend Dattelbäume in Anyi; tausend Kastanien in Yan und Qin; tausend Orangen in Shu, Han und Jiangling …“ (陸地牧馬二百蹄……安邑千樹棗). Das Hanshu hat kleine Varianten: 牛千蹄角 für 牛蹄角千, 魚波 für 魚陂, 千大鬥 für 千斗, 千合 für 千荅. Beide Lesarten stehen hier; keine wird zur richtigen gemacht.

Zwei Schlüsse

Setzt man die Schlüsse nebeneinander, ist der Unterschied klar. Das Shiji schließt mit „dies alles war das Werk von Aufrichtigkeit und Einung des Sinnes“ (此皆誠壹之所致) und fügt hinzu, „ein Haushalt von tausend in Gold steht dem Herrn einer Stadt gleich; einer von zehntausend einem König“ — der Ton ist Anerkennung. Das Hanshu schließt mit „sie alle verfielen dem Verbrechen der Verschwendung und Anmaßung“ und fügt hinzu „die Sitte verwundend und das Zeitalter verderbend — der Weg großer Verwirrung“ — der Ton ist ein Urteil. Was keine der beiden Seiten gibt: die Lebensdaten dieser Kaufleute, eine Umrechnung ihrer Einheiten in Geld oder heutige Maße, oder irgendeine Aussage darüber, wer von beiden sich auf wen stützt. Dieser Artikel stellt nur nebeneinander: dieselben Menschen, zwei Bücher, zwei Federn.

Weiterlesen:Vierzig Li Purpurseide, fünfzig Li Brokat: Shi Chong und Wang Kai · Lehm, Seide und Gold: die Qixi-Puppen im Song-China · Von begrabenen Münzen zu verbranntem Papier: Wie das Geld für die Toten entstand

Quellen und weitere Lektüre

  1. 司马迁《史记》卷一百二十九〈货殖列传〉(维基文库本,未与点校本复核) — Chapter 129, 'Traditions of Those Who Increase Goods'. It opens with Laozi's perfect age and rejects it — 'to use this as the task would be to smear over the ears and eyes of the age; it would hardly work' (必用此為務……則幾無行矣) — then argues each man 'uses his ability and exhausts his strength to get what he wants' (人各任其能,竭其力). It contains the sixteen characters 'all under heaven, bustling and busy, come for profit; crowding and jostling, go for profit' (天下熙熙,皆為利來;天下壤壤,皆為利往 — the page writes 壤壤, not the usual 攘攘), the three-grade ranking 'the wealth of the root is best, of the branch next, of rascals worst' (本富為上,末富次之,姦富最下), the regional products and the great towns, Ji Ran's grain-price advice, Fan Li's 'seven policies, five used', Bai Gui's 'when others discard I take', the widow Qing of Ba, the 'uncrowned marquis' inventory, the yearly turnover list of a great city, and a closing verdict that such men got rich 'by sincerity and single-mindedness' (此皆誠壹之所致).
  2. 班固《汉书》卷九十一〈货殖传〉(维基文库本,未与点校本复核) — Chapter 91, 'Traditions of Those Who Increase Goods' — 貨殖傳, without the 列. It opens with the institutions of the former kings: 'rank, salary, support, palaces, carriages and dress, coffins, sacrifices, the rules for life and death each had their grades; the small might not usurp the great, the base might not exceed the noble' (小不得僭大,賤不得逾貴), then narrates the collapse of that order down to the rich who 'draped earth and wood in brocade' while the poor 'had not a whole short coat' (富者木土被文錦……貧者短褐不完). It keeps Ji Ran but cuts his grain prices, has Fan Li say 'ten, and five were used' (十用其五), has Li Shi for the Shiji's Li Ke, gives the widow Qing as 'people did not dare to offend her' (人不敢犯), and closes by calling the great merchants' fortunes 'the crime of extravagance and usurpation' and 'the way of great disorder' (傷化敗俗,大亂之道也). It has no 'all under heaven' line and no three-grade ranking.