Im dritten Jahr des Herzogs Xuan von Lu griff der Herr von Chu die Rong von Luhun an, „kam an den Luo und ließ die Truppen an der Grenze von Zhou aufmarschieren“ (遂至于雒,觀兵于周疆); König Ding von Zhou schickte Wangsun Man, ihn zu trösten; und der Herr von Chu fragte nach „Größe und Gewicht der Kessel“ (問鼎之大小輕重焉). Er fragte, wie groß und wie schwer ein Bronzegefäß sei. Beide Seiten überliefern das Gespräch, und keine von beiden beantwortet die Frage: in keinem der beiden Texte steht ein Wort über Maß oder Gewicht des Kessels. Die Antwort sind vier Zeichen: „Es liegt an der Tugend, nicht am Gefäß“ (在德不在鼎).
Die Szene: Truppen an der Zhou-Grenze
Der Anfang im Zuozhuan: „Der Herr von Chu griff die Rong von Luhun an, kam an den Luo und ließ die Truppen an der Grenze von Zhou aufmarschieren. König Ding schickte Wangsun Man, den Herrn von Chu zu trösten“ (楚子伐陸渾之戎,遂至于雒,觀兵于周疆。定王使王孫滿勞楚子). Der Anfang im Shiji: „Im achten Jahr griff er die Rong von Luhun an, kam an den Luo und ließ die Truppen am Randbezirk von Zhou aufmarschieren. König Ding von Zhou schickte Wangsun Man, den König von Chu zu trösten“ (八年,伐陸渾戎,遂至洛,觀兵於周郊。周定王使王孫滿勞楚王). Das Shiji fügt ein achtes Jahr hinzu und ein „Zhou“; der Getröstete heißt im einen Text „der Herr“, im anderen „der König“. Beide Anreden stehen hier, keine wird entschieden. Dass 觀兵 schlicht heißt, Truppen zur Schau zu stellen, also eine Machtdemonstration, ist die gängige Auffassung; die Seite glossiert das Wort nicht, und es wird hier als gängige Auffassung gekennzeichnet.
Auch die Frage selbst lautet etwas anders. Zuozhuan: „Der Herr von Chu fragte nach Größe und Gewicht der Kessel“ (楚子問鼎之大小輕重焉). Shiji: „Der König von Chu fragte nach den Kesseln, klein und groß, leicht und schwer“ (楚王問鼎小大輕重). Andere Wortstellung, dieselbe Frage: Größe und Gewicht. Das ist der Ausgangspunkt des Ganzen — gefragt wird nach etwas Physikalischem, geantwortet wird nicht physikalisch.
Vier Zeichen und eine Geschichte des Gefäßes
„Er antwortete: ‚Es liegt an der Tugend, nicht am Gefäß‘“ (對曰:在德不在鼎). Vier Zeichen. Wie die beiden Bücher sie stellen, ist verschieden: Im Zuozhuan eröffnen sie eine zusammenhängende Antwort, die dann in einem Zug bis zum Ende läuft. Im Shiji stehen sie zunächst allein als die ganze erste Antwort; dann ist der harte Satz des Königs eingeschoben (siehe den vierten Abschnitt), und Wangsun Man setzt mit „Ach! Hat Eure Majestät es vergessen?“ (嗚呼!君王其忘之乎?) neu an und hält die lange Rede. Dieselbe Antwort ist im einen Buch ein Stück und im anderen in zwei Stücke geschnitten.
Das Gießen der Kessel, nach dem Zuozhuan: „In der Zeit, da Xia die Tugend hatte, sandten die fernen Gegenden Bilder der Dinge, die neun Hirten brachten Metall, und Kessel wurden gegossen mit Bildern der Dinge; jegliche Art von Ding war darauf bereitgestellt, damit das Volk das Göttliche und das Ungeheuerliche kenne“ (昔夏之方有德也,遠方圖物,貢金九牧,鑄鼎象物,百物而為之備,使民知神姦). Auch der Nutzen ist genannt: „Wenn die Menschen in die Flüsse, Sümpfe, Berge und Wälder gingen, trafen sie nichts Unheilvolles; die Gespenster und Elben konnten sie nicht erreichen, und so konnten sie oben und unten in Einklang bringen und den Beistand des Himmels empfangen“ (故民入川澤山林,不逢不若,螭魅罔兩,莫能逢之,用能協于上下,以承天休). Das Shiji liest „in der Blüte von Yu und Xia kamen die fernen Gegenden alle herbei“ (昔虞夏之盛,遠方皆至), wo das Zuozhuan „da Xia die Tugend hatte, sandten die fernen Gegenden Bilder der Dinge“ hat. In dieser Passage dient das Gefäß dazu, das Göttliche und das Ungeheuerliche zu erkennen, nicht dazu, gewogen zu werden.
Die Wanderungen der Kessel sind eine kleine Geschichte; beide Lesarten stehen nebeneinander: „Jie hatte finstere Tugend, die Kessel wanderten nach Shang, sechshundert Jahre der Opfer“ (桀有昏德,鼎遷于商,載祀六百) — das Shiji hat „Jie hatte wirre Tugend, die Kessel wanderten nach Yin“ (桀有亂德,鼎遷於殷); danach „der Tyrann Zhou von Shang, und die Kessel wanderten nach Zhou“ (商紂暴虐,鼎遷于周), wobei das Shiji dort 殷紂 für 商紂 und 殷 für 商 schreibt. Finster oder wirr, Shang oder Yin: beides steht hier, keines wird entschieden. „Sechshundert Jahre der Opfer“ bleibt stehen, wie die Seite es lässt, und wird weder in Jahreszahlen umgerechnet noch zu einer Chronologie geordnet.
Schwer und leicht: eine physikalische Frage wird ersetzt
Der härteste Satz ist ein Gegensatzpaar: „Ist die Tugend heiter und hell, so ist es schwer, mag es auch klein sein; ist sie krumm und finster, so ist es leicht, mag es auch groß sein“ (德之休明,雖小,重也。其姦回昏亂,雖大,輕也). Das Shiji hat „mag es auch klein sein, so ist es gewiss schwer … mag es auch groß sein, so ist es gewiss leicht“ (雖小必重……雖大必輕); beide Lesarten stehen hier. Der Satz verwandelt „wie schwer ist der Kessel“ in „wie steht es um die Tugend“: klein kann schwer sein, groß kann leicht sein. Und deshalb wird das Maß, nach dem gefragt wurde, nie gegeben — Wangsun Mans Antwort ist selbst die Weigerung zu wiegen.
Das Zuozhuan fügt danach einen Satz an, den das Shiji nicht hat — „Der Himmel segnet die helle Tugend und hat seine Grenze“ (天祚明德,有所底止) — und erst dann: „König Cheng setzte die Kessel in Jiaru fest, befragte das Los auf dreißig Generationen und siebenhundert Jahre, wie der Himmel es geboten hatte“ (成王定鼎于郟鄏,卜世三十,卜年七百,天所命也). Das Shiji geht von „gewiss leicht“ unmittelbar zu „einst setzte König Cheng die Kessel in Jiaru fest“ (昔成王定鼎于郟鄏). Dass Jiaru das spätere Gebiet von Wangcheng ist, ist die gängige Auffassung; die Seite hat keine Anmerkung, und ein heutiger Ortsname wird hier nicht genannt. Die beiden Zahlen stehen, wie sie stehen, und werden nicht in eine Zeitspanne umgerechnet. Beide Bücher schließen gleich: „Die Tugend von Zhou mag verfallen sein, der Auftrag des Himmels ist nicht gewandelt. Nach dem Gewicht der Kessel darf nicht gefragt werden“ (周德雖衰,天命未改。鼎之輕重,未可問也).
Zwei Sätze nur im Shiji
Nur das Shiji gibt den harten Satz des Königs: „Blockiert mir nicht die neun Kessel! Die abgebrochenen Widerhaken der Hellebarden von Chu würden genügen, sie zu gießen“ (子無阻九鼎!楚國折鉤之喙,足以為九鼎). Seine Stelle ist in beiden Büchern verschieden: Im Shiji steht er nach den vier Zeichen und vor der langen Rede und macht aus einer Frage eine Herausforderung; das Zuozhuan hat diesen Satz nicht und lässt die Antwort in einem Zug laufen. Dass 折鉤之喙 die abgebrochenen Widerhaken eines Hellebardenhakens meint, ist die gängige Auffassung; die Seite hat keine Anmerkung, und es wird hier als gängige Auffassung gekennzeichnet. Der andere Satz, den nur das Shiji hat, ist der Schluss: „Der König von Chu kehrte dann heim“ (楚王乃歸). Vier Zeichen, wo das Zuozhuan bei „darf nicht gefragt werden“ stehen bleibt und nicht sagt, ob er ging.
Was keine der beiden Seiten gibt
Keine der beiden Seiten gibt Maß, Gewicht, Form oder Zahl der Kessel — genau danach war gefragt, und die Texte verweigern die Antwort. Auch was später aus ihnen wurde, steht auf keiner der beiden Seiten; keine spätere Erzählung vom Versinken im Si-Fluss oder vom Gang nach Qin wird hier ergänzt. Ebenso wenig analysiert eine der beiden Seiten die tatsächliche Macht des Zhou-Hofes, den nächsten Schritt des Königs von Chu oder den Ausgang des Gesprächs; das Shiji bietet nur „kehrte dann heim“. Die Seite des Shiji enthält auch die berühmte Passage vom Vogel, der drei Jahre nicht fliegt und dann zum Himmel fliegt — eine andere Sache, die hier nicht eingefügt wird. Die Losbefragung auf dreißig Generationen und siebenhundert Jahre wird nicht in eine Chronologie umgerechnet.
Zum Schluss eine Unterscheidung. „Nach dem Kessel fragen“ (問鼎) wurde später zur Wendung für das Begehren des Thrones; das ist ein späterer Gebrauch, und keine der beiden Seiten sagt ihn. Beide überliefern ein Gespräch: Einer fragt, wie schwer ein Gefäß ist, und ihm wird mit Tugend und dem Auftrag des Himmels geantwortet. Wonach er fragte, geben beide Bücher nicht — kein Maß, kein Gewicht.
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Quellen und weitere Lektüre
- 《春秋左氏传·宣公三年》(维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — The Zuozhuan's account: the lord of Chu campaigns against the Rong of Luhun, reaches the Luo and displays his troops on the Zhou border; King Ding sends Wangsun Man to comfort him; the Chu lord asks the size and weight of the cauldrons. Wangsun Man answers in one continuous speech: it lies in virtue, not in the vessel; when Xia had virtue the distant regions sent pictures and the nine herdsmen brought metal, and cauldrons were cast with images of things so that the people would know the divine and the monstrous; Jie's benighted virtue moved the cauldrons to Shang for six hundred years of sacrifice; the cruelty of Zhou of Shang moved them to Zhou; where virtue is bright, small means heavy, and where it is crooked, great means light; King Cheng set them at Jiaru with the divination of thirty generations and seven hundred years; Zhou's virtue may have declined but Heaven's mandate has not changed, so the weight of the cauldrons may not be asked.
- 《史记》卷四十·楚世家(西汉司马迁撰;维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — The same affair in King Zhuang's eighth year, with a different shape: the king asks, the four characters 'it lies in virtue, not in the vessel' are given as the whole of the first answer, the king retorts 'do not block my nine cauldrons — the broken barbs of Chu's halberds would suffice to cast them', and only then does Wangsun Man deliver the long speech, opening 'Alas! Has your majesty forgotten it?' and speaking of 'Yu and Xia in their prime', Jie's 'chaotic virtue', the cauldrons moving to Yin, and 'must be heavy' for 'is heavy'. It also lacks the Zuozhuan's line about Heaven blessing bright virtue and having its limits, and ends with one sentence the Zuozhuan does not have: 'the king of Chu then went home.'




