Unter der Datumsangabe 元光元年冬十一月 — dem elften Monat des Winters im ersten Jahr Yuanguang — findet sich im Kapitel „Annalen Kaiser Wus“ (《武帝紀》) nur eine Zeile: „er befahl erstmals den Kommandanturen und Königtümern (郡國), je einen filialen und unbestechlichen Mann (孝廉 xiàolián) zu empfehlen“ (初令郡國舉孝廉各一人). Zehn Zeichen, und dahinter ein reichsweites Verfahren der Auswahl. Was folgt, beschreibt nicht, wie es lief, sondern ist eine Kette von Edikten und Beratungen: wer empfehlen sollte, wie viele, was zu tun war, wenn eine ganze Kommandantur niemanden schickte, und wozu der Empfohlene diente. Und doch fällt in diesem Kapitel kein einziger Name eines Empfohlenen.
Zwei Türen: Edikt und ständige Anordnung
Zwei Türen ins Amt stehen auf derselben Seite, und sie sehen einander nicht ähnlich. Die eine öffnet ein Edikt. Im zehnten Monat des ersten Jahres Jianyuan (建元) erging der Befehl an den Kanzler, die Zensoren, die Markgrafen, die Inhaber der mittleren zweitausend Scheffel (中二千石 zhōng èrqiān shí), die Inhaber der zweitausend Scheffel (二千石 èrqiān shí) und die Kanzler der Königtümer, „Männer von geradem Charakter, aufrichtiger Rede und unverblümter Ermahnung“ (賢良方正直言極諫之士, xiánliáng fāngzhèng) zu empfehlen; danach sah der Kanzler die Liste durch und strich die, welche sich mit den Lehren des Shen Buhai, Shang Yang, Han Fei, Su Qin und Zhang Yi befassten, mit kaiserlicher Zustimmung. Im fünften Monat des ersten Jahres Yuanguang (元光) erging ein weiteres solches Edikt, und „daraus traten Dong Zhongshu, Gongsun Hong und andere hervor“ (於是董仲舒、公孫弘等出焉). Seine Biographie ergänzt, seit dem Regierungsantritt seien „Männer von Tugend und Bildung empfohlen worden, hundert und mehr im Lauf der Jahre“ (舉賢良文學之士前後百數).
Die andere Tür ist die Zeile des elften Monats: eine ständige Anordnung, nach Kommandantur und Königtum ausgegeben, je ein Mann. Die beiden Seiten machen den Unterschied deutlich. Die Würdigen mussten sich einer Befragung stellen: das Edikt von Yuanguang sagt, sie seien „mit dem Wesen vergangener und gegenwärtiger Staatsführung vertraut und hätten, über die Politik befragt, stets schriftlich geantwortet“ (受策察問,咸以書對). Für die filialen und unbestechlichen Männer ist keine Prüfung, keine schriftliche Antwort, kein Test irgendeiner Art verzeichnet. Auch die Empfehlenden sind andere: das Edikt für die Würdigen nennt Kanzler, Zensoren, Markgrafen, die Inhaber der mittleren zweitausend Scheffel, die der zweitausend Scheffel und die Kanzler der Königtümer; die filialen und unbestechlichen Männer dagegen heißen in der späteren Denkschrift „den Beamten von zweitausend Scheffeln befohlen zu empfehlen“ (令二千石舉孝廉). Ob ein Kandidat für „filial und unbestechlich“ überhaupt geprüft wurde, sagen die beiden Seiten nicht, und dieser Beitrag ergänzt es nicht.
Wer empfiehlt, und wie viele
Dong Zhongshu (董仲舒) beginnt mit einem Angriff auf die bestehenden Zugänge: „die höheren Beamten stammen meist aus den Hofherren, oder aus den Söhnen der zweitausend Scheffel, die zu Hofherren gewählt wurden, oder sie kommen über Vermögen — sie sind nicht notwendig tüchtig“ (夫長吏多出於郎中、中郎,吏二千石子弟選郎吏,又以富訾,未必賢也). Drei Wege hinein, und keiner verbürgt Tüchtigkeit: die Hofherren (郎中 lángzhōng, 中郎 zhōngláng), die Söhne der zweitausend Scheffel, das Vermögen (富訾 fùzī). Sein Gegenvorschlag — eine Denkschrift, kein Erlass — lautet: „die Markgrafen, die Vorsteher der Kommandanturen und die Beamten von zweitausend Scheffeln sollen je die Tüchtigen unter ihren Bediensteten und ihrem Volk auswählen und jährlich je zwei Männer senden, die den Palastwachtdienst (宿衛 sùwèi) versehen, und so die Fähigkeit der hohen Minister ermessen; wer Tüchtige sendet, wird belohnt, wer Untüchtige sendet, wird bestraft“ (使諸列侯、郡守、二千石各擇其吏民之賢者,歲貢各二人以給宿衞;所貢賢者有賞,所貢不肖者有罰). Der Kreis ist mit „Bediensteten und Volk“ (吏民) benannt, das Ziel mit dem Palastwachtdienst; und der letzte Satz stellt den Empfehlenden selbst unter Beobachtung.
Diese Zahlen lassen sich nicht mit denen des Edikts verrechnen. Dong zählt nach Amt: jeder Markgraf, jeder Vorsteher einer Kommandantur und jeder Beamte von zweitausend Scheffeln zwei Männer. Das Edikt zählt nach Verwaltungseinheit: jede Kommandantur und jedes Königtum ein Mann. Zwei verschiedene Einheiten. Zwei Einzelheiten sind festzuhalten: Das Wort „jährlich“ (歲) steht nur in Dongs Vorschlag, nicht im Edikt von Yuanguang; und das „je“ in „je ein Mann“ (各一人) lässt sich ebenso als ein Mann je Kommandantur wie als ein filialer und ein unbestechlicher Mann lesen, ohne dass die Seiten eine Erläuterung geben. Beide Lesarten stehen hier nebeneinander, unentschieden. Auch die Zahl der Kommandanturen nennen die Seiten nicht; eine Jahressumme lässt sich also nicht ausrechnen.
Was geschieht, wenn niemand empfohlen wird
Im elften Monat des ersten Jahres Yuanshuo (元朔) wandte der Kaiser sich der Durchsetzung zu. Das Edikt beginnt mit einem Sprichwort — „in einem Weiler von zehn Haushalten muss es Treue und guten Glauben geben; unter dreien, die zusammen gehen, muss einer sein, der mich lehren kann“ (夫十室之邑,必有忠信;三人並行,厥有我師) — und benennt dann den Missstand: „jetzt kommt es vor, dass ganze Kommandanturen nicht einen Mann empfehlen“ (今或至闔郡而不薦一人). Eine Kommandantur, die niemanden hervorbringt, so sagt er, heißt: die Unterweisung dringt nicht nach unten, und die Tüchtigen sind oben abgeschnitten. Dann folgt der Grundsatz: „die Tüchtigen vorzubringen bringt höchsten Lohn, die Tüchtigen zu verbergen bringt offenen Tod — das war der Weg des Altertums“ (進賢受上賞,蔽賢蒙顯戮,古之道也). Dann das Verfahren: „man berate mit den Inhabern der mittleren zweitausend Scheffel, den Ritualbeamten und den Eruditen die Strafe für die, welche nicht empfehlen“ (其與中二千石、禮官、博士議不舉者罪).
Die Antwort der Beamten hebt in der Vorzeit an: wenn die Fürsten Gelehrte darbrachten, hieß ein tauglicher Mann Liebe zur Tugend, zwei Liebe zu den Tüchtigen, drei Verdienst, und es wurden die neun Ehrenzeichen (九錫 jiǔxī) verliehen; wer nicht darbrachte, dem wurde einmal der Rang, zweimal das Land, dreimal beides genommen. Dann kommt sie zur Gegenwart: „Das Edikt führt nun den heiligen Faden der früheren Kaiser fort und befiehlt den Beamten von zweitausend Scheffeln, filiale und unbestechliche Männer zu empfehlen, um das Volk zu läutern und die Sitten zu wandeln. Einen filialen Mann nicht empfehlen und dem Edikt nicht folgen ist als Ungebühr (不敬 bùjìng) zu beurteilen. Nicht auf Unbestechlichkeit zu prüfen heißt, dem Amt nicht gewachsen zu sein (不勝任 bùshèngrèn), und ist mit Entlassung zu ahnden“ (不舉孝,不奉詔,當以不敬論。不察廉,不勝任也,當免). Genehmigt. Die beiden Strafen wiegen nicht gleich schwer, und der Text trennt die beiden Handlungen: einen filialen Mann empfehlen (舉孝 jǔxiào) und auf Unbestechlichkeit prüfen (察廉 chálián) stehen als zwei Pflichten mit zwei Folgen da. Auf dieser Seite ist „filial und unbestechlich“ nicht eine Sache.
Wohin der Empfohlene geht
Das Edikt sagt nur „empfehlen“; wozu, sagt es nicht. Das Ziel steht in Dongs Vorschlag: „damit sie den Palastwachtdienst versehen“ (以給宿衞) — also hinein zu den Hofherren, genau durch jene Tür, die er eben kritisiert hatte. Er änderte nicht das Ziel, sondern wer durch diese Tür ging. Und „so die Fähigkeit der hohen Minister ermessen“, zusammen mit Lohn und Strafe für das, was sie senden, macht die Empfehlung selbst zu einer Prüfung: Der Empfehlende wird benotet. All das gehört zu einer Denkschrift, nicht zu einem Edikt; keine der beiden Seiten verzeichnet, welches Amt ein Empfohlener erhielt oder wann.
Ein späterer Satz braucht ein eigenes Fach. Am Ende der Biographie schreibt Ban Gu (班固): „Als Dong Zhongshu die Fragen beantwortete, legte er Konfuzius dar und verwarf die hundert Schulen; die Einrichtung von Schulen und Beamten und die Empfehlung von reichem Talent und filialen und unbestechlichen Männern durch Provinzen und Kommandanturen — alles ging von Dong Zhongshu aus“ (州郡舉茂材孝廉,皆自仲舒發之). Das ist die Zuschreibung eines Historikers der Östlichen Han, kein Edikt. Drei Arten von Material sind auseinanderzuhalten: der Vorschlag, die Edikte und Denkschriften und der spätere Bericht. Zu beachten ist auch: Ban Gu nennt „reiches Talent“ (茂材 màocái) und „filial und unbestechlich“ in einem Atemzug; diese beiden Seiten enthalten das Edikt nur für die zweite Kategorie und kein Datum für die gesonderte Einrichtung der ersten. Die Lücke bleibt offen.
Was die Seiten nicht hergeben
Die fehlenden Stücke lassen sich auflisten: wie viele Männer tatsächlich jedes Jahr empfohlen wurden, ihre Namen und ihre Herkunft, wer sie empfahl, ob je jemand dafür, dass er nicht empfahl, als ungebührlich bestraft wurde, und was aus den Emporgesandten wurde. Nichts davon steht auf den beiden Seiten. Sicher ist allein die Regel: „je ein Mann“ (各一人) ist eine Quote, keine Zählung; „ganze Kommandanturen, die nicht einen Mann empfehlen“ ist ein Vorwurf in einem Edikt, keine Statistik. Also rechnet dieser Beitrag nicht. Eine Zeile von zehn Zeichen, danach zwei Strafen und eine Beratung — das ist alles, was „ein Mann aus jeder Kommandantur“ auf diesen Seiten ausmacht.
Weiterlesen:Die Salzpfanne von Hedong: Nordwei-Salz, Ämter und Verbote · Der Preis des Zweifels: Fünf Strafen im Lü Xing · Halbes Liang: Das Gewicht, das auf der Münze steht
Quellen und weitere Lektüre
- 班固《汉书》卷六〈武帝纪〉(维基文库本,未与点校本复核) — The edicts in order: Jianyuan 1, tenth month, the chancellor, censors, marquises, two-thousand-bushel officials and kingdom chancellors are told to recommend 'men of square character and blunt remonstrance' (賢良方正直言極諫之士), and the chancellor strikes from the list those who study Shen Buhai, Shang Yang, Han Fei, Su Qin or Zhang Yi. Yuanguang 1, eleventh month: 'for the first time he ordered the commanderies and kingdoms to recommend one filial and incorrupt man each' (初令郡國舉孝廉各一人). Yuanguang 1, fifth month: another worthies edict, from which 'Dong Zhongshu, Gongsun Hong and others came forward' (於是董仲舒、公孫弘等出焉). Yuanshuo 1, eleventh month: the emperor complains that 'some whole commanderies recommend not one man' (今或至闔郡而不薦一人) and orders a discussion of penalties; the officials reply that 'not recommending a filial man, not obeying the edict, should be judged as disrespect; not examining for incorruptibility is incompetence, and should be dismissal' (不舉孝,不奉詔,當以不敬論。不察廉,不勝任也,當免), which is approved.
- 班固《汉书》卷五十六〈董仲舒传〉(维基文库本,未与点校本复核) — Dong Zhongshu's critique of the existing routes into office: 'senior officials mostly come from the Household Gentlemen, or from the sons of two-thousand-bushel officials chosen as Gentlemen, or else by wealth — they are not necessarily worthy' (夫長吏多出於郎中、中郎,吏二千石子弟選郎吏,又以富訾,未必賢也). His proposal: 'let the marquises, commandery governors and two-thousand-bushel officials each choose the worthy among their clerks and commoners, and send up two men a year to serve as palace guards, and thereby observe the ability of the great ministers; those who send up worthy men are rewarded, those who send up unworthy men are punished' (使諸列侯、郡守、二千石各擇其吏民之賢者,歲貢各二人以給宿衞……所貢賢者有賞,所貢不肖者有罰). The biography also states that 'the recommendation of abundant talent and filial and incorrupt men by the provinces and commanderies all issued from Dong Zhongshu' (州郡舉茂材孝廉,皆自仲舒發之) — Ban Gu's later attribution, not an edict.




