Eine Bronzemünze liegt auf einem Holztisch: rund, in der Mitte ein quadratisches Loch, auf der Fläche zwei Zeichen, 半兩 (banliang), „ein halbes liang“. Kein Äraname, keine Münzstätte, keine Jahreszahl. Münzen späterer Dynastien tragen oft den Namen des Herrschers, der sie schlug; diese hier trägt eine Aussage über Metall. Sie sagt, wie viel das Stück wiegen soll.
Zwei Zeichen, ein Versprechen
Die Han shu des Ban Gu (班固), in der «Abhandlung über Ernährung und Geld», regelt die Qin-Münze in einem Satz: „Qin vereinigte die Welt und machte das Münzwesen in zwei Klassen: Gold, nach dem yi benannt, war oberes Geld; die Bronzemünze, von derselben Substanz wie die Zhou-Münze, trug die Aufschrift 半兩 und wog nach der Aufschrift“ (秦兼天下,幣為二等……銅錢質如周錢,文曰「半兩」,重如其文). Sima Qian (司馬遷) sagt am Schluß seines Shiji dasselbe: „die Bronzemünze war mit 半兩 beschriftet und wog nach der Beschriftung“ (銅錢識曰半兩,重如其文).
Um daraus eine Zahl zu machen, fehlt eine Zeile, und sie steht in der Han shu, in der «Abhandlung über Kalender und Pfeifen»: Ein Maßgefäß faßte zwölfhundert Hirsekörner und wog zwölf zhu; „zwei davon machten ein liang; vierundzwanzig zhu auf das liang“ (一龠容千二百黍,重十二銖,兩之為兩。二十四銖為兩). Ein halbes liang ist also zwölf zhu, und die zwei Zeichen sind eine Vorschrift: zwölf zhu Bronze. So rechnete man schon lange — dasselbe Kapitel beschreibt die alte Zhou-Münze als „rund und ein Quadrat umschließend, leicht und schwer nach zhu gerechnet“ (錢圜函方,輕重以銖). Aber das alles ist hanzeitliche Schrift über Qin — die eine Abhandlung unter Kaiser Wu (武帝), die andere in der Östlichen Han — und keine davon berichtet, daß eine einzelne Münze gewogen wurde.
Zu schwer, um brauchbar zu sein
Die erste Regierung der Han hielt die Qin-Münze für zu schwer, um brauchbar zu sein. „Als Han aufkam, hielt man die Qin-Münze für schwer und schwer zu gebrauchen und befahl dem Volk, die jiaqian zu gießen“ (漢興,以為秦錢重難用,更令民鑄莢錢) — die Jiaqian (莢錢), die „Hülsenmünze“. Das Shiji sagt es knapper — „und befahl dem Volk, Münzen zu gießen“ —, stimmt aber im Motiv zu. Wie schwer die Hülsenmünze war, sagt keines der beiden Werke.
Was sie geben, ist das, was folgte. „Gesetzlose Männer, die Gewinn suchten, horteten ihren Überschuß und hielten Waren vom Markt zurück, und die Preise sprangen: Reis erreichte zehntausend Münze je shi, ein Pferd hundert jin Gold“ (米至石萬錢,馬至匹百金). Die Han shu stellt die Antwort des Gründers unmittelbar danach: Kaufleuten waren Seide und Wagen verboten, und man besteuerte sie schwer, um sie zu demütigen. Die beiden Stellen stehen nebeneinander, und der Text sagt nicht, daß die eine die andere verursachte. Was er zeigt, ist ein Markt in Unordnung nach einer leichteren Münze und freiem Gießen — und ein Staat, der mit Regeln darüber antwortet, wer sich gut kleiden darf, nicht mit einer Norm für die Münzstätte.
Vier zhu, weiter halbes Liang genannt
Im fünften Jahr von Kaiser Wen (文帝) versuchte der Staat es erneut: weil die Münzen „immer zahlreicher und leichter“ wurden, goß er eine Vier-Zhu-Münze, „deren Aufschrift 半兩 war“ (更鑄四銖錢,其文為「半兩」), und hob das Verbot des privaten Gießens auf — „dem Volk war erlaubt, frei zu gießen“ (令民縱得自鑄錢). Die Rechnung ist die Geschichte. Vier zhu sind ein Drittel jener zwölf, die die zwei Zeichen versprechen. Die Aufschrift blieb; das Metall nicht.
Jia Yi (賈誼), der gegen das freie Gießen argumentiert, beschreibt das Ergebnis in der Sprache des Marktes, nicht der Staatskasse: „der Gebrauch der Münzen durch das Volk ist von Kommandantur zu Kreis verschieden: wo leichte Münzen gebraucht werden, wird zu hundert eine Anzahl dazugegeben; wo schwere Münzen gebraucht werden, werden sie gewogen und nicht angenommen“ (或用錢輕,百加若干;或用重錢,平稱不受). So sei „keine feste gesetzliche Münze aufgestellt“, und „die Märkte gebrauchen verschiedenes Geld, und die Münzaufschriften sind in großer Verwirrung“ (市肆異用,錢文大亂). Das ist der deutlichste Satz, den eine der beiden Seiten über den täglichen Gebrauch bietet: Münzen wurden gezählt, aber sie wurden auch gewogen. Es ist auch eine Streitschrift und keine Erhebung; Jia Yi bittet den Kaiser, die Münze zurückzunehmen.
Das freie Gießen erzeugte eine sehr handfeste Verwirrung. Als das Verbot fiel, gehörten die größten privaten Münzstätten dem König von Wu (吳王), der „an den Bergen Münzen goß, so reich wie der Himmelssohn wurde und am Ende rebellierte“, und Deng Tong (鄧通), einem Günstling, dessen Münzreichtum „den eines Königs übertraf“; „die Münzen von Wu und Deng waren über die ganze Welt verbreitet“ (故吳、鄧錢布天下). Eine Aufschrift kann von einer Münzstätte durchgesetzt werden; durch ihre eigenen zwei Zeichen kann sie sich nicht durchsetzen.
Als der Name nicht mehr halten konnte
Unter Kaiser Wu war die gesetzliche 半兩 seit mehr als vierzig Jahren vier zhu schwer — die Han shu vermerkt, „von Kaiser Wens Neuguß der Vier-Zhu-Münze bis zu diesem Jahr waren es über vierzig Jahre“ —, und die Münzen wurden abgeschabt. Beamte meldeten: „die 半兩-Münze ist gesetzlich vier zhu schwer, aber Übeltäter feilen das Metall der Münze ab und nehmen den Bronzefeilstaub, so werden die Münzen immer leichter und dünner und die Waren immer teurer“ (今半兩錢法重四銖,而姦或盜摩錢質而取鋊,錢益輕薄而物貴). Eine Aufschrift, die ihr Versprechen schon gebrochen hatte, konnte auch das Metall nicht mehr schützen.
Das Mittel war, die alten Worte nicht länger zu verteidigen. Der Staat „schmolz die 半兩-Münzen ein und goß Drei-Zhu-Münzen, die Aufschrift nach dem Gewicht“ (文如其重). Als die Drei-Zhu zu leicht waren, um sicher zu sein, ging man zu fünf zhu über und gab der Münze einen umlaufenden Rand, „so daß das Metall nicht abgefeilt werden konnte“ (周郭其質,令不可得摩取鋊). Die Han shu datiert sogar den Anfang: „vom fünften Jahr Yuanshou unter Kaiser Wu, als die drei Ämter zuerst die Fünf-Zhu-Münze gossen“ (自孝武元狩五年三官初鑄五銖錢). Der Kreis schloß sich — aber durch eine Änderung der Aufschrift, nicht der Münze. Die Worte hatten ihre Zahl überlebt; der Staat gab die Worte auf.
Was die beiden Geschichtswerke nicht festhalten
Keines der beiden Werke hält das Gewicht einer einzelnen Münze fest, den Ausstoß einer Münzstätte, den Preis einer Münze oder ob eine leichte an einem Stand tatsächlich zurückgewiesen wurde. „Gewogen nach der Aufschrift“ ist eine hanzeitliche Beschreibung einer Regel, nicht das Ergebnis einer Wägung erhaltenen Metalls. Was sie geben, ist eine Folge von Entscheidungen mit ihren genannten Gründen: zwei Klassen von Geld, eine zu schwere Münze, eine leichtere, von jedermann gegossene Münze, vier zhu unter dem alten Namen, das Abschaben, drei zhu, fünf zhu mit Rand. Wie viele Münzen ein Handwerker am Monatsende in der Hand hatte oder wie viele einen dou Hirse kauften, steht nicht darin.
Die zwei Zeichen sind ein kleiner Vertrag, in Bronze geschrieben. Was ihn brach, war kein neues Dekret über Namen, sondern ein dünnerer Schrötling unter denselben Worten und dann eine Feile am Rand. Die Reparatur, als sie kam, war bescheiden und technisch: sag, was die Münze wiegt, und zieh einen Rand hoch, damit sie es weiter sagt. An dem Stück ist nichts Großartiges. Aber in der Hand gelesen, mit den bekannten Einheiten, sagt es noch immer, was es sein sollte.
Weiterlesen:Drei Klauseln und neun Kapitel: Vom Versprechen zum Gesetzbuch · Das Ende des Weinmonopols: vier Münzen je Sheng und tausend Suden · Prüfen, nicht erheben: Pass und Markt im Denken der Streitenden Reiche
Quellen und weitere Lektüre
- 班固《汉书》卷二十四下·食货志下(东汉;维基文库本,未与点校本复核) — The main narrative: Qin money in two classes, the bronze coin 'inscribed 半兩, weighing according to the inscription' (文曰「半兩」,重如其文); Han finding Qin coin heavy and having the people cast the jia qian; Emperor Wen's four-zhu coin 'whose legend was 半兩'; Jia Yi's warning that light coins are counted with a surcharge and heavy ones weighed and refused; Wu and Deng's private coins; officials reporting that the legal four-zhu 半兩 is being filed and shaved; the melting of 半兩 coins for three-zhu coins 'legend according to the weight' (文如其重); the five-zhu coin with a rim 'so the metal cannot be filed away' (周郭其質,令不可得摩取鋊).
- 司马迁《史记》卷三十·平准书(西汉;维基文库本,未与点校本复核) — The second witness: 'Qin coin was heavy and hard to use, so the people were ordered to cast coins'; under Emperor Wen 'the jia qian grew ever more numerous and light, so the four-zhu coin was cast, its legend 半兩, and the people were allowed to cast freely'; Sima Qian's closing judgment repeats that the Qin bronze coin was 'inscribed 半兩 and weighed according to the inscription'; the three-zhu coin is 'according to the weight in its legend' (文如其重) and the five-zhu is given a rim below 'so it cannot be filed' (周郭其下,令不可磨取鋊焉).
- 班固《汉书》卷二十一上·律历志上(东汉;维基文库本,未与点校本复核) — The unit relation without which 'half a liang' cannot be turned into a figure: 'a standard vessel held twelve hundred millet grains, weighed twelve zhu; two of these made a liang; twenty-four zhu to the liang' (重十二銖,兩之為兩。二十四銖為兩). Hence half a liang = twelve zhu. The same chapter gives the old formula for coinage, 'round and enclosing a square, light and heavy reckoned in zhu' (錢圜函方,輕重以銖).




