Der ganze Stoff sind ein paar Dutzend Zeichen. Am Altar des Viertels teilte ein armer junger Mann als Beamter für das Fleisch das Fleisch sehr gleichmäßig aus; die Alten sagten: gut, dieser Junge Chen taugt zum Beamten; und er antwortete: ach — könnte ich doch über die Welt so walten wie über dieses Fleisch. Das ist die Szene. Keine Seite sagt, wer ihm die Aufgabe gab oder was er dafür erhielt: es beginnt mit der Teilung und endet mit der Teilung. Der Rest der beiden Kapitel — Armut, die Enkelin eines Reichen, ein Kanzleramt, sechs geheime Pläne — ist Kontext. Dieser Artikel handelt von einem Stück Fleisch und einem Wort: 宰.

Der Altar des Viertels und das Wort

Das Shiji hat es so: 里中社,平爲宰,分肉食甚均。父老曰:善,陳孺子之爲宰 平曰:嗟乎,使平得宰天下,亦如是肉矣 Die Seite ist reiner Text und erklärt keinen der drei Namen, die sie verwendet: 社, der Altar und die Opfereinheit; 里, das Viertel; 宰, gewöhnlich der Mann, der das Schneiden und Austeilen leitet. Jeder wird nur als Name gegeben. Das Gewicht des Satzes fällt auf 均, gleich: 分肉食甚均, er teilte das Fleisch sehr gleichmäßig, mit einem zusätzlichen 食, das das Hanshu nicht hat. Das Lob der Alten, 善,陳孺子之爲宰, gut, dieser Junge Chen als Beamter — 孺子 ist das Wort für einen Jungen, und das Lob ist die Rede der Alten, nicht des Erzählers.

Der Satz dreht sich um 宰. In 平爲宰 ist es ein Nomen: der Mann, der die Teilung am Altar führt. In 宰天下 arbeitet es als Verb: herrschen, einem Reich vorstehen, mit dem Kanzleramt im Rücken. Ein Wort, zwei Lesarten, und ein ganzes späteres Leben dazwischen. Der Scherz, wenn es einer ist, ist, dass die kleinste Aufgabe im Viertel den Namen des größten Amtes des Reiches liefert. Die Seite weist nie darauf hin; sie lässt den Satz stehen, und die doppelte Lesart ist die Konvention, nicht eine von der Seite gelieferte Erläuterung.

Beide Historiker lesen es als Ehrgeiz

Sima Qian verwandelt in seinem Urteil am Kapitelende das Fleisch in Absicht: 方其割肉俎上之時,其意固已遠矣 — als er das Fleisch auf dem Brett schnitt, war sein Geist schon weit gegangen. Dieser Satz steht in 太史公曰, dem Kommentar des Historikers, und ist kein Tatsachenbericht; das Urteil beginnt mit 陳丞相平少時,本好黃帝、老子之術 und endet damit, ihn einen würdigen Kanzler zu nennen, der gut begann und gut endete. Der danach angehängte 索隱述贊 fügt 宰肉先均 hinzu, er teilte das Fleisch zuerst und gleichmäßig — ein Zusatz einer späteren Hand, nicht Sima Qians Text, und hier nur als Beleg nützlich, dass spätere Leser dasselbe sahen.

Ban Gu braucht in seiner Würdigung sechs Zeichen: 陳平之志,見於社下 — Chen Pings Streben war unter dem Altar sichtbar. 志 ist das Streben; 社下 ist der Boden unter dem Altar. Der eine Historiker sagt, der Geist sei weit gegangen, der andere, das Streben sei am Altar gesehen worden; einer setzt das Fleisch ans Ende eines Lebens, der andere an den Anfang einer Laufbahn. Beide hängen ihr Urteil an dasselbe kleine Stück Fleisch. Keines der beiden Urteile ist ein Beleg über den Altar; beide sind Belege über die Historiker. Das ist die Grundlage dieses Artikels, und die Grundlage gehört den beiden Büchern, nicht dem Autor.

Ein Erbhaus und ein Abschnitt von vier

Die Rahmen unterscheiden sich zuerst. Im Shiji hat Chen Ping ein 世家, ein Erbhaus: Kapitel 56, das Haus des Kanzlers Chen, ein eigenes Kapitel, mit Wang Ling daran angeschlossen. Im Hanshu ist er ein Abschnitt einer Sammelbiografie von vier Männern: Kapitel 40, die gemeinsame Darstellung von Zhang, Chen, Wang und Zhou, wo Zhang Liang, Chen Ping, Wang Ling und Zhou Bo einen Juan teilen und Chen Ping einen Abschnitt davon bekommt. Ein 世家 ist dort, wo das Shiji Erbhäuser und Staaten hinstellt; eine 传 ist ein Leben oder eine Gruppe von Leben. Derselbe Altar und derselbe Satz in zwei verschiedenen Rahmen — und im zweiten ist der Rahmen sichtbar geteilt.

Noch aufschlussreicher ist, wohin der Satz über den Gelben Kaiser und Laozi gestellt wird. Das Shiji behält ihn für das Urteil: 陳丞相平少時,本好黃帝、老子之術. Das Hanshu setzt ihn in die Erzählung: 少時家貧,好讀書,治黃帝、老子之術. Eine Tatsache, zwei Schichten — Kommentar im einen Buch, Aussage im anderen. Das ist das sauberste Beispiel für den Unterschied der beiden Geschichtswerke und der Grund, warum dieser Artikel „wie die Historiker es lasen“ von „wie Chen Ping lebte“ trennt.

Drei Varianten, ein Widerspruch

Dieselbe Szene unterscheidet sich an drei Stellen; hier nebeneinandergestellt und nicht entschieden. 分肉食甚均 im Shiji gegen 分肉甚均 im Hanshu: das zusätzliche 食, Fleisch als Nahrung statt als Opfergabe. 父老曰 gegen 里父老曰: die Alten oder die Alten des Viertels — eine kleine Verschiebung von den anwesenden Männern zu dem Amt, das sie tragen. 亦如是肉矣 gegen 亦如此肉矣: wie dieses Fleisch oder wie jenes — nah oder fern, eine Geste zum Brett vor ihm oder zu dem Geschäft, das er gerade verrichtet hat. Keine der drei ändert den Sinn, und alle drei sind da: zwei Abschriften statt eines Originals.

Dann ein Widerspruch, der nicht geglättet werden darf. Früher sagt das Shiji, seine Schwägerin habe ihn verachtet — 其嫂嫉平之不視家生產,曰:亦食糠覈耳。有叔如此,不如無有 — und dass 伯聞之,逐其婦而棄之: sein älterer Bruder hörte es und jagte seine Frau fort. Später im selben Kapitel sagt die Verleumdung des Zhou Bo und Guan Ying: 臣聞平居家時,盜其嫂: wir hören, Ping habe, als er zu Hause lebte, die Frau seines Bruders genommen. Die Frau war schon fortgejagt; die Verleumdung lässt ihn sie dennoch nehmen. Das Kapitel versöhnt das nicht, und dieser Artikel auch nicht: beide Stellen stehen, wie sie geschrieben sind, ohne ihn zu verurteilen oder zu erklären. Wei Wuzhis Antwort an den König trennt 能 von 行 — 臣所言者,能也;陛下所問者,行也 — eine wirkliche Unterscheidung, aber sie beantwortet eine Frage der Anstellung, nicht diesen Widerspruch.

Die andere Hälfte des Wortes und die Grenzen

Die zweite Hälfte von 宰天下 wird in einem einzigen Wortwechsel gegeben. Kaiser Wen fragte den rechten Kanzler Zhou Bo, wie viele Fälle im Jahr entschieden würden (天下一歳決獄幾何) und wie viel Korn und Geld hereinkämen (天下一歳錢穀出入幾何); Zhou Bo sagte zweimal, er wisse es nicht, und 汗出沾背, der Schweiß lief ihm den Rücken hinab. Auf dieselbe Frage sagte Chen Ping 有主者 — es gibt die, deren Sache das ist: für die Fälle 責廷尉, den Justizkommandanten belangen; für Korn und Geld 責治粟內史, den Kornbeamten. Der Kaiser drängte: 苟各有主者,而君所主者何事也 — wenn jeder seine Sache hat, was ist die eure? Dann die Definition: 宰相者,上佐天子理陰陽,順四時,下育萬物之宜,外鎮撫四夷諸侯,內親附百姓,使卿大夫各得任其職焉 — der Kanzler assistiert dem Sohn des Himmels, Yin und Yang zu ordnen und den vier Jahreszeiten zu folgen, lässt unten die zehntausend Dinge ihrer Art nach wachsen, beruhigt draußen die vier Richtungen und die Fürsten, zieht innen die hundert Sippen heran und sieht zu, dass jeder Beamte und Grande sein Amt behält. Fünf Glieder, und damit ist das Wort 宰 endlich beantwortet — nicht das Fleisch, sondern das Amt, nach dem das Fleisch benannt war.

Er endet mit einem Urteil über sich selbst: 我多陰謀,是道家之所禁。吾世即廢,亦已矣,終不能復起,以吾多陰禍也 — ich habe zu viele geheime Pläne gebraucht, was die Daoisten verbieten; fällt mein Geschlecht, so fällt es; es wird nie wieder aufstehen, weil ich zu viel verborgenes Unheil angehäuft habe. 陰謀 ist das Intrigieren, 陰禍 das Unheil, das es hinterlässt, und der Satz schließt die Linie, die am Altar begann: der Junge, der eine Teilung führen konnte, endet damit, zu zählen, was ihn seine Klugheit gekostet hat. Die sechs Pläne bekommen nur eine Zahl: 凡六出奇計……奇計或頗祕,世莫能聞也 — sechs geheime Pläne, und sie blieben geheim genug, dass die Welt nichts davon hören konnte. Grenzen: keine Biografie Chen Pings; kein Bericht, wie ein Viertelaltar organisiert war, was er kostete, wie das Fleisch verteilt wurde, da keine Seite etwas gibt; keine Lesart von 分肉甚均 als Grund seiner Kanzlerschaft, was ein Hinweis der Historiker und keine Ursache ist; und kein Zitat des 索隱述贊 als Text Sima Qians. Diese Seite hat über die Erdaltäre des Ritualjahres, über den Altar einer gefallenen Dynastie und über den Vergleich der beiden Kaufmannskapitel geschrieben; dieses Stück ist ein Stück Fleisch und ein Wort.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《史記》卷五十六·陳丞相世家第二十六(西漢司馬遷撰;維基文庫本,白文無注,頁面標 textquality 75%,未與中華書局點校本複核) — A hereditary house, not a collective biography: Sima Qian gave Chen Ping a chapter of his own and attached Wang Ling to it. The scene is one sentence — 里中社,平爲宰,分肉食甚均。父老曰:善,陳孺子之爲宰!平曰:嗟乎,使平得宰天下,亦如是肉矣! — and the historian's verdict makes the pun explicit: 陳丞相平少時,本好黃帝、老子之術。方其割肉俎上之時,其意固已遠矣. Before it: 少時家貧,好讀書,有田三十畝,獨與兄伯居。伯常耕田,縱平使遊學; 其嫂嫉平之不視家生產,曰:亦食糠覈耳。有叔如此,不如無有。伯聞之,逐其婦而棄之; 戸牖富人有張負,張負女孫五嫁而夫輒死……負隨平至其家,家乃負郭窮巷,以弊席爲門,然門外多有長者車轍. After it: the chancellorship (有主者; 責廷尉; 責治粟內史; 宰相者,上佐天子理陰陽…使卿大夫各得任其職焉), the slander (平居家時,盜其嫂; 如冠玉耳), 魏無知's 能/行 distinction, 凡六出奇計…奇計或頗祕,世莫能聞也, and his own last word: 我多陰謀,是道家之所禁……以吾多陰禍也. The 索隱述贊 at the end (宰肉先均…) is later addition, not Sima Qian.
  2. 《漢書》卷四十·張陳王周傳第十(東漢班固撰;維基文庫本,白文無注,頁頭未標 textquality,未與中華書局點校本複核) — The same scene inside a four-man collective biography (張良、陳平、王陵、周勃), Chen Ping as one section. Three variants: 分肉甚均 for 史記's 分肉食甚均; 里父老 for 父老; 亦如此肉 for 亦如是肉. Ban Gu's verdict: 陳平之志,見於社下. One structural difference is usable: Ban Gu puts 治黃帝、老子之術 into the narrative opening (少時家貧,好讀書,治黃帝、老子之術), where Sima Qian keeps it for 太史公曰. The section also contains 其嫂疾平之不親家生産…逐其婦棄之 and, later, the slander 聞平居家時盜其嫂; and 奇計或頗祕,世莫得聞也.