In jenem Winter war die Versorgungslinie ein Fluß. Im dreizehnten Jahr des Herzogs Xi von Lu (魯僖公), 647 v. Chr., ging dem Staat Jin (晉) das Getreide aus, und er schickte zu Qin (秦), um einen Getreidekauf (糴) zu erbitten. Qin sagte zu, und das Getreide ging von Yong nach Jiang, „eines dem anderen folgend“ (自雍及絳相繼). Der Zuo zhuan (《左傳》) gibt dem Vorgang einen Namen: den Bootsfährdienst, fan zhou zhi yi (汎舟之役). Dieser eine Satz ist die ganze Aufzeichnung darüber.

Ein Ereignis, ein paar Sätze

Der Abschnitt ist eine Beratung, bevor er eine Lieferung ist. Jin „litt wieder Hunger“ (晉薦饑) — 饑 ist das Wort für die Hungersnot — und „schickte, um in Qin einen Getreidekauf zu erbitten“ (使乞糴于秦). Der Herrscher von Qin fragt zuerst seinen Minister Zisang (子桑), ob man geben solle. Zisang wägt die Gegenleistung: „Gibst du reichlich, und sie vergelten es, was willst du dann noch? Gibst du reichlich, und sie vergelten es nicht, so wird ihr Volk sich abwenden; wendet es sich ab und du straft sie, so werden sie ohne Gefolgschaft gewiß geschlagen“ (重施而報,君將何求?重施而不報,其民必攜,攜而討焉,無眾必敗). Er fragt Baili (百里), der anders spricht: „Naturkatastrophen kommen und gehen; jedes Land kommt an die Reihe. Not lindern und den Nachbarn bemitleiden, das ist der Weg; wer den Weg geht, hat Segen“ (天災流行,國家代有。救災恤鄰,道也。行道有福). Pizhengs (丕鄭) Sohn Bao ist in Qin und bittet, statt dessen Jin anzugreifen. Der Herrscher antwortet ihm mit einem Satz: „Ihr Herrscher ist hassenswert; welches Verbrechen haben ihre Leute?“ (其君是惡,其民何罪). Dann bewegt sich das Getreide.

Die Aufzeichnung endet dort. Keine Zahl von Booten, kein Maß Getreide, keine Tage auf dem Wasser, keine Route: Der Name sagt Boote und sagt nichts weiter. Auch eine Strecke ist nicht angegeben — nur die zwei Endpunkte, Yong und Jiang. Ein weiteres Detail zählt: Das Chunqiu (《春秋》) jenes Jahres verzeichnet einen Einfall aus dem Norden, ein Begräbnis, eine Zusammenkunft, ein Dürreopfer und einen Gesandten; Getreide erwähnt es nicht. Die Geschichte steht allein im Kommentar (傳).

Die Kehrseite, auf derselben Seite

Ein Jahr später verzeichnet dasselbe Kapitel das Spiegelbild: „Im Winter war Qin knapp an Getreide und schickte, um in Jin einen Getreidekauf zu erbitten. Die Männer von Jin verweigerten es“ (冬,秦饑,使乞糴於晉。晉人弗與). Qing Zheng (慶鄭) argumentiert gegen die Verweigerung, indem er vier Fehler nennt: „Sich von einer Wohltat abzuwenden zerstört die Verwandtschaft; sich am Unglück eines anderen zu freuen ist unmenschlich; zu geizen mit dem, was man liebt, ist unheilvoll; einen Nachbarn zu erzürnen ist unrecht“ (背施無親,幸災不仁,貪愛不祥,怒鄰不義). Guo She (虢射) antwortet mit einem Bild: „Wenn die Haut nicht mehr ist, wo soll das Haar haften?“ (皮之不存,毛將安傅) — Jin hatte die Länder, die es Qin versprochen hatte, schon nicht gegeben, also ist keine Wohltat mehr zu vergelten. Qing Zheng wird nicht gehört. Er tritt zurück und sagt, der Herrscher werde es bereuen.

Der Kommentar zieht die Linie dann selbst: „Jin litt Hunger, und Qin schiffte ihm Getreide; Qin litt Hunger, und Jin schloß seinen Getreidekauf; darum griff der Herrscher von Qin Jin an“ (晉饑,秦輸之粟;秦饑,晉閉之糴,故秦伯伐晉). Im fünfzehnten Jahr treffen die Heere bei Hanyuan aufeinander, und der Herrscher von Jin wird gefangengenommen. Und im selben Eintrag steht der seltsamste Satz von allen: Jin hat wieder Getreidemangel, und der Herrscher von Qin schickt noch einmal Getreide — „Ich grolle ihrem Herrscher, aber ich bemitleide ihr Volk“ (吾怨其君而矜其民). Drei Entscheidungen in drei Jahren: eine Lieferung, eine Verweigerung, noch eine Lieferung.

Menzius (孟子): eine Prahlerei

Bei Menzius beginnt König Hui von Liang (梁惠王) mit einer Prahlerei: „In meinem Umgang mit meinem Staat habe ich alles getan, was in meinem Herzen lag. Wenn Henei ein schlechtes Jahr hat, bringe ich seine Leute nach Hedong und schaffe Getreide nach Henei; hat Hedong eines, mache ich es ebenso“ (河內凶,則移其民於河東,移其粟於河內). Die beiden Bewegungen laufen in entgegengesetzte Richtungen: Menschen aus dem hungernden Bezirk heraus, Getreide hinein. Dann beklagt er sich, daß die Bevölkerung der Nachbarn nicht schrumpfe und seine nicht wachse, obwohl kein Nachbar so aufmerksam sei wie er.

Menzius bestreitet nicht, daß er sie verschiebt. Er antwortet mit dem Schlachtfeldbild — fünfzig Schritte, die über hundert lachen (五十步笑百步) — und setzt dann einen anderen Maßstab: die Ackerzeiten nicht nehmen, keine feinen Netze in den Teichen, Holz von den Hügeln zur rechten Zeit, bis „die Leute die Lebenden nähren und die Toten begraben können ohne Reue; das ist der Anfang des königlichen Weges“ (養生喪死無憾,王道之始也). Am Ende derselben Rede nennt er die Versäumnisse in zwei Verben: „Hunde und Schweine fressen das Essen der Menschen, und niemand prüft es; auf den Straßen liegen die Körper der Verhungerten, und niemand öffnet die Speicher“ (狗彘食人食而不知檢,塗有餓莩而不知發). Und die Ausrede, die er dem Herrscher in den Mund legt: „Ich war es nicht, das Jahr war es“ (非我也,歲也).

Ein anderer Herrscher, eine andere Rede

Eine zweite Stelle bringt den härteren Fall. Zou liegt im Streit mit Lu, und Herzog Mu von Zou (鄒穆公) beklagt, dreiunddreißig seiner Beamten seien gefallen, während keiner seiner Leute für sie starb. Menzius antwortet mit einer Hungersnot: „In einem schlechten Jahr, einem Hungerjahr, stürzten von deinen Leuten die Alten und Schwachen in die Gräben, und die Starken zerstreuten sich in die vier Himmelsrichtungen, einige tausend; doch deine Speicher (倉廩) waren voll und deine Schatzkammern (府庫) gefüllt, und keiner deiner Beamten meldete es. Das ist Nachlässigkeit oben und Grausamkeit unten“ (凶年饑歲,君之民老弱轉乎溝壑,壯者散而之四方者,幾千人矣;而君之倉廩實,府庫充,有司莫以告,是上慢而殘下也).

Beide Stellen sind Reden, keine Aufzeichnungen. In der ersten ist das Verschieben von Menschen und Getreide die Behauptung des Königs selbst, die Menzius auf die Ausrede eines Soldaten zusammendrückt; in der zweiten ist eine schon vergangene Hungersnot Beweismittel in einem Fall darüber, warum Gemeine nicht für ihre Beamten sterben. Die „einige tausend“ sind eine Zahl, die einem Herrscher ins Gesicht gesagt wird, keine Zählung.

Zwischen den beiden Seiten

Die zwei Seiten liegen Jahrhunderte auseinander. Die Lieferung gehört in ein Jahr, das der Zuo zhuan auf 647 v. Chr. datiert; Menzius spricht Jahrhunderte später zu Herrschern, und sein Buch wurde noch später zusammengestellt. Nichts verbindet sie — kein Amt, keine Verordnung, keine Linie von Präzedenzfällen, die vom Bootsfährdienst zum Verschieben von Menschen und Getreide führt. Liest man beide zusammen als eine Geschichte der Nothilfe, so ist das Mittelstück vom Leser geliefert. Was diese Seiten geben, ist eine Lieferung, eine Weigerung und zwei Reden, in denen eine Hungersnot ein vorgetragener Fall ist.

Und nirgends steht eine Menge: kein Getreidemaß, keine Boote, keine Tage, kein Preis, kein Maßstab dafür, wer was erhält. Menzius zitiert keine Einrichtung und keine Regel; seine zwei Verben sind „prüfen“ und „öffnen“, und sein Vorwurf ist, daß keines von beiden geschah. Der einzige Satz im Zuo zhuan, der wie ein Grundsatz klingt, ist die Maxime eines Ministers — Not lindern, den Nachbarn bemitleiden, den Weg gehen — und sie ist Rat, nicht Satzung.

Ein Hungerjahr bewegt zwei Dinge, Getreide und Menschen, und die zwei Seiten nehmen je eines: Der Kommentar folgt dem Getreide von Yong nach Jiang, Menzius folgt den Menschen von Henei nach Hedong. Das eine bewegt sich per Boot, das andere per Rede. Wer entscheidet, wie viel bewegt wird und wann ein Speicher geöffnet werden sollte, steht auf keiner der beiden Seiten — nur ein paar Männer, die Sätze zu einem Herrscher sagen.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《春秋左氏传·僖公十三年》(含十四、十五年;维基文库本,未与点校本复核) — The one event and its reversal: in the thirteenth year Jin is short of grain and begs a purchase from Qin; the ministers Zisang and Baili argue whether to give, Bao asks to attack instead, and the Qin ruler answers 'their ruler is hateful, what crime have their people'; the grain then goes 'from Yong to Jiang following one another' and the operation is named the boat-ferrying service (汎舟之役). The Classic for that year records no grain transfer; only the Commentary tells it. The fourteenth year has Qin short of grain and Jin refusing (晉人弗與), with Qing Zheng's four failings and Guo She's hide-and-hair image; the fifteenth year states the sequence and its outcome (晉饑,秦輸之粟;秦饑,晉閉之糴,故秦伯伐晉), the battle at Hanyuan, and Qin feeding Jin grain once more, 'resenting their ruler but pitying their people'.
  2. 《孟子·梁惠王上》(维基文库本,未与点校本复核) — King Hui of Liang's boast that he moves people to Hedong and grain to Henei in a bad year, and that no neighbour is as attentive; Mencius's answer — fifty paces laughing at a hundred, then the kingly way's beginning in not taking the farming seasons (養生喪死無憾,王道之始也), and at the end the two failures 'no one checks' and 'no one opens' (狗彘食人食而不知檢,塗有餓莩而不知發) together with the excuse 'it was not me, it was the year'.
  3. 《孟子·梁惠王下》(维基文库本,未与点校本复核) — The Zou-Lu quarrel: Duke Mu of Zou complains that thirty-three officers died and no commoner died for them; Mencius answers with the famine year — old and weak tumbling into ditches, the strong scattering, several thousand of them — while the granaries were full and the treasuries stocked, and 'none of the officers reported it; this is negligence above and cruelty below' (有司莫以告,是上慢而殘下也). Also Zengzi's 'what comes out of you returns to you'.