Der erste Weg des ganzen Buches beginnt an der Huaitong (会同馆), der Herberge in Beijing, und ist als eine Reihe von Namen geschrieben: Gujie, Zhuozhou Zhuolu, Fenshui, Guiyi, Zhengcheng, Yinghai in der Präfektur Hejian, Lecheng, Fucheng, Dongguang in Jingzhou, Ande in Dezhou — und so weiter nach Süden, über Xuzhou (徐州), Fengyang (凤阳) und Chuzhou (滁州) bis zur Longjiang (龙江驿) und hinein in die Südliche Hauptstadt Yingtian (应天府). Keine Landschaft, keine Anekdoten, nur eine Kette von Stationsnamen: Wer diesen Weg nie gegangen ist, kann sich an den Namen entlang Station für Station hinunterzählen.
Das Buch ist das Yitong Lucheng Tuji (一统路程图记) von Huang Bian (黄汴), gedruckt 1570, im vierten Jahr Longqing. Der Verfasser stammte aus Xiuning (休宁) in Huizhou (徽州), aus Yueshan (约山), und schreibt über sich: «余家徽郡,万山之中,不通行旅……土狭人稠,业多为商» — mein Haus liegt in Huizhou, mitten in zehntausend Bergen, keine Reisewege führen hindurch; das Land ist eng, die Menschen zahlreich, die meisten Haushalte leben vom Handel. Als junger Mann zog er mit Vater und Brüdern von Hongdu nach Changsha, fuhr den großen Strom hinab, den Huai und den Kanal hinauf, nordwärts zur Hauptstadt Yan; unterwegs «苦于询问» — er litt daran, fragen zu müssen, und fürchtete, andere würden an denselben Weggabelungen festsitzen. Später lebte er in der Wu-Region und handelte mit Kaufleuten aus den beiden Hauptstädten, den dreizehn Provinzen und den Grenzländern, sammelte mehrere Wegeverzeichnisse, verglich sie, besserte sie, und nach siebenundzwanzig Jahren waren es acht Juan: die beiden Hauptstädte zu den dreizehn Provinzen, die Provinzen zu ihren Präfekturen, die Grenzwege, die Wasser- und Landwege nördlich und südlich des Stroms. Was es gibt, ist der Weg, die Entfernung und die Gefahrenstelle; was es nicht gibt, ist ein Preis.
1. Wie man einen Weg liest
Die Linie Beijing–Nanjing liest man, indem man den Namen folgt: hinaus aus der Huaitong, über Zhuozhou, Hejian und Dezhou nach Süden, bei Xuzhou über den Gelben Fluss, dann über Suzhou (宿州), Fengyang und Chuzhou, zuletzt von Longjiang mit dem Boot hinein in die Südliche Hauptstadt. Das Buch markiert die Stellen, an denen das Verkehrsmittel wechselt: von Nanji bis zum Kreis Changshan ist alles Wasserweg, und vom Kreis Changshan bis zur Station Shuikou «水马并应» — Wasser und Pferd stehen beide bereit. Hinter Nanjing läuft dieselbe Linie weiter nach Zhejiang und Fujian: Longtan, Zhenjiang, Changzhou, Suzhou (苏州), Jiaxing, Hangzhou, dann stromaufwärts über Yanzhou, Quzhou und Guangxin, über den Pass Xianxia (仙霞岭) nach Fujian, bis zur Sanshan-Station in Fuzhou (福州).
Es sagt auch ausdrücklich, dass dies nur einer der Wege ist: «两京至江西,其路有四,此其一也» — von den beiden Hauptstädten nach Jiangxi führen vier Wege, dies ist einer davon. Wo mehrere Wege zu einem Ziel führen, stellt das Buch sie nebeneinander; welchen man nimmt, hängt von der Ware ab, von der Jahreszeit und davon, ob die Straße ruhig ist. Der Wert eines Kaufmannshandbuchs liegt nicht darin, dass es einen Weg gibt, sondern dass es mehrere gibt und dass jeder verzeichnet ist.
2. Wie die Entfernungen notiert sind
Die Li-Zahlen sind das Rückgrat des Buches, und sie stehen ohne jede Unschärfe. Vom Tong Pass (潼关) über die Lianyun (连云栈) in Shaanxi sind es 4.320 li nach Chengdu (成都); von Jingmen (荆门州) und Huangzhou (黄州府) 4.580 li nach Chengdu. Von Fengxian (凤县) nach Baocheng (褒城) 420 li, von Baocheng zur Chaotian (朝天驿) in Shu 440 li, vom Dajian (大剑关) nach Jianzhou (剑州) 80 li. Im Norden gilt für die Poststraße von Shanhaiguan (山海关) über die Station Qian'an nach Shunyi (顺义): «凡十六驲,每程六十里» — im ganzen sechzehn Poststationen, jede Etappe sechzig li; und für die Grenzstraße des ganzen Buches: «东起开原卫,西止嘉峪关,七千余里» — im Osten beginnt sie beim Kaiyuan (开原卫), im Westen endet sie am Jiayuguan (嘉峪关), über siebentausend li. Dazu Beijing zur alten Kaiping (开平卫) 750 li, zur alten Daning (大宁三卫) 800 li. Eines ist festzuhalten: die sechzig li sind die Regel dieses einen Stücks Poststraße, kein reichsweiter Standard; und das li bleibt stehen, wie es steht, ohne Umrechnung in Kilometer.
3. Wovor man sich unterwegs hütet
Die Vorrede sagt, das Buch solle einen beim Aufschlagen wissen lassen «道路之远近,山川之险夷» — wie weit die Wege sind, wie gefährlich oder gangbar Berge und Flüsse — und ob Sturm und Räuber drohen. Die Warnungen sind konkret: von Beijing bis Xuzhou «向马贼时出,必须防御» — berittene Räuber kommen immer wieder heraus, man muss sich wehren; auf der Liaodong-Straße «辽阳至山海,常有零虏贼登台可防» — von Liaoyang bis Shanhaiguan gibt es oft versprengte Räuber, die Wachtürme sind zur Abwehr da. Von Shanhaiguan sagt der Verfasser eigens, der Pass sei «极严谨» — äußerst streng gehalten; angelegt habe ihn der Herzog von Wei, Xu Da (徐达), heute sei dort ein Sekretär des Kriegsministeriums stationiert.
Die Shaanxi-Plankenstraße ist der Gegenfall: von Fengxian 420 li bis Baocheng, «乔木夹道,有虎豹无盗» — hohe Bäume säumen den Weg, es gibt Tiger und Leoparden, aber keine Räuber; der Weg läuft an großen Berglehnen hin, und wo er abbricht, wird «以木续之成道如桥,即栈道也» — mit Holz zu einem Weg ergänzt, wie eine Brücke, das ist die Plankenstraße. Auch das Nachtlager ist keines mit Schild: «一路有店舍嵒穴亦可宿,亦有带釜而炊者» — unterwegs gibt es Schuppen und Felshöhlen, in denen man schlafen kann, und manche tragen einen Kessel mit und kochen; sie lassen das Feuer für den, der nachkommt. Tiger und Räuber sind in diesem Buch zwei verschiedene Risiken, getrennt abzuwehren.
4. Grenzwege sind keine Handelswege
Juan vier ist ein anderer Text. Es verzeichnet die Grenzwege: die Liaodong-Straße beginnt im Osten bei Kaiyuan, führt über Liaoyang und Guangning nach Shanhaiguan; die Straße von Jizhou «各寨关口路倚山补筑边墙,参差不齐,难以里计» — die Wege an den Forts und Pässen lehnen sich an die Berge, die Grenzmauer ist geflickt, ungleichmäßig, in li kaum zu messen; doch die Poststraße wird weiter verzeichnet als «自山海关迁安驲至顺义县,凡十六驲,每程六十里». Weiter westlich folgen die drei inneren Pässe, die drei äußeren, Xuanhua und Datong, bis Shaanxi und Jiayuguan. Die Seite ist voll von Pässen, Forts, Palisaden, Wachtürmen und Mauern; an Nachrichten für den Kaufmann ist sie arm. Am Ende des Juan sagt der Text selbst, wozu: «边道之录,东起开元卫,西止嘉峪关,七千余里。国家夷夏之防,信为重地» — die Aufzeichnung der Grenzstraße beginnt im Osten bei Kaiyuan, endet im Westen am Jiayuguan, über siebentausend li; die Scheidung zwischen dem Reich und den äußeren Völkern ist wahrlich ein gewichtiger Ort. Das ist eine militärische Aufzeichnung der Grenzmauer und nicht als gewöhnlicher Handelsweg zu lesen.
5. Was in diesem Buch nicht steht
Was fehlt, ist ebenso wichtig: Es gibt keinen Preis für gemieteten Wagen, gemietetes Boot, gemietete Träger, kein Nachtlager-Geld und keinen Wegpass (路引) — das Buch behandelt das Passwesen überhaupt nicht, und dieser Text wird es nicht mit Paragraphen aus dem Ming Huidian (《明会典》) ergänzen. Es ist keine Gesamtkarte des Verkehrs der Ming-Zeit, sondern ein Wegebuch der Hauptstrecken, die Kaufleute gingen; die Routen sind nicht vollständig. Und aus dem Postwesen der Qing-Zeit lässt sich die Ming-Zeit nicht zurückschließen. Auch auf die Schriftzeichen ist zu achten: «驲» und «驿» werden im Buch gemischt, «蜜云» steht für 密云, «开元卫» wird auch «开原卫» geschrieben. Eine Stelle noch: Die Metadaten bei Shidian führen das Buch als «佚名», ohne Verfassernamen; doch am Ende der Vorrede steht «隆庆四年庚午岁仲夏,新安黄汴序», und Juan eins zeichnet «新安休宁约山黄汴纂». Für das Zitieren gilt die Vorrede; die Metadaten sind nur Metadaten.
Der Anspruch des Buches ist klein und groß zugleich: schlägt man es auf, «九州地域,在指掌间矣» — die neun Regionen liegen in der Handfläche. Geschrieben hat es einer, der unterwegs die Not des Fragens gekannt hatte, für die Leute, die morgen aufbrechen.
Quellen und weitere Lektüre
- 黄汴《一统路程图记》卷首·序及目录(明隆庆四年,识典古籍) — The preface by Huang Bian of Xin'an, fourth year of Longqing (1570): Xiuning in Huizhou, narrow land and many people, most households trading; twenty-seven years of collecting and collating route books; eight juan, from the two capitals to the thirteen provinces, the frontier roads, and the waterways north and south.
- 黄汴《一统路程图记》卷一·北京至十三省水陆(识典古籍) — The Beijing–Nanjing route station by station from the Huaitong hostel to Longjiang station; where water replaces horse; 4,320 li from the Tong Pass plank road to Chengdu and 4,580 from Jingmen; Feng county to Baocheng 420 li, Baocheng to Chaotian 440, the Great Sword Pass to Jianzhou 80; the plank road's trees, tigers and rock-cave shelters.
- 黄汴《一统路程图记》卷四·各边路(识典古籍) — The frontier roads: Kaiyuan guard to Shanhaiguan; the Ji prefecture line with its sixteen post stages of sixty li each; the frontier road as a whole over seven thousand li from Kaiyuan to Jiayu Pass; Beijing to the old Kaiping guard 750 li.




