Im zehnten Monat des achten Jahres des Herzogs Ding von Lu plante der Verwalter der Familie Ji, seinen eigenen Herrn bei einem Gastmahl zu töten. Der Verwalter hieß Yang Hu (陽虎); die Ji waren eines der drei großen Häuser, und die Regierung von Lu lag seit langem in ihrer Hand. Die Zuo-Überlieferung gibt diesen Tag außerordentlich genau — Namen, Sechziger-Tage, die Reihenfolge der Wagen, Worte in einem fahrenden Wagen —, während die Lebensbeschreibung der Herzöge von Lu im Shiji dieselben Ereignisse in fünf oder sechs Sätzen abtut. Dieser Beitrag nutzt beide Seiten: die Überlieferung für den Tag, das Shiji für das Gerüst; wo sie abweichen, stehen beide Fassungen nebeneinander, ohne verschmolzen zu werden. Das Wort 家臣 (jiachen), die privaten Amtsträger eines großen Hauses, wird auf keiner der beiden Seiten definiert. Dass ein Verwalter der Ji in Lu „regieren“ konnte, ist etwas, was die Seiten zeigen; sie erklären es nicht als System.
Die Regierung in der Familie Ji
Bei der Thronbesteigung des Herzogs Ding fragte Zhao Jianzi den Historiker Shi Mo, ob die Ji untergehen würden. Die Antwort: „Nein. Ji You leistete Lu großen Dienst, erhielt Bi als hohen Minister, und bis zu Wenzi und Wuzi mehrte das Haus sein Gut von Generation zu Generation. Beim Tod des Herzogs Wen von Lu tötete Dongmen Sui den rechtmäßigen Erben und setzte einen Nebenfrauensohn ein; da verlor der Herzog von Lu die Regierung. Die Regierung liegt bei den Ji, nun vier Herrschaften lang. Ein Volk, das seinen Herrn nicht kennt — wie sollte der Herr den Staat halten!“ Der letzte Satz: „Darum ist ein Fürst vorsichtig mit Zeichen und Namen und verleiht sie nicht.“ Die Frage kommt von einem Fremden, die Antwort ist ein Urteil über Lu. Das Buch stellt diesen Abschnitt an den Anfang der Herrschaft des Herzogs Ding.
Das Shiji gibt zu Yang Hu nur vier Einträge. Fünftes Jahr des Herzogs Ding: „Ji Pingzi starb. Yang Hu, in privatem Zorn, sperrte Ji Huanzi ein, schloss einen Bund mit ihm und ließ ihn dann frei“ (季平子卒。陽虎私怒,囚季桓子,與盟,乃舍之). Der Inhalt des Bundes wird nicht berichtet; dieser Beitrag nutzt den Satz nur als Hintergrund. Siebtes Jahr: „Qi griff uns an, nahm Yun und machte es zu Yang Hus Stadt, von wo er an der Regierung teilnahm“ (齊伐我,取鄆,以為魯陽虎邑以從政); die Überlieferung desselben Jahres sagt: „Yang Hu wohnte dort und regierte“ (陽虎居之以為政). Ein Verwalter mit einer Stadt und einem Anteil an der Regierung: das ist der Ausgangspunkt des achten Jahres.
Fünf Männer, drei Sitze
Die Überlieferung zählt zuerst die Gesellschaft nach ihren Zurücksetzungen auf: „Ji Wu, Gongchu Ji und Gongshan Buniu hatten im Hause Ji nichts erreicht; Shusun Zhe hatte keine Gunst bei den Shusun; Shuzhong Zhi hatte in Lu nichts erreicht; darum schlossen sich diese fünf Männer Yang Hu an“ (季寤、公鉏極、公山不狃皆不得志於季氏,叔孫輒無寵於叔孫氏,叔仲志不得志於魯,故五人因陽虎). Dann der Plan: „Yang Hu wollte die drei Häuser beseitigen: Ji Wu an die Stelle der Ji, Shusun Zhe an die der Shusun, sich selbst an die der Meng“ (陽虎欲去三桓,以季寤更季氏,以叔孫輒更叔孫氏,己更孟氏). Die Häuser werden nicht abgeschafft, ihre Häupter werden getauscht. Dass „sich selbst an die Stelle der Meng“ heißt, er nimmt das Haus Meng für sich, ist die übliche Lesart; die Seite gibt den Satz ohne Erklärung.
Das Shiji fasst denselben Plan anders zusammen: „Yang Hu wollte alle rechtmäßigen Erben der drei Häuser töten und an ihre Stelle Nebenfrauensöhne setzen, die er mochte“ (陽虎欲盡殺三桓適,而更立其所善庶子以代之). Die zwei Berichte stehen nebeneinander: der eine nennt die Ersatzleute, der andere sagt nur „Söhne, die er mochte“. Keiner berichtigt den anderen, und entschieden wird nicht.
Xinmao, Renchen, Guisi
Die Überlieferung datiert die Sache mit drei Sechziger-Tagen, so abgedruckt: „Im zehnten Monat opferte er den früheren Herzögen der Reihe nach und betete; am Xinmao-Tag das Di-Opfer im Tempel des Herzogs Xi; am Renchen-Tag wollte er den Herrn Ji in Puqu bewirten und töten und befahl den Wagen der Hauptstadt, am Guisi-Tag zu kommen“ (冬十月,順祀先公而祈焉。辛卯,禘于僖公。壬辰,將享季氏于蒲圃而殺之,戒都車曰:癸巳至). Opfer, Tötung, Truppen: drei Schritte, drei Tage. Die Tage werden nicht umgerechnet, und dieser Beitrag gibt keine westlichen Daten.
Der Befehl verriet ihn. „Der Verwalter von Cheng, Gonglian Chufu, sagte zum Herrn Meng: Die Ji rufen die Wagen der Hauptstadt aus, warum? — Der Herr Meng: Ich habe nichts gehört. — Chufu: Dann ist es Aufruhr; er wird Euch erreichen; rüstet Euch“ (成宰公斂處父告孟孫曰……先備諸), und sie legten den Renchen-Tag fest (與孟孫以壬辰為期). Dass Renchen einen Tag vor Yang Hus Guisi liegt, ist eine Folgerung (據推測): der Text stellt nur die zwei Tage nebeneinander und sagt nie „einen Tag früher“.
Die Wagenordnung wird vor allem gegeben: „Yang Hu ritt voran, Lin Chu lenkte Huanzi, Förster umgaben ihn mit Hellebarden und Schilden, Yang Yue bildete den Schluss; sie zogen nach Puqu“ (陽虎前驅,林楚御桓子,虞人以鈹盾夾之,陽越殿,將如蒲圃). Auf der Seite der Meng: „Die Meng wählten dreihundert kräftige Männer aus den Stallknechten und ließen sie vor dem Tor ein Haus bauen“ (孟氏選圉人之壯者三百人,以為公期築室於門外). Dreihundert Männer, die vor dem Tor ein Haus bauen. 圉人 gilt gewöhnlich als Stallknechte (一般认为); die Seite gibt das Wort ohne Anmerkung.
Worte im Wagen
Unterwegs gibt es einen Wortwechsel, so abgedruckt. Huanzi sagte zu Lin Chu: „Deine Vorfahren waren alle tüchtige Leute der Ji; du hast sie beerbt“ (而先皆季氏之良也,爾以是繼之). Lin Chu: „Ich hörte den Befehl spät. Yang Hu regiert, und Lu gehorcht ihm; zu widerstehen heißt den Tod herbeirufen, und der Tod nützte meinem Herrn nichts“ (臣聞命後。陽虎為政,魯國服焉,違之徵死,死無益於主). Huanzi: „Spät, inwiefern? Kannst du mich zu den Meng bringen?“ (何後之有?而能以我適孟氏乎?) Lin Chu: „Ich spare mein Leben nicht; ich fürchte, meinen Herrn nicht zu retten“ (不敢愛死,懼不免主). Huanzi: „Fahr zu“ (往也). Der Herr erinnert zuerst an die alte Treue, der Kutscher nennt zuerst die Schwierigkeit, der Herr fragt, ob er ihn zu den Meng bringen kann, der Kutscher antwortet, er spare sein Leben nicht, fürchte aber, den Herrn nicht zu retten. In diesen paar Zeilen wendet sich der Tag.
Die Flucht hat drei Teilsätze: „Lin Chu wurde zornig; sobald die Pferde die große Straße erreichten, jagte er; Yang Yue schoss und traf nicht. Die Bauenden schlossen das Tor. Jemand schoss zwischen den Torflügeln auf Yang Yue und tötete ihn“ (林楚怒,馬及衢而騁,陽越射之不中。築者闔門。有自門間射陽越,殺之). Wagen, verfehlter Pfeil, Tor: hier endet der Plan.
Straßenkampf, Schätze und der Weg hinaus
Dann der Kampf: „Yang Hu packte den Herzog und Wushu und griff die Meng an; Gonglian Chufu führte die Männer von Cheng, kam durch das Osttor herein, kämpfte mit Yangs Leuten im Südtor ohne Sieg, kämpfte wieder bei Jixia, und Yangs Leute wurden geschlagen“ (陽虎劫公與武叔以伐孟氏……陽氏敗). Dann die Schätze: „Yangs Leute legten die Rüstung ab (說甲), gingen in den herzoglichen Palast, holten die Schätze und den großen Bogen heraus, lagerten am Wufu-Kreuzweg, legten sich nieder und aßen“ (陽氏說甲如公宮……寢而為食). Die „Chronik“ schreibt nur: „ein Dieb stahl die Schätze und den großen Bogen“ (盜竊寶玉大弓); die Erzählung nennt das Haus. Zuletzt die Prahlerei: seine Leute sagten, die Verfolgung komme, und „Yang Hu: Wenn die Leute von Lu hören, dass ich hinaus bin, freuen sie sich, dem Tod entgangen zu sein; wer hat Zeit, mir nachzujagen?“ (魯人聞余出,喜於徵死,何暇追余?) — „Ein Begleiter: He, peitsch, Gonglian Yang ist da“ (嘻,速駕,公斂陽在).
Die Überlieferung bringt ihn aus Lu hinaus: „Yang Hu ging nach Huan und Yangguan und erhob sich dort“ (陽虎入于讙、陽關以叛). Neuntes Jahr: „Yang Hu gab die Schätze und den großen Bogen zurück“ (陽虎歸寶玉大弓), und die Chronik bemerkt: „man sagt ‚er gewann sie wieder‘: es waren Dinge des Gebrauchs“ (書曰得,器用也). Als Lu Yangguan angriff, ließ er das Lai-Tor anzünden (使焚萊門), „das Heer erschrak, er brach durch und entkam und floh nach Qi“ (師驚,犯之而出,奔齊); dort bat er um ein Heer gegen Lu und sagte „dreimal ansetzen, und es ist genommen“ (三加必取之); der Herzog von Qi wollte zusagen, Bao Wenzi riet ab; der Herzog von Qi ließ ihn festnehmen (齊侯執陽虎), er entkam zweimal in einem verdeckten Wagen (載蔥靈), ging nach Song und dann nach Jin, zum Clan Zhao (奔宋,遂奔晉,適趙氏). Das Shiji beendet die Sache mit einem Satzglied: „Neuntes Jahr: Lu griff Yang Hu an; Yang Hu floh nach Qi, dann nach Jin zu den Zhao“ (九年,魯伐陽虎,陽虎奔齊,已而奔晉趙氏). Die Überlieferung schließt mit einem Wort des Konfuzius: „Die Zhao werden in ihren Geschlechtern Unruhe haben“ (趙氏其世有亂乎). Über Yang Hu in Jin haben die beiden Seiten nur „zu den Zhao“, und nichts wird ergänzt.
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Quellen und weitere Lektüre
- 《春秋左氏传·定公》(定公五年、七年、八年、九年传;维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — The Zuo Tradition for Duke Ding of Lu. Fifth year: Yang Hu imprisons Ji Huanzi. Seventh year: Yang Hu dwells at Yun and 'administers' from it. Eighth year, the core of this article: five men who had got nowhere attach themselves to Yang Hu, who plans to replace the heads of the three great houses — Ji Wu for the Ji, Shusun Zhe for the Shusun, himself for the Meng; after sacrifices on xinmao and renchen he means to feast and kill the Ji lord at Puqu, ordering the capital's chariots for the guisi day, but the steward of Cheng warns the Meng and they fix on renchen; the carriage order, the exchange between Huanzi and his driver Lin Chu, the Meng's three hundred grooms building outside the gate, the gallop, the missed shot, the shutting gate and the arrow from between its leaves; fighting inside the south gate and at Jixia; the taking of the treasures and the great bow; his boast and his follower's correction; his rebellion at Huan and Yangguan. Ninth year: the treasures returned, Yangguan attacked, his flight to Qi, the twice-used covered cart, and his passage to Song and then to the Zhao clan in Jin.
- 《史记》卷三十三·鲁周公世家(西汉司马迁撰;维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — Sima Qian's brief account, used for the frame. When Duke Ding came to the throne, Shi Mo tells Zhao Jianzi that the Ji will not perish: Ji You had done great service, the family's estate grew through generations, and since the killing of the rightful heir under Duke Wen the ruler of Lu had lost the government — 'the government is in the Ji, four rulers now; the people do not know their lord, how should he hold the state?', ending that a ruler is careful with emblems and names and does not lend them out. Then four entries: in Duke Ding's fifth year Yang Hu, in private anger, imprisons Ji Huanzi and makes a covenant before releasing him; in the seventh year Qi takes Yun and it is made Yang Hu's town, from which he takes part in government; in the eighth year he wishes to kill all the legitimate heirs of the three houses and replace them with sons he favours, and when Huanzi escapes by a ruse the three houses attack him and he holds Yangguan; in the ninth year Lu attacks him, and he flees to Qi and then to the Zhao clan in Jin.




