Im Shiji, in den „Annalen Gaozus“, steht eine kleine Szene. Als Vorsteher des ting (亭) von Sishui (泗水) ließ sich Liu Bang (刘邦) eine Kappe aus Bambushaut (竹皮冠) machen; er schickte seinen „Diebesfänger“ (求盗, qiudao) nach Xue, damit sie dort fertig werde, trug sie oft und trug sie auch als Kaiser noch, sodass man sie die Kappe der Familie Liu (刘氏冠) nannte. Ein tingzhang (亭长), eine Bambuskappe, ein Untergebener namens Diebesfänger: das ist das konkreteste Bild eines ting, das diese beiden Bücher bieten.
Die Regel
Beginnen wir mit der Regel. Der Hanshu (汉书), „Tabelle der Ämter“ (百官公卿表), beschreibt in seinem Abschnitt über die Kreisvorsteher die Stufen unterhalb des Kreises: „Ungefähr alle zehn li ein ting, und jedes ting hat einen Vorsteher. Zehn ting bilden eine Gemeinde (乡, xiang), und die Gemeinde hat die Drei Alten (三老, Sanlao), den besoldeten Vorsteher (有秩, Youzhi), den Kornbeamten (啬夫, Sefu) und den Streifenbeamten (游徼, Youjiao). Die Drei Alten wachen über die Unterweisung; der Vorsteher hört Streitigkeiten und zieht die Abgaben ein; der Streifenbeamte zieht umher und wehrt Diebe ab. Ein Kreis ist ungefähr hundert li im Quadrat; wo die Menschen dicht wohnen, wird er verkleinert, wo sie dünn wohnen, weit gelassen, und Gemeinden und ting ebenso. All das ist Qin-Ordnung.“
Zwei Dinge sind an dieser Stelle wichtig. Erstens steht „ungefähr“ zweimal da: zehn li auf ein ting ist ungefähr, und hundert li im Quadrat für den Kreis sind es auch, und der Text sagt ausdrücklich, dass die Einheit schrumpft, wo die Menschen dicht wohnen, und sich dehnt, wo sie dünn wohnen. „Alle zehn li ein ting“ ist also ein Umriss der Ordnung, keine vermessene Karte. Zweitens gehören die aufgezählten Pflichten — Unterweisung, Streit hören, Abgaben einziehen, Diebe abwehren — den Drei Alten, dem Vorsteher und dem Streifenbeamten der Gemeinde, nicht dem tingzhang. Die Pflichten des tingzhang stehen hier gar nicht. Dieselbe Tabelle nennt auch Summen für das ganze Reich: „Kreise, Marken, Lehen und Städte 1 587; Gemeinden 6 622; ting 29 635.“ Setzt man die letzten beiden Zahlen nebeneinander, ergibt sich nicht zehn zu eins: knapp dreißigtausend ting gegen 6 622 Gemeinden sind weniger als fünf ting je Gemeinde, nicht zehn. Also ist auch „zehn ting auf eine Gemeinde“ eine Faustregel und nicht die eigene Rechnung dieser Tabelle; das wiederholte „ungefähr“ war keine Höflichkeitsformel.
Der Mann
Jetzt der Mann. Das Shiji sagt von Liu Bang, er habe, erwachsen geworden, „sich im Amt versucht und ist Vorsteher des ting von Sishui geworden; es gab keinen Schreiber im Kreisamt, den er nicht verspottet hätte; er liebte Wein und Frauen und trank gewöhnlich bei den Häusern von Wang und Wu auf Kredit“. Später, als der Vorsteher von Pei (沛) einen geehrten Gast hatte, kamen die Angesehenen und Schreiber des Kreises alle zum Gratulieren; Xiao He (萧何) führte die Gaben und bestimmte, wer weniger als tausend Münzen gab, sitze unten in der Halle. Liu Bang, „der als tingzhang die Schreiber ohnehin gering geachtet hatte, log auf seine Karte ‚eine Gabe von zehntausend Münzen‘, obwohl er keine einzige Münze brachte“, und nahm den Ehrenplatz ein. Der tingzhang, der hier erscheint, ist ein kleiner Beamter, der sich zwischen dem Kreisamt und der lokalen Oberschicht bewegt.
Seine Aufgaben sind ebenso konkret. „Als Liu Bang tingzhang war, nahm er oft Urlaub und ging auf seine Felder.“ Und: „Als tingzhang geleitete er für den Kreis Sträflinge nach Lishan (酈山), und viele flohen unterwegs“; am Ende ließ er die übrigen einfach laufen. Dazu die Kappe: Er hatte einen Diebesfänger, den er nach Xue schicken konnte. Geleit, Urlaub, ein Untergebener, der Diebe fängt: das ist der Alltag eines tingzhang, soweit ihn diese zwei Seiten zeigen.
Wozu das ting da war
Legt man die zwei Seiten zusammen, lässt sich nur dies sagen: Das ting war ein Knoten unterhalb des Kreises, in Abständen von ungefähr zehn li gesetzt, mit einem Vorsteher; nach der Tabelle im Hanshu gab es fast dreißigtausend davon; der Vorsteher war ein Beamter, konnte durch einen Versuch hineinkommen, hatte einen Platz im Kreisamt, war wenigstens mit dem Geleit von Sträflingen befasst und hatte einen Diebesfänger unter sich. Ob das ting außerdem Post (邮传, youchuan) beförderte, Reisende beherbergte oder allgemein für Ordnung sorgte, sagen spätere Kommentatoren, nicht der Wortlaut dieser zwei Seiten. Deshalb nennt dieser Text das ting kein Polizeirevier und keine Poststation.
„Zehn li“ taugen auch nicht als Lineal. Die Tabelle selbst sagt, dass die Einheit schrumpft, wo die Menschen dicht wohnen, und sich dehnt, wo sie dünn wohnen, und dass Gemeinden und ting gleichermaßen folgen. Man kann also nicht die Fläche des Reiches durch die Zahl der ting teilen und daraus ein Raster machen, und man darf „alle zehn li ein ting“ nicht als gleichmäßiges Netz zeichnen. Sagen lässt sich: Es war ein Netz von Punkten, das in ungefähren Abständen von zehn li ausgelegt war, und zu einem Verwaltungszeitpunkt wurden fast dreißigtausend gezählt.
Was ein Einzelner zeigt
Diesen Fall muss man vorsichtig handhaben. Dass er „sich im Amt versuchte“, zeigt, dass ein tingzhang nicht erblich und nicht von hoher Herkunft sein musste; dass er Wein liebte und auf Kredit trank, zeigt, dass die Stelle klein und der Lohn bescheiden war; dass er die Schreiber des Kreisamts verspotten und den Ehrenplatz einnehmen konnte, zeigt, dass er vor Ort Ansehen und Beziehungen hatte. Aber all das ist die Schreibweise einer Herrscherbiographie, in der auch Drachen, Wolkendunst und das Erschlagen der weißen Schlange stehen — Einzelheiten, die zeigen sollen, dass er zum Großen bestimmt war. Ihn heranzuziehen, um zu zeigen, wie ein tingzhang sein konnte: ja. Aus ihm zu schließen, alle tingzhang seien von niederer Herkunft gewesen und hätten gern getrunken: nein.
Seine Amtsgeschäfte dagegen kann man glauben: Sträflinge geleiten, Urlaub für die Felder nehmen, einen Diebesfänger mit einer Sache losschicken — das sind Dienstpflichten, keine Vorzeichen. Über Besoldung, Personal, Gebäude und Mittel sagen beide Seiten nichts; der Diebesfänger ist der einzige genannte Untergebene, und aus ihm lässt sich kein Stellenplan errechnen.
Was die Quellen nicht zeigen
Die Lücken sind zu benennen. Die Pflichten des tingzhang stehen nicht in der Tabelle; was die Tabelle aufführt, sind die Pflichten der Gemeindeamtsträger. Die Funktionen von Post, Beherbergung und Ordnung, die man dem ting zuschreibt, stammen von späteren Kommentatoren und werden hier nicht verwendet. Über das Gebäude des ting, sein Personal und sein Geld ist nichts gesagt. Die Zahl von fast dreißigtausend in der Tabelle ist eine Zählung zu einem Verwaltungszeitpunkt, nicht die Zahl zu Liu Bangs Zeit; und die Tabelle im Hanshu ist eine Zusammenfassung der Ordnung aus der Östlichen Han-Zeit, das Shiji eine Biographie aus der Westlichen Han-Zeit — zwei Seiten, die rund zwei Jahrhunderte auseinanderliegen und von verschiedener Art sind.
Die zwei Seiten geben also eine Regel und einen Mann: ungefähr alle zehn li ein ting, jedes mit einem Vorsteher, im Reich fast dreißigtausend gezählt; und ein Vorsteher eines ting, der eine Bambuskappe trug, auf Kredit trank, Sträflinge geleitete und später Kaiser wurde. Das Netz ist im Text wirklich. Was auf ihm Tag für Tag geschah, fehlt großenteils. Das Wort ting hat die Han-Zeit überlebt, aber diese Seiten hinterlassen uns die Stelle und den Mann, nicht den Schreibtisch.
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Quellen und weitere Lektüre
- 班固《汉书》卷十九·百官公卿表(东汉;维基文库本,未与点校本复核) — The table's section on county magistrates describes the sub-county ladder: 'as a rough rule one post (亭) every ten li, each with a head; ten posts to a township, and the township has the Three Elders, the salaried headman, the granary officer and the patrol officer', then gives the duties of those township officers, adds that counties are 'roughly a hundred li square, reduced where the people are dense and left open where they are sparse, and townships and posts likewise', and calls the whole scheme Qin in origin. The same section counts 1,587 counties, marches, fiefs and townships; 6,622 townships; and 29,635 posts. It gives no duties, staff or budget for the post head himself.
- 司马迁《史记》卷八·高祖本纪(西汉;维基文库本,未与点校本复核) — The Western Han biography of Liu Bang, the future Emperor Gao. It says he 'tried for office and became head of the Sishui post', mocked the county clerks, drank on credit at two wine shops, had a bamboo-skin cap made by his 'thief-catcher' (求盗) and wore it later as emperor, took leave to work his fields, bluffed his way into a county banquet with a claim of a ten-thousand-cash gift, and as post head 'escorted convict labourers for the county to Lishan, and many of them ran away on the road'. The biography is shaped by imperial legend; its details of the post are usable, its miracles are not.




