Das Trinkritual des Bezirks(鄉飲酒禮)beginnt damit, dass zwei Männer sich weigern, zuerst zu gehen. „Der Wirt(主, zhu)verneigt sich und empfängt den Gast vor dem Tor der Schule(庠, xiang); sind sie eingetreten, verneigen sie sich dreimal, bevor sie die Stufen erreichen, und geben dreimal nach, bevor sie hinaufsteigen“(主人拜迎賓于庠門之外,入,三揖而後至階,三讓而後升). Der Aufsatz über den Ritus, Xiang Yinjiu Yi(鄉飲酒義)aus dem Liji(禮記), nennt diesen Anfang „das Nachgeben bewirken“: zuerst wird das Nachgeben ganz vollzogen, und erst dann beginnt das Trinken.

Die Wahl der Gäste

Das Yili(儀禮), Kapitel Xiang Yinjiu Li(鄉飲酒禮), beginnt mit der Wahl der Personen: „Der Wirt geht zum Ältesten und berät mit ihm über den Gast(賓, bin)und den Gehilfen(介, jie)“(主人就先生而謀賔、介); dann lädt er beide förmlich ein. Am Tag zuvor werden die Matten ausgelegt und zwei Krüge Wein zwischen Tür und Kammer gestellt, der Wasserkrug westlich von ihnen; das Waschbecken steht südöstlich der östlichen Stufen, das Wasser östlich davon. Als das Essen fertig ist, holt der Wirt den Gast, und der Gast, der Gehilfe und die übrigen Gäste(眾賓)folgen ihm. Auch die Sitzordnung wird vorab genannt: die Matten von Gast, Wirt, Gehilfe und übrigen Gästen sind „alle nicht verbunden“ — keine berührt die nächste.

Am Tor beginnt eine Kette von Verbeugungen: Wirt und Gast verneigen sich dreimal bis zu den Stufen, geben dreimal nach und steigen hinauf, verneigen sich bei der Ankunft ein weiteres Mal; dann nimmt der Wirt den Becher, steigt hinab, um ihn zu waschen, und der Gast muss mit hinabsteigen und die Waschung ablehnen; ist sie geschehen, steigen sie hinauf, und der Gast „verneigt sich für die Waschung“. Der Aufsatz, der den Sinn erklärt und nicht den Ablauf gibt, fasst die Folge in drei Sätzen zusammen: drei Verbeugungen vor den Stufen und dreimal Nachgeben vor dem Hinaufsteigen, „um das Nachgeben zu bewirken“; Waschen und Erheben des Bechers, „um die Reinheit zu bewirken“; und die Verbeugungen bei der Ankunft, bei der Waschung, beim Empfangen, beim Geleiten und am Ende, „um die Ehrerbietung zu bewirken“. Nachgeben, Reinheit, Ehrerbietung — das, sagt der Aufsatz, ist die Weise, wie Edle miteinander umgehen.

Darbieten, Erwidern, Zutrinken

Der Wein bewegt sich in drei Handlungen, nicht in einer Runde von Trinksprüchen. Der Wirt füllt den Becher und bietet ihn dem Gast an dessen Matte dar und verneigt sich dabei; der Gast verneigt sich, um ihn zu empfangen, und der Wirt verneigt sich, während er ihn reicht — das ist das Darbieten(獻, xian). Der Gast steigt hinab, einen Becher zu waschen, kommt zurück und reicht dem Wirt einen Becher — das Erwidern(酢, zuo). Darauf nimmt der Wirt ein anderes Gefäß und trinkt dem Gast zu — der Zutrunk(酬, chou). Jede Handlung hat ihre eigenen Verbeugungen, Waschungen und Auf- und Niedergänge. Der Gehilfe erhält denselben Ritus, aber „verringert“: keine Verbeugung für die Waschung, keine Ankündigung der Güte des Weins, weniger Schritte. Die übrigen Gäste sind noch schlichter: sie empfangen den Becher, opfern im Sitzen, trinken im Stehen und gehen hinab, ohne einen Becher zu erwidern. Ein Ritus, drei Grade der Fülle; die Rangordnung steht in diesen Unterschieden geschrieben.

Die „Ehrerbietung“ ist hier also keine Haltung, sondern eine Zählung: wie viele Verbeugungen, wie viele Waschungen, wer zuerst geht, wer einen Becher erwidert und wer nicht. Der Aufsatz sagt es deutlich: wird die Form durchgehalten, so „streitet der Edle nicht, weil er nachgibt; ist er rein und ehrerbietig, ist er nicht nachlässig“, und so bleibt „kein Unheil der Gewalt“.

Sitzen und Stehen

Neben den Rollen gibt es eine Linie des Alters. Der Aufsatz über den Sinn sagt: „Die Sechzigjährigen sitzen, die Fünfzigjährigen stehen und dienen, um die Pflichten und Dienste zu hören: das macht klar, wer der Ältere ist“(六十者坐,五十者立侍,以聽政役,所以明尊長也). Und die Schalen(豆, dou)mehren sich mit dem Alter: „die Sechzigjährigen bekommen drei, die Siebzigjährigen vier, die Achtzigjährigen fünf, die Neunzigjährigen sechs, damit die Alten versorgt sind“(六十者三豆…). Nur diese Leiter der Zahlen wird hier festgehalten; welche Speisen darauf liegen, wird nicht aufgezählt — die Speisenfolge eines Ritualhandbuchs und das tägliche Essen sind zweierlei.

Zwei Achsen kreuzen sich also. Das Alter entscheidet über Sitzen und Stehen; die Rolle entscheidet über Reihenfolge und Vollständigkeit des Zutrinkens. Der Gast hat die vollste Form, der Gehilfe weniger, die übrigen Gäste am wenigsten; aber mit sechzig sitzen alle, mit fünfzig stehen alle. Das Ritualbuch hält die beiden Achsen gerade deshalb getrennt, damit beide zugleich gelten.

Musik und die Runde der Zutrünke

In der Mitte steht Musik, und sie ist kein Hintergrund. „Die Musikanten treten ein; drei Lieder werden gesungen, und der Wirt bietet ihnen Wein dar. Die Mundorgeln(笙)treten ein zu drei Stücken, und der Wirt bietet abermals dar. Drei Stücke werden im Wechsel gesungen, drei gemeinsam gespielt; die Musikanten melden die Musik als vollständig und ziehen sich zurück“(工入,升歌三終…合樂三終). Als die Musik endet, „hebt ein Mann den Becher, und der Aufseher(司正, sizheng)wird eingesetzt“ — der Ritus geht in seine zweite Stufe, den lüchou(旅酬), die Runde der Zutrünke: der Gast trinkt dem Wirt zu, der Wirt dem Gehilfen, der Gehilfe den übrigen Gästen, „nach dem Alter geordnet, bis hin zu dem Mann, der das Waschwasser eingegossen hat“(少長以齒,終於沃洗者焉). Der Kommentar des Aufsatzes: „man weiß, dass er den Älteren den Vorrang geben kann und niemanden übergeht“.

Danach werden die Schuhe ausgezogen, die Sitze eingenommen, die Speisen hereingebracht, und es heißt: „die Becher ohne Zahl, die Musik ohne Zahl“(無筭爵,無筭樂). Der Gast geht hinaus, dazu erklingt Musik; am nächsten Tag kommt er im Gewand des Bezirks, um zu danken, der Wirt erwidert den Dank und entlässt dann den Aufseher. Der Aufsatz fasst das Ganze in fünf Ergebnissen zusammen — „hoch und niedrig klar, das Volle und das Verringerte unterschieden, Eintracht und Freude ohne Ausufern, Nachgeben gegen die Älteren, ohne dass jemand übergangen wird, Muße ohne Zuchtlosigkeit“(貴賤明,隆殺辨,和樂而不流,弟長而無遺,安燕而不亂)— und überliefert Konfuzius: „Als ich das Trinkritual im Bezirk sah, wusste ich, wie leicht die Herrschaft des Königs wäre“(吾觀於鄉,而知王道之易易也).

Kein Sittenbild

Dies ist ein Ritualtext. Er legt fest, wie eine Zeremonie geordnet ist; er hält nicht fest, wie oft ein xiang(鄉), ein Bezirk der Zhou-Zeit, eine solche Feier ausrichtete, wer tatsächlich kam oder ob man sie sich leisten konnte. Man darf also nicht schreiben, „so tat man es damals“. Die Teilnehmer sind Leute des Bezirks, shi(士)und Edle, mit Gast, Gehilfe und geehrtem Alten(僎, zhuan)je an ihrem Platz: ein Ritus mit einer Liste der Qualifizierten, nicht die ganze Bevölkerung des Bezirks an einer Tafel.

Und man darf „die Sechzigjährigen sitzen“ nicht in eine soziale Tatsache verwandeln. Es ist die Sitzordnung des Buches, keine Erhebung über das Leben im Bezirk. Was das Buch will, ist „klar machen, wer der Ältere ist“ und „für die Alten sorgen“: die Ordnung des Alters soll in der Sitzordnung eines einzigen Abends vor Augen treten.

Das Gerüst ist kurz: Empfang, Darbieten, Erwidern, Zutrinken, Musik, die Runde der Zutrünke, das Gehen des Gastes. Seine zwei Wörter sind Nachgeben und Alter: am Tor den anderen zuerst gehen lassen, dann alle nach dem Alter setzen und zuletzt sogar den Mann, der das Waschwasser eingoss, in die Ordnung einreihen. Man muss es als Struktur lesen — wer zuerst geht, wer die vollere Form hat, wer sitzt und wer steht —, nicht als warmes Bild eines Festes im Bezirk.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《仪礼·乡饮酒礼》(战国至汉初成书;维基文库本,未与点校本复核) — The rite step by step. The host goes to the elder to choose the guest and the assistant (主人就先生而謀賔、介), invites them, and lays out the mats, two wine jars between the door and the room, the washing basin south-east of the eastern steps, water east of it. When the food is ready he fetches the guest; at the gate the host bows and the guest returns it, they bow to each other three times and reach the steps, yield three times, and go up; there are bows at arrival, at the washing, at receiving and at sending the cup. The host takes the cup, washes it, offers it to the guest at his mat, and the guest returns the courtesy with a cup (酢), after which the host pledges him with another vessel (酬). The assistant is treated to a reduced version, and the other guests simply receive, sacrifice sitting, drink standing, and go down without returning a cup. The musicians then enter: three songs, three pieces on the pipes, three alternating and three together, with wine offered to them. A cup is raised to instal the overseer; then guest pledges host, host pledges assistant, assistant pledges the other guests, 'in order of age, ending with the man who poured the washing water' (少長以齒,終於沃洗者). Shoes come off, seats are taken, and the drinking and music go on without count; when the guest leaves the pipe music sounds. The record notes the victim was a dog and that the cup was used for the formal offer, other vessels for the rest.
  2. 《礼记·乡饮酒义》(战国至汉初成书;维基文库本,未与点校本复核) — The essay on meaning. It opens with the three yields — 'meeting the guest outside the gate of the school, entering, three bows before the steps, three yields before ascending: this is to bring about deference' (三揖而後至階,三讓而後升,所以致尊讓也) — then washing the cup for purity and the five bows for respect. It gives the two social rules: 'those of sixty sit; those of fifty stand and serve to hear the duties: this makes clear who is senior' (六十者坐,五十者立侍,以聽政役,所以明尊長也), and the graded dishes for the aged — sixty gets three, seventy four, eighty five, ninety six — 'so that the old are provided for'. It reads the seating cosmologically (guest and host as heaven and earth, assistants as yin and yang, the three guests as the three lights, the three yields as the moon's three days), links the rite to teaching filial and fraternal conduct, and records Confucius: 'when I watched the village rite I knew how easy kingly government would be' (吾觀於鄉,而知王道之易易也). It ends with five results: high and low clear, full and reduced distinguished, harmony without dissolution, deference to elders with no one left out, ease without disorder.