Er wollte, dass sein Grab später nicht mehr zu finden sei. „Ich lege diesen Hügel auf ödes Land, das niemanden ernährt, damit nach dem Wechsel der Dynastie niemand weiß, wo er liegt“ (故吾營此丘墟不食之地,欲使易代之後不知其處). Der Sprecher ist Cao Pi (曹丕), Kaiser Wen von Wei (魏文帝). Im zehnten Monat des dritten Jahres huangchu (黃初三年, 222), am Tag jiazi, ließ er den Osthang des Shouyang (首陽山) als sein Mausoleum abstecken und schrieb dazu eine letzte Anordnung (終制).
Der Berg als Leib des Grabes
Die Anordnung beginnt mit der Form, und alles an ihr ist Verneinung: „Das Mausoleum nimmt den Berg zum Leib; kein Hügel wird aufgeworfen, kein Baum gepflanzt, keine Ruhehalle errichtet, keine Gartenstadt angelegt, kein Geisterweg gebahnt“ (壽陵因山爲體,無爲封樹,無立寑殿,造園邑,通神道). Fünf Fachwörter stehen dahinter: yinshan weiti (因山為體), das Nehmen des Berges zum Leib; fengshu (封樹), Hügel und Bäume; qindian (寑殿), die Ruhehalle; yuanyi (園邑), die Gartenstadt; shendao (神道), der Geisterweg. Er führt zwei alte Gräber an – Yao in Gulin, wo die Bäume stehen bleiben durften, und Yu in Kuaiji, wo die Felder unberührt blieben – und schließt: „Hügel und Haine sind nicht hohes Altertum; ich übernehme sie nicht“ (封樹之制,非上古也,吾無取焉). Das ist eine Behauptung über die Form, kein Bauplan: Keine der beiden Seiten nennt Maße oder Grenzen, keine sagt ein Wort über das Innere des Grabes.
Die eine Hälfte seiner Begründung ist die Form, die andere das Verbergen: „Das Begräbnis ist eine Verwahrung, und es kommt darauf an, dass die Menschen es nicht zu sehen bekommen. Der Knochen hat keine Kenntnis von Schmerz und Jucken, der Hügel ist keine Wohnung für einen Geist; die Riten opfern nicht am Grab, damit Lebende und Tote einander nicht beflecken; Sarg und Außensarg genügen, die Knochen verfaulen zu lassen, Kleider und Decke genügen, das Fleisch verfaulen zu lassen“ (夫葬也者,藏也……衣衾足以朽肉而已). Das ist sein eigener Satz, kein Zitat aus einem Ritualbuch; der Grundsatz, nicht am Grab zu opfern, steht einmal da und wird nicht entfaltet.
Kein Gold, kein Jade
Die Beigaben werden einzeln durchgegangen: „Keine Schilfkohle wird eingebracht, kein Gold, Silber, Kupfer oder Eisen verborgen; alles allein aus Ton, nach der alten Bedeutung von Tonwagen und Strohfiguren. Der Sarg wird nur an den Fugen dreimal gelackt; die Mundgabe kommt ohne Perlen und Jade aus; keine perlenbesetzte Totenkleidung, keine Jadehülle – das ist das Tun des törichten Brauchs“ (無施葦炭……無施珠襦玉匣,諸愚俗所爲也). Drei Fachwörter stehen auch hier: waqi (瓦器), das Tongerät, das alles andere ersetzt; fàn hán (飯含), die Mundgabe; zhuru yuxia (珠襦玉匣), das perlenbesetzte Totenkleid und die Jadehülle. Keine der beiden Seiten erklärt, was Schilfkohle oder Tonwagen und Strohfiguren sind; dieser Artikel füllt ihre Gestalt nicht nach.
Sein Vater hatte eine Anordnung derselben Art getroffen. Das Tong dian (《通典》) berichtet von Cao Cao (曹操): „Er ließ im voraus vier Kisten Sterbekleidung anfertigen, jede beschriftet, für Frühling, Sommer, Herbst und Winter, und sprach: komme das Unnennbare, so werde nach der Jahreszeit eingekleidet; von Gold, Ohrringen, Perlen, Jade, Kupfer und Eisen darf nicht ein einziges Stück mitgegeben werden“ (先自製送終衣服四篋……金珥珠玉銅鐵之物,一不得送). Cao Pis Anordnung nennt außerdem zwei alte Fälle: erstens Ji Sun (季孫), der mit einem Jadegeschmeide bestattet wurde, und Konfuzius, der die Stufen hinaufstieg, um es zu verhindern; zweitens den Prunkgrabbau des Herzogs von Song, für den die Edlen Hua Yuan (華元) und Yue Ju (樂莒) als pflichtvergessen galten. Erklärt wird keiner dieser Fälle, und keine der beiden Seiten annotiert sie. Auf diesen beiden Seiten sind es die einzigen Regelungen dieser Art aus dem Reich Wei: der letzte Erlass Cao Caos und die Anordnung Cao Pis, ein dritter Mann kommt nicht vor. Eine „Sitte“ lässt sich daraus nicht machen – die Behauptung, unter den Wei habe man allgemein dünn bestattet, trägt keine der beiden Seiten.
Kein Reich ohne Untergang, kein Grab ohne Öffnung
Dann der Satz, den alle zitieren: „Von alters bis heute hat es kein Reich gegeben, das nicht unterging, und kein Grab, das nicht geöffnet wurde. Seit den Wirren sind alle Gräber der Han-Kaiser aufgebrochen worden, bis man Jadehüllen und Goldfäden herausgebrannt hat und die Gebeine mit ihnen – das ist die Strafe des Verbrennens, und ist es nicht ein tiefer Schmerz? Das Unheil kommt von der prunkvollen Bestattung und von Hügel und Hain“ (自古及今……禍由乎厚葬封樹). Man muss den Satz als Argumentationssatz lesen: Er will die Minister dazu bringen, seine Anordnung anzunehmen; er erstellt keine Statistik über die Gräber der Han. Keine der beiden Seiten gibt eine Liste der geöffneten Gräber, keine Jahreszahlen, keine Anzahl.
Er führt zwei Beispiele an: „Dass Han Wen nicht geöffnet wurde, liegt daran, dass Ba ling nichts zu suchen bot; dass Guang Wu geöffnet wurde, an den Hügeln und Bäumen von Yuan ling. Die Unversehrtheit von Ba ling ist Zhang Shizhis (釋之/張釋之) Verdienst; die Öffnung von Yuan ling ist das Verbrechen Kaiser Mings (明帝, Östliche Han)“ (漢文帝之不發……罪在明帝). Das Tong dian zitiert Han Wens eigenen letzten Erlass: „Berge und Flüsse bei Ba ling bleiben, wie sie sind; nichts wird geändert“ (霸陵山川因其故,無有所改), und Ying Shao (應劭) notiert dazu: „den Berg zur Grabstätte nehmen, keinen Hügel mehr aufwerfen“ (因山爲藏,不復起墳). Das Nehmen des Berges zum Leib war also nicht Cao Pis Erfindung; es war die alte Regel Han Wens, und Ba ling verfuhr bereits so. Der „Kaiser Ming“ an dieser Stelle ist der Ming-Kaiser der Östlichen Han, Guang Wus Sohn; die Anmerkung des Pei Songzhi (裴松之) weiter unten auf derselben Seite nennt einen anderen: Cao Rui (曹叡, Wei-Mingdi). Zwei Kaiser, ein Titel – sie dürfen nicht zusammengezogen werden.
Verstümmelt unter der Erde
Er wusste, dass ein Blatt Papier die Lebenden nicht bindet, deshalb machte er die Worte schwer: „Wenn dieses Edikt gebrochen und eigenmächtig etwas geändert oder hinzugefügt wird, so möge ich unter der Erde verstümmelt werden, verstümmelt und wieder verstümmelt, tot und wieder tot. Der Diener, der es tut, verachtet seinen toten Herrn, ist untreu und unkindlich; wenn die Toten etwas wissen, so werden sie euch nicht segnen“ (若違今詔……將不福汝). Auch die Verwahrung legte er fest: „Dieses Edikt ist im Ahnentempel zu verwahren, die Abschrift im Amt des Schreibmeisters, im Geheimsekretariat und bei den drei Exzellenzen“ (藏之宗廟,副在尚書、祕書、三府).
Auch für die Gemahlinnen war gesorgt: „Die Kaiserin und die edlen Damen unter ihr, die nicht in das Fürstentum des Königs gehen, sollen, wenn sie sterben, alle westlich des Baches bestattet werden; der Ort ist vorher bereits bezeichnet worden“ (其皇后及貴人以下……皆葬澗西). Sein Grund sind die alten Geschichten: Shun, der in Cangwu bestattet wurde, während seine zwei Frauen ihm nicht folgten, und Yanling, der seinen Sohn fern in Ying und Bo beisetzte – „hat die Seele Bewusstsein, so gibt es keinen Ort, wohin sie nicht geht; die Breite eines Baches ist keine Ferne“ (魂而有靈……不足爲遠). Dieser Punkt sollte verhindern, dass die Gemahlinnen ein großes Grab errichteten.
Danach
Im fünften Monat des siebten Jahres huangchu (226) starb Cao Pi in der Halle Jiafu, vierzig Jahre alt; im sechsten Monat wurde er in Shouyang bestattet. Die Aufzeichnungen der Drei Reiche (《三國志》) fügen einen einzigen Satz hinzu: „Von der Aufbahrung bis zum Begräbnis geschah alles nach der letzten Anordnung“ (自殯及葬,皆以終制從事). Das ist ein Satz Bericht, keine Messung am Grab: über das spätere Schicksal von Shouyang, über Maße, Hügel oder Kammer sagt die Stelle nichts. Die Frühlings- und Herbstannalen des Hauses Wei (《魏氏春秋》) fügen einen weiteren Punkt hinzu: Der neue Kaiser Ming wollte zum Begräbnis gehen, und Cao Zhen (曹真), Chen Qun (陳群) und Wang Lang (王朗) „rieten ihm wegen der Hitze beharrlich ab, und er blieb“ (以暑熱固諫,乃止).
Weiterlesen:Drei Jahre: eine Regel, mehrere Rechnungen · Die Männer auf dem Gipfel des Tai: wer hinaufstieg, um den Gipfel zu versiegeln · Der Tag, an dem der Sarg hinabgelassen wird: öffnen, überführen, hinausziehen, zurückkehren und weinen
Quellen und weitere Lektüre
- 《三国志》卷二·魏书·文帝纪(西晋陈寿;维基文库本,未与点校本复核) — The final ordinance in full, given under the tenth month of huangchu 3 (222): 'the mausoleum takes the mountain for its body; no mound, no trees, no resting hall, no garden town, no spirit road' (壽陵因山爲體,無爲封樹,無立寑殿,造園邑,通神道); 'burial is storage, and the point is that men cannot see it' (夫葬也者,藏也,欲人之不得見也); 'I am building this tomb on waste ground that will not feed anyone, so that after the dynasty changes no one will know where it is' (故吾營此丘墟不食之地,欲使易代之後不知其處); 'no reed charcoal, no gold, silver, copper or iron; nothing but pottery' (無施葦炭,無藏金銀銅鐵,一以瓦器), 'the coffin lacquered three times at the joins only, no pearls or jade in the mouth-filling, no pearl-sewn shroud or jade case' (棺但漆際會三過,飯含無以珠玉,無施珠襦玉匣); the two Spring and Autumn cases (Ji Sun's jade, the Duke of Song's burial); the comparison with Han Wen's Ba ling and Guang Wu's Yuan ling, and 'the digging of Yuan ling was Emperor Ming's crime' (原陵之掘,罪在明帝) — here the Han emperor Ming, not Cao Rui; the argument itself, 'no state that did not perish, no tomb that was not opened … the calamity comes from lavish burial and from mounds and groves' (自古及今,未有不亡之國,亦無不掘之墓也……禍由乎厚葬封樹); the curse on anyone who alters it (若違今詔……將不福汝) and the filing of copies in the ancestral temple, the master of writing's office, the secretariat and the three excellencies; the consorts to be buried west of the stream (皆葬澗西). The chapter also records his death in huangchu 7, aged forty, burial at Shouyang, and the single line 'from the laying out to the burial, everything was done according to the final ordinance' (自殯及葬,皆以終制從事) — a report, not an inspection. The same juan lists his terraces and ponds (Lingyun terrace, Lingzhi pond, Southern Tour terrace, Tianyuan pond, Jiuhua terrace), and Pei Songzhi's note records that under Emperor Ming the Taiji and Zhaoyang halls were begun.
- 《通典》卷七十九·礼三十九·凶礼一(唐杜佑;维基文库本,未与点校本复核) — The Tang compilation's chapter on imperial death and tombs, which carries the Wei material in a different text. Cao Cao's own arrangement: 'he had four cases of final garments made in advance, each labelled, for spring, summer, autumn and winter … of gold, earrings, pearls, jade, copper and iron, not one thing was to be sent with him' (先自製送終衣服四篋……金珥珠玉銅鐵之物,一不得送). The final ordinance in abridged form: 'the mausoleum takes the mountain for its body; no mound, no trees, no resting hall, no garden town; this ordinance is kept in the ancestral temple' (壽陵因山為體,無封樹,無立寢殿,無造園邑。此詔藏之宗廟) — note that this text lacks the Shi Ji's 'no spirit road' clause and reads slightly differently. It also preserves Han Wen's last decree ('the mountains and rivers at Ba ling stay as they are, with nothing changed', 霸陵山川因其故,無有所改) with Ying Shao's note 'taking the mountain for the burial, raising no mound' (因山為藏,不復起墳), which is the precedent for Cao Pi's phrase. Du You's own verdict: 'this ordinance of Wen of Wei may be said to understand the matter' (魏文此制,可謂達於事矣). And in 635 Yu Shinan, opposing lavish burial, copied the ordinance into his memorial and quoted Zhang Shizhi's words about 'if there is something to desire inside, even walling in the southern mountain leaves a crack' — evidence of the text's later use as an argument, not of its execution.




