Im einunddreißigsten Jahr des Herzogs Xiang von Lu begleitete Zichan den Herrn von Zheng nach Jin. Der Herr von Jin wollte sie nicht empfangen, weil Lu in Trauer war; da ließ Zichan die Mauern des Gästehauses niederreißen und die Wagen und Pferde hineinfahren. Der Jin-Beamte Shi Wenbo kam, um Einspruch zu erheben, und Zichan antwortete ausführlich. Die vier Zeichen 賓至如歸 — ein Gast, der ankommt wie nach Hause — stehen in dieser Antwort. Zwei Seiten werden hier herangezogen. Die erste ist die Zuo-Überlieferung für jenes Jahr, eine Chronik von Lu; die zweite sind die Riten der Zhou, ein Kodex der Ämter, der festhält, was jeder Beamte verwahrt und ausgibt. Das eine ist ein Ereignis, das andere eine Sammlung von Vorschriften, und sie sind nicht dieselbe Art von Text. Erinnert wird das Ereignis nicht wegen der Mauer, sondern wegen der Antwort.
Die Mauer
Das Ereignis ist kurz: 鄭伯如晉,晉侯以我喪故,未之見也 — der Herr von Zheng ging nach Jin, und der Herr von Jin wollte ihn wegen der Trauer in Lu nicht sehen —, so 子產使盡壞其館之垣,而納車馬焉: Zichan ließ die Mauer ihres Gästehauses niederreißen und brachte die Wagen und Pferde hinein. Shi Wenbos Einspruch ist höflich. 敝邑以政刑之不脩,寇盜充斥, sagt er, unser Staat sei voller Räuber, weil Regierung und Recht nicht gepflegt werden, und so 令吏人完客所館,高其閈閎,厚其牆垣,以無憂客使 — Beamte seien angewiesen worden, das Gästehaus in Stand zu halten, mit hohen Toren und dicken Mauern, damit kein Gastgesandter sich sorgen müsse. Nun habt Ihr die Mauer gebrochen, und wenn Eure eigenen Leute auch Wache halten können, 其若異客何, was ist mit den anderen Gästen? Und die Mauer sei unter der Führung des Bündnisses errichtet worden 繕完葺牆,以待賓客 — wenn jeder Gast sie niederreiße, wie könnten wir für irgendetwas einstehen? Er schließt 寡君使匄請命.
Zichan leugnet den Schaden nicht; er erklärt, was ihn erzwungen hat. Zuerst antwortet er wegen der Seidenstoffe. Er wage nicht, sie zu überreichen, und wage nicht, sie im Freien zu lassen. Überreicht seien sie Gut der Schatzkammer des Fürsten, und ohne die Zeremonie des 薦陳, des Ausbreitens und Benennens, dürfe er sie nicht überreichen; draußen gelassen fürchte er 燥濕之不時,而朽蠹以重敝邑之罪 — dass Feuchtigkeit oder Trockenheit zur Unzeit sie verfaulen lasse und die Schuld seines Staates schwerer mache. Dann wendet er sich Herzog Wen zu. 僑聞文公之為盟主也 — ich habe gehört, dass, als Herzog Wen die Bündnisse führte, 宮室卑庳,無觀臺榭,以崇大諸侯之館: sein eigener Palast niedrig und klein war, ohne Türme und Terrassen, damit das Gästehaus der Fürsten groß sei — 館如公寢, ein Gästehaus wie das Schlafgemach des Fürsten selbst.
Das Gästehaus des Herzogs Wen
Es folgt eine Liste der Dienste, und sie ist der Beweis in der Antwort: So sollte ein Gästehaus sein. Dann die Gebäude: 庫廄繕脩,司空以時平易道路,圬人以時塓館宮室 — Speicher und Ställe in Stand gehalten, der Minister der Arbeiten ebnete die Straßen zur rechten Zeit, die Verputzer tünchten das Gästehaus zur rechten Zeit. Wenn eine Reisegesellschaft ankam, 甸設庭燎,僕人巡宮 — steckten die Jagdbeamten Fackeln im Hof an, und die Bediensteten gingen Wache in der Halle; 車馬有所,賓從有代,巾車脂轄,隸人牧圉,各瞻其事;百官之屬,各展其物 — die Pferde hatten ihren Platz, die Begleiter der Gäste wurden abgelöst, der Wagenbeamte fettete die Achsnägel, Bediente und Hirten versahen jeder seine Aufgabe, und jedes Amt legte die Güter aus, die es verwahrte.
Dann die Art und Weise: 公不留賓,而亦無廢事;憂樂同之,事則巡之;教其不知,而恤其不足 — der Herzog hielt Gäste nicht auf und vernachlässigte doch keine Geschäfte; er teilte ihre Trauer und ihre Freude, sah nach den Geschäften, lehrte sie, was sie nicht wussten, und ersetzte, was ihnen fehlte. Erst nach all dem kommt der Satz: 賓至如歸,無寧菑患;不畏寇盜,而亦不患燥濕 — ein Gast kam an wie nach Hause, ohne Anlass zur Sorge; er fürchtete keine Räuber und sorgte sich nicht um Feuchtigkeit.
Dieser Satz ist als das zu kennzeichnen, was er ist: Zichan, der innerhalb seiner Antwort spricht und schildert, wie es gewesen war, als Herzog Wen die Bündnisse führte. Er ist nicht der Bericht des Erzählers und noch kein freistehendes Sprichwort. Die vier Zeichen wurden erst später zum Sprichwort, indem man sie aus dieser Stelle heraushob; keine der beiden Seiten gebraucht sie als eines, und der moderne Ausdruck „home from home“ ist eine spätere Bequemlichkeit, nicht eine Übersetzung des Gebrauchs, den der Text selbst von ihr macht.
Jin, wie es damals war
Dann die Gegenwart: 今銅鞮之宮數里,而諸侯舍於隸人,門不容車,而不可踰越;盜賊公行,而夭厲不戒 — der Palast von Tongdi erstreckt sich über mehrere li, während die Fürsten bei den Dienstleuten untergebracht sind; das Tor lässt keinen Wagen durch und ist nicht zu übersteigen; Räuber treiben offen ihr Unwesen, und niemand wacht gegen Seuchen. 賓見無時,命不可知 — es gibt keine Stunde, den Fürsten zu sehen, und man weiß nicht, wann sein Befehl kommt. Der Gegensatz wird in Gebäuden gezeichnet: ein Palast von mehreren li gegen ein Tor, durch das kein Wagen passt. So 若又勿壞,是無所藏幣以重罪也: ohne dass die Mauer niedergerissen wird, gibt es keinen Ort, die Seidenstoffe zu lagern, und die Schuld würde nur schwerer.
Das Ende
Shi Wenbo berichtete, und Zhao Wenzi sagte 信。我實不德,而以隸人之垣以贏諸侯,是吾罪也 — wahr; wir sind es, denen die Tugend fehlt, und den Fürsten eine Mauer von Dienstleuten zu geben, an der sie empfangen werden, ist unsere Schuld. Eine Entschuldigung wurde gesandt; der Herr von Jin empfing den Herrn von Zheng 有加禮,厚其宴好而歸之 — mit vermehrter Höflichkeit, mit einem reichen Festmahl, und entließ ihn nach Hause — und 乃築諸侯之館, ein Gästehaus für die Fürsten wurde gebaut. Shuxiangs Kommentar: 辭之不可以已也如是夫!子產有辭,諸侯賴之,若之何其釋辭也 — so kann man die Worte nicht entbehren; Zichan hatte Worte, und die Fürsten verließen sich auf ihn; wie könnte man die Worte fahren lassen? Er zitiert die Ode: 辭之輯矣,民之協矣;辭之繹矣,民之莫矣.
Das Haus an der Straße
Die Riten der Zhou geben eine andere Einrichtung. Der 遺人 掌邦之委積,以待施惠 — verwahrt die Vorräte des Staates an Korn und Gütern zur Verteilung: 鄉里之委積,以恤民之艱厄;門關之委積,以養老孤;郊里之委積,以待賓客;野鄙之委積,以待羈旅;縣都之委積,以待兇荒 — Vorräte für die Bedrängten, für Alte und Waisen, für Gäste, für Reisende, für Jahre der Hungersnot. Für Gäste, Versammlungen und Feldzüge verwaltet das Amt 掌其道路之委積, und an den Straßen: 十里有廬,廬有飲食;三十里有宿,宿有路室,路室有委;五十里有市,市有候館,候館有積 — alle zehn li eine Hütte mit Speise; alle dreißig li eine Herberge, mit einem Gastraum und einem Vorrat; alle fünfzig li ein Markt, mit einem 候館 und seinen Vorräten. Dies sind die einzigen beiden Stellen, die hier herangezogen werden: kein anderer Text wird eingebracht, um die Lücken zu füllen.
Die beiden sind getrennt zu halten. Die Zuo-Überlieferung beschreibt das Gästehaus in der Hauptstadt, in dem ein reisender Fürst empfangen wurde: Es hat Dienst und Umgangsformen, aber keine Maße. Die Riten der Zhou geben Entfernungen und Vorräte an Korn und Gütern, aber keinen Empfang, keine Zeremonie, kein Personal. Keine der beiden Seiten gibt die Größe eines Gebäudes oder den Plan einer Anlage, und hier wird nichts ergänzt.
Was keine der beiden Seiten gibt: die Größe und die Zahl der Räume des Gästehauses in der Hauptstadt, die Größe seines Personals, seine Kosten, wer die Vorräte bezahlte, wie ein 候館 aussah. Was sie geben, ist eine lange Rede innerhalb eines Ereignisses und eine Tabelle von Posten und Vorräten an den Straßen. Eine allgemeine Geschichte des Gasthauses wird hier nicht geboten, und die Rede wird nicht zu einer Vorlesung über diplomatische Höflichkeit gemacht: Die beiden Texte sind der Gegenstand, nicht das Gewerbe.
Weiterlesen:Huzi: Ein Fluss bricht durch, und zwanzig Jahre lang schließt ihn niemand · Zhuti: Tore und Tonsiegel einer Han-Jin-Stadt im Südwesten · Eine weiße Mauer und der cun des Pfriems: Die Stadt Tongwan
Quellen und weitere Lektüre
- 《春秋左氏传》襄公三十一年(维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — The incident: Zichan accompanies the lord of Zheng to Jin; the lord of Jin, because Lu is in mourning, will not receive them; Zichan has the walls of the guest house pulled down and the carriages driven in. Shi Wenbo protests that the wall was built so that guests need not worry; Zichan answers that he dares neither present the silks nor leave them in the open, and recalls Duke Wen as leader of the covenants — his own palace low and small so that the lords' guest house could be great, 'like the ruler's own bedchamber', with storehouses and stables repaired, roads levelled, walls plastered, torches set in the courtyard, horses and followers provided for, axles greased, every office displaying its goods, and the guests 'arriving as if coming home, with no cause for trouble, fearing neither robbers nor damp'. Then the contrast with the present: the Tongdi palace of several li, the lords lodged with servants, a gate too narrow for a carriage, robbers abroad. Zhao Wenzi concedes the fault, the lord of Jin receives the lord of Zheng with added courtesy, and a guest house for the lords is built; Shuxiang comments on the power of words.
- 《周礼·地官司徒》遗人(维基文库本,页面白文无注,未与中华书局点校本复核) — The office of the 遺人: it holds the state's reserves for distribution — for the distressed, the old and orphaned, guests, travellers, and years of famine — and for guests, assemblies and campaigns it manages the reserves along the roads. Then the distances: on the roads of the state and the fields, a hut every ten li with food, a lodging every thirty li with a guest room and stores, a market every fifty li with a 候館 and its reserves; the reserves are inspected and issued in season. Distances and stores only: no building plan, no reception, no staff.




