Die Speicher Chang'ans wurden aus dem Osten gespeist. Wie viel im Jahr über diese Linie hereinkam, dafür nennt Shi Ji (《史記》), das „Traktat vom ausgeglichenen Standard“ (Pingzhun shu 平準書), für die ersten Jahrzehnte der Han nur eine runde Zahl: „Getreide wurde östlich der Berge umgeschlagen und weiterbefördert, um die Ämter der Hauptstadt zu versorgen, im Jahr nicht mehr als einige hunderttausend shi 石“ (漕轉山東粟,以給中都官,歲不過數十萬石). Was das praktisch hieß, sagt die Stelle nicht. Sie gibt einen Anfangspunkt: Über das folgende Jahrhundert steigt dieselbe Zahl stetig, an ihrer höchsten Stelle bis auf sechs Millionen shi.

Frühe Han: nicht mehr als einige hunderttausend shi

Shi Ji stellt den Satz hinter die Regierungen Kaiser Huis (孝惠) und der Kaiserinwitwe Lü (高后); Tong Dian (《通典》) setzt ihn im Kapitel über den Getreidetransport seines zehnten Juan in „die Zeit des Kaisers Gao“ (高皇帝時) und fügt eine Anmerkung bei: „gemeint sind die Ämter der Hauptstadt“ (謂京師之官府). Zhongduguan (中都官) waren also nicht alle Ämter, sondern die der Hauptstadt. Die beiden Bücher stellen die Datierung unterschiedlich, sind sich aber in der Größenordnung einig: einige hunderttausend shi. Der Zusammenhang steht auf derselben Seite: „Man maß die Gehälter der Beamten, schätzte den Bedarf der Ämter und erhob danach die Abgabe von den Leuten“ (量吏祿,度官用,以賦於民); der Getreidetransport war ein Posten dieser Rechnung.

Die beiden Enden dieser Linie lohnt es zu benennen. Das eine ist „östlich der Berge“, ein Ausdruck, den die Stelle nicht erklärt; die übliche Lesart meint das Land östlich des Hua-Gebirges, Guandong (關東). Das andere ist Zhongduguan, die Ämter der Hauptstadt. Zwischen beiden nennt der Text weder Speicher noch Boot noch Menschen, nur die zwei Zeichen für Umschlag und Weitertransport. Die wenigen hunderttausend shi sind das Nettoergebnis einer laufenden Linie, nicht die Ladung einer einzelnen Fahrt.

Aus dem Osten, auf dem Wasser

Das Getreide kam aus dem Osten vor allem auf dem Wasser. Zheng Dangshi (鄭當時) legte Kaiser Wu in der Yuan-guang-Ära (元光) eine Zeitrechnung vor: Bisher sei das östliche Getreide den Wei-Fluss hinaufgegangen, und eine Fahrt sei auf sechs Monate veranschlagt worden (度六月而罷); der Lauf des Wei sei über neunhundert li lang und habe zeitweise schwierige Stellen. Nähme man den neu gegrabenen geraden Kanal, sei eine Fahrt auf drei Monate veranschlagt (度可三月罷), was „den Transport verringert und Truppen spart“ (損漕省卒). Sechs Monate, dann drei – beide Zahlen tragen das Wort du 度, sind also Schätzungen und keine Messungen. Tong Dian fügt nur an, es sei „sehr bequem“ geworden, und nennt keine tatsächliche Jahresmenge.

Jia Yi (賈誼) sagte die Kosten unter Kaiser Wen geradewegs: „Der Transport setzt an der Meeresküste an; auf einen Münzwert Abgabe kommen Dutzende Münzwerte an Fuhrlohn“ (一錢之賦,數十錢之費) – „was oben ankommt, ist sehr wenig, und was die Menschen leiden, ist sehr viel“. Das ist politische Rede, keine Statistik, und Kaiser Wen hat sie nicht übernommen; aber sie benennt das Problem: Je weiter das Getreide reist, desto mehr wird unterwegs davon verzehrt. Tong Dian eröffnet sein Kapitel mit dem Satz aus dem Guanzi, wenn das Korn fünfhundert li wandere, zeigten die Leute Hungergesichter (粟行五百里,則眾有饑色) – derselbe Gedanke, und ebenso eine Erörterung, keine Einrichtung der Han.

Dreißig zhong für ein shi

Die Rechnung der Qin steht im Tong Dian: Um die Xiongnu anzugreifen, „wurde Getreide bewegt und die Welt gezwungen, Futter zu fliegen und Hirse zu schleppen … dreißig zhong 鍾 ergaben ein shi“ (率三十鍾而致一石). Die Anmerkung fährt fort: „Sechs hu 斛 vier dou 斗 sind ein zhong; rechnet man, was der Weg verbraucht hat, so waren hundertzweiundneunzig hu nötig, um ein shi zu erhalten“ (六斛四斗為鍾……凡用百九十二斛乃得一石). Dreißig zhong abgeschickt, ein shi angekommen; ein zhong sind sechs hu vier dou; die Anmerkung selbst kommt auf die hundertzweiundneunzig – hier wird nichts nachgerechnet und nichts umgerechnet. Diese Linie lief nicht nach Chang'an: Sie begann in den Küstenkommandos Huang, Zhui und Langya und führte nach Norden an den Bei-Fluss. Sie taugt deshalb nicht als Frachtsatz für den Han-Transport zur Hauptstadt.

Dieselbe Formel – Dutzende zhong für ein shi – steht an mehr als einer Stelle. Shi Ji beschreibt den Weg nach Südwesten: „Die Arbeiter zählten Zehntausende, sie trugen das Getreide tausend li weit auf dem Rücken, und reichlich zehn zhong ergaben ein shi“ (率十餘鐘致一石). Tong Dian setzt den Satz in die Jian-yuan-Ära (建元中), Shi Ji stellt ihn hinter Wei Qings Einnahme des Landes südlich des Gelben Flusses (河南地). Die Jahre stimmen nicht überein, die Zahl bleibt „reichlich zehn zhong“. Auf derselben Seite steht ein noch schlichterer Satz: „Wer zieht, trägt selbst; wer bleibt, schickt hinaus“ (行者齎,居者送).

Unter Kaiser Wu: von einer Million auf sechs

Unter Kaiser Wu verändern die Zahlen ihre Gestalt. Nach dem Bau von Shuofang (朔方) heißt es: „Der Umschlag war sehr weitläufig, der ganze Osten der Berge trug die Last, die Ausgaben liefen in Dutzende und Hunderte Millionen, und die Schatzkammern wurden immer leerer“ (轉漕甚遼遠,自山東咸被其勞,費數十百巨萬,府庫益虛). Fan Xi (番系), als über die Route verhandelt wurde, nennt den damaligen Umfang: „Das Getreide kam aus Ost und West der Berge, über eine Million shi im Jahr, und passierte die Gefahr von Dizhu (底柱); viel ging verloren, und es kostete auch nicht wenig“ (漕從山東西,歲百餘萬石,更底柱之險,敗亡甚多而亦頗費). Später steht bei Shi Ji: „Das den Fluss hinab geschickte Getreide wurde auf vier Millionen shi veranschlagt, und erst mit dem eigenen Ankauf der Ämter reichte es“ (而下河漕度四百萬石,及官自糴乃足). Diese vier Millionen gehören der Regierung Kaiser Wus und sind nicht die vier Millionen hu des Kaisers Xuan.

Mit dem ersten Jahr yuanfeng (元封元年), als Sang Hongyang (桑弘羊) die Große Landwirtschaftsbehörde führte und Ausgleichslieferung und Preisausgleich (均輸、平準) gemeinsam anliefen, heißt es: „Der Transport im Osten der Berge stieg auf sechs Millionen shi im Jahr; binnen eines Jahres waren die Speicher Tai Cang und Gan Quan voll“ (山東漕益歲六百萬石。一歲之中,太倉、甘泉倉滿). Das Wort yi 益, „vermehrt“, zeigt: Es ist der Stand nach der Steigerung. Shi Ji sagt weder, wie viele Jahre er sich hielt, noch nennt es Boots- oder Mannschaftszahlen. Eine Einzelheit derselben Seite zeigt, welchen Platz der Transport in der Beurteilung der Beamten hatte: Bu Shi (卜式) wurde als Amtmann von Chenggao „am besten im Transport“ bewertet (將漕最) und daraufhin Erzieher des Königs von Qi.

Kaiser Xuan: vier Millionen hu, sechzigtausend Mann

In der Wufeng-Ära (五鳳) begann Geng Shouchang (耿壽昌) sein Memorandum mit einer alten Regel: „Nach dem Herkommen wurden jährlich vier Millionen hu 斛 Getreide aus dem Osten der Berge verschifft, um die Hauptstadt zu versorgen, mit sechzigtausend Mann“ (故事,歲漕關東谷四百萬斛以給京師,用卒六萬人). Er schlug statt dessen vor, das Getreide in der Nähe zu kaufen, in den drei Hauptstadtkommandos (三輔) sowie in Hongnong, Hedong, Shangdang und Taiyuan; das könne „mehr als die Hälfte der Transportmannschaften im Osten ersparen“ (省關東漕卒過半). Xiao Wangzhi (蕭望之) widersprach, unter anderem mit dem Geld: „Speicher zu bauen und Boote auszurüsten kostet über zweihundert Millionen“ (費直二萬萬餘); dazu komme „eine Arbeit, die die Massen in Bewegung setzt“. Geng Shouchang verstehe sich auf „Rechnen über Arbeit und das Teilen feinster Gewichte“ (習於商功分銖之事), sei aber für weite Pläne nicht der rechte Mann; es solle „einstweilen beim Alten bleiben“. Der Kaiser hörte nicht darauf, und „der Transport ging tatsächlich bequem vonstatten“ (漕事果便). Überliefert ist dieser Abschnitt allein im Tong Dian; das Shi Ji reicht nicht bis in die Regierung des Kaisers Xuan. Vier Millionen hu und sechzigtausend Mann sind das einzige Paar aus Menge und Arbeitskraft, das auf einer der beiden Seiten zusammen genannt wird.

Stellt man die Zahlen der beiden Seiten nebeneinander, ergeben sie eine Linie durch die Zeit: frühe Han „nicht mehr als einige hunderttausend shi“; unter Kaiser Wu Fan Xis „über eine Million im Jahr“, das Traktat „auf vier Millionen veranschlagt“ und mit yuanfeng „sechs Millionen im Jahr“; unter Kaiser Xuan die alte Regel „vier Millionen hu mit sechzigtausend Mann“, samt dem Versuch, die Mannschaft zu halbieren. Jede Zahl hat ihre Seite und ihre Regierung; sie lassen sich nicht zu einem einzigen „Han-Transportvolumen“ zusammenziehen. Was auf beiden Seiten fehlt, ist ebenso klar: keine Form und keine Tragkraft der Boote, keine Arbeiten und keine Länge des Transportkanals, keine Gesamtrechnung für eine ganze Strecke und keine Umrechnung in heutige Tonnagen. Sicher ist nur die Richtung: Getreide aus dem Osten, unterwegs nach Chang'an.

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Quellen und weitere Lektüre

  1. 《史记》卷三十·平准书(西汉;维基文库本,未与点校本复核) — The Shi Ji's figures and the line itself. Early Han: 'grain was shipped and transferred from east of the mountains to supply the officials at the capital, no more than several hundred thousand shi a year' (漕轉山東粟,以給中都官,歲不過數十萬石), in a passage that also says officials' salaries were measured and government needs reckoned before the tax was levied (量吏祿,度官用,以賦於民). After Shuofang: 'the transport was very distant, all east of the mountains bore the labour, the spending ran to tens and hundreds of millions, and the treasury grew empty' (轉漕甚遼遠,自山東咸被其勞,費數十百巨萬,府庫益虛). On the southwest road: 'the workers numbered tens of thousands, carrying grain a thousand li on their backs, and more than ten zhong delivered one shi' (作者數萬人,千里負擔饋糧,率十餘鐘致一石); and 'those who travel carry their own, those who stay send it out' (行者齎,居者送). Under Wu: 'the grain shipped down the river was reckoned at four million shi, and only with the government's own purchases was there enough' (而下河漕度四百萬石,及官自糴乃足); then 'the eastern transport increased to six million shi a year; within one year the Tai Cang and Gan Quan granaries were full' (山東漕益歲六百萬石。一歲之中,太倉、甘泉倉滿). Bu Shi as magistrate of Chenggao 'was best at transport' (將漕最). The treatise ends before Emperor Xuan, so its four-million figure belongs to Emperor Wu and is not the four million hu of the Tong Dian's Xuan Di passage; nor does it contain Qin's thirty-zhong ratio.
  2. 《通典》卷十·食货十·漕运(唐杜佑;维基文库本,未与点校本复核) — A Tang compilation that preserves the Qin ratio and the Xuan Di figures. Qin: 'to attack the Xiongnu, grain was moved, and the world was made to fly fodder and haul millet … thirty zhong delivered one shi' (率三十鍾而致一石), with the note 'six hu four dou make one zhong; reckoning what the road consumed, one hundred and ninety-two hu were used to obtain one shi' (六斛四斗為鍾……凡用百九十二斛乃得一石); the route ran from the coastal commanderies of Huang, Zhui and Langya north to the Bei river, not to Chang'an. Early Han: the same 'no more than several hundred thousand shi' sentence, here assigned to 'the time of the first emperor', with the note 'this means the offices at the capital' (謂京師之官府). Jia Yi's memorial under Wen: 'on a cash of one coin in tax, tens of coins go on carriage' (一錢之賦,數十錢之費). The southwest road's 'more than ten zhong for one shi' is dated here to the jianyuan era. Zheng Dangshi in the yuan-guang era: a Wei-river run reckoned at six months, three by the new channel (度六月而罷……度可三月罷). Fan Xi: 'grain came from east and west of the mountains, more than a million shi a year, past the hazard of Dizhu, and much was lost' (漕從山東西,歲百餘萬石,更底柱之險,敗亡甚多). Xuan Di, wufeng: 'by precedent, four million hu of eastern grain were shipped each year to supply the capital, using sixty thousand men' (故事,歲漕關東谷四百萬斛以給京師,用卒六萬人), Geng Shouchang's proposal to buy nearby and halve the troops, Xiao Wangzhi's objection that granaries and boats would cost 'more than twenty million' (費直二萬萬餘), and the emperor's refusal, after which 'the transport indeed went conveniently' (漕事果便). The Tong Dian is a later compilation and not an independent witness to the Han text, but the Xuan Di passage is the only one of these two pages that carries that reign's figures.