Im Nationalmuseum Chinas liegt eine Papiernote aus der Yuan-Zeit, das Papier von dunklem Grau. Die Wertangabe lautet 貮贯 – zwei guan(贯,eine Zähleinheit von tausend Münzen)–, und unter den Zeichen liegen zwei aufgedruckte Münzschnüre. Über die ganze Breite oben steht 至元通行宝钞, Zhiyuan tongxing bao chao(至元通行宝钞,die „in allen Provinzen gültige Schatznote der Devise Zhiyuan“); links und rechts stehen dieselben Worte in Phags-pa-Schrift(八思巴字), der eigens für das Mongolenreich geschaffenen Schrift: 至元宝钞 und 诸路通行. Hergestellt war das Papier aus Maulbeerrinde, so grau wie eine alte Mauer – deshalb nannten die Leute es chubi(楮币,Noten aus Maulbeerrinde). Und weiter unten auf dem Schein stehen die zwei Sätze, die ihn bewachen sollten: 首告者赏银五锭,伪造者处死 – wer den Fälscher anzeigt, erhält fünf ding Silber(锭,der Barren und die Zähleinheit für Silber und Notenbündel), der Fälscher wird hingerichtet.

Wo das Papier herkam: vom Holzstock zur Kupferplatte

Nach dem Yuanshi(《元史》,der im frühen Ming zusammengestellten Geschichte der Yuan-Dynastie)begann das Papiergeld der Yuan im ersten Jahr der Devise Zhongtong, 1260: Die jiao chao(交钞,die erste Notensorte)wurde ausgegeben, „以丝为本“, auf Seide gegründet, und fünfzig liang Silber(两,die Gewichtseinheit, in der Silber gewogen wurde)galten tausend Liang Seidennoten – die Note war eine Rechnungseinheit, kein Stück Rohseide. Im zehnten Monat desselben Jahres folgte der Zhongtong yuanbao jiaochao(中统元宝交钞,kurz 中统元宝钞), die Zhongtong-Schatznote, in neun Werten — 10, 20, 30 und 50 wen, 100, 200 und 500 wen, ein Guan und zwei Guan — von zehn wen(文,die einzelne Kupfermünze)bis zwei Guan; „每一贯同交钞一两,两贯同白银一两“ – ein Guan so viel wie ein Liang der älteren Note, zwei Guan so viel wie ein Liang Silber. Die Druckplatten waren zunächst aus Holz; erst 1276, im dreizehnten Jahr der Devise Zhiyuan, wurden sie „铸铜易之“, durch gegossene Kupferplatten ersetzt – erst damit hielten die Linien fein genug.

Drucken und Preishüten lagen in verschiedenen Händen. 1264, im fünften Jahr der Devise Zhongtong, bekam jeder Verwaltungsbezirk eine pingzhun ku(平准库,eine Schatzkammer zur Preisnivellierung); sie sollte „主平物价,使相依准,不至低昂“ – die Preise halten, damit sie sich aufeinander einpendelten und nicht hoch und tief schwankten. Ausgestattet wurde sie mit zwölftausend ding Noten als chaoben(钞本,die Rücklage, aus der die Noten eingelöst werden sollten). 1275, im zwölften Jahr der Devise Zhiyuan, kam vorübergehend eine kleine Stückelung hinzu, die li chao(釐钞,Noten in kleinen Beträgen); drei Jahre später wurde sie wieder abgeschafft, weil sie sich nicht bewährte. In diesem ganzen Apparat war das Papier nur das letzte Glied: Maulbeerrinde, ein graues Blatt, eine Kupferplatte, eine staatliche Kammer.

Auf dem Schein: Kopfprämie und Todesstrafe

Die untere Hälfte einer Zhiyuan-Note trägt zehn Zeilen chinesischer Schrift, die sich wie ein Amtserlass lesen. Das Staatssekretariat(尚书省)habe die Genehmigung erwirkt, Zhiyuan-Noten zu drucken, und sie sollten „宣课差发内并行收受“ – bei Steuern und Dienstpflichten(宣课差发,xuanke chafa)neben anderem Geld angenommen werden –, „不限年月,诸路通行“, ohne Begrenzung der Jahre, gültig in allen Provinzen. Dann folgen die Schreib- und Rechnungskräfte der Notenkammer(宝钞库,baochao ku)und der Druckkammer(印造库,yinzao ku); dann der Satz „首告者赏银五定(锭),伪造者处死,仍给犯人家产“ – wer zuerst Anzeige erstattet, bekommt fünf Ding Silber, der Fälscher wird hingerichtet, und sein Hausbesitz fällt an den Anzeiger. Am Ende stehen Jahr, Monat und Tag, die Amtsträger der beiden Kammern(两库使副)und die Aufsichtsstelle des Staatssekretariats(尚书省提举司). Der erste Schutz gegen Fälschung war kein geheimes Zeichen: Kopfprämie und Todesstrafe standen mitten auf dem Geld, wo jeder sie sah, der einen Schein in der Hand hielt.

Hinter dem Papier stand eine ganze Kette von Strafen. Im Yuanshi, im Kapitel über das Strafrecht, heißt es: Wer Noten fälscht – der Rädelsführer, der die Platte sticht, der das Papier schöpft, der Farben einkauft, der die Nummern einträgt, der beim Verstecken und Drucken mithilft –, „但同情者皆处死,仍没其家产“: alle, die mit im Spiel sind, werden hingerichtet, und ihr Hausbesitz wird eingezogen. Zwei Nachbarn, die es wussten und nicht anzeigten: siebenundsiebzig Stockschläge. Der Quartiervorsteher(坊里正), der Blockvorsteher(主首)und der Dorfvorsteher(社长), die es übersahen: je siebenundvierzig Hiebe. Der Beamte, der Diebe zu fangen hatte(捕盗官): siebenunddreißig. Wer falsche Noten kaufte und weitergab: beim ersten Mal hundertsieben Schläge, beim zweiten ein Jahr Strafarbeit, beim dritten Verbannung in die Ferne. Wer einen Fälscher fing, bekam fünf Ding Silber, ausdrücklich „给银不给钞“ – in Silber, nicht in Noten. Vater und Sohn, die gemeinsam fälschten, starben beide; hatte der Vater gefälscht und der Sohn nur Befehle ausgeführt, wurde der Sohn nicht mitbestraft; die Ehefrau blieb straffrei, wenn der Mann gefälscht hatte. Dieser Abschnitt ist eine Sammlung von Rechtsartikeln im Stil von „诸……“, also „alle, die …“, ohne Datum, Ort und Namen. Man darf ihn nicht als einen bestimmten Falschgeld-Fall lesen.

Was dieser eine Schein wert war

Drei Notensorten, drei Umstellungen. Zwei Guan in Zhongtong-Noten entsprachen einem Liang Silber. 1287, im vierundzwanzigsten Jahr der Devise Zhiyuan, wurde die Zhiyuan-Note eingeführt, in elf Werten von zwei Guan bis hinunter zu fünf Wen; ein Guan der neuen Note galt fünf Guan der alten. 1309, im zweiten Jahr der Devise Zhida, folgte die Zhida yinchao(至大银钞,die Silbernote der Ära Zhida)in dreizehn Werten: ein Liang der Silbernote galt fünf Guan Zhiyuan-Noten, ein Liang Silber und ein Zehntel Liang Gold – ein qian(钱), der zehnte Teil eines Liang. Das Yuanshi fasst zusammen: „元之钞法,至是盖三变矣“ – das Notenwesen der Yuan habe damit drei Wandlungen durchgemacht. Bis 1350, im zehnten Jahr der Devise Zhizheng, als die Zhizheng chao(至正钞)die Zhiyuan-Note ablöste, waren von dieser mehr als sechsunddreißig Millionen ding ausgegeben worden.

Die staatlichen Kammern führten außerdem An- und Verkaufspreise. Für 1287 notiert das Yuanshi: „每花银一两,入库其价至元钞二贯,出库二贯五分;赤金一两,入库二十贯,出库二十贯五百文“ – für ein Liang Feinsilber zahlte die Kammer beim Eingang zwei Guan Zhiyuan-Noten, beim Ausgang zwei Guan und fünf fen(分,eine Untereinheit unter dem Guan); für ein Liang Rotgold beim Eingang zwanzig Guan, beim Ausgang zwanzig Guan und fünfhundert Wen. Dasselbe Liang Silber ist also innen anders bewertet als außen, und dazwischen liegt eine Spanne. Wer diese Spanne bekam und wie sie verbucht wurde – die Quellen geben nur die Preise, keine Rechnung. Mehr lässt sich nicht sagen.

Wenn das Papier mürbe wurde

Noten wurden schmutzig und rissig. 1265, im zweiten Jahr der Devise Zhiyuan, wurden Beamte in die Notenkammer(交钞库,jiaochao ku)geschickt, um abgenutzte Scheine – hunlan chao(昏烂钞,wörtlich „dunkel und zerfetzt“, die abgegriffenen Noten)– gegen neue zu tauschen, „除工墨三十文“: dreißig Wen wurden für Tinte und Arbeit abgezogen, die Tinte-und-Arbeits-Gebühr(工墨钱,gongmo qian). 1266 waren es nur noch zwanzig, 1285 wieder wie zuvor. Ein Schein, auf dem die Zeichen für Guan und Hunderter noch klar lesbar waren(贯伯分明)und der nur leicht beschädigt war, musste weiter angenommen werden; die Annahme zu verweigern war strafbar. Die alten Scheine durften nicht einfach liegen bleiben: Jedes Vierteljahr wurden sie von den für die Steuern zuständigen Beamten der Bezirke zur Provinzverwaltung gebracht und dort verbrannt; was unter eine Provinz fiel, wurde an Ort und Stelle verbrannt. 1298, im zweiten Jahr der Devise Dade, teilte das Finanzministerium(户部)die abgenutzten Noten in fünfundzwanzig Sorten; 1327, im vierten Jahr der Devise Taiding, wurden die Orte des Verbrennens festgelegt, und ein Beamter der Aufsichtskommission(廉访司,lianfang si)musste zusehen.

Welche fünfundzwanzig Sorten das im Einzelnen waren, dazu gibt es hier keine Quelle; der Text hält nur die Zahl fest, statt Ordnungen zu erfinden. Auch die Tinte-und-Arbeits-Gebühr wird nicht in heutiges Geld umgerechnet: Was ein Wen in der Yuan-Zeit kaufen konnte, dafür gibt es hier keine belastbaren Zahlen. Sicher ist nur der ganze „Kundendienst“: Ein Schein war mit dem Druck nicht fertig, er musste umtauschbar sein, verbrannt werden – und zwar unter Aufsicht.

Warum das Papier nicht mehr wert war, was darauf stand

Drei Umstellungen, ein Grund, in vier Zeichen festgehalten: 物重钞轻, wu zhong chao qing – „die Waren schwer, die Noten leicht“. Als die Zhongtong-Noten, yuanbao chao und jiao chao, lange im Umlauf waren, hieß es „物重钞轻“; deshalb wurden im vierundzwanzigsten Jahr neue Zhiyuan-Noten ausgegeben, ein Guan für fünf Guan Zhongtong. Bei der Zhida-Silbernote war es wieder „以物重钞轻“, und das Ergebnis lautete „倍数太多,轻重失宜“ – zu viele Vervielfachungen, Gewicht und Leichtigkeit aus dem Lot. Es verging nicht einmal ein Jahr, da bestieg Renzong den Thron und ließ die Silbernote wieder aufheben. Die jährlichen Druckzahlen steigen rasch: 73.352 Ding im ersten Jahr Zhongtong(1260), 1.419.665 im dreizehnten Jahr Zhiyuan(1276), 2.181.600 im dreiundzwanzigsten(1286), zwei Millionen im sechsten Jahr Dade(1302). Das sind die Ding, die in einem Jahr gedruckt wurden, nicht die Menge, die im Land umlief: Was eingezogen und verbrannt wurde, ist davon nicht abgezogen.

„Waren schwer, Noten leicht“ ist eine Beschreibung, keine Preisstatistik. Dieser Text nennt deshalb auch keinen Preis für einen Scheffel Reis: In den Quellen steht keiner. Zu sehen sind andere Dinge: 1310, im dritten Jahr der Devise Zhida, wurde es einmal mit Münzen versucht, ein Jahr später waren sie schon wieder abgeschafft, und im Alltag blieb es bei den Zhongtong- und Zhiyuan-Noten. Gold und Silber ließen sich weiterhin bei den staatlichen Kammern kaufen und verkaufen. Das Yuanshi beginnt sein Kapitel über das Notenwesen mit dem Satz „钞始于唐之飞钱、宋之交会、金之交钞“ – das Papiergeld habe mit dem Fliegenden Geld der Tang, den jiaozi der Song und den Noten der Jin begonnen; die Dynastie, die am meisten druckte, beanspruchte die Erfindung nicht für sich. Was bleibt, ist eine Lücke: Die Strafen gegen Fälschung reichten bis in die Nachbarhäuser, zu den Dorfvorstehern und den Streifenbeamten, und sie waren sehr genau. Was die Note aber leicht machte, war die Presse. Die Rechtsartikel konnten private Platten in Schach halten; die eigenen des Staates nicht.

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《元史》卷九十三·食货一·钞法(明初宋濂等修;维基文库本,未与中华书局点校本复核) — Zhongtong notes of 1260 in nine denominations, two guan to a liang of silver; equalising treasuries funded with 12,000 ingots in 1264; wooden plates replaced by copper in 1276; Zhiyuan notes from 1287 in eleven denominations at five to one; treasury buying and selling prices for silver and gold; worn-note exchange fee and quarterly burning; the annual printing totals. Ming compilation, not a Yuan primary text.
  2. 《元史》卷一百五·刑法四·诈伪(明初修;维基文库本,未与中华书局点校本复核) — The penal chain for forged notes: conspirators put to death and property confiscated, neighbours who keep silent beaten, ward heads and village chiefs punished, users of forged notes in escalating grades; five ingots of silver reward, paid in silver and not in notes. Statute text, not a case record.
  3. 中国国家博物馆藏品页〈至元通行宝钞〉(馆方撰文:陈煜) — Object description of a Zhiyuan note: mulberry-bark paper, dark grey, hence the name 'paper-bark currency'; denomination two guan; Phags-pa and Chinese inscriptions; the ten lines of text including the informer's reward and the death penalty; 36.18 million ingots issued to 1350. Museum description; its evaluative remarks are not used.