Das Yuanshi(元史·地理志,das Geographiekapitel der Yuan-Geschichte)sagt über Dadu einen Satz, auf den es ankommt: „Die Stadt misst sechzig li im Quadrat und hat elf Tore.“ Sechzig li, elf Tore – und kein Torname fehlt. Die Archäologen haben den Ring der Außenstadt dagegen mit rund 28.600 Metern Umfang vermessen. Erst wenn diese beiden Sätze nebeneinander stehen, ergibt sich, was von dieser Stadt heute zu messen ist.

Zwei Reihen von Zahlen

Nach dem Yuanshi wurde im ersten Jahr der Regierungsdevise Zhiyuan (1264) die Stadt in Zhongdu umbenannt; „im vierten Jahr wurde die heutige Stadt nordöstlich von Zhongdu angelegt und die Residenz dorthin verlegt“. Das Rixia jiuwen kao(日下旧闻考)zitiert das Hongwu Beiping tujing zhi shu(洪武北平图经志书,das Hongwu-Verzeichnis von Beiping)mit den Worten: „Im vierten Jahr Zhiyuan wurde der Sitz drei li nördlich von Zhongdu festgelegt und eine Stadt mit sechzig li Umfang gebaut“ – das vierte Jahr ist 1267. Aus dem Yuan yitong zhi(元史·一统志)zitiert es: „Im zweiten Monat des neunten Jahres wurde der Name in Dadu geändert, Siedler wurden herangezogen, um die Stadt zu füllen, und in der Stadt Glocken- und Trommeltürme errichtet“ – der zweite Monat des neunten Jahres Zhiyuan ist 1272. Die Tore zählt das Yuanshi vollständig auf: im Süden Lizheng, zu seiner Rechten Shuncheng, zu seiner Linken Wenming; im Norden Anzhen und Jiande; im Osten Chongren, zu seiner Rechten Qihua, zu seiner Linken Guangxi; im Westen Heyi, zu seiner Rechten Suqing, zu seiner Linken Pingze. Die Zeile, die das Rixia jiuwen kao zitiert, führt auch ihre Einheit mit: „zweihundertvierzig Schritt auf die li“ – auf dieser Rechnung steht die Zahl sechzig li überhaupt erst. Einen Bauplan gibt es in diesen vier Quellen nicht, und den Namen eines Planers auch nicht.

Die archäologische Seite stützt sich auf ein Interview mit Sun Meng vom Städtischen Institut für Archäologie Peking: Der Ring der Stadt messe rund 28.600 Meter, die Fläche über fünfzig Quadratkilometer, und das stimme mit der Überlieferung von der „sechzig li im Quadrat messenden Stadt“ grob überein. Das Wort „grob“ bleibt hier stehen; es wird nicht zu „also sechzig li“ und nicht zu „identisch“ umgeschrieben. Dasselbe Interview liefert den Vergleich: Die Außenstadt des Jin-Zhongdu maß rund zwanzig Quadratkilometer. Im siebten Jahr Zhiyuan (1270) zählte die Region Dadu über 184.000 Haushalte und über 635.000 Menschen – die Region Dadu mit ihren abhängigen Kreisen, nicht die Einwohner innerhalb der Mauern. Sobald die beiden Zahlenreihen nebeneinander stehen, wird die Einheit zur Hauptsache.

Die Palaststadt: neun li dreißig Schritt

Die Maße der Palaststadt stehen im Chuogeng lu(辍耕录), und sie sind von einer Dichte, die überrascht: „Die Palaststadt misst neun li dreißig Schritt im Umfang, 480 Schritt von Ost nach West, 615 Schritt von Nord nach Süd, 35 chi hoch, mit Ziegeln verkleidet.“ Dann zwei Daten: „Am 17. Tag des achten Monats des achten Jahres Zhiyuan, zur Stunde des Affen, wurde der Boden aufgebrochen; am 15. Tag des dritten Monats des folgenden Jahres war der Bau vollendet.“ Das ist der 17. Tag des achten Monats im Jahr 1271, am Nachmittag, und der 15. Tag des dritten Monats 1272. Es ist die einzige ummauerte Stadt in diesem Text, für die ein Anfang und ein Ende datiert sind. „Mit Ziegeln verkleidet“ verdient einen Moment: eine Wand aus gestampfter Erde, außen mit einer Ziegelschicht.

Palaststadt und Außenstadt sind zwei Ringe, und ihre Zahlen lassen sich nicht tauschen: Neun li dreißig Schritt gehören der Palaststadt, sechzig li der Außenstadt. Schritt und chi sind Maße der Yuan-Zeit; sie werden zitiert, wie sie dastehen, und nicht in exakte Meter umgerechnet (wer es doch tut, schreibt „etwa“ und nennt es die gängige Umrechnung). Und die Außenstadt hat keinen Tag, an dem der Bau begann – ihn hat nur die Palaststadt. Ihre beiden Daten lassen sich nicht auf die ganze Stadt übertragen.

Tore und Halle in chi

Für die Tore und Hallen der Palaststadt nennt das Chuogeng lu die chi-Zahlen. Die Palaststadt hatte sechs Tore; das südliche, Chongtian, war „zwölf Joche und fünf Durchgänge, 187 chi von Ost nach West, 55 chi tief, 85 chi hoch“. Die Haupthalle Daming „elf Joche, 200 chi von Ost nach West, 120 chi tief, 90 chi hoch“; der Säulengang sieben Joche, „240 chi tief, 44 chi breit, 50 chi hoch“; das Schlafgemach fünf Joche. Joche und chi stehen so, wie sie geschrieben sind, ohne Umrechnung. Erst auf den chi genau werden die Zahlen brauchbar.

Und es muss gesagt sein, welche Art Quelle das ist: Das Chuogeng lu ist die nachträgliche Aufzeichnung eines Mannes aus dem späten Yuan und frühen Ming über die Ordnung des Palastes, kein Bauplan. In den hier benutzten Quellen kommen der Name Liu Bingzhongs und eine ihm zugewiesene Aufgabe nicht vor; deshalb steht in diesem Text nur „Bauen“, nicht „Planer“. Wer ihn nennen will, müsste die Biographie Liu Bingzhongs im Yuanshi heranziehen und den Wortlaut prüfen. Einen Grundriss geben die Quellen nicht; sie geben Joche und chi.

Das Wasser in der Stadt

Das Yuanshi hat einen Absatz über den Haizi: „Der Haizi liegt nördlich der Kaiserstadt, an der Nordseite des Wanshou-Bergs, hieß früher Jishui-Teich; er sammelt die Quellen des Nordwestens, fließt in die Hauptstadt und sammelt sich hier, weit wie ein Meer, weshalb die Leute der Stadt ihn so nannten. Die Menschen dürfen dort frei fischen und sammeln, ohne Verbot, und er wird dem Geistteich der Zhou verglichen.“ Wasser aus den Quellen des Nordwestens, eine Fläche groß genug, um „Meer“ zu heißen, und keine Sperre für Fang und Sammlung. „Weit wie ein Meer“ ist ein Bild und zugleich die Herkunft des Namens.

Das ist die andere Seite dieser Stadt: Das Zentrum von Dadu war nicht nur der Palast. Am Haizi durften die Leute fischen und sammeln, und die Quelle vergleicht den See mit dem Lingzhao, dem Geistteich des Königs Wen, wie ihn das Shijing(诗经,Buch der Lieder)beschreibt. Wasserschleusen, die Herkunft des Wassers und die Abflüsse stehen in diesen Quellen nicht; dieser Text ergänzt sie nicht und endet hier. Das Wasser bekommt im Geographiekapitel einen einzigen Absatz, und darin geht es um Fische, nicht um Gräben.

Eine Stadt, zweimal vermessen

Die Grenzen, der Reihe nach: „Die größte Stadt der Welt“ steht hier nicht – im Interview klingt etwas Ähnliches an, aber es wird nicht als Tatsache genommen, sondern nur der Vergleich von über fünfzig Quadratkilometern mit den zwanzig des Jin-Zhongdu. „Sechzig li“ und „28.600 Meter“ werden nicht in einen Satz zusammengezogen: Das eine ist ein Text, das andere eine Messung, und zwischen ihnen steht „grob übereinstimmend“. Die Maße der Palaststadt gelten nicht für die Außenstadt. Die gemessene Höhe und Dicke der Außenstadt, die Tiefe ihrer Tore, die Breite der Straßen, Arbeitskräfte und Bauzeit – all das fehlt. Und das Interview ist die Einschätzung eines Archäologen, kein Grabungsbericht. Es ergänzt einen Satz: Der Bau von Dadu hat die Bausubstanz des Jin-Zhongdu nicht genutzt, und die südliche Hälfte liegt unter dem Peking der Ming und Qing – ein Satz, keine These von Fortsetzung.

Noch einmal nebeneinander: die Außenstadt „sechzig li im Quadrat, elf Tore“, gemessen rund 28.600 Meter Umfang und über fünfzig Quadratkilometer; die Palaststadt „neun li dreißig Schritt im Umfang, 480 Schritt von Ost nach West, 615 Schritt von Nord nach Süd“, mit einem Baubeginn und einem Abschluss, beide auf den Tag datiert; das Chongtian-Tor zwölf Joche und fünf Durchgänge, die Daming-Halle elf Joche, jedes mit seinen chi. Der Text gibt die Ordnung, der Spaten gibt den Umfang – und dazwischen ist „grob übereinstimmend“ das höchste Urteil, das über diese Stadt derzeit möglich ist. Die Quelle und der Spaten beantworten jeweils die Frage, die die andere Seite nicht beantworten kann.

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《元史》卷五十八·地理志一·大都路(明初宋濂等修;维基文库) — Ming compilation. The years: the old capital renamed in 1260, the new city begun north-east of the old one in 1267, renamed Dadu in 1271; the city 'sixty li square, with eleven gates', all eleven named; the Haizi lake north of the imperial city, 'where the people were free to fish and gather without prohibition'.
  2. 《辍耕录》卷二十一·宫阙制度(元末明初陶宗仪;四库全书本,维基文库;四库本无标点,引文按文义加标点,未与点校本复核) — A late Yuan/early Ming account of the palace, written after the events and without punctuation in this edition: the palace city 'nine li thirty paces round, four hundred and eighty paces east-west, six hundred and fifteen north-south, thirty-five feet high, faced with brick'; ground broken at the hour of the monkey on the seventeenth day of the eighth month of 1271 and finished on the fifteenth day of the third month of the next year; the Chongtian gate twelve bays and five passages, 187 by 55 by 85 feet; the Daming hall eleven bays, 200 by 120 by 90 feet; the colonnade seven bays, 240 feet deep.
  3. 《日下旧闻考》卷三十八·京城总纪(清于敏中等;四库本,维基文库) — A Qing compilation quoting older books, each entry marked with its source: the city laid out three li north of the old capital in 1267, walled for sixty li; 'the capital sixty li square, two hundred and forty paces to the li, in eleven gates' (from the Chuogeng lu); in 1271 renamed Dadu, residents moved in to fill it, bell and drum towers built in the city (from the Yuan yitong zhi).
  4. 中新社〈东西问|孙勐:“世界城市”元大都怎样影响北京?〉(2026-10-02 专访北京市考古研究院研究馆员孙勐) — An interview with an archaeologist, not an excavation report: the city begun in 1267 and 'completed' in 1276; the measured circuit about 28,600 metres, which 'broadly tallies' with the textual sixty li; area over 50 square kilometres against about 20 for the Jin capital's outer city; 184,000-odd households and 635,000-odd people in the Dadu region in 1270; three nested walled cities; the Yuan city did not reuse the Jin one, and its southern half lies under Ming-Qing Beijing.