Vier Flüsse liefen durch Bianjing, die Hauptstadt der Nördlichen Song. Nach dem Dongjing Meng Hua Lu(《东京梦华录》)trug der Cai-Fluss elf Brücken, der Bian-Fluss zwischen sieben li vor dem Ostwassertor und dem Westwassertor dreizehn. Die Zhou-Brücke, eigentlich Tianhan-Brücke und unmittelbar auf die kaiserliche Straße vor dem Palast ausgerichtet, war „niedrig und flach, für Boote nicht passierbar; nur die flachen Boote des westlichen Flusses kamen hindurch“. Eine Brücke war ein Weg für die Menschen und zugleich ein Tor, das die Boote aufhielt. Das Buch ist eine Erinnerungsschrift, entstanden nach dem Verlust des Nordens; die Stadt, die es beschreibt, ist die von vor 1127.
Vier Flüsse, vierundzwanzig Brücken
Die vier hießen Cai, Bian, Wuzhang und Jinshui. Der Cai-Fluss trat im Südwesten am Dailou-Tor in die Stadt und verließ sie im Südosten am Chenzhou-Tor; auf ihm lagen elf Brücken. Der Bian-Fluss kam vom Luo-Mund bei der westlichen Hauptstadt (Luoyang) herein und lief nach Osten bis zur Präfektur Si, wo er in den Huai mündete: „Er trägt das Getreide des Südostens, und alle Waren des Südostens kommen über ihn in die Hauptstadt; öffentlich wie privat hängt man an ihm.“ Sieben li vor dem Ostwassertor stand die Regenbogenbrücke, „ohne Pfeiler, ganz aus großen Balken frei gefügt, mit Zinnober bemalt, wie ein fliegender Regenbogen“. Elf und dreizehn ergeben vierundzwanzig Brücken. Der Bian war selbst ein alter Kanal: In der frühen Daye-Ära der Sui wurde der Tongji-Kanal ausgehoben, der den Gelben Fluss mit dem Huai verband; unter den Tang hieß er dann Guangji. Die Song saßen in Daliang und nahmen den Fluss an seinem Anfang beim Südrand des Kreises Heyang in der Präfektur Meng aus dem Gelben Fluss auf; von dort lief er zum Huai und zum Si.
Die Zhou-Brücke und die Xiangguo-Tempelbrücke waren „beide niedrig und flach, für Boote nicht passierbar; nur die flachen Boote des westlichen Flusses kamen hindurch“. An der Zhou-Brücke waren „die Pfeiler sämtlich aus blauem Stein, steinerne Balken, steinerne Pfosten, Balustraden“. Höhe und Material sind hier keine bloße Baunotiz: Lag die Brücke einen cun tiefer, kam ein großes Boot einen cun weniger weit. Dasselbe Bauwerk war oben Weg und unten Sperre. Die Steine der Pfeiler und Geländer sind überliefert; entscheidend war die Höhe der Fahrbahn.
Sechs chi und sechs Millionen shi
Wie groß ein Boot sein durfte, das auf dem Bian fahren konnte, war eine Frage des Wassers. Im Song Shi, im Kapitel über die Kanäle (《宋史·河渠志》), heißt es: „Jedes Jahr von Frühling bis Winter wird am Flussmund der Wasserlauf ausgeglichen und reguliert, auf sechs chi Tiefe begrenzt, und das gilt als Maß für schwere Lasten.“ Sechs chi war die Norm, auf die man das Wasser am Flussmund einstellte, nicht die Tiefe des ganzen Flusses. Im selben Kapitel ist von „jährlich mehreren Millionen shi Getreide aus Jiang, Huai, Hu und Zhe“ die Rede, dazu von den Erzeugnissen des Südostens und allerlei Gütern, die sich nicht zählen lassen. Die Regulierung war eine Sache der Jahreszeiten: Von Frühling bis Winter musste der Wasserstand am Flussmund gelenkt werden und blieb nicht sich selbst überlassen.
Das jährliche Abgabesoll ist eine zweite Zahlenreihe. Zhang Fangping schrieb in seiner Denkschrift: „Zu Beginn der Dynastie wurden drei Kanäle ausgehoben, um das Getreide in die Hauptstadt zu bringen; danach wurden jährliche Abgabesollen festgesetzt: für den Bian-Fluss 6.000.000 shi, für den Guangji-Fluss 620.000 shi, für den Huimin-Fluss 600.000 shi.“ Sechs Millionen shi war das jährliche Abgabesoll, eine in die Ordnung geschriebene Quote, nicht die Menge, die jedes Jahr tatsächlich ankam; dieser Text behandelt die Quote nicht als wirkliche Fracht. Ein Maß und eine Jahresquote, sechs chi und sechs Millionen shi, trugen den ganzen Getreidetransport (caoyun). Die Kanäle waren sein Rückgrat: „Der Getreidetransport des Staates ruht auf den Kanälen“, so Zhang Fangping, und von den drei zu Beginn ausgehobenen Kanälen trug der Bian den größten Teil.
Die Namen der Boote von Lin'an
In der südlichen Song-Hauptstadt Lin'an hießen die Boote anders. Das Mengliang Lu(《梦粱录》)notiert: „Die Boote auf den inneren Flüssen von Hangzhou sind alle luojiaotou-Boote; sie befördern reisende Gelehrte, Kaufleute und allerlei Volk und laden Weihrauchwaren und gemischte Güter.“ Für Menschen war das luojiaotou-Boot da, für Güter das datan-Boot, „das auf dem Markt von Huzhou das Getreide der Läden sowie Brennholz und Holzkohle von der Kuapu-Brücke, Ziegel, Kalk und Lehm aus Xiatang und die Boote mit den Salzsäcken befördert“. Der Name selbst war die Einteilung nach Verwendung: eines für Menschen, ein anderes für Reis, Kohle, Ziegel und Salz. War der Wasserweg bequem, nahm man häufig das Boot; fehlte das Wasser, blieben menschliche Kraft und Karren.
Wer aus der Stadt hinauswollte, mietete: „Wenn Gelehrte oder einfache Leute nach Su, Hu, Chang, Xiu oder ins Jianghuai-Land reisen wollen, mieten sie meist bichuan-, fangchuan-, hangchuan- oder feipeng-Boote.“ Für diese Ziele also diese vier. Und dann der bemerkenswerte Satz: „Auch große Häuser, Residenzen und Landgüter bauen sich eigene Boote und fahren damit nach Belieben, ohne Furcht, die Behörden könnten sie zu Frondiensten einziehen.“ Wer selbst baute, wollte der Requisition entgehen. Preise für Boote, Mieten oder Reisezeiten nennen die drei Quellen nicht; dieser Text erfindet keine. Der Satz vom eigenen Boot ist die einzige Stelle, an der die Quellen davon sprechen, wem ein Boot gehörte – und selbst dort geht es um die Umgehung des Frondienstes.
Warum überhaupt Boote
Der Grund steht auf dem Pflaster: „Früher hat man in Bianjing mit Wagen und Gespannen Waren befördert; die Straßen der Stadt Hangzhou aber sind alle aus Steinplatten, nicht mit Schlamm und Sand zu vergleichen, die Wagenräder kommen schwer voran, deshalb benutzt man Boote und menschliche Kraft.“ In Bianjing lag Erde unter den Rädern, in Hangzhou lagen Steinplatten; dort Wagen, hier Boote und Träger. Der Untergrund entscheidet über die Art des Transports – der einzige Vergleich, den dieser Text zwischen beiden Städten zieht. Die Steinplatten sind der Grund, warum der Verkehr in Hangzhou wie eine Flotte wirkt und nicht wie ein Hof voller Karren.
Die Grenzen gehören hierher. Bianjing und Lin'an werden getrennt behandelt und nicht zu einer Stadt verschmolzen; der Vergleich bleibt der eine Satz vom Pflaster. Keine Bootspreise, keine Mieten, keine Fahrpreise und keine Löhne für Bootsleute: Keine der drei Quellen nennt eine solche Zahl. Keine Tragfähigkeit und keine Tonnage, denn überliefert sind nur Namen und Verwendungen. Keine Spannweite, keine Bogenhöhe und keine Breite der Brücken, nur „ohne Pfeiler“ und „niedrig und flach“. Die Bootsnamen ordnen die Verwendung, sie sind keine technischen Angaben. Die vier Namen werden im Text nicht erklärt: Wie diese Boote aussahen, steht nirgends; es steht nur, wohin man sie mietete.
Zwei Städte, zwei Wege zum Wasser
Nebeneinander gestellt: Bianjing war das Tor, durch das das Getreide in die Stadt kam – vier Flüsse, vierundzwanzig Brücken, eine Brücke zu niedrig für Boote, sechs chi am Flussmund, ein Abgabesoll von sechs Millionen shi. Lin'an war ein Netz aus Booten über Steinplatten – auf den inneren Flüssen luojiaotou- und datan-Boote, für die Fahrt hinaus gemietete bichuan-, hangchuan- und feipeng-Boote, für die großen Häuser eigene Boote. Die eine Stadt nahm das Wasser als Frachtweg für Getreide, die andere als Wagen ihrer Straßen. Beides sind Beschreibungen von Anlagen, nicht eines Marktes.
Mehr ist nicht zu schreiben: vier Flüsse, vierundzwanzig Brücken, sechs chi, sechs Millionen shi, eine Handvoll Bootsnamen, ein Satz über die Wagenräder. Keine Preise, keine Tragfähigkeit, keine Reisetage, keine Spannweiten; die Quellen reichen nur bis zu den Anlagen und den Namen. Bis dahin über den Wasserweg zu schreiben ist solider als das Wort, der Verkehr der Song-Zeit sei hoch entwickelt gewesen. Darin stehen Zahlen, keine Adjektive.
Quellen und weitere Lektüre
- 《东京梦华录》卷一·河道(宋·孟元老;维基文库) — A Southern Song memoir of the Northern Song capital, not an archive: four rivers through the city — the Cai, the Bian, the Wuzhang and the Jinshui; eleven bridges on the Cai; thirteen on the Bian between seven li outside the east water gate and the west water gate; the Rainbow bridge without piers, of great timbers 'like a flying rainbow'; the Zhou bridge and the Xiangguo temple bridge 'low and flat, impassable to boats, only the flat western-river boats could pass'.
- 《宋史》卷九十三·河渠志三·汴河(元修;维基文库) — Yuan compilation, but it preserves the memorials: each year from spring to winter the water at the river mouth was regulated 'to a depth of six chi, as the standard for heavy loads'; several million shi of grain from Jianghuai, Huguang and Zhejiang were carried; Zhang Fangping's memorial gives the annual quotas — Bian 6,000,000 shi, Guangji 620,000, Huimin 600,000.
- 《梦粱录》卷十二·河舟(宋末元初·吴自牧;维基文库) — A late Song/early Yuan memoir of Lin'an: the inner-river boats are all luojiaotou boats for scholars, merchants and goods; the datan boats carry rice, firewood, charcoal, tiles, lime and salt sacks; for Suzhou, Huzhou, Changzhou, Xiuzhou and the Yangtze country people hire bijuan, fangchuan, hangchuan and feipeng boats; great houses built their own boats 'with no fear of the government seizing them for service'; the city's streets were stone-paved, so wheels could not run and boats and porters did the work.




