Bei einem Bankett im Luoyang der Nördlichen Wei fragte der Kaiser einen aus dem Süden übergetretenen Beamten, was besser sei: Hammelfleisch oder Fischsuppe, Tee oder Kumiss (酪浆, gegorene Stutenmilch). Wang Su (王肃) antwortete mit Bedacht: Der Hammel sei das Beste des Landes, der Fisch das Beste des Wassers, jedes auf seine Art geschätzt – doch „唯茗不中,与酪作奴“, der Tee tauge nichts, er diene dem Kumiss nur als Sklave. Der Hof lachte; von da an nannte man den Tee in Luoyang laonu (酪奴, „Sklave des Kumiss“). Zwei Jahrhunderte später notierte der Tang-Autor Feng Yan (封演) in den Fengshi Wenjian Ji (封氏闻见记, „Aufzeichnungen aus dem Gesehenen und Gehörten des Herrn Feng“) eine andere Szene: „城市多开店铺,煎茶卖之,不问道俗,投钱取饮“ – in der Stadt gab es viele Läden, die Tee kochten und verkauften, ohne nach Mönch oder Laien zu fragen, und man warf eine Münze ein und trank. Zwischen dem Sklaven und dem Münzkasten hatte ein Getränk seinen Weg nach Norden zurückgelegt. Der Eintrag beginnt mit den beiden Erntenamen des Tees – „早采者为茶,晚采者为茗“, früh Gepflücktes heißt cha (茶), spät Gepflücktes ming (茗) – und mit dem Satz aus dem Bencao, der Tee „止渴,令人不眠“, stille den Durst und halte wach. Das Wachbleiben war die erste Karte, die der Tee ausspielen konnte.

Tee als Sklave des Kumiss

Das Luoyang Qielan Ji (洛阳伽蓝记, „Aufzeichnungen über die Klöster von Luoyang“), Buch 3, erzählt, wie Wang Su aus dem Süden kam: „不食羊肉及酪浆等物,常饭鲫鱼羹,渴饮茗汁“ – er aß weder Hammel noch Kumiss und dergleichen, hielt sich an Karpfensuppe und trank Tee, wenn ihn dürstete. Die Gelehrten der Hauptstadt sahen ihn in einem Zug ein ganzes dou (斗) leeren und gaben ihm den Spitznamen louzhi (漏卮, „leckender Becher“). Jahre später, bei einem Fest im Palast, aß Wang Su reichlich Hammel und trank viel Kumissbrei; der Kaiser wunderte sich und fragte, wie der Tee sich denn zum Kumiss verhalte. Wang Sus Antwort war die eines Höflings: erst beide Landschaften loben, dann den eigenen Tee zum Diener herabstufen. Der Prinz von Pengcheng zog ihn am nächsten Tag damit auf, er werde ihm „die Speisen von Zhu und Ju“ vorsetzen – der kleinen südlichen Staaten –, dazu den Sklaven des Kumiss zu trinken. So bekam das Teetrinken einen weiteren Namen. Das war kein Streit um den Geschmack, sondern um den Rang: Am Nordhof galt der Tee zuerst als die Gewohnheit eines südlichen Überläufers. Als später ein Beamter namens Liu Gao (刘缟) den Tee ernsthaft zu pflegen begann, spottete der Prinz, er ziehe die „Wassernot des Dieners“ den acht Kostbarkeiten vor – cangtou shui'e (苍头水厄, „Wassernot des Dieners“); und von da an, so heißt es weiter, „朝贵宴会,虽设茗饮,皆耻不复食“ – bei den Festen des Adels mochte Tee aufgetragen werden, doch ihn zu trinken galt als Schande.

Vom Kloster in die Hauptstadt

Wie aus dem Spott ein Geschäft wurde, hat bei Feng Yan einen konkreten Anfang: „南人好饮之,北人初不多饮“ – die Südleute tranken ihn gern, die Nordleute anfangs wenig. Die Wende kam in der Kaiyuan-Ära. Im Lingyan-Kloster (灵岩寺) auf dem Berg Tai (泰山) betrieb ein Meister, der die Dämonen bezwang – Jiangmo Shi (降魔师, „Meister der Dämonenbändigung“) –, die Chan-Lehre; wer Chan übte, musste die Nacht durchwachen und ließ das Abendessen aus, und allen wurde „皆许其饮茶“ – Tee erlaubt. So „人自怀挟,到处煮饮,从此转相仿效,遂成风俗“ – die Leute trugen ihren eigenen Tee bei sich, kochten ihn, wo sie waren, ahmten einander nach, und es wurde Brauch. Die Route wird ausdrücklich genannt: „起自邹、齐、沧、棣,渐至京邑“ – sie begann in den Gegenden von Zou, Qi, Cang und Di und erreichte allmählich die Hauptstadt. Der Wachbedarf des Klosters machte den Tee zuerst zu einem Werkzeug der Übung, bevor er ein Getränk der Stadt wurde.

Münze hinein, Schale heraus

In der Hauptstadt gab es dann Läden: „城市多开店铺,煎茶卖之,不问道俗,投钱取饮“ – die Stadt öffnete viele Läden, kochte Tee und verkaufte ihn, Mönch wie Laie gleich, Münze hinein, Getränk heraus. In diesen Worten steckt ein ganzes Geschäft: ein Ladenlokal, frisch gekochter Tee zum Verkauf, ein Preis, der für alle gilt, und Kundschaft ohne Rücksicht auf den Stand. Auch der Nachschub steht in derselben Notiz: „其茶自江、淮而来,舟车相继,所在山积,色类甚多“ – der Tee kam vom Yangtze und vom Huai, Boote und Karren in ununterbrochener Folge, überall lag er aufgetürmt, in vielen Sorten. Die Teelust der nördlichen Stadt ruhte auf südlicher Ware. tou qian qu yin (投钱取饮, „Münze einwerfen und trinken“) setzt dreierlei zugleich voraus: ein Gefäß, das das Geld aufnimmt, einen festen Preis und einen Kunden, der ein Fremder sein darf und keinen Namen nennen muss. Genau das braucht ein Markt, um zu bestehen.

Dreißig Münzen für den Tee-Doktor

Läden brauchten Leute, die kochen konnten. Feng Yan beschreibt, wie Lu Yu (陆羽), Beiname Hongjian, ein Cha Lun (茶论, „Abhandlung über den Tee“) verfasste, das Wirkung sowie die Verfahren des Kochens und Röstens darlegte, und vierundzwanzig Teegeräte fertigte, die in einem „都统笼“ genannten Korb – du tong long (都统笼) – aufbewahrt wurden, sodass Liebhaber zu Hause je einen Satz hielten; ein Mann namens Chang Boxiong (常伯熊) erweiterte und feilte Lu Yus Ausführungen dann „广润色之“, und „于是茶道大行,王公朝士无不饮者“ – so kam die Teekunst in Schwung, und kein Prinz und kein Hofbeamter blieb ohne Tee. Die folgende Anekdote ist anschaulich: Als der Zensor Li Jiqing (李季卿) in Linhuai (临淮) weilte, lud er zuerst Chang Boxiong zum Teekochen. Chang trug einen gelben Überwurf und eine schwarze Gazemütze, hielt die Geräte in der Hand, sprach die Namen der Tees vor, wies und unterschied, und die Gesellschaft starrte. Später lud Li auch Lu Yu, der „身衣野服,随茶具而入“ – in ländlicher Kleidung, mit seinem Teegerät – hereinkam, sich setzte und den Tee „教摊如伯熊故事“ ausbreitete, ganz in der Art Boxiongs. Li sah ihn insgeheim von oben herab; als der Tee getrunken war, ließ er einen Diener „取钱三十文酬煎茶博士“ – dreißig Münzen holen, um den jiancha boshi (煎茶博士, „Tee-Doktor“) zu bezahlen. Dreißig Münzen also für den Mann am Kessel, nicht der Preis einer Schale. Lu Yu schrieb, beschämt, später eine „Abhandlung, die den Tee verwirft“ (毁茶论); Chang Boxiong bekam vom übermäßigen Trinken ein Windleiden und riet in späteren Jahren niemandem mehr zu. Der Gegensatz hatte auch eine Ständeseite: Chang im gelben Überwurf und der schwarzen Gazemütze führte das Teekochen vor; Lu Yu in ländlicher Kleidung übte ein Handwerk aus. Was Li verachtete, war die Haltung, nicht das Getränk.

Der Weg eines Getränks nach Norden, keine Geschichte der Teekultur

Die Grenzen müssen benannt werden. Feng Yan war ein Tang-Autor und schrieb auf, was Tang-Leute sahen; getrunken wurde Tee auch vorher: Seine eigene Notiz führt den Wu-Herrscher Sun Hao (孙皓) an, der Wei Zhao (韦昭) Tee statt Wein trinken ließ, und Xie An (谢安), der bei Lu Na (陆纳) nur Tee und Obst bekam. Und er sagt es selbst: „古人亦饮茶耳,但不如今人溺之甚,穷日尽夜,殆成风俗“ – die Alten tranken auch Tee, nur nicht so versessen wie die Menschen heute, den ganzen Tag und die ganze Nacht, bis es Brauch wurde. Er wusste von einer älteren Geschichte; der Brauch aber war für ihn eine Erscheinung der Tang-Zeit. Dieser Artikel unternimmt keine Geschichte der Teekultur und keine Geschichte der Teekunst. Belegt ist: der Tee als „Sklave des Kumiss“ am Hof der Nördlichen Wei; die Ausbreitung in der Kaiyuan-Ära von den Klöstern und der Gegend von Zou und Qi bis in die Hauptstadt; Läden, die Tee kochten und ihn an jeden verkauften, der zahlte; Männer, die „Tee-Doktoren“ hießen und dreißig Münzen bekamen. Nicht belegt ist: was eine Schale Tee kostete, wie viel ein Laden am Tag verkaufte, woher er seine Ware bezog, wer dort arbeitete – Feng Yan hält allein die dreißig Münzen fest, die dem Tee-Doktor gezahlt wurden, den Teepreis notiert er nicht; auch sagt er nicht, wie viele solcher Läden die Stadt hatte, in welchen Straßen sie lagen oder wie der Tee heiß gehalten wurde. Eine Frage bleibt offen: Wenn man eine Münze in den Kasten warf, wie viele wen (文) waren es? Feng Yan antwortet nicht.

Quellen und weitere Lektüre

  1. 封演《封氏闻见记》卷六·饮茶 — 「南人好饮之,北人初不多饮」;开元中泰山灵岩寺降魔师与禅教饮茶之风;「起自邹、齐、沧、棣,渐至京邑」;「城市多开店铺,煎茶卖之,不问道俗,投钱取饮」;茶自江淮「舟车相继,所在山积」;陆羽《茶论》、茶具二十四事、常伯熊;李季卿请二人煎茶并「取钱三十文酬煎茶博士」;孙皓以茶代酒、陆纳设茶果;末段「穷日尽夜,殆成风俗」
  2. 杨衒之《洛阳伽蓝记》卷三(王肃条) — 王肃初入北魏「不食羊肉及酪浆等物,常饭鲫鱼羹,渴饮茗汁」,「一饮一斗,号为漏卮」;高祖问「茗饮何如酪浆」,答「唯茗不中,与酪作奴」;彭城王设「邾莒之食,亦有酪奴」,因号茗饮为「酪奴」;刘缟专习茗饮被嘲「苍头水厄」,「朝贵宴会,虽设茗饮,皆耻不复食」