Am Brückenkopf von Zhou(周村桥头)lag ein Feld, dessen Jahresrente fünf dou(五斗, ein Hohlmaß für Getreide)betrug. Zwei Männer hielten je einen Vertrag in der Hand und sagten, das Feld sei ihres. Einer von ihnen verkaufte es weiter, der Käufer verschenkte es, und eine Kreisschule, xuexian(县学, die Schule eines Kreises), nahm es an. Als der Fall bei einem Richter ankam, der sein Urteil aufschrieb, dauerte er bereits vierzehn Jahre. Das Urteil beginnt mit der Pacht, weil die Pacht der ganze Kern der Sache ist: fünf dou im Jahr, vierzehn Jahre Streit.

Der Spruch steht im Minggong Shupan Qingming Ji(《名公书判清明集》, einer Sammlung von Urteilen angesehener Richter der Südlichen Song), im vierten juan(卷四), in der Abteilung „Haushalt und Ehe“(户婚门), Abschnitt „Streit um Besitz, erster Teil“(争业上); der Fall selbst trägt die Überschrift „Ein bereits verkauftes Feld darf man nicht einer Kreisschule schenken“. Geschrieben hat ihn Weng Haotang(翁浩堂), das ist Weng Fu(翁甫), den die neuere Forschung unter die namhaften Richter mit neokonfuzianischem Hintergrund zählt. Das Buch ist eine nach Sachgruppen geordnete Sammlung von Urteilen: Die gängige Ausgabe umfasst vierzehn juan, die juan 4 bis 9 bilden die Abteilung für Haushalt und Ehe, und die Streitigkeiten um Land machen darin über hundert Stücke aus, fast ein Viertel des ganzen Buches; der alte, in Japan erhaltene Song-Fragmentdruck der Jingjiatang(静嘉堂)bewahrt dagegen nur 133 Urteile aus dem Haushalts- und Eherecht. Vor allem anderen eine Feststellung: Ein Urteil ist kein Verhandlungsprotokoll. Wir lesen die Erzählung und die Begründung des Richters, nicht die Aussagen der beiden Parteien. Wenn es heißt, der Fall sei „vierzehn Jahre ohne Entscheidung“ geblieben, oder Wu Ba(吴八)habe sich „an die Mächtigen angelehnt“, dann sind das seine Formulierungen. Das Buch war als Muster für künftige Amtsträger gedacht: Was es bewahrt, ist weniger das Feld als die Art, wie ein Kreisbeamter eine Akte behandelte.

Die beiden Urkunden

Der Richter begann bei den Papieren: „Jetzt sind die ganzhao herbeigeholt“(今索到干照)— ganzhao(干照), das sind die Verträge samt den Nachweisen, die zu ihnen gehörten. Sie zeigten: Zheng Yingrui(郑应瑞)hatte das Gut von Mao Reng'er guanren(毛仍二官人)gekauft, der Vertrag stammte aus dem sechsten Jahr der Ära Shaoding (1233); Wu Ba hatte im ersten Jahr der Ära Duanping (1234) von Mao Reng'yi guanren(毛仍一官人)ein Stück erworben, yi qiu(一丘, ein einzelnes Flurstück), und zwar „innerhalb des Feldes, das Zheng Yingrui gekauft hatte“ — es war das Feld mit den fünf dou. Zwei Verträge, ein Feld; und der spätere Kauf lag in dem früheren. Die beiden Verkäufer erscheinen als Mao Reng'yi guanren und Mao Reng'er guanren, nach der Rangfolge der Älteren und Jüngeren im selben Haushalt Mao Reng; das Urteil notiert die Namen und hält nicht dabei an.

Das Urteil breitet keine Lehre vom Eigentum aus, sondern Urkunden und eine Abfolge. Zheng kaufte zuerst; Wu kaufte ein Stück in Zhens Feld; Wu verkaufte dieses Stück an Registrar Kong(孔主簿, den Registrator); und Kong schenkte das bereits verkaufte Feld im zweiten Jahr der Ära Chunyou (1242) der Kreisschule. An diesem Punkt, sagt das Urteil, hätten beide Seiten „zurücktreten und es dabei bewenden lassen“ können(皆可以退听矣). Sie taten es nicht. Was kam, war die Schule.

Wie ein verkauftes Feld in eine Schule kam

So beginnt das Urteil: „Ich weiß nicht, was es mit diesem Registrar Kong auf sich hat“(不知孔主簿何者)— und wie er dazu kam, im zweiten Jahr der Ära Chunyou das bereits verkaufte Feld der Kreisschule zu schenken. Dann: „Es gab einen amtierenden Kreishauptmann namens Ni, der fragte nicht, woher es kam, ließ einen großen, weithin lesbaren Anschlag ausschreiben und nahm es ohne Weiteres an“(有倪权县者,不问来由,大书明榜,遽从而招受之). Ni führte den Kreis nur vorübergehend(权县). Danach, heißt es, wurde Wu Ba „nur noch zügelloser“: Er bebaute das Land nicht nur, er belästigte auch die Nachbarschaft.

Es folgt der schwerste Satz des Urteils. Dürfe man ein Feld wie dieses annehmen, dann hieße das: „damit macht man unseren allerheiligsten König Wenxuan zum ……“ Der Satz bricht dort ab, die fehlenden Zeichen bleiben offen. König Wenxuan(至圣文宣王)ist Konfuzius, und der Vorwurf ist nicht zu überhören: Der Höchste Heilige wird zum Schutzherrn der Landraffer gemacht. Würde so weiter eingesammelt, reichten die Schuläcker bis über den letzten Rain hinaus. Und zum Schluss: „Welche größere Verleumdung des früheren Heiligen, welche größere Befleckung der Schüler!“(其诬先圣,污学徒孰甚焉)Denn Schuläcker, xuetian(学田, gestiftetes Land, von dessen Pacht eine Schule lebte), waren das Stiftungsgut einer Schule. Der Vorwurf lautet also: Eine Kreisschule, die ein Feld unklarer Herkunft annimmt, nimmt nicht bloß ein schlechtes Geschenk an — sie macht aus dem Namen des Heiligen eine Erlaubnis zur Landaneignung, zu genau dem, wogegen eine Schule stehen müsste. Und es sei nicht Kongs Plan allein gewesen: Wu Ba sei „mit im Komplott“(同为谋). Warum eine Schule solches Land überhaupt nahm, dafür lohnt ein Augenblick. Das Land ernährte die Schule; ein Feld, das unter dem Namen der Schule lief, kam in die offiziellen Verzeichnisse; und wer es stiftete, gewann Ansehen durch die Gabe. Das Urteil sagt das nicht ausdrücklich, es setzt es als selbstverständlich voraus — und eben darum sitzt die Ironie an dem Punkt, an dem die Kreisschule aufhörte zu fragen, woher das Feld kam.

Der Mann, der aus einem Nassfeld ein Grab machte

Im Akt steckt noch eine zweite Geschichte, die erklärt, warum ein Landstreit sich wie ein Begräbnisstreit liest. Zheng Yingrui, hält der Richter fest, sei „keine Familie, die ihre Toten verbrennt“, und ein Nassfeld sei kein Begräbnisplatz(非火葬之家,水田非埋葬之地). Auf dieser Grundlage war der Prozess nicht zu gewinnen. Also „borgte er sich den Namen eines Grabstreits“(假葬地之名,以争之), um das Feld unter diesem Titel zu verfolgen — ein geliehener Name für eine Sache, die keine war. Der Richter nennt das „das Ende seiner Auswege“(计虑之穷)— kein Lob, sondern das Bild eines Klägers, dem kein Weg mehr blieb. Die vierzehn Jahre führt er darauf zurück, dass Wu Ba sich „an die Mächtigen anlehnte“, und auf den „Schutz“, den Kong ihm gewährte(担庇). Auch das steht nur in seiner Feder; die Parteien kommen hier nicht zu Wort.

Wie das Urteil geschrieben wurde

Das Urteil trennt, was heutige Leser in einem Satz zusammenfassen würden. Beim Strafrecht: Wu Ba wird wegen widerrechtlicher Besetzung zu hundert Stockhieben verurteilt(勘杖一百). Bei den Urkunden: Der Anschlag und das Schriftstück der Schule sind zu vernichten(榜引毁抹). Bei den Rückständen: Die nicht gezahlte Pacht wird „unter Aufsicht“ eingezogen(引监). Beim Titel: Die ganzhao gehen an Zheng Yingrui zurück, damit er das Gut „hält und bewirtschaftet“, guanye(管业, Besitz und Bewirtschaftung), und es wird ihm ein Beleg darüber ausgestellt. Beim Verfahren: Der Spruch wird bekannt gemacht(备榜)und an die Präfekturbehörde gemeldet(申使府). Und ein loser Faden: Die ganren(干人, der Verwalter eines Haushalts)des Hauses Kong werden einstweilen von der Verfolgung ausgenommen. Strafe, Urkunden, Pachtrückstände und Titel sind vier getrennte Dinge, und das Urteil hält sie getrennt; es schreibt nicht einfach „das Feld ist zurückzugeben“. Ein paar Wörter sind eine Erklärung wert: Die hundert Hiebe sind eine Prügelstrafe, keine Freiheits- oder Arbeitsstrafe; guanye heißt, ein Gut halten und bewirtschaften, und die ganzhao sind das Papier, das dieses Halten belegt; der ganren des Hauses Kong ist dessen Verwalter, nicht sein Herr. Und das Urteil spricht nach oben: Es ordnet an, den Spruch bekannt zu machen und an die Präfektur zu melden — die eine Hälfte ist für die Parteien geschrieben, die andere für die Vorgesetzten.

Was in der Akte fehlt

Was fehlt, wiegt ebenso schwer. Der Kreis wird nicht genannt, auch nicht die übergeordnete Provinz — es geht um einen Fall in einem Kreis, nicht um einen Beleg dafür, dass es überall in der Südlichen Song so zuging. Die Aussagen der beiden Parteien fehlen. Und es fehlt, was nach dem Urteil geschah: ob die Kreisschule ihren Anschlag wirklich vernichtete, ob Zheng Yingrui das Feld mit den fünf dou je zurückbekam. Die Quellen enden hier, und dieser Text füllt die Lücke nicht. Wo das Urteil von „dem Gesetz“ spricht, bleibt das ein Sammelbegriff; Bestimmungen des Song Xingtong(《宋刑统》, des Strafgesetzbuchs der Song)mit Paragraphennummern nachzureichen, hieße, dem Text etwas anzuhängen, was er nicht sagt. Was bleibt, ist eine kleine, scharfe Szene: ein Feld mit fünf dou Pacht im Jahr, eine Kreisschule, die es haben wollte, ein Kläger, der sein Nassfeld für ein Grab ausgab, und ein Richter, der seinen schwersten Satz für die Schule aufsparte.

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《名公书判清明集》卷四·户婚门·争业上「已卖之田,不应捨入县学」(翁浩堂判;明张四维辑,识典古籍影印本) — Zheng Yingrui and Wu Ba disputing a field rented at five dou a year, fourteen years undecided; Zheng's 1233 deed from Mao Reng'er, Wu's 1234 deed to one plot inside Zheng's field; Wu sells to Registrar Kong, who donates it to the county school in 1242; judgment flogs Wu, destroys the school's notice, returns the title deeds to Zheng.
  2. 《名公书判清明集》目录(识典古籍影印本) — The fourteen-juan structure: juan 4 to 9 form the household and marriage division (disputed property, redemption, inheritance, illegal transactions).
  3. 李浩〈《清明集》蕴含「德法兼治」司法原则〉,《中国社会科学报》2023-04-07 — Textual history: the Jingjiatang Song fragment with 133 household cases, the Ming Longqing edition in fourteen juan, the seven divisions; land cases over a hundred, nearly a quarter of the book; Weng Fu (Haotang) among the Neo-Confucian magistrates whose judgments are collected.