Der Satz wird viel zitiert, und fast immer wird er falsch gedeutet. Als der junge Bai Juyi nach Chang'an kam und dem Kritiker Gu Kuang seine Gedichte vorlegte, blickte dieser auf den Namen und sagte — die früheste Fassung steht in der Notizensammlung Youxian Guchui(《幽闲鼓吹》, einer Anekdotensammlung der späten Tang-Zeit)—: „Der Reis ist gerade teuer, auch das Wohnen ist nicht leicht.“ Die spätere Fassung im Tang Zhiyan(《唐摭言》, Anekdoten über die Prüfungen der Tang-Zeit)schärfte das nach: „In Chang'an ist alles teuer, das Wohnen ist sehr beschwerlich.“ Vier Zeichen wurden am Ende herausgelöst und zum Sprichwort gemacht: Chang'an ju, da bu yi. Tausend Jahre lang hörten die Leser darin eine Klage über die Miete. Doch der eine Satz handelt vom Reis, der andere von allen Dingen; keiner handelt von der Miete.
Die Geschichte selbst ist kaum zu halten. Wei Jingbo(魏景波)breitete 2023 in einem Aufsatz die Zweifel aus: Die Anekdote tauche erst Jahrzehnte nach Bai Juyis Tod auf. Gu Kuang hielt sich vom dritten bis zum fünften Jahr der Zhenyuan-Ära in Chang'an auf, bis in den dritten Monat; Bai Juyi war damals im Süden, die beiden hatten weder Zeit noch Ort gemeinsam. In den überlieferten Schriften der beiden kommt der jeweils andere mit keinem Wort vor, und die beiden Tang-Geschichtswerke erzählen die Sache unschärfer. Sein Schluss: Die Begegnung soll von Spaßmachern der späten Tang erfunden worden sein — ein historisches Ereignis war sie nicht. Doch er fügte gleich hinzu, dass auch erfundenes Material wahre Information trägt — dass Gelehrte mittellos in der Hauptstadt festsaßen, stimmte. Bai Juyi schrieb in Yu Yuan Jiu Shu(《与元九书》, „Brief an Yuan Zhen“), er habe am Hof keinen Verwandten, nicht einmal in der Trauerordnung, und unter den hohen Würdenträgern keinen, dessen Gesicht er zur Hälfte kenne; im Gedicht heißt es: „Mitleidenswert tritt einer vor die Tür und hat nur seinen Leib; in zerschlissenem Pelz und auf magerem Pferd reitet er hinein ins Land von Xian und Qin. Die Straßentrommeln dröhnen, der rote Staub liegt dunkel; spät erreicht er Chang'an, und kein Hausherr wartet.“ All das liefert keine Mietsumme: keine einzige Miete aus Chang'an ist überliefert. Was folgt, ist das, was die Quellen tatsächlich sagen.
Hundertacht Viertel, ein Raster
Nach dem, was Xu Song(徐松)in Tang Liangjing Chengfang Kao(《唐两京城坊考》, „Untersuchung der Städte und Viertel der beiden Hauptstädte der Tang“, juan 2)zusammenstellte, maß die äußere Stadt von Ost nach West achtzehn li und 115 Schritte, von Nord nach Süd fünfzehn li und 175 Schritte, im Umfang 67 li; die Mauer war ein zhang und acht chi hoch. Im Inneren liefen vierzehn Straßen von Nord nach Süd und elf von Ost nach West; zwischen ihnen lagen die Viertel, fang(坊)genannt, insgesamt 108. Der Kreis Wannian(万年县)verwaltete die 54 Viertel östlich der Zhuque-Tor-Straße und den Ostmarkt, der Kreis Chang'an(长安县)die 54 Viertel westlich davon und den Westmarkt; jeder der beiden Märkte nahm den Grund von zwei Vierteln ein. Die Zhuque-Tor-Straße war „von Ost nach West hundert Schritte breit“. Die Viertel waren nicht gleich groß: Das erste östlich der Straße maß 350 Schritte von Ost nach West, das zweite 450, die folgenden drei je 650; westlich der Straße galt dasselbe. Xu Song zitiert außerdem Lü Dalins(吕大临)Chang'an Tu(《长安图》, „Karte von Chang'an“); die 36 Viertel südlich der Kaiserstadt hatten je zwei Tore im Osten und Westen und waren je 350 Schritte tief; die 74 Viertel zu beiden Seiten hatten je vier Tore und waren je 650 Schritte breit; die sechs südlichen waren 550 Schritte tief, die sechs nördlichen 400, und jedes Viertel hatte „eine Kreuzstraße, die nach vier Seiten zu den Toren lief“ (十字街四出趣门).
Dieses Raster ist die erste Tatsache über das Wohnen in Chang'an: Ein Haus stand in einem benannten, vermessenen, abgestuften Quadrat innerhalb der Stadtmauer. Das Raster sagt nicht, wie viele Menschen in einem Viertel, wie viele Räume ein Haus, wer welchen Grund besaß. Xu Songs Buch verzeichnet Viertel für Viertel die berühmten Stätten, Klöster, Häuser und Amtsstellen; es notiert, wer wo gewohnt hat, nicht, wie viele dort wohnten.
Haus, Herrenhaus und Mietwohnung
Zuerst sind ein paar Wörter zu trennen. Ein zhai(宅)ist ein Wohnhaus, ein di(第)meist ein größeres, oft vom Thron verliehen. Ein lüguan(旅馆)oder lüshe(旅舍)ist ein Gasthaus, eine Herberge — kein Hotel von heute, meist ein privater Betrieb im Inneren eines Viertels, der sein großes Tor nicht an der Durchgangsstraße öffnete. Für das Mieten gab es eine eigene Wortfamilie: jiuwu(僦屋), jiuju(僦居), jiaju(假居), linzhai(赁宅). Wang Jians(王建)Gedicht „Auf die Pfingstrosen eines gemieteten Hauses“ (〈题所赁宅牡丹花〉) steht in Quan Tang Shi(《全唐诗》, „Vollständige Gedichte der Tang“, juan 299)und ist der sauberste Beleg dafür, dass Mieten alltäglich war: „Das gemietete Haus brachte Blumen in Fülle; als sie sich erst öffneten, hielt ich sie für einen Zauber.“ Das Gedicht nennt weder Stadt noch Preis: es belegt das Wort, nicht den Markt.
Wer mietete? Am deutlichsten ist die institutionelle Seite. Die chaozhao shi(朝集使, Gesandte, die die Provinzen zur jährlichen Audienz in die Hauptstadt schickten)hatten dort keine Unterkunft; nach dem Tongjian(《通鉴》, Kurzform des Zizhi Tongjian), den Xu Song ausschreibt, „wohnten sie zur Miete unter Kaufleuten, bis der Hof im siebzehnten Jahr der Zhenguan-Ära (643) erstmals Beamte anwies, ihnen ein di(邸, Amtsresidenz)zu bauen“. Im zwölften Jahr der Dali-Ära (777) wurden diese Residenzen in jinzou yuan(进奏院, Verbindungsbüros der Provinzen in der Hauptstadt)umbenannt; eines davon stand im Wuben fang(务本坊). Im selben Viertel lag auch eine Herberge: Das Jiegu Lu(《羯鼓录》, „Aufzeichnungen über die Jiegu-Trommel“)berichtet für die Guangde-Ära, ein Gast aus Shu, der frühere Unteramtmann von Shuangliu, Li Wan(李琬), sei „zur Musterung nach Chang'an gekommen und habe im selben Viertel zur Miete gewohnt“ (僦居本里). Die Herberge des Jing'an fang(靖安坊)steht in einer Grabinschrift: Der Vizegouverneur von Henan, Pei Ji(裴济), „starb in der Herberge des Jing'an-Viertels in der Hauptstadt“. Die Herberge des Xingdao fang(兴道坊)erscheint in Wunderseschichten — ein Kanzleischreiber aus Qizhou stieg dort ab, der Prüfungskandidat Li Xibo(李僖伯)„wohnte vorübergehend im Xingdao-Viertel der oberen Hauptstadt“. Im Changxing fang(长兴坊)notierte Duan Chengshi(段成式), er habe in der Yuanhe-Ära dort „vorübergehend gewohnt“, und nebenan lag ein Laden, der biluo(毕罗, ein Gebäck)verkaufte. Mieten war so gewöhnlich, dass es als Hintergrund für Gespenstergeschichten und Notizen taugte.
Das Viertel unter der Erde
2022 und 2023 untersuchten und gruben Archäologen auf einem Sanierungsgrundstück im Bezirk Lianhu in Xi'an; die Stelle liegt etwas südwestlich der Mitte des Buzheng fang(布政坊)der Sui-Tang-Zeit. Das Viertel hieß ursprünglich Longzheng fang(隆政坊)und wurde umbenannt, um den persönlichen Namen des Kaisers Xuanzong zu meiden. Im Osten des Grabungsgebiets lief eine Nord-Süd-Straße, L1; ihre früheste Fahrbahn war 10,8 Meter breit, die späteste 11,1 Meter, was der Breite einer großen Kreuzstraße im Viertel entspricht. Rund 67 Meter westlich von L1 kam eine zweite Nord-Süd-Straße zutage, L2, die als Gasse im Viertel gilt. Zwischen der großen Kreuzstraße und der Gasse fanden sich zwei Hofanlagen, die von Wänden aus gestampfter Erde (夯土) eingefasst und von Ost nach West aneinandergebaut waren; die zweite war besser erhalten. An Befunden kamen Brunnen, Wasserkrüge, ein gemauertes Vorratsloch und irdene Abflussrohre hinzu; unter den Funden waren eine steinerne Bodhisattva, eine Tonspagode und ein Steinsitz mit Ritzzeichnung. Der Grabungsbericht nennt keine Hoffläche, keine Raummaße, keine Bewohner — also nennt sie auch dieser Artikel nicht.
Wo die Stadt aufhörte und wo sie teuer wurde
Das zweite Kapitel hielt auch fest, wo die Stadt aufhörte, Stadt zu sein. Der Eintrag zum Kaiming fang(开明坊)lautet: „Südlich des Xing Shan si(兴善寺, Kloster Xing Shan)laufen vier Viertel bis zur äußeren Mauer, und es gibt so gut wie keine Herrenhäuser. Wer dort wohnte, wohnte vereinzelt, der Rauch der Herde hing nicht zusammen; gepflügt und gesät, die Feldraine liefen aneinander.“ Ackerland innerhalb der Stadtmauer. Am anderen Ende stand der Preis: Xu Song zitiert aus Du Mus(杜牧)Shen Chuanshi Xingzhuang(《沈传师行状》, Lebensbeschreibung des Shen Chuanshi)— Shen habe „in der Hauptstadt, im Kaihua fang(开化坊), ein Herrenhaus erworben, der Preis betrug drei Millionen“. Das ist eine Einzelnotiz, ein Amtskauf, kein Marktpreis. Auch das Enge war verzeichnet: Du Mu beschrieb das alte Haus der Familie im Anren fang(安仁坊), am Ende der Kaiyuan-Ära erworben — „es hatte dreißig Räume und nicht mehr“; am Ende der Yuanhe-Ära ging es für Zinszahlungen an andere über, und die Familie zog um: „in acht Jahren sind wir zehnmal umgezogen, rennend und geplagt, nirgends ein Ort, an den wir gehören.“ Die Romanstoffe gehören woandershin: Für das Xingdao-Viertel gibt es die Notiz, im achten Jahr der Kaiyuan-Ära (720) sei ein Viertel der Hauptstadt über Nacht zu einem Teich versunken und habe fünfhundert Haushalte verschlungen; Xu Song setzte selbst hinzu, das stehe in keinem anderen Buch und „ist nicht zu glauben“. Solches taugt nur für das Chang'an, das man sich in der Tang-Zeit vorstellte.
Eine Rechnung ohne Preise
Das Grundbuch ist leer: keine Miete, keine Laufzeit, keine Kaution, kein Vermieter, keine Zahl der Haushalte je Viertel, und außer Du Mus dreißig Räumen keine einzige Zimmerzahl. Die Mietverträge aus Dunhuang(敦煌, Oasenstadt an der Seidenstraße)nennen zwar Preise, aber sie gehören in die Zeit der tibetischen Herrschaft und der Guiyi-Armee und zu einer anderen Stadt: andere Zeit, andere Stadt; nach Chang'an lassen sie sich nicht übertragen. Und Romane sind keine Institution. Was bleibt, ist dies: 108 vermessene Quadrate, ein Wortfeld aus Haus, Herrenhaus, Gasthaus, Herberge und Miete, eine ausgegrabene Gasse im Viertel und zwei Lehmhofanlagen — und ein Sprichwort über den Reispreis, das spätere Leser zu einem Sprichwort über die Miete machten.
Quellen und weitere Lektüre
- 徐松《唐两京城坊考》卷二·西京外郭城(清人辑唐史料,维基文库) — Outer city and its 108 wards, four gates and cross streets, Zhuque Gate street 100 paces wide, ward sizes 350/450/650 paces; inns and lodging houses in Xingdao, Wuben, Changxing and Jing'an wards; chaozhao envoys renting among merchants until offices were built in 643; Du Mu's thirty-room family house and Shen Chuanshi's three million cash purchase.
- 魏景波〈再议「长安居,大不易」〉,《中国社会科学报》2023-12-08(光明网转载) — The two versions of the anecdote — Yanxian Guchui's “rice is dear, living is not easy” and Tang Zhiyan's “all things in Chang'an are dear”; the author's conclusion that the Bai Juyi–Gu Kuang encounter was likely a late-Tang fabrication, and that the fabricated story still carries true information about poor scholars in the capital.
- 〈隋唐长安城布政坊遗址考古成果公布〉,央视新闻 2026-03-21(光明网转载) — Buzheng ward excavation, 2022–2023: cross street L1 10.8–11.1 m wide, lane L2 about 67 m west, two rammed-earth walled compounds, wells and water vats, brick storage pit, ceramic drains; the report gives no compound area, room dimensions or occupant identity.
- 王建〈题所赁宅牡丹花〉,《全唐诗》卷二百九十九(维基文库) — “Renting a house brought flowers in abundance”: a poem that treats renting as ordinary. It names no city and no price, so it is evidence for the vocabulary of renting, not for Chang'an rents.




