Beginnen wir mit dem verletzendsten Satz: „Frauen soll nur eine grobe Kenntnis von ein paar hundert Zeichen erlaubt sein – Brennholz, Reis, Fisch, Fleisch; mehr Schriftkenntnis nützt nichts und schadet.“ Gesagt hat ihn eine Mutter, aufgeschrieben hat ihn ihr Sohn. Zur selben Zeit verfasste eine Kaiserin ein Frauenlehrbuch in zwanzig Kapiteln, und ein Historiker gab im Vorwort zu einer Reichsgeschichte zu: Die mustergültigen Frauen sind ausgewählt. Drei Texte, drei Positionen – Vorschrift, Ermahnung, Ehrung. Alle drei sprechen über Frauen, aber keine spricht von derselben Stelle aus.

Der Katalog der Kaiserin

Im Winter des Jahres 1404 stellte Kaiserin Xu (徐氏), bekannt unter ihrem postumen Titel Renxiao Wen huanghou (仁孝文皇后) und Gemahlin des Yongle-Kaisers (永乐帝, Ming Chengzu), die Neixun (《内训》, „Innerer Unterricht“) in zwanzig Kapiteln fertig; im ersten Monat des folgenden Jahres schrieb sie das Vorwort. Die Kapitelüberschriften sind selbst eine Einteilungstabelle: Wesensart, Selbstkultivierung, bedachte Rede, behutsames Handeln, Fleiß und Ansporn, Wachsamkeit, Sparsamkeit, Gutes ansammeln, sich dem Guten zuwenden, die Lehre der Heiligen verehren, würdigen Vorbildern folgen, den Eltern dienen, dem Herrscher dienen, den Schwiegereltern dienen, die Opfer versehen, mütterliches Vorbild, Eintracht mit den Verwandten, Güte gegen die Kleinen, Nachsicht gegen die Untergebenen, Umgang mit der Verwandtschaft der Kaiserin. Vom inneren Wesen eines Menschen bis zu ihrem Verhältnis zur Familie, aus der sie kam – ein Fach nach dem anderen. Im Vorwort heißt es: „Im Altertum hatte die Erziehung ihre Ordnung: Knaben traten mit acht Jahren in die Elementarschule ein, Mädchen empfingen mit zehn Jahren den Unterricht der Erzieherin (女子十年而听姆教)“. Das 十年 in diesem Satz bedeutet „zehn Jahre“. Sie setzt die Erziehung voraus: Auch Mädchen werden unterrichtet, nur anders – mit zehn Jahren übernimmt eine Lehrerin, die „Mutter-Lehrerin“ (姆), ihre Unterweisung.

Das Motiv steht ebenfalls im Vorwort. Die tugendhaften Frauen und keuschen Mädchen der Geschichtswerke, sagt sie, „mögen sie auch vortreffliche Wesensart haben – keine von ihnen ist ohne Erziehung so geworden“ (虽称德性之懿,亦未有不由於教而成者). Für die Elementarschule gab es ein von Zhu Xi (朱熹) zusammengestelltes Buch, für die Erziehung der Mädchen aber kein vollständiges Werk; die Leute griffen allein auf das Hou Hanshu (《后汉书》) und Cao Dajias (曹大家, der Gelehrten Ban Zhao, 班昭) Nüjie (《女戒》) zurück und „fanden sie stets zu knapp“ (恒病其略). Also füllte sie die Lücke selbst. Dabei muss zweierlei klar bleiben. Sie war Kaiserin, und sie schrieb für die Frauen des Palastes und des Adels – das Vorwort sagt es: um „den inneren Palast zu unterweisen“ (以教宫壸); das Buch war keine gesellschaftlich verbreitete Fibel für Frauen. Und „mit acht in die Elementarschule, mit zehn zur Erzieherin“ beschreibt einen alten Brauch, nicht das Schulsystem der Ming-Zeit. Über die Drucklegung stritten später die Herausgeber des Siku Quanshu: Die Biographie in der Mingshi berichtet, das Werk sei 1405, im dritten Jahr Yongle, reichsweit verbreitet worden; das Mingchao Dianhui verzeichnet die Übergabe an die Beamten erst für den elften Monat des fünften Jahres, also 1407; die Siku-Herausgeber in der Siku tiyao neigen dazu, den Beginn Ende 1407 anzusetzen. Zwei Daten stehen nebeneinander, sie verschmelzen nicht zu einem Jahr – und sie erzählen die Geschichte der Verbreitung, nicht die Art des Textes: Es bleibt eine Vorschrift.

Die Stimme einer Mutter

Der zweite Text ist von anderer Art: Die Wenshi Muxun (《温氏母训》, „Die mütterlichen Lehren der Familie Wen“) ist die Aufzeichnung eines Sohnes von den Worten seiner Mutter. Der Sohn, Wen Huang (温璜), bestand 1643, im sechzehnten Jahr Chongzhen, die höchste Prüfung (jinshi), wurde Präfekturrichter in Huizhou, erhob nach dem Untergang der Ming-Dynastie Truppen und starb, als seine Stadt eingenommen wurde; die Aufzeichnung steht als Anhang hinter seinem gesammelten Werk. Die Mutter, Frau Lu (陆氏), ist konkret: „Frauen soll nur eine grobe Kenntnis von ein paar hundert Zeichen erlaubt sein – Brennholz, Reis, Fisch, Fleisch; mehr Schriftkenntnis nützt nichts und schadet.“ Über junge Witwen hält sie nichts von hohen Tönen: „Eine junge Witwe soll man nicht zum Ausharren drängen und nicht zur neuen Heirat zwingen. Es gibt eine unmittelbare Probe: Wer spät schläft und früh aufsteht, Müßiggang hasst und Arbeit liebt, wer rastlos keine Minute leer lässt – das ist gewiss eine Frau, die ihrem Vorsatz treu bleibt.“ Ihre Formel lautet: „寡妇勤,一字经“ – bei einer Witwe entscheidet ein einziges Zeichen: 勤, der Fleiß. Ob sie durchhält, hängt an einem einzigen Wort, nicht am frommen Gerede. Über die Verwandten: „Mögen alle Verwandten wohlhabend sein, und mag ich selbst in Armut für mich bleiben.“ Über das Leben: „Der Mensch braucht nur ein einziges Wort, 巴: warten, hoffen, ausharren. Der Tag 巴 auf den Abend, der Monat 巴 auf den Vollmond, der Bauer 巴 auf das Jahr, der Prüfling 巴 auf drei Jahre.“ 巴 ist kein Ort und kein „bar“, sondern das Warten und Sich-durchbeißen.

Interessant ist, dass ihre Haltung zum Lesen nicht einheitlich war. Der Sohn bemerkt, „bei den Alten sei der Lebensunterhalt das Dringende; sobald man lese, werde es knapp damit“, und sie antwortet: „Gelehrte, Bauern, Handwerker und Kaufleute – jeder betreibt ein Gewerbe, jeder sorgt für seinen Unterhalt; für dich ist das Lesen dein Leben.“ Für den Sohn ist Lesen ein Beruf; für Frauen zieht sie die Grenze bei ein paar hundert Zeichen. Das ist kein Widerstand gegen Schriftkenntnis, sondern eine Linie entlang der geschlechtlichen Arbeitsteilung: draußen der Mann, drinnen die Frau. Zwei Grenzen muss man dabei einhalten. Der Text ist die Aufzeichnung des Sohnes von den Worten der Mutter, kein eigenhändiger Text der Mutter. Und eine Ermahnung ist nicht die Wirklichkeit: „nur ein paar hundert Zeichen“ ist ihre Meinung, keine Alphabetisierungsquote der Ming-Zeit.

Was der Historiker zugab

Der dritte Text ist der freimütigste. Das Vorwort zu den Biographien mustergültiger Frauen in der Mingshi · Lienü zhuan (《明史·列女传》) beginnt bei der Herkunft: „Liu Xiang verfasste seine Frauenbiographien und nahm Handlungen auf, die als Warnung und Vorbild dienen konnten; auf eine einzige Art von Beständigkeit legte er sich nicht fest. Fan Ye folgte ihm darin und sammelte gleichfalls Frauen von hoher Begabung und vortrefflichem Wandel – nicht allein Keuschheit und Märtyrertum galten ihm.“ Dann die Wende: „Von Wei und Sui an nahmen die Geschichtsschreiber vor allem Not und Umherirren, Selbstopfer und Märtyrertod auf. Denn der Sinn der neueren Zeit übersieht das gewöhnliche Tun und schätzt das Außerordentliche und Heftige (忽庸行而尚奇激).“ So hielten die Ehrung durch den Hof, der Eintrag in der Lokalchronik und das Gerede in den Gassen das „Allerwunderbarste und Allerbitterste“ für das eigentlich Schwierige; und „Dichter und Literaten bedienen sich oft des ungewöhnlichen, jedes Maß übersteigenden Handelns, um ihre großartigen, heftigen, bewegten und gefälligen Gedanken auszulassen“ – die Schreibenden liebten die Extreme, weil Extreme sich gut erzählen.

Das Gewicht dieses Absatzes liegt darin, dass hier die Herausgeber einer Reichsgeschichte selbst sagen: Wir wissen, dass dies eine Auswahl ist. Aber es bleibt ein Vorwort, das in der frühen Qing-Zeit für die Mingshi geschrieben wurde – kein Selbstzeugnis aus der Ming-Zeit und keine Statistik. Man kann daraus nicht ableiten, „wie Ming-Frauen lebten“, und ebenso wenig die Zahl der Einträge in den Kapiteln 301 bis 303 als Datenmenge nehmen (dieser Text zählt nichts). Das Vorwort beschreibt ein Auswahlprinzip, nicht die gesellschaftliche Wirklichkeit.

Drei Positionen

Legt man die drei Texte nebeneinander, sieht man nicht „das Frauenbild der Ming-Zeit“, sondern drei Mechanismen der Auswahl. Eine Kaiserin schreibt im Palast Vorschriften und schneidet das Verhalten in zwanzig Fächer, weil es „kein vollständiges Buch der Frauenerziehung“ gab. Eine Mutter ermahnt in einem Gelehrtenhaushalt Sohn und Schwiegertochter – über das rechte Maß an Schriftkenntnis, über die Witwenschaft, über den Umgang mit Verwandten. Ein Historiker stellt unter der neuen Dynastie eine Reichsgeschichte zusammen, gibt zu, dass Ehrung Auswahl ist, und erklärt, warum spätere Zeiten die extremen Tugenden liebten. Alle drei stammen aus dem Palast oder aus Gelehrtenhaushalten; Material über Bäuerinnen, Dienerinnen und Palastfrauen fehlt hier, deshalb lässt sich daraus keine „Ming-Frau“ bauen.

Drei Sätze

Zum Schluss die drei Sätze nebeneinander. Die Kaiserin: Mit zehn Jahren soll ein Mädchen den Unterricht der Erzieherin empfangen (女子十年而听姆教) – Erziehung ist etwas, das es geben soll. Die Mutter: Ein paar hundert Zeichen genügen einer Frau – Erziehung wird an der Geschlechterlinie abgeschnitten. Der Historiker: Spätere Zeiten „übersehen das gewöhnliche Tun und schätzen das Außerordentliche und Heftige“ (忽庸行而尚奇激) – die aufgeschriebenen Frauen sind ausgewählt. Die drei Sätze erklären einander nicht und heben einander nicht auf; zu lesen ist nur, von welchem Platz aus jeder spricht.

Quellen und weitere Lektüre

  1. 《内训》(明·仁孝文皇后徐氏撰;四库全书本,维基文库) — Twenty chapters catalogued by the Qing editors from 'virtuous nature' to 'treatment of the empress's kin'; the preface's 'in antiquity teaching had its order: boys entered the elementary school at eight, girls received the governess's teaching at ten'; written in the winter of 1402 and prefaced in the first month of 1403, because there was no complete book of women's education and the old ones were 'always found too brief'. The Siku editors note that the interlinear commentary under each chapter was probably added by scholar-officials, not by the empress, and they debate whether the printing and distribution to officials began in 1405.
  2. 《温氏母训》(明·温璜录其母陆氏之训;维基文库) — A son's record of his mother's talk: 'Women are allowed only a rough knowledge of a few hundred characters — firewood, rice, fish, meat; more literacy does no good and does harm'; on young widows, 'do not urge her to keep her vow, do not force her to remarry', and her rule of thumb 'a diligent widow, one character'; on relatives, 'let them all be well off and let me keep my own poverty'; and to her son, 'scholars, farmers, craftsmen and merchants each follow one trade; for you, study is your living'. The son Wen Huang was a Chongzhen jinshi who died resisting the Qing; the text survives as an appendix to his collected works.
  3. 《明史》卷三百一·列女传一(清初修;维基文库) — The compilers' own preface on selection: Liu Xiang's biographies of women took only deeds useful as warnings and 'did not preserve one single kind of constancy'; Fan Ye followed him and 'did not value chastity and martyrdom alone'; from Wei and Sui onward historians preferred hardship, flight and self-sacrifice, because 'recent times neglect ordinary conduct and prize the extraordinary and vehement', and because writers were drawn to 'unusual and striking conduct' as matter for fine prose. This is a Qing compilation; the preface describes a selection principle, not a statistic.