Im dritten Monat des Jahres 605 wurden Männer und Frauen der Kommandanturen von Henan und Huaibei ausgehoben, um einen Kanal zu graben: Vom Westgarten (西苑,Xiyuan) bei Luoyang leitete man die Flüsse Gu und Luo in den Gelben Fluss, von Banzhu aus das Wasser des Gelben Flusses in den Huai. Nach dem Zizhi tongjian(《资治通鉴》,Sima Guangs Werk aus dem 11. Jahrhundert, fünf Jahrhunderte nach den Ereignissen)war das Bett vierzig bu(步,Schritt)breit – nach der üblichen Umrechnung etwa sechzig Meter, und das nur als Näherung; an beiden Ufern lief eine Kaiserallee, an der Weiden gepflanzt wurden, und zwischen Chang'an und Jiangdu lagen mehr als vierzig Nebenpaläste. Ein Befehl, und über eine Million Menschen gingen an die Arbeit.
Ein Befehl, eine Million Menschen
Das Sui shu(《隋书》,im frühen Tang zusammengestellt, also nicht von Sui-Zeitgenossen; der Text der Vier Bibliotheken ist ohne Interpunktion überliefert, die Zitate hier sind nach dem Sinn interpunktiert und nicht mit der kritischen Ausgabe kollationiert)notiert in den Annalen Kaiser Yangs für den dritten Monat des Jahres 605: „Über eine Million Männer und Frauen der Kommandanturen von Henan wurden ausgehoben, den Tongji-Kanal zu öffnen: vom Westgarten aus das Wasser von Gu und Luo bis zum Gelben Fluss, von Banzhu aus den Fluss bis zum Huai.“ Das Zizhi tongjian ist ausführlicher: Huangfu Yi, damals Rechter Assistent im Staatssekretariat (尚书右丞),„hob die Bevölkerung der Kommandanturen von Henan und Huaibei aus, insgesamt über eine Million, in mehreren Aushebungen“, und zwar in vier Abschnitten – vom Westgarten aus Gu und Luo zum Gelben Fluss, von Banzhu durch Xingze in den Bian, östlich von Daliang aus dem Bian in den Si, und so bis zum Huai. Dazu „mehr als hunderttausend Menschen aus Huainan, die den Hangou öffneten, von Shanyang bis Yangzi, wo er in den Yangtze mündet“. Im selben Jahr wurde Wang Hong, Beamter des Palastsekretariats (黄门侍郎),nach Süden geschickt, um Holz zu kaufen und Drachenboote und Phönixkähne zu bauen, mehrere zehntausend Stück. Das Sui shu braucht für den Kanal einen Satz, das Tongjian macht daraus einen ganzen Absatz.
Eine Zahl lässt sich hier leicht an die falsche Baustelle hängen. Unmittelbar nach dem Kanal notiert das Tongjian den Bau der Östlichen Hauptstadt: „Monatlich zwei Millionen Dienstpflichtige … vier oder fünf von zehn der Dienstpflichtigen starben“(役丁死者什四五). Das ist die Sterberate beim Bau von Luoyang, nicht die des Kanals. Die beiden Stellen stehen im Buch direkt hintereinander, gehören aber zu zwei verschiedenen Baustellen; dieser Beitrag verschiebt die Zahl nicht auf den Kanal und schätzt mit ihr auch nicht dessen Arbeitskräfte.
Drei Jahre später: zwei Zahlen für einen Kanal
Im ersten Monat des Jahres 608 heißt es im Sui shu: „Ein Edikt hob über eine Million Männer und Frauen der Kommandanturen von Hebei aus, den Yongji-Kanal zu öffnen: das Qin-Wasser nach Süden bis zum Gelben Fluss, nach Norden bis Zhuojun.“ Dieselbe Sache im Zizhi tongjian: „Ein Edikt hob über fünf Millionen Soldaten aus Hebei aus, den Yongji-Kanal zu durchstechen“, dazu der Satz „die tauglichen Männer reichten nicht, erstmals wurden Frauen ausgehoben“. Über eine Million(百余万,wörtlich „über hundert Myriaden“)gegen über fünf Millionen(五百余万):Der Unterschied beträgt das Fünffache. Beide Zahlen stehen hier nebeneinander, sie werden nicht zusammengelegt, nicht gemittelt, und „etwa drei Millionen“ steht hier nicht. Warum sie so weit auseinandergehen, dafür hat diese Recherche keine Erklärung gefunden, und das wird gesagt.
Der Satz über die Frauen stammt aus dem Zizhi tongjian, einer Kompilation der Song-Zeit, fünf Jahrhunderte nach den Ereignissen; im Sui shu steht er in der Aushebungsnotiz nicht, und er wird hier als Satz des Song-Kompilators zitiert. In der Route sind sich beide Bücher einig: das Qin-Wasser nach Süden zum Gelben Fluss, nach Norden bis Zhuojun. Warum der Kanal bis Zhuojun lief, sagen die Materialien nicht – sie geben die Route, nicht den Zweck, und hier wird nichts ergänzt.
Ein früherer Kanal und ein letzter
Die Kanäle waren nicht das Werk eines Mannes. Im Sui shu, im Traktat über die Wirtschaft (食货志),heißt es zum Jahr 584, dem vierten Jahr der Ära Kaihuang: Kaiser Wen „befahl Yuwen Kai, mit Wasserbauleuten einen Kanal zu schlagen, das Wei-Wasser von östlich von Daxing bis Tongguan zu leiten, über dreihundert li(里,ein Wegmaß), und nannte ihn Guangtong-Kanal; der Transport floss, und das Land innerhalb der Pässe lebte davon.“ Das Edikt ist handfest: „im Osten von Tongguan ausgehend, im Westen das Wei-Wasser heranführend, mit menschlicher Arbeit den Transportkanal geöffnet … damit Beamte und Private mit Bootspaaren und großen Kähnen morgens und abends Getreide fahren können, stromauf und stromab ohne Halt.“ Dieser Kanal lag innerhalb der Pässe und sollte den Getreidetransport auf der Wei-Linie in Gang bringen.
610, im sechsten Jahr der Ära Daye, kam der letzte: „Ein Edikt erging, den Jiangnan he zu durchstechen, von Jingkou bis Yuhang, über achthundert li(里),mehr als zehn zhang(丈,zehn Fuß)breit, so dass die Drachenboote passieren konnten“; entlang der Strecke wurden Poststationen, Nebenpaläste und Lager (驿宫草顿) eingerichtet. Vier Kanäle, vier Daten – 584, 605, 608, 610 – und kein einziges Projekt. Der Jiangnan he ist der einzige der vier, für den beide Bücher Länge und Breite nennen; der Guangtong-Kanal hat seine dreihundert li; für Tongji und Yongji gibt keines der beiden Bücher eine Gesamtlänge. Das Tongjian ergänzt, der Kanal sei für eine „Ostreise nach Kuaiji“ angelegt worden.
Was sich rechnen lässt, und was nicht
Rechnen lässt sich: vier Jahreszahlen; drei Aushebungszahlen (über eine Million für den Tongji, über hunderttausend für den Hangou, über eine Million oder über fünf Millionen für den Yongji); die über achthundert li und die mehr als zehn zhang des Jiangnan he; die vierzig bu Breite des Tongji (nach üblicher Umrechnung etwa sechzig Meter, nur als Näherung); die Weiden an der Kaiserallee; die mehr als vierzig Nebenpaläste, in der Quelle mit dem Zählwort suo(所,Zählwort für Gebäude)gezählt. Jede dieser Zahlen hat ihre Stelle, sie lassen sich nebeneinander setzen.
Nicht rechnen lassen sich: Erdbewegung, Bauzeit, Ration pro Arbeitskraft, Lohn, die Liste der ausgehobenen Kommandanturen, die jährliche Transportmenge – keines der beiden Bücher hat davon etwas, und auch keine Gesamtlänge für Tongji und Yongji. Hier wird keine li-Zahl in Kilometer umgerechnet, keine Bauzeit geschätzt und nichts mit heutigen Bauleistungsrechnungen aufgefüllt. Das Sui shu nennt für den Tongji weder Länge noch Breite, das Tongjian nur die Breite. Die Rechnung reicht nur bis zu der Ebene: wie viele Menschen, in welchem Jahr, wie breit, wie lang.
Jenseits der Rechnung
Ein paar Grenzen: Dass der Kanalbau den Untergang der Dynastie verursacht habe, steht hier nicht – die Materialien enthalten diese Kausalkette nicht. Die Sterberate vom Bau der Östlichen Hauptstadt wird nicht auf den Kanal verschoben. Die beiden Zahlen für den Yongji stehen nebeneinander, sie werden nicht ausgeglichen. „Ältester“ oder „längster Kanal der Welt“ wird nicht behauptet, und mit Kanälen anderer Länder wird nicht verglichen. Das Sui shu ist im frühen Tang entstanden, nicht von Sui-Zeitgenossen verfasst, und folgt dem unpunktierten Text der Vier Bibliotheken; die Zitate sind nach dem Sinn gesetzt und nicht mit der kritischen Ausgabe abgeglichen.
Zurück an das Bett: vierzig bu Wasserfläche, an beiden Ufern eine Kaiserallee und zwei Reihen junger Weiden, unterwegs mehr als vierzig Nebenpaläste. 584 ein Kanal von über dreihundert li innerhalb der Pässe; 605 über eine Million Menschen aus Henan und Huaibei; 608 in Hebei wieder über eine Million – oder über fünf Millionen; 610 im Süden über achthundert li. In der Rechnung stehen Jahre, Menschen, Längen, Breiten. Die Erdbewegung und das Getreide, das die Arbeiter aßen, stehen nicht in den Quellen – und damit ist dies die Hälfte einer Rechnung. Vier Jahre, drei Aushebungszahlen, zwei Längen, eine Breite: mehr gibt dieses Konto nicht her, und über Erdbewegung und Rationen kein Wort.
Quellen und weitere Lektüre
- 《隋书》卷三·炀帝纪上、卷二十四·食货志(唐魏征等修;四库全书本,维基文库;四库本无标点,引文按文义加标点,未与中华书局点校本复核) — Four-library text without punctuation. Juan 3: in 605, a hundred thousand and more men and women of the Henan commanderies opened the Tongji canal, drawing the Gu and Luo from the Western Garden to the Yellow river and the river water from Banzhu to the Huai; in 608 an edict levied a hundred thousand and more from Hebei to open the Yongji canal, drawing the Qin south to the river and north to Zhuojun; the Eastern Capital begun the same year. Juan 24 (https://zh.wikisource.org/wiki/隋書_(四庫全書本)/卷24): in 584 Yuwen Kai led water engineers to cut a canal from east of Daxing to Tongguan, three hundred li, called the Guangtong canal.
- 《资治通鉴》卷一百八十、卷一百八十一·隋纪(宋司马光修;维基文库) — Song compilation, five centuries after the events. Juan 180: Huangfu Yi levied Henan and Huaibei commanderies, a hundred thousand and more over time, to open the Tongji canal by four stages; another hundred thousand from Huainan for the Hangou; the channel forty paces wide, an imperial road and willows along it, forty-odd detached palaces between Chang'an and Jiangdu; the same passage records the Eastern Capital's two million labourers a month and the death rate, which belongs to the city, not the canal. Juan 181 (https://zh.wikisource.org/wiki/資治通鑑/卷181): in 608 five million and more from Hebei for the Yongji canal, 'men not enough, women first levied'; in 610 the Jiangnan canal, 800-odd li, ten-odd zhang wide.




