Ein Ziegel von 33 cm im Quadrat, in den zehn Zeilen mit gut 110 Zeichen eingeschnitten sind. Er hält fest: Die Grube lag am Osttor des Speichers Hanjia cang(含嘉仓), „含嘉仓东门从南第二十三行、从西第五窖“ – 23. Reihe von Süden, fünfte Grube von Westen. Gelagert war „苏州糙米“, grober Reis aus Suzhou; die Menge betrug „一万三千石“, 13 000 shi(石,Hohlmaß). Die Erhebung begann im 2. Jahr der Ära Tongtian unter Wu Zhou(武周), der Kaiserin Wu Zetian, und am „圣历二年十一月八日“, dem 8. Tag des 11. Monats im 2. Jahr der Ära Shengli, war die Grube gefüllt. Acht Beamte zeichneten, unter ihnen der Speicher-Schreiber (cangshi) Wang Liang(王亮) und der Aufseher (jianshi) Zhang Wei(张威). 1970 wurde der Ziegel aus der unterirdischen Getreidegrube 19 in Jiajigou(驾鸡沟) bei Luoyang geborgen; heute liegt er im Museum für den Großen Kanal der Sui- und Tang-Zeit in Luoyang. Wie der Staat der Sui und Tang Getreide erhob, bewegte, lagerte und quittierte, lässt sich fast vollständig aus diesem einen Stück Ton zurückrechnen.

Ein Beleg, mit dem das Getreide begraben wurde

Was dieser Ziegel ist, sagen die Berichte ohne Umschweife: ein „入库凭证“, ein Beleg der Einlagerung, der das im Jiu Tang shu überlieferte Archivwesen bestätigt. Er ist kein Denkmal, sondern eine Rechnung. Die Ortsangabe geht bis auf Reihe und Grube, weil in einem Speicher eine Grube an der anderen liegt und ohne genaue Angabe nichts zu finden wäre; die Herkunft reicht bis zur Präfektur, weil die Verantwortung bis zum Ort der Erhebung zurücklaufen muss; Menge, Zeitpunkt und die beteiligten Beamten fehlen nicht. Dass acht Männer unterschrieben, verteilt die Verantwortung für eine Grube auf acht Personen. Diese Praxis – eine Grube, ein Ziegel – erlaubt es noch nach mehr als tausend Jahren, den Ablauf der Einlagerung nachzuvollziehen. Verzeichnet ist darauf aber allein die Einlagerung: Auslagerung, Verluste und Verwendung stehen auf dem Ziegel nicht.

Von Suzhou nach Luoyang

13 000 shi grober Reis aus Suzhou mussten von Jiangnan nach Luoyang gelangen. Diese Strecke war die des Kanals: Das Getreide kam auf Boote, fuhr nordwärts und ging dann zu Land oder auf dem Wasser nach Luoyang – was auf dem Wasser gehen konnte, ging auf dem Wasser, und der Staatsspeicher lag dort, wo die Route die Hauptstadt traf. Die Größe von Hanjia cang zeigt, wie viel er schlucken musste: Das Areal misst 710 m von Nord nach Süd und 612 m von Ost nach West, rund 430 000 m²; gefunden sind über 300 Gruben. Die größte Grubenöffnung erreicht 18 m, die tiefste Grube 12 m. In Grube 160 fanden die Ausgräber Hirse, die verkohlt war und „却依然存有百分之五十的有机物“ – noch immer 50 % organische Substanz enthielt. Gemeint ist damit verkohltes Getreide, das organische Substanz bewahrt hat: kein essbares Korn und schon gar kein „tausend Jahre unverändert“. Es zeigt, dass die unterirdische Lagerung in Gruben – der Bericht nennt sie „地下储存法“, unterirdische Lagermethode – trocken und luftdicht arbeitete: weiter Mund, tiefes Becken, das Getreide bis unter den Rand geschüttet und mit gestampfter Erde abgedichtet.

Die Sui-Seite: vier Speicher und ein Gemeindespeicher

Die erhaltenen Anlagen von Hanjia cang und dieser Ziegel gehören in die Tang-Zeit und zu Wu Zhou; für die Sui muss man in Suishu, Kapitel über die Wirtschaft, zurückgehen. 583 (Kaihuang, 3. Jahr, 583) ließ der Hof in der Präfektur Wei den Speicher Liyang(黎阳), in Luo den Heyang(河阳), in Shan den Changping(常平) und in Hua den Guangtong(广通) einrichten; „转相灌注“, eins floss ins andere, um Getreide aus dem Osten der Pässe und aus Fen und Jin zur Hauptstadt zu schaffen. Dafür warb man in 13 Flusspräfekturen „运米丁“ an und versprach jedem, der 40 shi von Luoyang durch die Stromschnellen von Dizhu(砥柱) nach Changping brachte, Befreiung vom Garnisonsdienst – eine Belohnung, die die Mühen des Kanals in einem Satz zusammenfasst. 585 (Kaihuang, 5. Jahr, 585) beantragte Zhangsun Ping(长孙平) die Yicang(义仓,即社仓 – Gemeindespeicher): Haushalte und Soldaten sollten „劝课当社,共立义仓“ und in ihrer Gemeinde gemeinsam einen Speicher anlegen, nach der Ernte Getreide und Weizen nach ihrem Ertrag einbringen und „于当社造仓窖贮之“, in der Gemeinde Gruben bauen; das Gemeindebüro führte die Bücher („执帐检校“), und in einem Hungerjahr speiste der Speicher die Armen der eigenen Gemeinde. 596 (Kaihuang, 16. Jahr, 596) folgte ein Erlass zur Staffelung: oberste Haushalte höchstens 1 shi, mittlere 7 dou, untere 4 dou. Das ist Sui-Recht, nicht Tang-Recht; und die Yicang ist ein Gemeindespeicher, kein staatlicher Speicher – beides ist nicht zu vermischen. In der Ära Daye kamen die Speicher Xingluo(兴洛) und Huiluo(回洛) hinzu. Am Ende der Sui stand in der östlichen Hauptstadt: „粮尽,布帛山积,乃以绢为汲绠,然布以爨“ – das Getreide war aufgebraucht, Seide und Stoff lagen wie Berge, Seide diente als Brunnenseil, Stoff als Brennmaterial. Die Speicher standen noch, das Getreide nicht.

Die Männer, die unterschrieben

Auf dem Ziegel stehen die Namen des Speicher-Schreibers Wang Liang(王亮), des Aufsehers Zhang Wei(张威) und sechs weiterer Beamter, insgesamt acht. Ein 仓史 führte die Schriftstücke, ein 监事 beaufsichtigte; dass acht Männer eine Grube gemeinschaftlich zeichneten, zeigt ein Signatursystem im Speicherwesen der Tang. Weiter reicht es nicht: Rang, Gehalt und Alltag dieser acht sind in den Materialien nicht enthalten; auch dazu, wer eine gefüllte Grube danach beaufsichtigte und in welchen Abständen sie geprüft wurde, gibt es keine Einzelheiten. Eine weitere Einschränkung: „始建于隋“, in der Sui-Zeit begründet, ist eine verbreitete volkstümliche Formel (auch der Bericht von CCTV verwendet sie), doch der erhaltene Bestand der Gruben und dieser Ziegel gehören in die Tang-Zeit und zu Wu Zhou, und Datierung wie räumlicher Umfang werden in der Archäologie weiter diskutiert – jene Materialien waren für diesen Durchgang nicht zugänglich, der Punkt bleibt mit „noch zu ergänzen“ markiert, ohne Urteil.

Wie weit die Zahlen tragen

Die Zahlen brauchen ihre Herkunft. Die 430 000 m², die über 300 Gruben, die 18 m weite Mündung, die 12 m Tiefe und die 50 % organische Substanz stammen aus dem Bericht von CCTV; auch die Aussage, im 8. Jahr der Ära Tianbao habe dieser Speicher fast die Hälfte des Getreides des Reiches gehalten, ist eine Formulierung dieses Berichts – die Zahlen, die Tongdian und Jiu Tang shu nennen, wurden für diesen Text nicht an den Originalquellen geprüft, deshalb steht die Aussage hier nur als „laut dem Bericht von CCTV“ und nicht als gesicherte Tatsache. Für die Zahl der Gruben gibt es außerdem die Angabe „über 400“ (四百余座); dieser Artikel verwendet nur „über 300“, die Zahl mit einer aufrufbaren Quelle. Der shi ist ein Hohlmaß und je nach Getreideart, Dynastie und Messgerät verschieden; er bleibt deshalb stehen und wird nicht in Tonnen umgerechnet. Und Sätze wie „der früheste“ oder „der fortschrittlichste Speicher der Welt“ stehen hier nicht – ein Ziegel trägt so etwas nicht.

Was der Ziegel rekonstruiert, ist eine Kette: Erhebung in den Präfekturen, Transport nach Norden auf dem Kanal, Einlagerung in eine Grube in Luoyang, acht Unterschriften, der Ziegel mit dem Getreide begraben. Er belegt, dass der Staat der Tang Ort, Herkunft, Menge und verantwortliche Beamte seines Getreides registrierte, und zwar genau genug, dass wir die Geschichte einer Grube nacherzählen können. Ebenso klar ist, was er nicht beantwortet: wie diese 13 000 shi die Grube schließlich verließen, wie viel dabei verloren ging und wohin das Getreide ging; was die abgabepflichtigen Haushalte in Jiangnan an Transportkosten und Frondienst dafür aufbrachten; und ob die acht Unterzeichner danach noch ihre Stellen hatten. Die Frage bleibt offen: Für die Einlagerung gibt es einen Beleg – wo ist der Beleg für die Auslagerung? Auch das Schweigen des Ziegels sagt etwas: Der Staat verzeichnete den Abschnitt, den er kontrollieren musste, und was diese Grube belegen sollte, war der Eingang.

Quellen und weitere Lektüre

  1. 魏征等《隋书》卷二十四·食货志(隋代仓场与义仓制度) — 开皇三年置黎阳、河阳、常平、广通四仓,「转相灌注」;十三州募运米丁;韦瓒募人洛阳运米四十石经砥柱免征戍;开皇五年长孙平奏立义仓,当社造仓窖、社司执帐;开皇十六年诏社仓分上中下三等税(一石/七斗/四斗);大业置兴洛、回洛仓;东都粮尽以绢为汲绠、然布以爨
  2. 央视网《「春种一粒粟,秋收万颗籽」》2024-09-13 — 含嘉仓南北710米、东西612米、遗址约43万平方米、已发现粮窖300余座;仓窖口径最大18米、最深12米;160号窖碳化粟仍存50%有机物;1970年驾鸡沟19号仓窖出土刻铭砖,藏洛阳隋唐大运河博物馆;「始建于隋」「天宝八年贮全国近一半粮食」均为该报道表述
  3. 光明网《「文物会说话」有声海报|一块砖,记录下仓廪有多「实」》2025-10-31 — 刻铭砖长宽各33厘米、阴刻10行110余字:含嘉仓东门从南第二十三行从西第五窖、苏州糙米、一万三千石、武则天通天二年征收圣历二年十一月八日入窖、仓史王亮与监事张威等八位职官;作为仓窖「入库凭证」;2014年随大运河列入世界遗产名录