Wer eine Warenliste vom Markt der Stadt Lin'an laut vor sich hin las, betrat eine Wohnung: Tisch (zhuo, 桌), Hocker (deng, 凳), kühles Bett (liangchuang, 凉床), Klappstuhl (jiaoyi, 交椅), niedriges Sitzchen (wuzi, 兀子), Seilbett (shengchuang, 绳床, eine Liege, deren Fläche aus Seilen geflochten war), Bambusstuhl (zhuyi, 竹椅), Kleiderständer (yijia, 衣架), Becken für das Gesicht (miantong, 面桶), xiangtong(项桶, ein Becken, dessen Zweck die Liste nicht nennt), Fußbecken (jiaotong, 脚桶), Badewanne (yutong, 浴桶), Nachttopf (mazi, 马子), Kissen (zitou, 枕头), Bohnensack (doudai, 豆袋), die „Bambusfrau“ (zhufuren, 竹夫人, eine hohle, aus Bambus geflochtene Rolle, die man in kühlen Sommernächten umarmte), ein Lehnenrahmen (lanjia, 懒架), Sommermatte aus Bambus (liangdian, 凉簟), Strohmatte (gaojian, 槁荐), Binsenmatte (puhe, 蒲合), Matte (xizi, 席子). Das war keine Beschreibung aus einem Roman, sondern das Warenverzeichnis „诸色杂货“ („Verschiedene Waren“) im dreizehnten Kapitel von Wu Zimu(吴自牧), Mengliang Lu(《梦粱录》, „Aufzeichnungen aus den Träumen von Liang“, juan 13, um 1270 entstanden): Was eine Stadt zu verkaufen hatte, wurde Posten für Posten abgeschrieben. Wie eine Wohnung der Song-Zeit aussah, sagte diese Liste genauer als jede Rede vom „Altertümlichen“.

Ein Zimmer, Posten für Posten

Nach Verwendung geordnet, zerfiel die Liste in mehrere Blöcke. Sitzen und Liegen: Tisch, Hocker, Klappstuhl, Sitzchen, Seilbett, kühles Bett, Bambusstuhl. Bettzeug und Unterlagen: Kissen, Bohnensack, Bambusfrau, Lehnenrahmen, Bambussommermatte, Strohmatte, Binsenmatte, Matte. Waschen und Notdurft: miantong, xiangtong, jiaotong, yutong, mazi, dazu ein tongjia(桶架, ein Gestell, in das die Eimer gestellt wurden)— und beim xiangtong nannte die Liste nur den Namen, sie sagte nichts über seinen Gebrauch. Aufhängen: roter Vorhang (honglian, 红帘), Vorhang aus geflecktem Bambus (banzhulian, 斑竹帘), Vorhanghaken (liangou, 帘钩). Kupfer und Eisen: Kupferkessel (tongdiao, 铜铫), Kupfertopf (tongguan, 铜罐), Bügeleisen (yundou, 熨斗), Feuerschaufel (huoqiao, 火锹), Feuerzangen (huozhu, 火箸, und huojia, 火夹 — zwei Namen für Zangen, mit denen man glühende Kohle greift), Schaumlöffel (loudou, 漏杓), kupfernes Handwärmebecken (tonghuolu, 铜火炉). Dazu Weihrauchbrenner (xianglu, 香炉), parfümierte Kohlekuchen (xiangbing, 香饼) und Kohlebriketts (tanji, 炭墼). Dann ging die Liste in die Küche und auf den Schreibtisch: Bambussieb (zhuzhaoli, 竹笊篱), Dampfaufsatz (zhenglong, 蒸笼), irdene Schüssel (shapen, 砂盆), Wasserbottich (shuigang, 水缸), schwarze Schüssel (wupen, 乌盆), dreibeiniger Topf (sanjiaoguan, 三脚罐), Steingutkrug (cibeng, 瓷甏), Dampfeinsatz (zengbi, 甑箄), Reiswaschkorb (shaoji, 筲箕); Porzellan in blassem Blaugrün und Weiß (qingbai ciqi, 青白瓷器), Schalen (ou, 瓯), Schüsseln (wan, 碗), Teller (die, 碟), Teeschalen (chazhan, 茶盏), ein Becken für Gemüse (caipen, 菜盆); Tuschestein (yanzi, 砚子), Pinsel (bi, 笔), Tusche (mo, 墨), Bücherregal (shujia, 书架), Papiermesser (caidao, 裁刀), Schere (shujian, 书翦), Rechnungsbuch (buzi, 簿子), Papier (lianzhi, 连纸); Kamm aus Holz (mushu, 木梳), Feinkamm (bizi, 篦子), Bürste (shuazi, 刷子), Zahnbürste (shuayazi, 刷牙子), Nadel und Faden (zhenxian, 针线). Ein Zimmer brauchte eben weit mehr als ein paar Möbelstücke. In derselben Liste standen außerdem Waren für Garküchen und Weinhäuser, unter dem Stichwort „酒市急须“, den eiligen Bedürfnissen des Weinmarkts: mayu(马盂, ein Weinbecher), quzhi(屈卮, ein Becher mit gebogenem Griff), zidou(滓斗, ein Töpfchen für den Trub)und zhuping(箸瓶, ein Ständer für Essstäbchen). Darin liegt der Unterschied zu einem Nachlassverzeichnis: Die Liste hält fest, was auf dem Markt zu haben war, nicht, wer was gekauft hat. Sie war ein Katalog des Angebots, keine Inventur eines Haushalts. Man sollte das im Kopf behalten; es kommt später noch einmal zur Sprache.

Bett, Matten und die „Bambusfrau“

An den Schlafstücken zeigte sich am deutlichsten, wie ein Sommer im Süden ablief. Es gab ein „kühles Bett“, ein „Seilbett“ (shengchuang, dessen Liegefläche aus Seilen geflochten war), und aufs Bett kam die „kühle Matte“ (liangdian), eine Bambusmatte; gaojian, puhe und xizi waren Unterlagen aus Stroh, Binsen und Bambus. Neben dem Kissen lag die „Bambusfrau“ — eine hohle, aus Bambus geflochtene Rolle, die man in der Hitze umarmte, um Kühlung zu finden. Der Lehnenrahmen lanjia war wohl ein Gestell zum Zurücklehnen; seine genaue Form ist ungewiss, deshalb steht hier nur der Name, und keine Zeichnung ersetzt ihn. Das Material ließ sich meist am Namen ablesen: Bambusstuhl, Bambusfrau und Bambusmatte sind Bambus, das Seilbett ist Seil, die Binsenmatte Binsen — ein Haus aus Bambus, Holz, Flechtwerk und Gras, nicht aus Rosenholz. Auch die Möbel standen niedrig: Tisch, Hocker, Sitzchen und Klappstuhl gehören alle zu einer Ordnung des Sitzens auf dem Boden. Vorhänge und Vorhanghaken auf derselben Liste zeigten, dass ein Zimmer nicht nur eingerichtet, sondern auch geteilt und abgeschirmt wurde.

Feuer für den Winter

Auch die Heizgeräte standen auf der Liste: kupfernes Handwärmebecken (tonghuolu), Feuerschaufel (huoqiao), Feuerzange (huozhu), Feuerstäbe (huojia) und ein Bügeleisen (yundou) — alles Gerät, das mit Feuer umgeht. Dieselbe Liste führte xiangbing tanji(香饼炭墼), parfümierte Kohlekuchen und Briketts. Für Kaifeng, etwas früher, notierte das dritte Kapitel, juan 3, des Dongjing Menghua Lu(《东京梦华录》, „Aufzeichnungen vom Traum der Blüte der östlichen Hauptstadt“)von Meng Yuanlao(孟元老)im Abschnitt „诸色杂卖“: Es gab Leute, die „供香饼子、炭团“ — Weihrauchkuchen und Kohlebälle lieferten; und „夏月则有洗毡淘井者“, im Sommer kamen die Filzwäscher und Brunnenräumer, mit der Jahreszeit wechselte das Angebot. Wie ein Haushalt der Song-Zeit seine Kohle in ein Becken legte und wie ein Handwärmer benutzt wurde, dazu gaben die Materialien nur die Gerätenamen und keine Gebrauchsanweisung; was die Kohle kostete und wie viel ein Winter davon verbrauchte, dazu sagte keines der beiden Bücher ein Wort.

Die Menschen, die ins Haus kamen

Hinter der Liste lag eine zweite Schicht: Was kaputt war, wurde repariert; wo Wasser fehlte, wurde es geliefert. Das Mengliang Lu sagte: „供人家食用水者,各有主顾供之“ — wer die Haushalte mit Wasser versorgte, hatte seine festen Kunden, an die er lieferte; „每日扫街盘垃圾者,每支钱犒之“ — wer täglich die Straße kehrte und den Abfall sammelte, bekam einige Münzen dafür. In den Gassen gab es ständig Leute, die Lack ausbesserten und Altes reparierten, Männer mit der großen Axt, die Brennholz spalteten, Fächerflicker, Zinngießer (打镴器), Ofensetzer, Männer für undichte Gefäße (提漏), Küfer, die Eimer banden, Nieter, die Töpfe und Kessel flickten, Schuhmacher, die Schuhe und Mützen (幞头) instand setzten, und Leute, die Spiegel polierten — „时时有盘街者,便可唤之“: sie liefen jederzeit durch die Straßen, man musste sie nur rufen. Dazu kamen die „供香印盘者“: „各管定铺席人家,每日印香而去,遇月支请香钱而已“ — jeder betreute feste Ladenhaushalte, ging täglich hin und stempelte den Weihrauch, und einmal im Monat wurde das Weihrauchgeld (xiangqian, 香钱) ausgezahlt. Diese Handwerke hatten ihre zuofen(作分, Werkstattgilden): nianyu zuo(碾玉作, Jadeschleiferei), muzuo(木作, Holzarbeit), zhuanwazuo(砖瓦作, Ziegel und Dachplatten), nishuizuo(泥水作, Maurer- und Verputzarbeit), shizuo(石作, Steinmetzarbeit), zhuzuo(竹作, Bambusarbeit), qizuo(漆作, Lackarbeit), dingjiaozuo(钉铰作, Nieter und Beschläge), gutongzuo(箍桶作, Böttcherei), caifengzuo(裁缝作, Schneiderei)und ein xiuxiang jiaozhuzuo(修香浇烛作, Werkstatt für Weihrauch und gegossene Kerzen). Das Haus selbst steckte darin: Maurer, Ziegel, Stein, Holz, Bambus — lauter Gewerbe, die Häuser bauten und ausbesserten. Dasselbe Kapitel zählte Reihen und Märkte auf: Gemüsereihe, Fischreihe, Krabbenreihe, Ingwerreihe, Wasserkastanienreihe, Schweinereihe, Tuchreihe, Hühner- und Gänsereihe; dazu der Arzneimarkt an der Kohlenbrücke (炭桥), der Blumenmarkt in der Guanxiang-Gasse (官巷), der Perlenmarkt, der Fleischmarkt, der Reisemarkt. Wer ein Bad betrieb, gehörte zur xiangshui hang(香水行, „Reihe des Parfümdufts“ — so hießen die Badehäuser). In Kaifeng war es nicht anders: Das Dongjing Menghua Lu nannte „箍桶、修整动使、掌鞋“ — Eimerbinder, Reparateure von Gerät, Schuhflicker — und „其供人家打水者,各有地分坊巷“, auch die Wasserträger hatten ihre festen Gassen und Bezirke. Noch alltäglicher wurde es beim Vieh im Haus: „若养马,则有两人日供切草;养犬则供餳糟;养猫则供猫食并小鱼“ — wer ein Pferd hielt, dem brachten zwei Leute täglich geschnittenes Gras; für den Hund gab es Malzschlempe (餳糟), für die Katze Katzenfutter und kleine Fische. Vieles am Leben eines städtischen Haushalts erledigte man nicht selbst, man musste nur jemanden rufen können.

Was die Liste nicht verrät

Die Grenzen müssen klar benannt werden. Erstens: Das war ein Marktkatalog, keine Haushaltsrechnung. Er zeigte, was in Lin'an zu kaufen war, nicht, was einer Familie gehörte; der Unterschied zwischen einem armen und einem reichen Haus war auf dieser Liste nicht zu sehen. Zweitens: Es standen nirgends Preise darauf — was eine Bambusmatte, ein kupfernes Handwärmebecken oder das Weihrauchgeld eines Monats kostete, stand in keinem der Texte, und hier wird nichts geschätzt. Drittens: Es gab keine Maße, keine Methoden, keine Anordnungen. Wie groß ein Zimmer war, wo das Bett stand, wie ein Vorhang hing — dafür braucht es anderes Material. Viertens: Das war eine Liste aus dem Lin'an der Südlichen Song-Zeit, mit einem Beleg aus dem Kaifeng der Nördlichen Song daneben; daraus wurde nicht „so war es in allen Häusern der Song-Zeit“. Eine Lücke sei offen gesagt: die Beleuchtung — Lampen, Kerzen, Lampenöl, wie sie gekauft und wie sie gebrannt wurden — dazu gab es keine systematische Überlieferung, und hier wird nichts ergänzt. Es bleibt die sehr praktische Frage, was es kostete, alles auf dieser Liste zusammenzukaufen. Niemand hat diese Rechnung aufgeschrieben. Doch eines machte die Liste sichtbar: Ein solches Zimmer war aus vielen kleinen Käufen zusammengewachsen — Bett, Matte, Topf, Eimer, Becken, Vorhang, Stück für Stück ergänzt, nicht als ganzer Hausrat vererbt.

Quellen und weitere Lektüre

  1. 吴自牧《梦粱录》卷十三·诸色杂货(南宋临安,成书约1270年代) — 「家生动事」货单:桌、凳、凉床、交椅、兀子、绳床、竹椅、衣架、面桶、项桶、脚桶、浴桶、马子、枕头、豆袋、竹夫人、懒架、凉簟、槁荐、蒲合、席子;铜铁器(铜铫、熨斗、火锹、火箸、火夹、铜火炉、帘钩);香饼炭墼;上门服务(供食用水各有主顾、扫街盘垃圾支钱、箍桶、钉铰、修锅铫、磨镜、供香印盘月支香钱);另有行名、铺席名目。同一卷还载团行、都市钱会、铺席等,本文只用「诸色杂货」一条
  2. 孟元老《东京梦华录》卷三·诸色杂卖(北宋开封,南渡后追忆) — 「若养马,则有两人日供切草;养犬则供餳糟;养猫则供猫食并小鱼」「箍桶、修整动使、掌鞋」「日供打香印者…时节即印施佛像」「其供人家打水者,各有地分坊巷」「供香饼子、炭团」「夏月则有洗毡淘井者」