Unter dem Boden des Palastviertels von Zhengzhou(郑州商城)lief das Wasser in einem überdeckten steinernen Kanal. Die Ausgräber legten dort ein Becken frei, von Ost nach West etwa 100 Meter lang und von Nord nach Süd 20 Meter breit; sein Boden war mit flachen Platten ausgelegt, damit nichts versickerte; an seiner Südseite führte ein steinerner Kanal von etwa 40 Metern Länge ab, und vier Brunnen öffneten sich von oben in ihn. Wie tief die Brunnen waren, wie groß ihre Münder, wie ihre Kränze gebaut waren – der Bericht sagt darüber kein Wort. Was er hergibt, ist die Anordnung: ein Becken, ein Kanal, Brunnen über dem Kanal, alles miteinander verbunden. Um diese Anordnung geht es hier, nicht darum, wie fortschrittlich sie war.

Becken, Kanal, Brunnen

Eine Forschungsübersicht, die die Grabungsvorberichte zitiert, verzeichnet dieselbe Anlage von der anderen Seite her: Die erhaltene Länge des Kanals gebe sie mit „mehr als 30 Metern“ an; er habe in einem Graben gelegen, der oben 11 Meter, unten 3 Meter breit und etwa 4 Meter tief war; der steinerne Kanal selbst sei nahezu quadratisch gewesen, etwa 1,5 Meter breit und 1,5 Meter hoch; und alle 8 Meter habe ein Schacht von oben zu ihm hinabgeführt. Die Abdeckung bestand aus Steinplatten, darüber mehr als 3 Meter Stampflehm. Die Angaben zur Länge weichen voneinander ab – rund 40 Meter gegen mehr als 30 –, und keine von beiden ist ein Mittelwert, der zu korrigieren wäre. Auch bei den Brunnen weichen sie ab: Der Bericht zählt vier, die Übersicht nennt einen Schacht alle 8 Meter. Eine Anzahl und ein Abstand sind nicht dieselbe Art von Zahl; beide bleiben stehen, nebeneinander.

Was das Material nicht enthält, ist so klar wie das, was es enthält. Keine Brunnentiefe, kein Brunnenmund, kein Brunnenkranz; keine Zahl dazu, wie viel Wasser das Becken fasste. In derselben Stadt kam Tonrohr für die Entwässerung vor, 23 Zentimeter erhalten, 13,5 Zentimeter im Durchmesser und 0,6 bis 0,8 Zentimeter dick; doch das ist Entwässerungszubehör, nicht dieser Kanal, und es bekommt einen Satz. Forscher deuteten Becken, Kanal und Brunnen zusammen als eine Anlage der Wasserversorgung – gestützt darauf, wie die Teile zueinander liegen. Das ist eine Schlussfolgerung aus dem Grundriss, und sie wird hier als solche geschrieben.

Achthundert Meter Stein in Yanshi

Östlich davon, in Yanshi(偃师商城), ist der Kanal länger und besser dokumentiert. Ein steinerner Kanal läuft mehr als 800 Meter weit: Er unterquert das Westtor der großen Stadt, biegt zweimal im rechten Winkel ab, um in die Palaststadt zu gelangen, trifft dort auf ein großes Becken, biegt erneut ab, verlässt die Stadt durch das Osttor und stößt an beiden Enden auf den Stadtgraben – die beiden Enden eines Systems, das denselben Wasserring berührt. Aus den gemessenen Höhen schließt ein Forscher, dass der westliche Strang Wasser zuführte und der östliche es ableitete. Das Argument stützt sich auf Höhen, nicht auf einen Text, und wird hier als Schlussfolgerung wiedergegeben.

Der westliche Kanal wurde auf 54 Metern Länge in der Palaststadt freigelegt; er war etwa 1,6 Meter breit. Die Erbauer hoben einen Graben von etwa 3 Metern Breite und 1 Meter Tiefe aus, glichen die Sohle mit rotbrauner Erde aus, setzten Pfosten, legten flache Steine und mauerten die Steinwände auf. Auf diesen 54 Metern weichen die Platten um weniger als 10 Zentimeter von der Waagerechten ab – mit dem Nivelliergerät gemessen, nicht nach Augenmaß. Später wurde der Kanal verengt, indem seine Wände verstärkt wurden; es blieb eine lichte Breite von etwa 50 Zentimetern. Wo er die Palastmauer der zweiten Periode unterquerte, war er zweistöckig gebaut: die obere Etage 20 bis 30 Zentimeter hoch, die untere etwa 30 – Wasser kam hindurch, ein Mensch nicht.

Der Ostkanal, ein Gefälle und zwei kleine Details

Der östliche Kanal ist der kleinere von beiden: etwa 32 Meter sind in der Palaststadt freigelegt, und nach dem Umbau maß der Graben oben 2,5 bis 3 Meter, unten 1,5 bis 1,7 Meter und war etwa 1,2 Meter tief, der Kanal selbst 0,35 bis 0,38 Meter breit und 0,5 bis 0,6 Meter hoch. Er ist zugleich die einzige Stelle in diesem Material, an der ein Gefälle genannt wird: „Eine Berechnung ergibt für den Ostkanal ein Gefälle von sechs Promille.“ Der Wert lässt sich nicht zu einer Regel für Shang-Kanäle ausweiten, und er stammt nicht aus einer eigenen Messung der Ausgräber; der Text sagt, jemand habe ihn errechnet.

Zwei Einzelheiten stehen abseits der Hauptlinie. An der Innenseite der Stadtmauer von Yanshi, an der Böschung aus Stampflehm, fand sich eine Straße, zwischen ihr und der Mauer ein Graben, dessen Sohle mit einer harten Schlickschicht ausgekleidet war; die Ausgräber halten ihn für die Entwässerung der Straße. Und unter dem Straßenbelag einer Torzufahrt lag eine Abwasserleitung mit steinernen Wänden, mit Holzbrettern abgedeckt; ihre Bodenplatten überlappten einander, innen höher, außen tiefer, wie Schuppen. Kleine Dinge, doch derselbe Brauch wie bei der ebenen Sohle: Dem Wasser war eine Bahn gegeben, der es folgen sollte.

Wo das Wasser endet

In Yanshi liegt der Nordgraben der großen Stadt 12 Meter von der Mauer entfernt, an der Oberkante etwa 20 Meter breit und 6 Meter tief, außen steiler als innen, mit 2 Metern shangzeitlichem Schlick auf der Sohle. In Zhengzhou liegt der Stadtgraben vor der Südmauer der Außenstadt 10 Meter von der Mauer entfernt: 24 Meter breit an der Oberkante, 12 Meter auf der Sohle, an der tiefsten Stelle 7 Meter unter dem heutigen Gelände. Vor der Westmauer ist er 23 bis 25 Meter breit und „7 Meter tief, ohne den Grund zu erreichen“. Der Bericht von 2023 nennt für dieselbe Außenstadt einen Graben von „mehr als 40 Metern Breite“. Beide Zahlen stehen; das Material sagt nirgends, ob sie verschiedene Abschnitte meinen.

Im Palastviertel von Zhengzhou gibt es zudem an der Nordwestecke einen großen Graben: mehr als 80 Meter von ihm sind bekannt, oben 6,5 Meter breit, unten 2,5 bis 3,5 Meter; manche Forscher halten ihn für einen Schutzgraben an der Nordseite des Palasts. In dem Graben vor der Südmauer ist der shangzeitliche Schlick 0,6 bis 4,3 Meter mächtig – Ablagerung ist die Aufzeichnung davon, dass dort Wasser stand oder floss. Ein Graben, der Menschen fernhält, und einer, der Wasser fortführt, sind ein und derselbe Graben mit zwei Aufgaben; wie viel auf die eine und wie viel auf die andere entfällt, sagt das Material nicht.

Was die Grabungssaison 2023 hinzufügte

Die neueren Arbeiten schließen den Kreis. Mehrere shangzeitliche Gräben wurden auf insgesamt etwa 540 Metern freigelegt, oben weit und unten schmal, der breiteste etwa 12 Meter, der tiefste etwa 4 Meter. Das ist eine freigelegte Länge, nicht die Länge des gesamten Wassernetzes der Stadt. Ein Graben entstand, indem ein natürlicher Wasserlauf nachbearbeitet wurde, zwei wurden von Hand ausgehoben. Im Tanwan-Graben(塔湾)fand sich eine Steinmauer von 13 Metern Länge und 1,7 Metern Höhe, die nur an der Südwand und auf der Sohle errichtet war; der Bericht deutet sie als Sperre gegen Wasser, das von Norden herabströmte. Und auf dem Wall der Außenstadt fand sich ein Durchlass, der Wasser in die Stadt führte, mit angeschlossenen Gräben; hinaus lief das Wasser durch das Osttor.

So lässt sich das System in eine Richtung lesen: Das Wasser tritt durch einen Durchlass im Wall der Außenstadt ein, wird in einem Becken gehalten, läuft unter dem Palastboden durch einen steinernen Kanal mit Brunnen darüber, wird von einem zweiten Kanal hinausgeführt, und die Stadtgräben fangen es auf. Sagen lässt sich, was gemessen und örtlich begrenzt ist: 54 Meter, die auf 10 Zentimeter genau in der Waage liegen, ein Schacht alle 8 Meter, ein Gefälle von sechs Promille in einer Berechnung. Was sich nicht sagen lässt, ist ebenfalls nur örtlich: keine Brunnentiefen, keine Brunnenmünder, keine Kränze, keine Wassermengen, kein Arbeitsaufwand, keine Kosten, keine Gesamtlänge des Netzes. Das Material ist eine Forschungsübersicht, die Vorberichte zitiert, dazu die archäologische Berichterstattung einer Grabungssaison; beides ist nicht der Grabungsbericht – deshalb muss hier nirgends das Wort „frühestes“ fallen.

Quellen und weitere Lektüre

  1. 张兴照〈商代邑聚输排水综考〉,中国社会科学院历史研究所网站,2016(研究综述,转引各家发掘简报) — Research survey, not an excavation report: it quotes the excavation briefs. Yanshi: a stone-lined conduit over 800 m long running from the west gate through the palace city to the east gate and the moat; the west channel's palace section 54 m long and 1.6 m wide, with less than 10 cm of level error over 54 m, narrowed to about 50 cm after rebuilding, and doubled into two stacked levels where it passed the palace wall; the east channel 32 m long, 0.35-0.38 m wide and 0.5-0.6 m high after rebuilding, its gradient given as 6 per thousand by one calculation. Zhengzhou: the palace water works had a channel trench 11 m wide at the top, 3 m at the bottom and about 4 m deep, a stone-lined conduit about 1.5 by 1.5 m, and shafts every 8 m connecting down to it. Also the moat sections, the ditch inside the wall, the drain under the gate road, and the large ditch at the palace quarter's north-west corner.
  2. 河南日报〈郑州商城遗址供排水系统「拼图」日趋完善〉2023-09-15(河南省文化和旅游手机报转载;考古报道,非发掘报告) — Archaeological reporting, not a brief: the inner city wall is 6,960 m in circuit and up to about 9 m high with 11 possible gate gaps; the outer moat is over 40 m wide; newly found Shang channels exposed for about 540 m, up to 12 m wide and 4 m deep; a 13 m by 1.7 m stone wall in the Tanwan channel; the palace reservoir about 100 by 20 m with a stone-lined channel about 40 m long and four wells connected to it; water entered through a passage in the outer wall and left through the east gate.